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Am Wochenende fand mit der Subscribe 9 die halbjährliche Podcasting-Konferenz mit Barcamp beim Bayerischen Rundfunk in München statt. Das Programm der zweieinhalb Tage war wieder dicht gepackt mit Vorträgen und Workshops und dank des Video Operation Center des Chaos Computer Club (@c3voc) gibt es alle Vorträge auch online zum nachsehen.

In seiner Keynote am Freitag hat Tim (@timpritlove) schön beschrieben, warum wir uns aktuell in der dritten Welle des Podcasting befinden. Die erste Welle begann 2005, als Apple Podcasts zusammen mit dem iPod (daher auch der Name PODcast) in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt hat. Die zweite Welle hat Tim im Zeitraum 2008-2011 verankert. Sie ist gekennzeichnet durch die Verbreitung von Smartphones, die Verfügbarkeit von schnellem Internet auf Smartphones und die Trennung der Medien Audio und Video (Stichwort YouTube). Die dritte Welle startete dann 2016/2017. In ihr wird der Nutzen des Mediums Podcast erst so richtig erkannt, es gibt sichtbare Leuchtturm-Projekte (Serial Podcast) und ein tieferes Verständnis für das Medium Podcast entsteht. Dazu gehören nach Tim insbesondere die Faktoren Persönlichkeit, Communities, Kommentar-Kultur sowie die Tatsache, dass Podcast das am besten parallel zu nutzende Medium ist (beim Bügeln, Kochen, Spazieren, Reisen, Pendeln).

Der zweite Vortrag von Sven (@graphorama) hatte den Titel Influencer A - Anstecken am Social Web. Darin zog er die Parallele zwischen Podcaster*innen und anderen Content Creators wie z.B. YouTuber und Instagrammer. Seine provokante These: Wir sind gar keine Podcaster*innen, wir sind Audio Creators. Und als solche dürfen wir nicht nur in unserem Medium, sondern müssen auch transmedial denken. Andere Medien wie YouTube und Instagram sollten wir in die Verbreitung unserer inhaltlichen Botschaften und die Erreichung unserer Zielgruppe einbeziehen. Wie an vielen anderen Stellen der Subscribe 9 war auch ihm das Digitale Storytelling über verschiedene Medien hinweg sehr wichtig (s.a. Transmediales Erzählen).

Die Subscribe war ursprünglich der Treffpunkt einer Community von Leuten, die privat oder im Kontext kleiner Unternehmen Podcasts erstellen und veröffentlichen. Doch seit einigen Jahren kommen immer mehr Akteure aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie beispielsweise dem Deutschlandfunk oder dem Bayerischen Rundfunk zu der Veranstaltung. Interessant fand ich den Vortrag BR Podcasts - Hinter den Kulissen, in dem Christoph und Eric mal die Geschichte des Relaunch der BR-Podcast-Webseite erzählen (geplant für Ende 2017). Eine ähnliche Überarbeitung werden in den kommenden Jahren sicherlich auch die bestehenden "Medienportale" in Unternehmen erfahren.

Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheinen sich auch Verlage zunehmend mit dem Medium Podcast zu beschäftigen. Bekannte Beispiele sind der Spiegel (Spiegel Online Podcasts), Zeit (Zeit Online Podcasts), die c't (c't Uplink), t3n (Filterblase) und der Harvard Business Review (HBR IdeaCast). Luca Caracciolo erklärt in seinem Vortrag Community, Brand, Persönlichkeit - Warum t3n Podcasts macht sehr schön, wie der Verlag Podcasts als auditive Erweiterung des Print-Magazins versteht. Schönes Zitat im Vortrag auch die Aussage des Chefredakteurs der Rheinischen Post, der Audio als Text der mobilen Generation bezeichnet.

Ich denke in den kommenden Jahren werden wir in Unternehmen ähnliche Tendenzen der Nutzung von Podcasts zur Verbreitung von Wissen sehen. Zwei wichtige Handlungsfelder sind in meinen Augen die Unternehmenskommunikation (z.B. Kampagnen, Podcasts zu erklärungsbedürftigen Strategie-Themen wie Digitalisierung) und die Weiterbildung (Flipped-Classroom-Ansätze, Mitarbeiter-schulen-Mitarbeiter, Lessons-Learned-Podcasts). Zum Einsatz von Podcasts in Lehr- und Lernprozessen empfehle ich auch den Vortrag Mehr als nur Hören - Podcasts in Schule und Unterricht von Lothar.

Auch der Ansatz, Working Out Loud nicht nur über interne Tweets in Kurzform, sondern über Podcasts in Langform zu praktizieren, ist ein vielversprechender Ansatz. Die Verbreitung von Smartphones in Unternehmen wird immer besser (siehe z.B. Smartphone-Initiative von dm) und im Gegensatz zu Video ist für die Mitarbeiter der Einarbeitungs- und Produktionsaufwand viel geringer. Ich habe beispielsweise im Siemens Learning Campus letztes Jahr mal einen eintägigen Workshop mit dem Titel "Podcast Lab" gehalten. Die Teilnehmer*innen sahen sich nach diesem einen Tag schon in die Lage versetzt, ihre eigenen Podcasts in Lernkontexten zu verwenden. Im Online-Forum Sendegate gibt es einen Beitrag zu Corporate Podcasting, wer sich für das Thema interessiert, kann sich dort gerne einklinken.

Also: Podcast Out Loud!

Update 04.11.2017: auf Basis der Kommentare unten habe ich am Ende des Blogs eine Methodenliste kuratiert, die ich später noch in einer kleinen Umfrage bewerten lassen und dann zur ersten Version der Top 20 LernOS Apps verwenden möchte.

Ich bin aktuell in einem Working Out Loud Circle und meine Hausaufgabe aus Woche 9 ist, ein Blogbeitrag im Format Listicle zu verfassen und darin einige wertvolle Ressourcen zu listen. Da mein WOL-Ziel mit dem Aufbau eines Methodenpools in einem internen Wiki zu tun hat, stelle ich im folgenden kurz meine Top-5-Methoden für Wissensarbeiter*innen vor und verlinke meine wichtigsten Quellen dazu:

 

  1. Getting Things Done: Getting Things Done (GTD) ist eine Methode zur Selbstorganisation von Wissenarbeiter*innen. Sie geht davon aus, dass der Arbeitsalltag durch "Stuff" gestört wird, der intelligent organisiert werden will. Im Getting Things Done Podcast spricht Erfinder David Allen über viele Details.
  2. Memex: die Idee des Memex stammt von Vannevar Bush aus dem Jahr 1945. Es handelt sich um die Idee eines "Memory Extender", der Daten und Inhalte speichert und abrufbar bereithält. Früher habe ich ein persönliches Wiki auf Basis von TiddlyWiki als Memex verwendet, heute spielt diese Rolle OneNote.
  3. Community of Practice: Eine Community of Practice (CoP) ist nach Etienne Wenger eine Gruppe von Personen mit einem gemeinsamen Interesse, die durch regelmäßige Interaktion voneinander lernt. Wenger stellt mit dem Artikel CoP - A Brief Introduction und dem CoP Quick Start-up Guide einen guten Einstieg zur Verfügung.
  4. Wissenslandkarte: eine Wissenslandkarte ist eine graphische Darstellung von Wissensgebieten und deren Zusammenhängen. Am einfachsten kann man Wissenslandkarten in hierarchischer Form mit einer Mind-Mapping-Software wie MindManager, XMind oder Freemind erstellen.
  5. Working Out Loud: mit Working Out Loud kann man sich sein eigenes Netzwerk strategisch so aufbauen, dass man die eigenen Ziele besser erreicht, als alleine (wer alleine arbeitet addiert, wer gemeinsam arbeitet multipliziert). Die Anleitung in Form der WOL Circle Guides sind frei verfügbar.

Was sind die Top 5 in Eurer Werkzeugkiste? Schreibt sie einfach unten in die Kommentare! Gerne auch nur als kurze Liste ohne große Erläuterung.


Kuratierte Methodenliste (siehe Update oben):

  1. Barcamp
  2. Brainstorming
  3. Brainwriting
  4. Community of Interest
  5. Community of Practice
  6. Dateisystem
  7. Enterprise Social Network (intern)
  8. Fragetechnik
  9. Getting Things Done
  10. Meetup
  11. Memex (OneNote)
  12. Microblog (Twitter)
  13. Mind Map
  14. Podcast
  15. Seek > Sense > Share
  16. SMART (Zielmanagement)
  17. Social Bookmarks (pinboard.in)
  18. Soziales Netzwerk (extern)
  19. Tagging
  20. Texteditor/-verarbeitung (Etherpad, Word, OpenOffice)
  21. Weblog
  22. Wissenslandkarte
  23. Working Out Loud
  24. World Cafe

Die Robert Bosch GmbH gehört zu den Unternehmen, die vergleichsweise lange im Bereich Enterprise 2.0 aktiv sind. In einer Präsentation des technischen Projektleiters Dr. Erik Wüstners heißt wird beschrieben, dass Bosch sich im Jahr 2011 für die Plattform IBM Connections entschieden hat. In 2012 wurde dann eine Plattform mit dem Namen Bosch Connect für bis zu 60.000 Nutzer aufgebaut, die ab 2013 sukzessive erweitert wurde. Schon damals stand bei Enterprise 2.0 nicht nur die Technik, sondern auch Richtlinien (Governance), Führung und Organisation im Fokus. Die Erwartungshaltung des Top Managements waren neue Formen von Führung und Zusammenarbeit (Quelle: EFQM-Präsentation von Bosch 2013):

Das Handlungsfeld "Führung" wurde im Lauf der Zeit zu "Führung, Change und Enabling" erweitert und in diesem Rahmen Change-Methoden wie Community Management (s.a. Vortrag Corporate Community Management @ Bosch) und Working Out Loud (WOL, s.a. Blog Working Out Loud @ Bosch) eingesetzt. Die neuen Führungsprinzipien aus "We LEAD Bosch" bilden eine gute argumentative Basis für WOL, da doert alle Führungskräfte und Mitarbeiter adressiert werden. Im Zeitraum 2015 bis 09/2017 wurden bereits 185 interne WOL Circles absolviert, die interne WOL Community hat über 1.700 Mitglieder aus 38 Ländern und von 145 unterschiedlichen Standorten (Quelle: Twitter).

Jetzt hat Katharina Krentz, seit Beginn eine der Protagonistinnen von Enterprise 2.0, ein Interview mit Isabel De Clercq (Herausgeberin des Buchs Social Technologies in Business) gemacht, dass ich Euch allen wärmstens empfehle.

Meine Notizen zum Video mit Zeitmarken (Format: mm:ss):

  • 01:00: Erfolgsfaktoren von Bosch Connect, weltweit sind 60% der Nutzer aktiv.
  • 02:40: Wie wurde diese große Anzahl aktiver Nutzer erreicht?
  • 03:50: Support-Angebote im Team "Enabling Enterprise 2.0 @ Bosch" (Tool-Training, Community-based Working, Training Community Manager, Video Tutorials, User Tutorials, Wiki Pages, Call-the-Experts-Sessions, Open Chats).
  • 05:30: Die Bedeutung von Community Management und Community Managers, 4 verschiedene Trainings (Tool-Erklärung, 2-tägiges Training Tool und Theorie entlang des Community Lifecycle (s.a. Folien CCM @ Bosch DS, Folie 8), 10-wöchiger Blended Learning Kurs mit 10-15 Teilnehmenden durch einen Lerncoach geführt.
  • 10:50: Unterstützung durch das Top Management. Eine Person aus dem Vorstand ist verantwortlich für das Projektteam und das Thema. Für Working Out Loud ist ein anderer Vorstand aus dem Bereich Industrie der Sponsor.
  • 12:08: Unternehmensübergreifender Austausch und Teilnahme an Benchlearning-Projekten u.a. zusammen mit Daimler, Audi, Volkswagen, Deutsche Telekom, ZF Friedrichshafen, Siemens, Henkel, Deutsche Post DHL und Continental.
  • 15:45: Was sind die "Business Values" von Enterprise 2.0 für das Unternehmen? Beispiel WeChat in China: Profile mit Bildern, Kontakte, Vernetzung, Partizipation, Lernen, Feedback (beide Richtungen). Gleiche technologische Plattform ist Voraussetzung.
  • 19:25: Einsatz von Sozialen Medien in kleineren Organisationen. Abhängig davon, ob Personen zur gleichen Zeit am gleichen Ort arbeiten (Anm.: siehe hierzu auch die Raum-Zeit-Matrix aus dem Bereich CSCW).
  • 20:58: Die Rolle von Vertrauen für Enterprise 2.0. Offenheit und Vertrauen schon sehr lange in den Werten von Bosch verankert.
  • 23:05: Lessons Learned, Tipps & Tricks von Katharina: 1.) Trainiere Community Manager (der temporäre Praktikant kann das nicht!!!) 2.) Starte Working Out Loud sofort, es ist vermutlich der mächtigste Enabler (und durch die kostenlosen WOL Circle Guides der kostengünstigste) 3.) Bleibe neugierig und helfe den Menschen die Veränderungen zu bewältigen.

Tipp: wer nicht so lange Video schauen mag, kann sich mit youtube-dl auch eine Audio-Version des Videos für unterwegs herunterladen.

Das Thema der re:publica (#rp17) dieses Jahr dauert "Love Out Loud", eine schöne Parallele zum aktuellen Trendthema Working Out Loud.

Ich habe mich mal durch das Propramm der rp17 gearbeitet und die für mich interessanten Beiträge herausgeschrieben:

Montag, 08.05.2017

  • 11:00-12:00 Uhr: Ein Plädoyer für anständiges Community Management u.a. mit Vivian vom BVCM.
  • 11:15-12:00 Uhr: Opening Keynote Reflexion: Love Out Loud mit Friedensbuchpreisträgerin Carolin Emcke.
  • 12:45-13:15 Uhr: Disrupting organizations: Decentralized autonomous organizations on the blockchain.
  • 14:00-14:30 Uhr: Digitale Mündigkeit: unsere Forderungen für eine zeitgemäße digitale Bildung mit Akteuren des CCC Projekts Chaos macht Schule.
  • 14:45-15:45 Uhr: LOL, Rights?! mit Markus Beckedahl von netzpolitik.org.
  • 16:00-17:00 Uhr: Offen für neues - Start Ups in Deutschland.
  • 19:45-20:45 Uhr: Vom Reden im Netz mit Sascha Lobo.
  • 19:45-20:45 Uhr: Lernen mit Augmented und Virtual Reality mit Martin Respondek von der Deutschen Bahn.

Dienstag, 09.05.2017

  • 10:00-11:00 Uhr: Flachsinn - Über gute und schlechte Aufmerksamkeit, wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt mit Gunter Dueck.
  • 11:15-12:15 Uhr: #Digitalcharta - brauchen wir Grundrechte für das digitale Zeitalter?
  • 11:15-12:15 Uhr: Werden KI und Chatbots die Aufgabe von Kommunikatoren in Unternehmen ersetzen? u.a. mit Philipp Schindera von der Deutschen Telekom.
  • 11:45-12:15 Uhr: Data vis or: why you don't believe in facts and how to fix it.
  • 12:15-12:45 Uhr: Wie Podcasts mehr Leute erreichen können.
  • 12:30-13:30 Uhr:  Makers & Mittelstand. How can 100 year old companies and the maker movement play together and where do they clash?
  • 13:45-14:45 Uhr: Future of Work: How can Germany be a keader in the digital economy?
  • 15:00-15:30 Uhr: Wie gestalten Schulen Bildung in der digitalen Welt?
  • 15:30-16:00 Uhr: The creative ecosystem: Democratising learning, knowledge, opportunities around the globe.
  • 16:15-16:45 Uhr: Wissenschaftskommunikation to the rescue! Mit Wissenschaft den öffentlichen Diskurs (zurück-)erobern u.a. mit Melanie Bartos und Daniel Meßner von wisspod.de.
  • 18:45-19:45 Uhr: Eat - Innovate - Love: How the world of work is transforming mit Reza Moussavian von der Deutschen Telekom.

Mittwoch, 10.05.2017

  • 10:00-11:00 Uhr: Pull request: restructuring the global power paradigm through open source.
  • 10:30-11:00 Uhr: Der Source Code der AFD.
  • 12:30-13:30 Uhr: The era of purpose - make it awesome to be human.
  • 16:15-17:15 Uhr: Transformational Confidence - Designing the human role in the age of artificial intelligence.
  • 16:45-17:15 Uhr: Loving Mondays since 1817 über Vergangenheit und Zukunft der Arbeit.

Programm von Daimler auf der re:publica

  • 08.05., 11:30-12:30 Uhr: "Startup Autobahn als innovativer Ansatz zur Zusammenarbeit von Startups und Corporates".
  • 09.05., 11:30-12:30 Uhr: "Pokemon Car: neue Geschäftsmodelle für Mercedes-Benz".
  • 09.05.,18:00-19:00 Uhr: "Der Kampf ums Dashboard" mit Sascha Pellenberg.
  • 10.05., 11:30-12:30 Uhr: "Führungskultur der Zukunft - Transformation eines Großkonzerns" mit Tobias Ködel, Head of Leadership 2020.

IBM #HRfestival am 09.05.

  • 13:00-13:30 Uhr: Kollege Watson hilft dem Personaler - die neue Studie der IBM zu kognitiven Systemen in HR.
  • 13:45-14:45 Uhr: Let's Change: wie HR Impulsgeber und Führung digital wird.
  • 14:15-15:00 Uhr: Podiumsdiskussion Digitale Transformation ist ein culture change im Unternehmen - nicht nur Technik u.a. mit Harald Schirmer (Continental) und Katharina Heuer (DGFP).
  • 17:15-17:45 Uhr: Abschlusskeynote Führung und Organisation in Zeiten der Digitalisierung mit Prof. Armin Trost.

Am 9. April hat John Stepper, verantwortlich für das Social Intranet der Deutschen Bank und Autor von Working Out Loud, im Rahmen von TEDxNavesink einen Vortrag zu Working Out Loud gehalten. Nachdem es eine Weile ein Bootleg-Video auf YouTube gab, ist jetzt endlich die offizielle Fassung veröffentlicht:

Im ständigen Gewitter von Marketingbregriffen und Schlagworten sind selten Ansätze mit echtem Potential für das Wissensmanagement dabei. Doch manchmal gibt es Ausnahmen. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind aus meiner Sicht Barcamps, Flipped Classroom, Podcast, MOOCs, Design Thinking und auch Working Out Loud (#WOL).

Vor kurzem hatte sich auf Basis des Ansatzes von John Stepper (Deutsche Bank, USA) eine deutschsprachige Community formiert. Um erste Erfahrungen mit der Methode zu sammeln, gingen aus dieser Community drei "Working Out Loud Circle" hervor, die den Ansatz im Selbstversuch erproben. Ich bin einer der drei "Circle Facilitators" und mein Circle #3 mit Babs Koch, Harald Schirmer, Thomas Olsen und Tim Miksa ist vergangenen Freitag gestartet.

  
Über die inhaltlichen Gespräche aus dem Circle kann ich natürlich nicht sprechen, denn im Circle herrscht strenge Vertraulichkeit. Aber ich teile gerne erste Erfahrungen zum Ablauf:

  • Persönliches Wissensmanagement - WOL beginnt nicht mit der Nutzung von Technik. WOL beginnt mit dem eigenen Ziel und dem Netzwerk das zum Erreichen dieses Ziels notwendig ist. Daran gefällt mir der strategische Ansatz des persönlichen Wissensmanagements, der auf Geben und Nehmen im Netzwerk basiert.
  • Open Educational Resource - Der Ansatz der WOL Circle mit fünf Teilnehmern und einem Facilitator, die über 12 Wochen zusammenarbeiten ist sehr gut geeignet, um Verhalten zu ändern und zu stabilisieren. Die Gruppe trifft sich jede Woche für eine Stunde mit vorgegebener Agenda. Dieser Ablauf ist in Form der WOL Circle Guides frei verfügbar.
  • Virtuelles Meeting - gemäß Anleitung sollten die Circle Meetings persönlich stattfinden. Das ist in unserer Gruppe aber nicht möglich. Wir haben unser erstes Treffen daher über Google Hangout (s.o.) gemacht, was sehr gut funktioniert hat. Die Circle-Mitglieder kannten sich allerdings alle vorher, was sicherlich hilfreich ist.
  • Enterprise 2.0 - bei WOL denken viele direkt an Internet und Twitter. Denkt man an McAfees Enterprise-2.0-Defintion "Einsatz sozialer Medien im Unternehmen und zwischen Unternehmen, Partner und Kunden" so eignet sich WOL auch für den internen Einsatz z.B. in Enterprise Social Networks (ESN). Über interne WOL-Circle kann die Methode verbreitet und MitarbeiterInnen bereichs-, funktions- und standortübergreifend vernetzt werden.

Da es sich bei WOL um eine Methode des informellen Lernens handelt, werde ich auf dem Corporate Learning Camp (9.-10.10.2015) eine Session dazu vorschlagen. Bis dahin liegen die Erfahrungen aus allen drei Circles der deutschsprachigen Community vor.

Heute fand in Frankfurt am Main das erste Treffen der deutschsprachigen Working-Out-Loud-Szene statt. Raumsponsor ist die deusche Bank, die Organisation hat der Initiator der Webseite workingoutloud.de Jochen Adler übernommen. Der Begriff "Working Out Loud" (WOL) wurde von John Stepper (@johnstepper) geprägt, dessen Buch zum Thema in Kürze erscheint.

  
Der Untertitel "for a better carrer and life" der Webseite workingoutloud.com deutet an, dass es bei der Idee im Kern nicht um Altruismus, sondern um einen zentralen Erfolgsfaktor für Wissensarbeit im 21. Jahrhundert geht. Der Begriff WOL wurde urspünglich von Bryce Williams geprägt:

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

John hat für sich mittlerweile eine breitere Definition erstellt. Wenn er gefragt wird, sagt er:

Working Out Loud starts with making your work visible in such a way that it might help others. When you do that – when you work in a more open, connected way – you can build a purposeful network that makes you more effective and provides access to more opportunities.

Für den einzelnen Wissensarbeiter liegt der Nutzen also darin, das eigenen Netzwerk und den Möglichkeitenraum zu erweitern. Für alle anderen stiftet der veröffentlichte Inhalt möglicherweise zusätzlichen Nutzen. Der effekt ist also ähnlich wie beim Social Bookmarking, man speichert die Links im Netz statt im Browser, um überall und von allen Endgeräten darauf zugreifen zu können. Durch die öffentliche Verfügbarkeit der Links können andere quasi als "Abfallprodukt" profitieren.

Aus der Definition leitet John Stepper die fünf Elemente des WOL ab:

  1. Making your work visible - das kann beispielsweise durch Blogs, Microblogs und e-Portfolios geschehen
  2. Making work better - durch die Sichtbarkeit werden Feedback und Hilfestellung durch andere ermöglicht
  3. Leading with generosity - durch die authentische Beiträge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere sich engagieren
  4. Building a social network - im Lauf der Zeit wächst das eigene Netzwerk und darin die Wahrscheinlich, sich gegenseitig zu helfen
  5. Making it all purposefull - WOL sollte man nicht "einfach so", sondern mit einem klaren eigenen Ziel

Für die Verbreitung im deutschen Sprachraum wäre sicher auch eine Übersetzung von "working out loud" hilfreich. Harald Schirmer hat in seinem Blog "Über die Schulter blicken" vorgeschlagen. Aus zwei Gründen gefällt mir das noch nicht so richtig. Zum einen, weil es sich im Deutschen nicht nach einem Namen für eine Methode anfühlt und ich mir schwer vorstellen kann, dass es in den allgemeinen Sprachgebraucht übergeht (=ein Mem wird). Außerdem ist bei "Über die Schulter schauen" der aktive und der passive Teil vertauscht. Während bei WOL der Arbeitende aktiv ist, ist es beim über die Schulter schauen der Beobachtende und das bedeutet eine andere Art von Veränderungsprozess (z.B. Not-Invented-Here-Syndrom abbauen). 

In der Psychologie gibt es die Methode "Lautes Denken" um kognitive Prozesses der Beobachtung zugänglich zu machen. Vielleicht wären "Laut Arbeiten", "Laut Arbeiten Digital" oder "Laut Arbeiten 2.0" Kandidaten? Bin gespannt auf die Ideen der anderen heute.

Meine Notizen habe ich in Form einer Mind Map geführt. Hier ein Auszug daraus:

  

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