Rund um die erneuten Änderung der Nutzungsbedingungen der Working Out Loud Circle Guides durch John Stepper gab es ja bereits einige kontroverse Diskussion auf Twitter. Ich weiß, viele lesen Blogs nicht zu Ende, sondern reagieren direkt. Deswegen vorab eine klare Aussage: John hat das Markenrecht am Begriff “Working Out Loud” in drei Produktkategorien (z.B. dem Anbieten von Workshops mit WOL im Titel). Die Änderungen der Nutzungsbedingungen sind also aus rechtlicher Sicht völlig in Ordnung, da sie gutes Recht des Rechteinhabers sind.

Jochen Adler und Ragnar Heil, zwei der Initiatoren der deutschsprachigen Working Out Loud Community auf Yammer und Betreiber von @wol_de auf Twitter, hatten am 26.05.2020 ein kurzes Treffen arrangiert, um über die neue Situation zu sprechen. Für den 16.06.2020 ist ein weiteres Treffen mit einem erweiterten Teilnehmerkreis geplant. Ich schreibe diesen Blog, um uns von Seiten der Cogneon Akademie zum Thema Working Out Loud zu positionieren.

Ursprung: Blogging, Podcasting, vLogging

Working Out Loud hat seinen Ursprung in der Blogger-Szene, also bei Menschen, die ihre Weblogs, Audio-Blogs (Podcasts), und Video-Blogs (vLogs) für den offenen und vernetzten Austausch von Gedanken und Wissen verwenden (Blog Thinking and Working Out Loud von Glyn Moody vom 20.09.2006). Grundproblem war (und ist), dass Wissensarbeit durch die Digitalisierung “unsichtbar” wird (Blog Managing the visibility of knowledge work von Jim McGee vom 23.06.2010) und dadurch die Produktivität leidet.

Im Rahmen der Enterprise 2.0 Community haben sich zwischen 2006 und 2010 dafür zunächst die zwei Begriffe “observable work” (#owork) und “narrating your work” herausgebildet (Präsentation In the Flow: Patterns of Observable Work von Brian Tullis und Joe Crumpler im November 2010):

Der Kern von Working Out Loud

Bryce Williams hat, angeregt durch die Enterprise 2.0 Konferenz 2010 die drei Begriffe in seiner Definition von Working Out Loud zusammengebracht und dabei nebenher in genialer weise die Brücke zu einer Szene aus dem Film Spaceball geschlagen, in der das Jetzt im Jetzt sichtbar gemacht wird (Blog When will we start to Work Out Loud? Soon!):

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your  Work

Im Gründungsteffen der deutschsprachigen WOL Community 2015 hatten wir diskutiert, ob wir “Working Out Loud” ins Deutsche übersetzen wollen und uns dagegen entschieden. Diese Entscheidung trage ich nach wie vor mit. Trotzdem kann es in Kontexten, in denen Englisch nicht normal ist, eine gewisse Barriere darstellen. Daher der Versuch, die Definition ins Deutsche zu Übertragen (ja ich weiß, Storytelling ist Englisch, aber es steht in der deutschsprachigen Wikipedia):

Working Out Loud = Offene & Transparente Wissensarbeit + Storytelling

Dieser Ansatz, Wissensarbeit sichtbar und transparent zu machen sowie über Zielsetzung, Durchführung und Ergebnis von Wissensarbeit zu erzählen (Storytelling), ist für mich der Kern von Working Out Loud. Sichtbar wird Wissensarbeit z.B. durch Bereitstellung in offenen Wikis oder offen verfügbaren Dateiablagen (statt in verrechteten Silos). Das Storytelling zur Wissensarbeit kann, wie im Blog von Bryce beschrieben, durch “Journaling” in Blogs und Microblogs (intern z.B. in einem Enterprise Social Network) erfolgen.

Offenheit und die Wahl des Lizenzmodells

Als letztes noch meine Gedanke zu den geänderten Nutzungsbedingungen der Working Out Loud Circle Guides. Ich kann verstehen, dass es aus Gründen der Monetarisierung ein verlockender Ansatz ist, einen möglichst geschlossenen Ansatz (closed source) zu verfolgen. Bei den WOL Circle Guides hatten die ersten Ausgaben keine spezielle Lizenz (was nach unserer Rechtssprechung einem normalen Copyright gleichzusetzen ist), die Version 4 die geschlossenste Form der Creative Commons Lizenz (CC BY ND NC) und ab Version 5 ein normales Copyright.

Die Lizenzmodelle Copyright und Creative Commons kann man auf einer Skala von “most open” bis “least open” darstellen. Auf den Seiten der Creative Commons Corporation gibt es ausführliche Beschreibungen der Lizenzen und auch Argumente, warum die Lizenzen mit der Einschränkung “non-commercial” (keine Nutzung zur Verfolgung geschäftlicher Interessen und monetärer Vorteile) oft kontraproduktiv sind.

Quelle: Wikipedia

Die Arbeitshaltung “Working Out Loud” ist so breit angelegt, dass es meiner Meinung nach nicht die “eine richtige Sicht” darauf geben kann. Es braucht eine Vielzahl von Perspektiven, Meinungen, Schulen und Zugängen zum Thema. Die Working Out Loud Circle Guides sind dabei ein Weg unter vielen, sich dem Themenfeld zu nähern. Gerade für Neueinsteiger*innen sind sie mit ihrer detaillierten Anleitung natürlich nach wie vor eine sehr gute Option für die ersten Schritte auf einer langen Reise.

Fazit

Wenn ich in Zukunft von “Working Out Loud” (#wol) spreche und schreibe, meine ich damit die Arbeitshaltung oben beschrieben und definierten Sinne. Wenn ich die Circle Guides von John meine, werde ich von “Working Out Loud Circle Guides” (#wolcg) sprechen und schreiben. Meine Hoffnung, dass wir auf diesem Weg wieder einen breiten und diversen Diskurs zum Thema gibt und die Vielfalt der Ansätze uns alle weiter bringt.

Vor zwei Jahren erschien der Wissensmanagement Standard ISO 30401 – Knowledge Management Systems. Anders als die Neuauflage der ISO 9001 im Jahr 2015, die auch ein Kapitel zum “Wissen der Organisation” enhält, fokussiert die ISO 30401 vollständig auf Wissensmanagement. Gut ist, dass der Standard vom TC261 Human Resource Management erarbeitet wurde, im Dreieck des ganzheitlichen Wissensmanagements Mensch – Organisation – Technik als eher aus der Mensch-Perspektive verfasst ist. Das zeigt sich z.B. an der Definition von Wissensmanagement als “Management with regard to knowledge”

Neben lernOS für Teams arbeite ich aktuell auch am Leitfaden lernOS für Organisationen weiter (GitHub). Da dieser dem Leitbild der Lernenden Organisation folgt, ist ein wissensorientierter Führungs- und Management-Stil natürlich ein zentrales Element. Dafür verwenden wir den Building Block “Leadership that reinforces learning” aus David Garvin’s Artikel Is Yours a Learning Organization” und wollen gleichzeitig aber auch kompatibel mit der ISO 30401 sein. D.h. wer als Organisation lernOS mit dem lernOS für Organisationen Leitfaden praktizieren wird, erfüllt gleichzeitig auch die Anforderungen aus der Norm.

Falls ihr euch noch nie mit der ISO 9001 beschäftigt habt, im folgenden drei Tipps für Material.

1.) Präsentation von Nick Milton

Nick Milton (LinkedIn, Twitter) hat in der SIKM Leader Community eine Präsenation zur ISO 30401 gehalten und diese auf Slideshare bereitgestellt. Dort wird auch die Entstehungsgeschichte des Standards kurz vorgestellt.

2.) Video von John Hovell

John Hovell (LinkedIn, Twitter) hat eine Aufzeichnung von einem virtuellen Knowledge Cafe auf YouTube bereitgestellt. In den ersten 15 Minuten geht er die wichtigsten Textstellen aus der ISO 30401 durch und kommentiert diese. Einige Folien stammen aus der Präsentation von Patrick Lambe auf der KM Asia 2019.

 

3.) Buch KM Cookbook

Das KM Cookbook mit dem Untertitel “Stories and Strategies for Organisations Exploring Knowledge Management Standard ISO 30401” von Chris Collison (LinkedIn, Twitter), Paul Corney (LinkedIn, Twitter) und Patricia Lee Eng verwendet die Metapher eines Restaurants, um die ISO 30401 anschaulich zu erklären. Das Buch (Webseite) enthält viele Hilfsmittel für die praktische Arbeit wie z.B. das “Knowledge Triangle” (Connect – Collect – Create) und den KM Chef Canvas (CC BY NC ND), den wir auch als eine der Quellen für den lernOS für Organisationen Canvas verwenden:

 

Update 04.11.2017: auf Basis der Kommentare unten habe ich am Ende des Blogs eine Methodenliste kuratiert, die ich später noch in einer kleinen Umfrage bewerten lassen und dann zur ersten Version der Top 20 LernOS Apps verwenden möchte.

Ich bin aktuell in einem Working Out Loud Circle und meine Hausaufgabe aus Woche 9 ist, ein Blogbeitrag im Format Listicle zu verfassen und darin einige wertvolle Ressourcen zu listen. Da mein WOL-Ziel mit dem Aufbau eines Methodenpools in einem internen Wiki zu tun hat, stelle ich im folgenden kurz meine Top-5-Methoden für Wissensarbeiter*innen vor und verlinke meine wichtigsten Quellen dazu:

 

  1. Getting Things Done: Getting Things Done (GTD) ist eine Methode zur Selbstorganisation von Wissenarbeiter*innen. Sie geht davon aus, dass der Arbeitsalltag durch “Stuff” gestört wird, der intelligent organisiert werden will. Im Getting Things Done Podcast spricht Erfinder David Allen über viele Details.
  2. Memex: die Idee des Memex stammt von Vannevar Bush aus dem Jahr 1945. Es handelt sich um die Idee eines “Memory Extender”, der Daten und Inhalte speichert und abrufbar bereithält. Früher habe ich ein persönliches Wiki auf Basis von TiddlyWiki als Memex verwendet, heute spielt diese Rolle OneNote.
  3. Community of Practice: Eine Community of Practice (CoP) ist nach Etienne Wenger eine Gruppe von Personen mit einem gemeinsamen Interesse, die durch regelmäßige Interaktion voneinander lernt. Wenger stellt mit dem Artikel CoP – A Brief Introduction und dem CoP Quick Start-up Guide einen guten Einstieg zur Verfügung.
  4. Wissenslandkarte: eine Wissenslandkarte ist eine graphische Darstellung von Wissensgebieten und deren Zusammenhängen. Am einfachsten kann man Wissenslandkarten in hierarchischer Form mit einer Mind-Mapping-Software wie MindManager, XMind oder Freemind erstellen.
  5. Working Out Loud: mit Working Out Loud kann man sich sein eigenes Netzwerk strategisch so aufbauen, dass man die eigenen Ziele besser erreicht, als alleine (wer alleine arbeitet addiert, wer gemeinsam arbeitet multipliziert). Die Anleitung in Form der WOL Circle Guides sind frei verfügbar.

Was sind die Top 5 in Eurer Werkzeugkiste? Schreibt sie einfach unten in die Kommentare! Gerne auch nur als kurze Liste ohne große Erläuterung.


Kuratierte Methodenliste (siehe Update oben):

  1. Barcamp
  2. Brainstorming
  3. Brainwriting
  4. Community of Interest
  5. Community of Practice
  6. Dateisystem
  7. Enterprise Social Network (intern)
  8. Fragetechnik
  9. Getting Things Done
  10. Meetup
  11. Memex (OneNote)
  12. Microblog (Twitter)
  13. Mind Map
  14. Podcast
  15. Seek > Sense > Share
  16. SMART (Zielmanagement)
  17. Social Bookmarks (pinboard.in)
  18. Soziales Netzwerk (extern)
  19. Tagging
  20. Texteditor/-verarbeitung (Etherpad, Word, OpenOffice)
  21. Weblog
  22. Wissenslandkarte
  23. Working Out Loud
  24. World Cafe

Im Volume 21 Issue 3 des Journal of Knowledge Management (JKM) hat Nick Bontis eine Aktualisierung seines Rankings von Journalen im Bereich Wissensmanagement und Intellektuelles Kapital veröffentlicht. Das Ranking gab es bereits in Versionen von 2008 und 2012. Das aktuelle Ranking umfasst 27 Journale, hier die Top 10:

  1. Journal of Knowledge Management (1.986)
  2. Journal of Intellectual Capital (1.558)
  3. Knowledge Management Research & Practice (1.492)
  4. The Learning Organization (1.410)
  5. International Journal of Knowledge Management (1.242)
  6. VINE: The Journal of Information and Knowledge Management (1.215)
  7. Knowledge and Process Management: The Journal of Corporate Transformation (1.114)
  8. Journal of Information and Knowledge Management (1.051)
  9. International Journal of Learning and Intellectual Capital (1.042)
  10. International Journal of Knowledge Management Studies (1.032)

Nicht in den Top 10 aber auf Platz 12: das Electronic Journal of Knowledge Management. Alle Artikel sind offen verfügbar, das Journal erfährt außerdem gerade eine Neuausrichtung in Bezug auf schnellere Veröffentlichung.

Heute war ich beim Treffen des Fachkreises Wissensmanagement und Qualitätsmanagement von DGQ und GfWM in Frankfurt. Schwerpunkt lag in der Erarbeitung einer gemeinsamen Vision sowie der Ausarbeitung von Arbeitspaketen in drei weiteren Themenfeldern (Wissensziele, Methodenliste, Raum für Austausch). Der Tag fand im Design-Thinking-Raum QLab der DGQ statt. Von dort konnte ich über die Mittagspause auch an der Livesession des Corporate Learning 2025 MOOCathon teilnehmen.


Der Raum war ganz im Stile der d.school eingerichtet und auch die agilen Coaches der DGQ waren sehr professionell. So sind wir in der relativ kurzen Zeit von 10-16 Uhr zu guten Ergebnissen gekommen. Ich hatte mich der Arbeitsgruppe “Vision” zugeordnet. Dort gab es aus dem ersten Treffen und einer Telefonkonferenz bereits zwei Versionen eines Vision Statements als Vorarbeit.


Aus dem Feedback der anderen Arbeitsgruppen gleich zu Beginn des heutigen Treffens und unseren eigenen Überlegungen haben wir daraus eine Version 3 erarbeitet:

Alle Organisationen und Individuen sind durch den systematischen und ausgewogenen Umgang mit Wissen und Qualität in der digital-vernetzten Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts erfolgreich.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in virtueller Zusammenarbeit auf der Online-Plattform DGQ Aktiv weiter bearbeitet. Auf dem GfWM KnowledgeCamp (14.-15.09.2017, Potsdam) und dem DGQ Qualitätstag (22.11., Stuttgart) sollen die Arbeitsstände vorgestellt, Feedback eingeholt und Anwender zur Umsetzung gefunden werden.

Kommende Woche bin ich mit meinem Kollegen Ulrich Schmidt vom Knowledge On Air Podcast zum Deutschen Fußball-Bund nach Frankfurt eingeladen. Dort werden wir die nächste Episode unseres Podcasts aufzuzeichnen. Der Zeit-Artikel Abreissen, neu bauen über die Planung der neuen DFB-Akademie hatte unser Interesse geweckt. Darin berichtet Oliver Bierhoff über das Projekt zur Planung und Umsetzung der neuen DFB-Akademie in Frankfurt, Projektleiter ist Ex-Hockey-Nationaltrainer Markus Weise. Wie man der Webseite der DFB-Akademie entnehmen kann, sollen Wissens- und Qualitätsmanagement die tragenden Säulen der Akademie werden.

https://www.youtube.com/watch?v=Ktf3IypPbHY

In einer vorbereitenden Telefonkonferenz haben wir bereits einiges über den Konzept-Stand der Akademie erfahren. Den Steckbriefen der Inhaltsmodule kann man einige der geplanten Maßnahmen des Kompetenzzentrums entnehmen (z.B. Ausbildung Fußball-Lehrer, Forum Bundesliga-Trainer, Ausbildung Spezialtrainer, Schiedsrichter-Lehrgänge, Trainer-Mentoring). Im Gespräch fiel die Frage “Technik oder Kultur zuerst?”. Da ich diese Frage schon in vielen Unternehmen und Organisationen gestellt bekommen habe, versuche ich, meine übliche Antwort auf die Frage in diesem Blog mal etwas ausführlicher zu skizzieren. Zunächst ein Projektbeispiel.

adidas Learning Campus

2008/2009 hat mich Christian Kuhna an Board des adidas Enterprise 2.0 Projekts geholt (s.a Podcast M2P021 adidas Learning Campus). Aufgabenstellung war den Übergang von internen traditionellen zu sozialen Medien zu gestalten. Im Intranet sollte der Weg “from isolated islands to one integrated intranet portal” beschritten werden. Als Lösung wurde zunächst telligent (Fokus: Wikis & Blogs), dann SharePoint 2010 und später unter dem Namen adidas a-Live SharePoint 2013 eingesetzt (s.a. Blog Game over for traditional intranet navigation). Dieses Intranet verbindet redaktionell bereitgestellte Inhalte, Suche, Navigation, Profil, News, den persönlichen Aktivitätenstrom sowie den Zugriff auf oft benötigte Anwendungen und Workspaces (Quelle: adidas):

Als adidas Vorstand Herbert Hainer im November 2011 die Konzeption einer neuen Corporate University bekannt gab, bat mich Christian wieder mit in das Projektteam zu kommen. Der Fokus weitete sich vom Sozialen Intranet hin zu Collaboration und Knowledge Management mit der Vision von adidas als Lernende Organisation (s.a. Präsentation Collaboration & Knowledge Management – Auf dem Weg zur Lernenden Organisation) Passend zur Unternehmensstrategie Route 2015 und dem Slogan “New Way of Working” haben wir als Motto für die Corporate University “New Way of Learning” ausgewählt.

Das Konzept wurde partizipativ mit allen Mitarbeitern und offener Beteiligung der Web-Community erstellt (siehe z.B. Blogparade Help us find the new way of working and learning). Ein wichtiges Ergebnis war, dass über den “Holisitc Knowledge Cycle” die Themenfelder Innovation (Wissensgenerierung), Lernen (Wissensaquise, Faktenwissen & Fähigkeiten) und Wissenstransfer/-bewahrung (z.B. um Wissen bei Mitarbeiterfluktuation zu sichern) in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt wurden (Quelle: GamePlan A):

Aus der Vision “to transform the adidas Group into a learning organization, with sustainable learning as a competetive advantage” wurden die 5 New Learning Principles abgeleitet:

  1. Working is learning and learning is working
  2. Shift to an open and collaborative, connected “social” learning environment
  3. Leadership means sharing, teaching and learning
  4. Innovation is part of everybody’s daily work
  5. Create a new culture of self-driven life-long learning

Da adidas -wie der gesamte Sportbereich- sehr kompetitiv denkt, war es wichtig, Einzelleistung und Teamerfolg miteinander in Beziehung zu setzen. Um die Vision der Lernenden Organisation Wirklichkeit werden zu lassen muss also das individuelle Lernen (“you learn”) über das organisationalen Lernen in den gemeinsamen Erfolg (“we grow”) übergehen (Quelle: Präsentation adidas Group – New Way of Learning auf dem Leonardo Corporate Learning Award):

Die Lernende Organisation – Ein sozio-technisches System

Ein kleiner Ausflug in die Organisationstheorie hinter Projektansätzen, wie dem geschilderten adidas Learning Campus. Organisationen kann man als sog. soziotechnische Systeme begreifen, d.h. sie bestehen aus einem sozialen Teilsystem und einem technischen Teilsystem (Quelle: Wikipedia):

In dieser modellhaften Darstellung lassen sich die Elemente Technik und Kultur der Ausgangsfrage verorten: im technischen Teilsystem sind die Prozesse und Aufgaben der Organisation sowie die eingesetzte Technik (Maschinen, Gebäude, technische Arbeitsmittel, Informations- und Kommunikationstechnik). Die Menschen (in der Grafik “Mitglieder”) in der Organisation zusammen mit den Rollen und der sozialen Struktur (Hierarchie, Netzwerk, Marktplatz etc.) bilden das soziale Teilsystem der Organisation. Durch den Faktor Mensch wird ein kompliziertes System immer auch zu einem komplexen System mit nichtlinearen und unvorhersehbaren Eigenschaften. Man kann das als ein Nachteil betrachten (Stichwort: VUCA-Welt) oder als eine Grundvoraussetzung für die Lernfähigkeit einer Organisation (Stichwort: komplexe adaptive Systeme). Zwei Aspekte des sozialen Teilsystems erscheinen mir besonders wichtig:

Erstens: das Management und damit auch die Strukturen von Organisationen haben sich über die letzten 100 Jahre evolutionär entwickelt. Militärische Organisationsformen bilden den Ausgangspunkt (Stichwort: Command & Control) und entwickelten sich über die Industrialisierung zu effizienten Reproduktionsmaschinerien weiter. Es gibt allerdings viele Anzeichen dafür, dass diese Art Organisation zu denken, für die digital-vernetzte Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts (s.a. Merkmale der Wissensgesellschaft) nicht mehr ideal sind. Zwei meiner bevorzugten Quellen dazu stammen von Gary Hamel (“Management 2.0”) und John Kotter (“Dual Operating System”).

Zweitens: (Organisations-)Kultur wird meistens zu eindimensional als “Werteliste” oder “Die Art wie wir zusammenarbeiten” verstanden. Hier verwende ich gerne zur Vertiefung das Kulturebenen-Modell von Edgar Schein (Quelle: Wikipedia):

Im Projekt zum Bosch Praxisleitfaden Wissensmanagement (s.a. Projektpräsentation) haben wir dieses Modell z.B. im Kapitel “Wissensorientierte Unternehmenskultur und Führung” verwendet und in Form Wasserlilie dargestellt (Seite 37). Die Lilie selbst ist über Wasser und stellt das beobachtbare Verhalten sowie sichtbare Artefakte (z.B. ein für alle Mitarbeiter offenes Wiki) dar. Die Stile sind unter Wasser, symbolisieren Einstellungen und Werte und sind nur verschwommen zu beobachten. Die Wurzeln als Grundüberzeugungen der handelnden Personen sind im Grund verborgen und unsichtbar. Von oben nach unten steigt die Schwierigkeit (und damit die Zeitdauer), Veränderungen auf der jeweiligen Ebene zu bewirken. Ein Wiki ist schnell eingeführt, eine Kultur der offenen Wissensteilung zu entwickeln braucht gut und gerne Jahre bis Jahrzehnte.

Drei Bestandteile der Lernende Organisation

Möchte man eine Lernende Organisation entwickeln, stellt sich schnell die Frage “Wo fangen wir an?”. Hier bringe ich gerne Harvard-Professor David Garvin und seine Definition der Lernenden Organisation ins Spiel:

Eine Lernende Organisation ist eine Organisation, die die Fähigkeit besitzt, Wissen zu generieren, zu akquirieren und zu verteilen und ihr Verhalten auf Basis neuer Erkenntnisse und Einsichten zu verändern.

Seine “Building Blocks of a Learning Organization” (s.a. HBR-Artikel Is Your’s a Learning Organization?) bilden einen sehr guten Orientierungsrahmen für die Praxis:

Mit den Vorüberlegungen von oben sind folgende Aspekte bei der Gestaltung der drei Handlungsfelder zu beachten:

  • Lernumgebung: hier ist die technische Umgebung (Gebäude, Büros, Übungsräume/-plätze etc.), die virtuelle Umgebung (Intranet, Wiki, Blogs, Soziales Netzwerk etc.) und die kulturelle Umgebung zu berücksichtigen.
  • Lernprozesse: hier geht es, nicht nur um die Gestaltung des formellen Lernens (Training, Schulung), sondern im Sinne des 70/20/10-Modells insbesondere auch um das informelle Lernen.
  • Wissensorientierte Führung: hier ist nicht nur Top-Management-Support gemeint (auch wenn der unerlässlich ist), sondern auch der Antrieb und die Vorbildfunktion des mittleren Managements (s.a. Nonaka’s Toward Middle-Up-Down Management).

Ein schönes Beispiele, wie die Gestaltung physischer und virtueller Lernumgebung bei adidas Hand in Hand geht, sind die dort vorhandenen Coworking Spaces, die die Zusammenarbeit über Silogrenzen hinweg ermöglichen und somit Diversität und Innovation fördern (Beispiel: “The Pitch” in Herzogenaurach):

Die Rolle von Tools in der Lernenden Organisation

Ein letzter Abschnitt noch zur Rolle von Tools in der Lernenden Organisation. Wissensmanagement hat sich vielfach aus dem Informationsmanagement und damit aus der IT heraus entwickelt. Auch wenn das Dreieck des ganzheitlichen Wissensmanagements “Mensch – Organisation – Technik” in vielen Folien auf der KnowTech (Wissensmanagement-Leitkonferenz der BITKOM 1999-2015) gezeigt wurde, waren die konkreten Ansätze dann doch oft eher technischer Natur (Content Management Systeme, Intranets, Suchmaschinen, Semantik etc.). Doch auch im Wissensmanagement gilt:

A fool with a tool is still a fool!

Die Vielzahl von technischen und nicht-technischen Tools im Wissensmanagement, ist heutzutage kaum noch zu überblicken. Auf Basis der Idee “Management 2.0” von Gary Hamel haben wir beispielsweise im Jahr 2013 den Management 2.0 MOOC (massive open online course) veranstaltet. Ein Ergebnis des Kurses war das Management 2.0 Toolkit, das aktuell 75 Werkzeuge für Lernende Organisationen umfasst. Einige Beispiele:

Doch geht es im Wissensmanagement mitnichten darum, möglichst viele Tools zum Einsatz zu bringen. Vielmehr ist die Idee, entlang der eigenen Ziele und Strategie die richtigen Tools auszuwählen und zu implementieren.

In meinem Vortrag “Lernende Organisationen – State of the Union” auf der KnowTouch letztes Jahre habe ich versucht, diese Evolution von vereinzelten Tools über Toolkits bis hin zum Framework der Lernenden Organisation darzustellen. Ich bin überzeugt davon, dass mit steigendem Reifegrad von links nach rechts auch die erreichte Wirkung (impact) exponentiell wächst.

Aus diesen ganzen Gedanken, Erfahrungen und Ideen leitet sich unsere aktuelle Definition von Wissensmanagement ab:

Wissensmanagement ist die Führung und Gestaltung Lernender Organisationen.

Welche Werkzeuge in der Gestaltung ausgewählt werden hängt von Strategie und Ziel der Organisation ab. Wichtig ist die zugrunde liegende Haltung der handelnden Personen, denn sie entscheidet, ob wichtige Werte wie Offenheit, Vernetzung, Transparenz, Gemeinschaft etc. in die Kultur der Organisation Einzug halten oder nicht.

Aber jetzt freue ich mich erstmal auf das Gespräch kommende Woche. Der Podcast dazu erscheint dann auf knowledge-on-air.de. Wer sich noch für weitere Wissensmanagement-Podcasts interessiert, dem empfehle ich an dieser Stelle noch unseren Management 2.0 Podcast (demnächst erscheinen die Episoden zum Wissensmanagement bei Airbus und zu Digital Leadership).

Gerade habe ich den Podcast Bildung – Zukunft – Technik (btz) von Guido Brombach und Felix Schaumburg in meine Podroll aufgenommen und angefangen, die alten Episoden durchzuhören. Die Folge BZT035 Kompetenzoffensive hat mich motiviert, diesen Blog zu schreiben.

Denn seit mit Ansätzen wie Social Learning und dem 70/20/10-Modell verstärkt Personal- und Weiterbildungsmenschen das Wissensmanagement für sich entdecken, hört man plakative Sätze wie “Wissensmanagement war gestern, was wir brauchen ist Kompetenzmanagement”. Bei den darauf folgenden Erklärungsansätzen bin ich dann meist verwundert, weil die genannten Themen aus meiner Sicht zum Kern des ganzheitlichen Wissensmanagements gehören. So erkläre ich das für mich:


Zum Lernen gehört ein Gedächtnis, damit Gelerntes “gespeichert” werden kann. Das menschliche Gedächtnis kann man je nach Informationsart in die Bereiche deklaratives Gedächtnis (Zahlen, Daten, Fakten), episodisches Gedächtnis (Ereignisse, Erfahrungen) und prozedurales Gedächtnis (Vorgehensweisen, Fertigkeiten) einteilen. Aus dieser Perspektive würden dann folgende Felder zu einem ganzheitlichen Wissensmanagement gehören:

  • Informationsmanagement: Kommunikation und Dokumentation von Faktenwissen, z.B. Intranet, Dokumentenmanagement, Wissensdatenbanken, Wiki.
  • Kompetenzmanagement: formeller und informeller Erwerb von Fähigkeiten, z.B. Training, Tutorials, Workshops, Communities of Practice.
  • Erfahrungsmanagement: Erfassung und Übertragung, z.B. Lessons Learned, Storytelling, Expert Debriefing, Working Out Loud.

Alle Bereiche oben beziehen sich auf den Umgang mit bestehendem Wissen. Wenn man das Ideen- und Innovationsmanagement zur Schaffung neuen Wissens noch hinzunimmt, entsteht eine wirklich ganzheitliche Sicht.

Was denkt Ihr, ist das ein sinnvoller Erklärungsansatz?

Diese Blogparade ist für Teilnehmerinnen des Webinars “Ein Tag an meinem Wissensarbeitsplatz” (Folien in PPT und PDF) und alle anderen Wissensarbeiterinnen, die gerne ihre Tipss und Tricks teilen möchten.

Was sind Eure Lieblings-Tools? Welche Methoden, Werkzeuge und Hilfsmittel nutzt Ihr? Schreibt sie unten in die Kommentare!

Im Rahmen der Blogparade zur KnowTouch hatte ich letzte Woche die Frage gestellt, wo wir unserer Meinung nach bei Wissensmanagement und Lernenden Organisationen heute stehen. Über 20 Kommentare sind zusammengekommen!

In der zweiten Woche der Blogparade wollen wir uns die Frage stellen, wie es zu diesem Status quo gekommen ist. Ihr könnt das aus Eurer persönlichen Perspektive, aus Perspektive Eurer Organisation/Eures Unternehmens oder aus Perspektive der Disziplin Wissensmanagement an sich beantworten.

Die Frage dieser Woche (Antwort einfach unten als Kommentar eintragen):

P.S. im Rahmen der KnowTouch finden am 30.09., 07.10., 14.10. und 21.10. kostenfreie Webinare statt, für die man sich auf knowtouch.de anmelden kann. Die KnowTouch ist zusammen mit dem CorporateLearningCamp (13.-14.10.) und dem KnowledgeCamp (22.-23.11.) eine von drei Veranstaltungen, die sich das übergreifende Motto “Wissen und Lernen im Fluss” gegeben haben. Infos dazu im PDF-Flyer.

Im Rahmen der KnowTouch wollen wir die Frage “Wo stehen wir nach 20 Jahren Wissensmanagement und Lernenden Organisationen heute und wohin soll die Reise gehen?” beantworten. Dafür verwenden wir die Methode Future Backwards von Dave Snowden. In fünf aufeinanderfolgenden Wochen stellen wir die fünf Fragen aus Future Backwards (Veröffentlichung der Fragen: 19.09., 26.09., 03.10., 10.10., 17.10.). Die Ergebnisse werden für die KnowTouch zusammengefasst, alle Teilnehmer*innen werden in der KnowTouch-Dokumentation erwähnt.

Die Frage dieser Woche (Antwort einfach unten als Kommentar eintragen):

P.S. im Rahmen der KnowTouch finden am 30.09., 07.10., 14.10. und 21.10. kostenfreie Webinare statt, für die man sich unter knowtouch.de anmelden kann. Die KnowTouch ist zusammen mit dem CorporateLearningCamp (13.-14.10.) und dem KnowledgeCamp (22.-23.11.) eine von drei Veranstaltungen, die sich das übergreifende Motto “Wissen und Lernen im Fluss” gegeben haben. Infos dazu im PDF-Flyer.