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TEDx Vortrag zu Working Out Loud

Am 9. April hat John Stepper, verantwortlich für das Social Intranet der Deutschen Bank und Autor von Working Out Loud, im Rahmen von TEDxNavesink einen Vortrag zu Working Out Loud gehalten. Nachdem es eine Weile ein Bootleg-Video auf YouTube gab, ist jetzt endlich die offizielle Fassung veröffentlicht:

Working Out Loud – Methode mit Potential

Im ständigen Gewitter von Marketingbregriffen und Schlagworten sind selten Ansätze mit echtem Potential für das Wissensmanagement dabei. Doch manchmal gibt es Ausnahmen. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind aus meiner Sicht Barcamps, Flipped Classroom, Podcast, MOOCs, Design Thinking und auch Working Out Loud (#WOL).

Vor kurzem hatte sich auf Basis des Ansatzes von John Stepper (Deutsche Bank, USA) eine deutschsprachige Community formiert. Um erste Erfahrungen mit der Methode zu sammeln, gingen aus dieser Community drei “Working Out Loud Circle” hervor, die den Ansatz im Selbstversuch erproben. Ich bin einer der drei “Circle Facilitators” und mein Circle #3 mit Babs Koch, Harald Schirmer, Thomas Olsen und Tim Miksa ist vergangenen Freitag gestartet.

  
Über die inhaltlichen Gespräche aus dem Circle kann ich natürlich nicht sprechen, denn im Circle herrscht strenge Vertraulichkeit. Aber ich teile gerne erste Erfahrungen zum Ablauf:

  • Persönliches Wissensmanagement – WOL beginnt nicht mit der Nutzung von Technik. WOL beginnt mit dem eigenen Ziel und dem Netzwerk das zum Erreichen dieses Ziels notwendig ist. Daran gefällt mir der strategische Ansatz des persönlichen Wissensmanagements, der auf Geben und Nehmen im Netzwerk basiert.
  • Open Educational Resource – Der Ansatz der WOL Circle mit fünf Teilnehmern und einem Facilitator, die über 12 Wochen zusammenarbeiten ist sehr gut geeignet, um Verhalten zu ändern und zu stabilisieren. Die Gruppe trifft sich jede Woche für eine Stunde mit vorgegebener Agenda. Dieser Ablauf ist in Form der WOL Circle Guides frei verfügbar.
  • Virtuelles Meeting – gemäß Anleitung sollten die Circle Meetings persönlich stattfinden. Das ist in unserer Gruppe aber nicht möglich. Wir haben unser erstes Treffen daher über Google Hangout (s.o.) gemacht, was sehr gut funktioniert hat. Die Circle-Mitglieder kannten sich allerdings alle vorher, was sicherlich hilfreich ist.
  • Enterprise 2.0 – bei WOL denken viele direkt an Internet und Twitter. Denkt man an McAfees Enterprise-2.0-Defintion “Einsatz sozialer Medien im Unternehmen und zwischen Unternehmen, Partner und Kunden” so eignet sich WOL auch für den internen Einsatz z.B. in Enterprise Social Networks (ESN). Über interne WOL-Circle kann die Methode verbreitet und MitarbeiterInnen bereichs-, funktions- und standortübergreifend vernetzt werden.

Da es sich bei WOL um eine Methode des informellen Lernens handelt, werde ich auf dem Corporate Learning Camp (9.-10.10.2015) eine Session dazu vorschlagen. Bis dahin liegen die Erfahrungen aus allen drei Circles der deutschsprachigen Community vor.

Working Out Loud – 1. Treffen in Frankfurt am Main

Heute fand in Frankfurt am Main das erste Treffen der deutschsprachigen Working-Out-Loud-Szene statt. Raumsponsor ist die deusche Bank, die Organisation hat der Initiator der Webseite workingoutloud.de Jochen Adler übernommen. Der Begriff “Working Out Loud” (WOL) wurde von John Stepper (@johnstepper) geprägt, dessen Buch zum Thema in Kürze erscheint.

  
Der Untertitel “for a better carrer and life” der Webseite workingoutloud.com deutet an, dass es bei der Idee im Kern nicht um Altruismus, sondern um einen zentralen Erfolgsfaktor für Wissensarbeit im 21. Jahrhundert geht. Der Begriff WOL wurde urspünglich von Bryce Williams geprägt:

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

John hat für sich mittlerweile eine breitere Definition erstellt. Wenn er gefragt wird, sagt er:

Working Out Loud starts with making your work visible in such a way that it might help others. When you do that – when you work in a more open, connected way – you can build a purposeful network that makes you more effective and provides access to more opportunities.

Für den einzelnen Wissensarbeiter liegt der Nutzen also darin, das eigenen Netzwerk und den Möglichkeitenraum zu erweitern. Für alle anderen stiftet der veröffentlichte Inhalt möglicherweise zusätzlichen Nutzen. Der effekt ist also ähnlich wie beim Social Bookmarking, man speichert die Links im Netz statt im Browser, um überall und von allen Endgeräten darauf zugreifen zu können. Durch die öffentliche Verfügbarkeit der Links können andere quasi als “Abfallprodukt” profitieren.

Aus der Definition leitet John Stepper die fünf Elemente des WOL ab:

  1. Making your work visible – das kann beispielsweise durch Blogs, Microblogs und e-Portfolios geschehen
  2. Making work better – durch die Sichtbarkeit werden Feedback und Hilfestellung durch andere ermöglicht
  3. Leading with generosity – durch die authentische Beiträge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere sich engagieren
  4. Building a social network – im Lauf der Zeit wächst das eigene Netzwerk und darin die Wahrscheinlich, sich gegenseitig zu helfen
  5. Making it all purposefull – WOL sollte man nicht “einfach so”, sondern mit einem klaren eigenen Ziel

Für die Verbreitung im deutschen Sprachraum wäre sicher auch eine Übersetzung von “working out loud” hilfreich. Harald Schirmer hat in seinem Blog “Über die Schulter blicken” vorgeschlagen. Aus zwei Gründen gefällt mir das noch nicht so richtig. Zum einen, weil es sich im Deutschen nicht nach einem Namen für eine Methode anfühlt und ich mir schwer vorstellen kann, dass es in den allgemeinen Sprachgebraucht übergeht (=ein Mem wird). Außerdem ist bei “Über die Schulter schauen” der aktive und der passive Teil vertauscht. Während bei WOL der Arbeitende aktiv ist, ist es beim über die Schulter schauen der Beobachtende und das bedeutet eine andere Art von Veränderungsprozess (z.B. Not-Invented-Here-Syndrom abbauen). 

In der Psychologie gibt es die Methode “Lautes Denken” um kognitive Prozesses der Beobachtung zugänglich zu machen. Vielleicht wären “Laut Arbeiten”, “Laut Arbeiten Digital” oder “Laut Arbeiten 2.0” Kandidaten? Bin gespannt auf die Ideen der anderen heute.

Meine Notizen habe ich in Form einer Mind Map geführt. Hier ein Auszug daraus:

  

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