Beiträge

Podcast-Ideen für unternehmensinternes Podcasting gesucht

So langsam aber sicher kommt das Thema Podcasting auch in Unternehmen an. Vor einiger Zeit hatte ich auf der Subscribe mal eine Session dazu gemacht und im Vorfeld im Bekanntenkreis mal rumgefragt. Die Ressonanz war damals im Vergleich zu heute deutlich kleiner. Ich sehe dafür hauptsächlich drei Treiber:

  1. Smartphones: die Verbreitung dienstlicher Smartphones (hauptsächlich iPhones) nimmt deutlich zu. Waren diese Geräte früher oft Führungskräften vorbehalten, kommen sie jetzt verstärkt in Breite und auf allen Hierarchieebenen.
  2. Multimedia-Portale: über Soziale Intranets und aus dem Corporate Learning heraus getrieben sind Plattformen wie Vimp oder Kaltura in Unternehmen vorhanden. Über den Trend zu Office 365 kommt zusätzlich Office Stream dazu. Die Plattformen sind zwar auf Video ausgerichtet, können aber meist auch mit Audio umgehen.
  3. Pendler: fast 60% der Beschäftigten haben einen langen Anfahrtsweg zur Arbeit (siehe faz-Artikel vom 31.07.2017), Tendenz steigend. In Kombination mit der Podcast-App auf dem Smartphone wird für diese Menschen das Auto oder das Verkehrsmittel zum möglichen Lernort.

Vor einiger Zeit habe ich im Rahmen des Siemens Learning Campus mal einen eintägigen Workshop “Podcast Lab” angeboten. Ziel war, an einem Tag die Konzeption, Aufnahme, Nachbearbeitung und Veröffentlichung einer Podcast-Episode zu durchlaufen, um erste Erfahrungen mit dem Medium zu machen. Anfang Dezember werde ich etwas ähnliches bei Festo anbieten. Um potentielle Podcaster*innen in Unternehmen für Podcasts zu begeistern möchte ich eine Liste mit Format-Ideen erstellen (vielleicht mit einer kleinen Klassifizierung, so ähnlich wie die Blog-Klassifizierung von Ansgar Zerfaß damals). Hier ist die Liste von Gesprächs- und Interview-Formaten (mit öffentlichen Beispielen), die ich in den Workshops aktuell verwende:

  1. Knowledge-Podcasts: Expert*innen zu eine Fachthema reflektieren Wissen, Erfahrungen und neue Erkenntnisse zu ihrem Fachgebiet gegelmäßig in einem Podcast. Beispiel: Open Science Radio.
  2. Research-Podcast: externe und interne Forschung hat einen hohen Stellenwert in wissensintensiven Unternehmen. ImmPodcast werden Forschungsergebnisse kurz und knapp vorgestellt und somit Neugier für die jeweilige Forschung geweckt. Beispiel: Methodisch Inkorrekt.
  3. Schulungs-Podcast: die “Redepassagen” aus Schulungen werden aufgezeichnet und als Podcast veröffentlicht. Sie können somit als Audio-Dokumentation und in Flipped-Classroom-Szenarien verwendet werden. Beispiel: Opel Podcasts in der Vertriebsschulung.
  4. Kampagnen-Podcast: in vielen Unternehmen gibt es Kampagnen, die eine große Mitarbeiteranzahl erreichen muss (z.B. neue Strategie, Software-Rollout). Im Podcast wird regelmäßig über Stand und Hintergründe gesprochen. Beispiel: Siemens Podcast in Friday.
  5. Meetup-/Speaker-Series-Podcast: in Unternehmen gibt es eine vielzahl von regelmäßigen Vortragsveranstaltungen (z.B. Wissenschaft im Dialog bei Audi). Das Tonsignal der ohnehin vorhandenen Mikrofone kann aufgezeichnet und als Podcast bereitgestellt werden. Beispiel: TED Talks audio.
  6. Konferenz-Retrospektive-Podcast: sowohl externe als auch interne Konferenzen Unternehmen eine Rolle. Aber nicht alle Mitarbeiter können alle Konferenzen live miterleben. Eine Gruppe Podcaster lässt die Konferenz Revue passieren. Beispiel: WikiStammtisch Episode 70 über die Wikimania 2017.
  7. Executive-Podcasts: Führungskräfte sprechen über ihre strategischen Themen im Podcast. So können Mitarbeiter, die mit den Führungskräften nur selten in direktem Kontakt sind, an deren Gedankengängen teilhaben. Beispiel: Extraordinary Happens Podcast von Mark King (President adidas Group Nordamerika).
  8. Lessons-Learned-Podcast: Projektabschlussberichte mit Lessons Learned werden selten brauchbar verfasst und noch seltener in neuen Projekten systematisch verwendet. Projektteilnehmer können bei Meilensteinen und dem Projektende zusammenkommen und Erfahrungen zusammentragen.
  9. Expert-Debriefing-Podcasts: wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, geht auch deren Wissen. Es wird eine Wissenslandkarte des Mitarbeiters erstellt und über alle Wissensgebiete gesprochen.
  10. Hot-Topic-Podcast: Mitarbeiter müssen regelmäßig über Hintergründe zu strategischen Themen und anderen Hot Topics informiert werden (z.B. Diversity, Elektronobilität, neue Standorte, Compliance). Beispiel: Logbuch:Netzpolitik.

Frage: Welche Formate fallen Euch noch ein? Mit welchen Formaten habt Ihr unternehmensintern gute Erfahrungen gemacht?

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

Die 3. Podcasting Welle – warum Audio der Text der mobilen Generation ist

Am Wochenende fand mit der Subscribe 9 die halbjährliche Podcasting-Konferenz mit Barcamp beim Bayerischen Rundfunk in München statt. Das Programm der zweieinhalb Tage war wieder dicht gepackt mit Vorträgen und Workshops und dank des Video Operation Center des Chaos Computer Club (@c3voc) gibt es alle Vorträge auch online zum nachsehen.

In seiner Keynote am Freitag hat Tim (@timpritlove) schön beschrieben, warum wir uns aktuell in der dritten Welle des Podcasting befinden. Die erste Welle begann 2005, als Apple Podcasts zusammen mit dem iPod (daher auch der Name PODcast) in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt hat. Die zweite Welle hat Tim im Zeitraum 2008-2011 verankert. Sie ist gekennzeichnet durch die Verbreitung von Smartphones, die Verfügbarkeit von schnellem Internet auf Smartphones und die Trennung der Medien Audio und Video (Stichwort YouTube). Die dritte Welle startete dann 2016/2017. In ihr wird der Nutzen des Mediums Podcast erst so richtig erkannt, es gibt sichtbare Leuchtturm-Projekte (Serial Podcast) und ein tieferes Verständnis für das Medium Podcast entsteht. Dazu gehören nach Tim insbesondere die Faktoren Persönlichkeit, Communities, Kommentar-Kultur sowie die Tatsache, dass Podcast das am besten parallel zu nutzende Medium ist (beim Bügeln, Kochen, Spazieren, Reisen, Pendeln).

Der zweite Vortrag von Sven (@graphorama) hatte den Titel Influencer A – Anstecken am Social Web. Darin zog er die Parallele zwischen Podcaster*innen und anderen Content Creators wie z.B. YouTuber und Instagrammer. Seine provokante These: Wir sind gar keine Podcaster*innen, wir sind Audio Creators. Und als solche dürfen wir nicht nur in unserem Medium, sondern müssen auch transmedial denken. Andere Medien wie YouTube und Instagram sollten wir in die Verbreitung unserer inhaltlichen Botschaften und die Erreichung unserer Zielgruppe einbeziehen. Wie an vielen anderen Stellen der Subscribe 9 war auch ihm das Digitale Storytelling über verschiedene Medien hinweg sehr wichtig (s.a. Transmediales Erzählen).

Die Subscribe war ursprünglich der Treffpunkt einer Community von Leuten, die privat oder im Kontext kleiner Unternehmen Podcasts erstellen und veröffentlichen. Doch seit einigen Jahren kommen immer mehr Akteure aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie beispielsweise dem Deutschlandfunk oder dem Bayerischen Rundfunk zu der Veranstaltung. Interessant fand ich den Vortrag BR Podcasts – Hinter den Kulissen, in dem Christoph und Eric mal die Geschichte des Relaunch der BR-Podcast-Webseite erzählen (geplant für Ende 2017). Eine ähnliche Überarbeitung werden in den kommenden Jahren sicherlich auch die bestehenden “Medienportale” in Unternehmen erfahren.

Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheinen sich auch Verlage zunehmend mit dem Medium Podcast zu beschäftigen. Bekannte Beispiele sind der Spiegel (Spiegel Online Podcasts), Zeit (Zeit Online Podcasts), die c’t (c’t Uplink), t3n (Filterblase) und der Harvard Business Review (HBR IdeaCast). Luca Caracciolo erklärt in seinem Vortrag Community, Brand, Persönlichkeit – Warum t3n Podcasts macht sehr schön, wie der Verlag Podcasts als auditive Erweiterung des Print-Magazins versteht. Schönes Zitat im Vortrag auch die Aussage des Chefredakteurs der Rheinischen Post, der Audio als Text der mobilen Generation bezeichnet.

Ich denke in den kommenden Jahren werden wir in Unternehmen ähnliche Tendenzen der Nutzung von Podcasts zur Verbreitung von Wissen sehen. Zwei wichtige Handlungsfelder sind in meinen Augen die Unternehmenskommunikation (z.B. Kampagnen, Podcasts zu erklärungsbedürftigen Strategie-Themen wie Digitalisierung) und die Weiterbildung (Flipped-Classroom-Ansätze, Mitarbeiter-schulen-Mitarbeiter, Lessons-Learned-Podcasts). Zum Einsatz von Podcasts in Lehr- und Lernprozessen empfehle ich auch den Vortrag Mehr als nur Hören – Podcasts in Schule und Unterricht von Lothar.

Auch der Ansatz, Working Out Loud nicht nur über interne Tweets in Kurzform, sondern über Podcasts in Langform zu praktizieren, ist ein vielversprechender Ansatz. Die Verbreitung von Smartphones in Unternehmen wird immer besser (siehe z.B. Smartphone-Initiative von dm) und im Gegensatz zu Video ist für die Mitarbeiter der Einarbeitungs- und Produktionsaufwand viel geringer. Ich habe beispielsweise im Siemens Learning Campus letztes Jahr mal einen eintägigen Workshop mit dem Titel “Podcast Lab” gehalten. Die Teilnehmer*innen sahen sich nach diesem einen Tag schon in die Lage versetzt, ihre eigenen Podcasts in Lernkontexten zu verwenden. Im Online-Forum Sendegate gibt es einen Beitrag zu Corporate Podcasting, wer sich für das Thema interessiert, kann sich dort gerne einklinken.

Also: Podcast Out Loud!

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.