Projektteilnehmer “Podcasting mit Office 365 und Microsoft Stream” gesucht

Ich versuche schon seit einer ganzen Weile, das Medium Podcast in die Wissensmanagement-Ansätze von Organisationen zu bringen. Ich finde (Knowledge) Podcasts sehr gut für den Wissenstransfer, weil man den Experten und Erfahrungsträgern direkt bei ihren Ausführungen und Erfahrungsgeschichten zuhören kann. Anders als bei Texten sind die Emotionen in Audio “spürbar” und diese sind besonders wichtig für gelingenden Wissenstransfer.

Doch leider gibt es für Podcasts in Unternehmen noch viele Barrieren. Es gibt keine internen Podcasting-Plattformen und wenn doch, können nicht aller Mitarbeiter*innen diese Nutzen. Die Office-PCs und -Laptops sind nicht mit Audio-Software wie beispielsweise Digital Audio Workstations (DAW) ausgestattet. Benötogte Audio-Hardware wie Mikrofone, Audio-Interfaces oder Audio-Recorder können nicht über die üblichen Bestellprozesse geordert werden. Diese und weitere Probleme habe ich in einem Vortrag zusammen mit @derPupe auf der Subscribe 10 beleuchtet:

Interne Multimedia-Plattformen wie beispielsweise Kaltura (z.B. Siemens myVideo) oder Vimp (z.B. Audi mediathek) sind hauptsächlich auf Video ausgerichtet und haben in den Unternehmen auch noch keine so große Verbreitung erfahren, dass sich außenrum eine Corporate Podcasting Community hat bilden können. Für etwas vielversprechender halte ich die zunehmende Verbreitung von Office 365, das über kurz oder lang mit Yammer und Teams die Funktionen Social Networking und Social Collaboration übernehmen werden (weil es Standardsoftware ist/wird) und das mit Microsoft Stream ein Plattform zur Abbildung eines internen YouTube mit sich bringt (kleiner Nachteil: bisher nur Video, kein Audio).

Im Folgenden eine kleine Einschätzung von Funktionen und Eigenschaften von Stream aus der Perspektive des internen Podcastings:

  • Der eigene Podcast: In Stream kann jeder Mitarbeiter Kanäle und damit den Ort für den eigenen Podcast anlegen. Ein Kanal hat ein Titel, eine Beschreibung und ein Bild für die Startseite. Der Kanal kann in der ganzen Organisation sichtbar sein (für intern offene Podcasts) oder auf eine Gruppe beschränkt (z.B. Sales Podcast).
  • Upload von Episoden: in einen Kanal können Video-Dateien (z.B. MP4) hochgeladen werden. Audio-Dateien (z.B. FLAC, MP3) müssen vorher in ein Videoformat konvertiert werden. Jede Episode kann mit einem Titel, einer Beschreibung (für die Podcast Shownotes) und der Sprachinformation (z.B. für automatische Transkription) versehen werden.
  • Kommentierung und Community: Podcasts leben von einer aktiven Community die über Kommentare oder Hörertreffen i.d.R. eine viel größere Nähe zu den Podcast-Machern hat, als das bei Radiosendern oder News-Redaktionen der Fall ist. Stream erlaubt sowohl im Web-Interface, als auch in der mobilen App die Kommentierung der Episoden.
  • Offline-Verfügbarkeit: die mobilen Apps erlauben, einzelne Episoden auf Endgeräten wie beispielsweise dem iPhone herunterzuladen. Das kommt vom Nutzungsszenario schon recht nah an das übliche Szenario des Abonnieren eines Podcasts und dem Herunterladen von Episoden heran.
  • Untertitel und Transkription: die Künstliche-Intelligenz-Funktionen von Office 365 erlauben das automatische Erstellen von Untertiteln zu Episoden (aktuell nur für Englisch und Spanisch). Die Untertitel im WebVTT Format können heruntergeladen, verbessert und wieder hochgeladen werden (auf diesem Weg sind ca. 30 Sprachen für Untertitel möglich).

Alles in allem glaube ich, dass Stream als Teil von Office 365 das beste Stück Plattform ist, dass wir in Breite für das Podcasting in den nächsten 2-3 Jahren in Organisationen haben werden. Deshalb suchen wir nach 5-10 Organisationen die mit jeweils 2-3 Teilnehmer*innen an einem Projekt “Podcasting mit Office 365 und Microsoft Stream” mit folgendem Ablauf teilnehmen möchten (Kosten: € 3.000,- netto je Organisation):

  • Eintägige Podcast-Werkstatt in der Cogneon Akademie in Nürnberg, dabei Einführung in Podcast-Workflow, -Hardware und Software anhand des lernOS Podcasting Guides sowie Aufnahmen und Schnitt von 2-3 eigenen Episoden (Podcast-Studios sind vorhanden, s.a. Medialab in COPEDIA).
  • Umsetzung der Podcast-Ansätze in den Organisationen zum Sammeln eigener Erfahrungen. Begleitend wird es eine Online-Gruppe auf CONNECT, in der kontinuierlich Fragen gestellt und Erfahrungen gesammelt werden. Falls Microsoft Stream in der Organisation nicht eingesetzt wird, kann eine erste Umsetzung auch mit OneDrive oder auch OneNote erfolgen.
  • Webkonferenz ca. 4-6 Wochen nach der Podcast-Werkstatt (ca. 2-3 Stunde), in der alle Projektteilnehmer ihre Ergebnisse vorstellen und offene Fragen beantwortet werden können.

Falls ihr mit eurer Organisation Interesse an so einem Projekt habt, meldet euch bei uns oder schreibt einen kurzen Kommentar unten. Wir werden in einem Newsletter im September noch einen Aufruf starten und schauen, ob mindestens fünf Organisationen zusammen kommen. Mit diesen starten wir dann in die Terminfindung.

Das erste #lernOS Beiratstreffen hat stattgefunden – das sind die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Vergangenen Freitag hat das erste lernOS Beiratstreffen stattgefunden. Der Beirat setzt sich aus jeweils einem Vertreter/einer Vertreterin aus jeder lernOS-Supporter-Organisation zusammen. Die aktuelle Zusammensetzung der Supporter befindet sich auf der lernOS-Seite ganz unten.

Zweck des Beirats ist es, Feedback zur aktuellen Entwicklung von lernOS zu geben sowie Wünsche/Ideen/Ressourcen für die Weiterentwicklung einzubringen. Die Beiratstreffen sind nicht öffentlich, wir haben aber vereinbart, im Nachgang immer über die wichtigsten Themen zu berichten.

Die Schwerpunktthemen aus dem ersten Treffen sind:

  1. Die Darstellung der Beteiligungsmöglichkeiten für Supporter und Community sollte verbessert werden (eigene “Contributors” Seite, thematische Einstiegspunkte auf CONNECT).
  2. In einem 1-Pager sollte dargestellt werden, welche Konsequenzen sich aus der Creative Commons Lizenz ergeben und wie man rechtssicher damit umgeht (soll in eine lernOS FAQ integriert werden).
  3. Das Telekom Konzept der Geschichten des Gelingens soll auf lernOS übertragen und damit viele Erfolgsgeschichten öffentlich sichtbar gemacht werden. Winfried und ich stimmen uns nächste Woche ab, wie wir schnell einen Prototyp umsetzen können. Idee ist, den Call for Participation mit dem clc19ko zu starten und bis zum gkc19 einen gedruckten Prototyp (MVP) zu haben.
  4. Im lernOS for You Guide soll stärker herausgearbeitet werden, wie lernOS die Agile Transition unterstützt und wie die konkreten Bezüge zum lebenslangen Lernen sind. Damit kann zusätzlich etwas Licht in den New Work/New Ways of Working Begriffsdschungel gebracht werden.
  5. Bei der Erstellung neuer lernOS Leitfäden liegt der Fokus auf Podcasting, Barcamp und Community Management/CoP. Weitere angedachte Themen sind eFacilitation (virtuelle Barcamps, digitales Moderieren), EPSS (performance support) und Prozessmanagement.
  6. Zum lernOS for You Leitfaden ist eine Office 365 Version gewünscht, die alle Übungen nicht mit allgemeinem Tool-Bezug, sondern mit Office 365 enthält (z.B. OKR in OneNote dokumentieren, GTD Next Action Liste in MS ToDo).
  7. Im lernOS for You Leitfaden sollte beschrieben werden, welche Alternativen es zur Durchführung in Circle und wöchentlichem, einstündigen Treffen gibt. In der Praxis sind viele von diesem “Committment” abgeschreckt. Ideen sind z.B. monatliche, längere Treffen oder längere Blöcke am Stück (ähnlich Summer School, Dojo). Außerdem sollen andere Formate wie beispielsweise die Verwendung der lernOS Inhalte im Reveres Mentoring beschrieben werden.

Übrigens: der Einstieg als lernOS-Supporter-Organisation ist jederzeit möglich (€ 1.000 pro Jahr, ein Sitz im Beirat, 3 Tickets für das lernOS Camp. Bei Interesse kannst du uns einfach kontaktieren.

lernOS Guide Produktionskette auf dem Mac und neue Makefile-Funktionen

Ich habe mich gestern mal daran gemacht, die Produktionskette für lernOS Guides auch auf dem Macbook zum laufen zu bringen. Im Prinzip war das genau so einfach wie auf Windows, außer dass man für MacTeX Pfadanpassungen machen muss und es Balbolka für die Audiobook-Produktion auf dem Mac nicht gibt.

Bei der Gelegenheit habe ich dann auch das Makefile für Windows (make.bat) in eine Shell-Skript-Version für den Mac (make.sh) übertragen. Die Datei findet ihr -noch unkommentiert- im GitHub Repo des lernOS für Organisationen Guide. Im Folgenden erkläre ich mal kurz, was die einzelnen Befehle dort tun.

Zunächst werden die Pfade richtig gesetzt, damit die nachfolgenden Befehle die MacTeX-Binaries für PDF-Erstellung und Calibre für E-Book-Erstellung und -Konvertierung finden:

PATH=$PATH:/Library/TeX/texbin:/usr/texbin:/usr/local/bin
PATH=$PATH:/Applications/calibre.app/Contents/console.app/Contents/MacOS

Dann wird die Variable f für den Dateinahmen gesetzt, damit man in den nachfolgenden Befehlen bei verschiedenen Guides nicht immer lange Textketten austauschen muss, in dem Fall:

f=lernOS-for-Organizations-Guide-de

Jetzt wird die Word-Version (docx) des Guides erzeugt. Hier gibt es noch einige offene Punkte: So wird die Metadaten-Datei (metadata/metadaty.yaml) zwar übergeben, in den Dokumenteigenschaften von Word erscheinen diese aber nicht. Außerdem sieht die Word-Datei noch sehr “roh” aus. Mit dem Schalter –reference-doc kann man pandoc eine Vorlage übergeben, damit Deckblatt, Fonts etc. ähnlich dem PDF aussehen.

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -o $f.docx

Danach wird die HTML-Version erzeugt. Der Schalter –toc erzeugt ein klickbares Inhaltsverzeichnis (Table of Contents) Für die Zukunft will ich das noch ein bisschen erweitern, damit das HTML etwas schicker und besser zu navigieren wird (habe ich mit Leonid auf dem VW Group Collaboration Barcamp schonmal getestet).

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -s --toc -o $f.html

Dann wird die PDF-Version erzeugt. Dafür wird das pandoc LaTeX Template von Wandmalfarbe verwendet (–template lernos). Die Metadaten wie Titel, Deckblatt-Farbe etc. stehen in der Metadaten-Datei.

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml --template lernos -o $f.pdf

Für die E-Book-Erstellung sind mehrere Schritte notwendig. Zunächst wird aus der PDF-Version die erste Seite (Index 0) mit 300dpi Auflösung als Deckblatt für die E-Book-Version als JPG-Datei (images/ebook-cover.jpg) extrahiert. Das wird mit dem Befehl magick aus dem Paket ImageMagick gemacht:

magick -density 300 $f.pdf[0] images/ebook-cover.jpg

Dann wird die JPG-Datei nach den Vorgaben für Amazon KDP eBooks auf die Höhe 2500px skaliert (erster mogrify-Befehl) und im Anschluss auf die korrekte Größe von 1563x255px zurechtgeschnitten (zweiter mogrify-Befehl):

mogrify -size 2500x2500 -resize 2500x2500 images/ebook-cover.jpg
mogrify -crop 1563x2500+102+0 images/ebook-cover.jpg

Im Anschluss wird mit pandoc die EPUB-Version des eBooks erzeugt und diese dann mit dem Befehl ebook-convert aus dem Paket Calibre in das Kindle-Format MOBI konvertiert:

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -s --epub-cover-image=images/ebook-cover.jpg -o $f.epub
ebook-convert $f.epub $f.mobi

Fertig ist der Workflow, viel Spaß beim Nachbauen! Über Tipps und Verbesserungsvorschläge über die Kommentare bin ich jederzeit offen :-)

Die 13 wichtigsten Unterschiede zwischen #lernOS und #WOL

Andreas hat auf Twitter die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen lernOS und WOL ist. Da die Frage öfter aufkommt, schreibe ich die wichtigsten Unterschiede in diesem Blog mal zusammen. Es kann sein, dass sich die Liste im Lauf der Zeit erweitert.

Ausgangspunkt von lernOS ist ein Projekt der Cogneon Akademie, die Erfahrungen in Projekten zu Wissensmanagement und Lernende Organisation seit der Gründung am 21.12.2001 in einem geschlossenen Ansatz zusammenzufassen (siehe dazu auch den Podcast M2P026 Cogneon 2.0 von unserer 15-jährigen Geburtstagsfeier). Nachdem das neben unser täglichen Arbeit ein komplexes Unterfangen ist (im wesentlichen passiert das in unserer 20%-Zeit), ist die Projektlaufzeit auf 2016-2022 angelegt. Wie im Wissensmanagement üblich, soll das auf den drei Ebenen Individuum, Team und Organisation erfolgen. Wir betrachten unsere zentralen Projekte der letzten 18 Jahre und extrahieren die zentralen Erkenntnisse. Die drei orangen Rechtecke im lernOS Logo stehen für diese drei Ebenen.

Ich bin seit vielen Jahren in der Podcasting Community rund um das Sendegate und die Subscribe aktiv. Dort habe ich Johannes und Eva kennengelernt, die beide einen Podcast auf Esperanto machen. Über diesen Kontakt bin ich darauf gestoßen, dass das Verb lernos auf Esperanto die Zukunftsform von lernen ist. Das hat perfekt zu unseren Handlungsfeldern Lebenslanges Lernen und Lernende Organisationen gepasst. Da die Digitalisierung (genauer die Digitalität) in unserer global vernetzten Wissensgesellschaft eine wichtige Rolle spielt, kamen wir auf die Idee, das durch das groß geschriebene „OS“ zu symbolisieren. So kam es zum Mission Statement „lernOS – Operating System for Lifelong Learning and Learning Organizations“.

Im Folgenden sammle ich mal die zentralen Unterschiede zwischen lernOS und WOL, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Interesse besteht, kann ich ähnliche Vergleiche auch mal für lernOS und Scrum, lernOS und OKR sowie lernOS und GTD machen.

Unterschiede auf übergeordneter Ebene

  1. Betrachtungsebenen: lernOS betrachtet die gesamte Organisation und das lebenslange Lernen der Organisationsmitglieder (lebenslang = von der Wiege bis zur Bahre). lernOS kann daher als systemischer Ansatz angesehen werden, der die einzelnen Ebene der Organisation wie in einem Fraktal zusammenführt. WOL fokussiert nur auf das Individuum.
  2. Zielgruppen: der große Charme von WOL liegt darin, dass es ein fertiges Rezept ist, das man in eine Organisation geben und genau so anwenden kann. Daher eignet sich WOL besonders gut für Einsteiger*innen, die bisher noch nicht bloggen, twittern, vlogen, podcasten etc. und die Vorteile des offenen und vernetzten Arbeitens mit einer einfachen Methode erlernen möchten. Für lernOS auf individueller Ebene gilt das prinzipiell auch, nur dass mit Canvas und den weiteren Methoden Scrum, OKR und GTD mehr Freiheitsgrade bestehen, wodurch der Ansatz auch komplexer wird. Daher sieht man in der Praxis oft, dass Menschen mit lernOS weitermachen, wenn sie die ersten 1-2 WOL Circle durchlaufen haben (siehe z.B. Podcast M2P037 lernOS Circle 1 Lessons Learned mit Leonid).
  3. Wiederverwendbarkeit: ich glaube bei Wissen und Lernen nicht an eine „One-Size-Fits-All Lösung“. Deswegen stehen die Inhalte von lernOS durchgängig unter der offenen Creative Commons Lizenz CC BY, damit sich jeder den Ansatz auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Dafür stehen alle Quellen wie z.B. die Bilder im SVG-Format auf Github zum Download zur Verfügung.

Unterschiede auf individueller Ebene

  1. Sprint vs. Circle: Zentrales strukturelles Element in lernOS ist der lernOS Sprint, in WOL ist es ein WOL Circle. Der lernOS Sprint ist ein Zeitraum von 13 Wochen, in dem etwas neues gelernt wird. Einen lernOS Sprint kannst du in einem lernOS Circle machen, aber auch für dich alleine. lernOS setzt dabei wie WOL auf der Idee der Lean In Circles auf, selbstorganisiertes Lernen in kleinen Gruppen zu fördern. Die Modifikation von WOL (z.B. Reduktion von 12 auf 5 Circle Mitglieder) sind übernommen.
  2. Sprint Dauer: ein Circle in WOL dauert 12 Wochen und beginnt mit der Definition des Ziels. In lernOS ist eine Woche 0 vorgelagert, in der man selbst oder gemeinsam mit dem Circle den Sprint planen und die Infrastruktur einrichten kann. Somit ergibt sich in lernOS eine Sprint Dauer von 13 Woche, was gut zum Quartalstakt von OKR passt (4 Sprints = 1 Jahr).
  3. Sprint Wiederholung: einen WOL Circle macht man in der Regel nur 1-2 Mal, weil man das offene und vernetzte Arbeiten dann für sich erlernt hat. Die Sprints in lernOS wiederholen sich im Idealfall immer wieder, da sie ja das lebenslange Lernen unterstützen sollen. Hierfür gibt es verschiedene Lernpfade, da man ja nicht immer wieder die gleichen Aufgaben durchlaufen will. Ab der Version 1.4 wird es in lernOS jeweils einen Lernpfad für WOL, GTD und OKR geben. Darüber hinaus kann man mit den Leitfäden der lernOS Toolbox weitere Methoden wie Sketchnoting, Podcasting, Expert Debriefing etc. erlernen.
  4. Anzahl der Übungen: bevor ich angefangen habe, den lernOS for You Leitfaden zu schrieben, hatte ich 12 WOL Circle absolviert. Meine Beobachtung war, dass mit den 2-3 Übungen pro Woche die Agenda des stündlichen Meetings sehr dicht war und wir oft nicht alles geschafft haben. Außerdem waren einige Übungen dabei, die mich auch im 5-6 Circle nicht angesprochen haben (z.B. der Limonadenstand). Mir kam die Idee, dass für die Grundidee von WOL Observable Work + Narrating Your Work, nicht alle 31 Übungen aus den WOL Guides notwendig sind. Über eine Umfrage mit ca. 140 WOL Circle Absolventen habe ich herausgefunden, dass das andere durchaus auch so sehen. Daher wurde für den WOL Lernpfad in WOL die Anzahl von Übungen von 31 auf 11 (eine pro Woche) reduziert.
  5. Flipped Classroom: ich habe einige WOL Circle mit Führungskräften absolviert. Größtes Problem war dabei immer, synchrone Termine in 12 aufeinanderfolgenden Wochen hinzubekommen. Hat das geklappt, habe sich diese Führungskräfte öfter mal beschwert, dass sie sich gegenseitig beim „Briefe schreiben“ zuschauen sollen. Deswegen empfehlen wir in lernOS konsequent die Methode Flipped Classroom zu verwenden, d.h. jeder macht die Übungen vorab und man tauscht sich dann im wöchentlichen Treffen über Ergebnisse aus und diskutiert Probleme.
  6. Ziel vs. OKR: In WOL definiert man sich ein Ziel ohne eine methodische Vorgabe. lernOS verwendet das agile Zielmanagement-System OKR von Google, um Ziele anziehen und messbar zugleich zu formulieren. Über den Einsatz von OKR wird die Kopplung von Zielen über die Ebenen Individuum, Team und Organisation möglich.
  7. OKR und Canvas: WOL bietet drei Fragestellungen, um ein Ziel auf Eignung für einen Circle zu prüfen (Ist es dir wirklich wichtig? Kann man es als Lernziel formulieren? etc.). lernOS bietet zusätzlich den lernOS Canvas, mit dem man Ziele systematisch aus aktuellen Aufgaben, Rollen und Projekten ableiten kann.
  8. OneNote Circle Template: was mich in meinen WOL Circle immer gestört hat war, dass es keine (digitale) Unterstützung für die Dokumentation gibt. PDFs auszudrucken und dort reinzuschreiben hat sich für mich nie zeitgemäß angefühlt. Außerdem haben Circle Mitglieder oft beim nächsten Treffen ihre „Papierwirtschaft“ vergessen und sich an ihre Dokumentation nicht mehr erinnert. Daher haben wir für lernOS Circle ein OneNote Circle Template entwickelt, dass den gesamten Prozess der Dokumentation und Kommunikation im Circle unterstützt.
  9. Mindset, Skillset, Toolset: die Bedeutung der richtigen Grundeinstellung wird in WOL durch das Element Growth Mindset von Carol Dweck betont. In lernOS wird mit dem Dreiklang Mindset, Skillset und Toolset hervorgehoben, dass es auf die richtige Balance von Haltung, Fähigkeiten, Methoden und Tools ankommt. Jede dieser drei Dimension wird auf einer weiteren Ebene durch empirisch und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse detailliert (Skillset z.B. durch das 4C Framework und das DigCom 2.1 Framework). Über einen Bogen zur Selbsteinschätzung kann man herausfinden, in welchem Bereich man den größten Lernbedarf hat.
  10. Skills for the 21st Century: lernOS versucht quasi als „hidden agenda“ die Nutzer mit wichtigen Methoden und Wissensbeständen für das 21. Jahrhundert in Berührung zu bringen. Einige Beispiele dazu: auf individueller Ebene wird nicht eine einzelne Methode verwendet, sondern die Kombination aus Scrum, OKR, GTD und WOL. Über den Sprint-Verlauf sind zwei Boxenstopps eingebaut, über den die Nutzer*innen mit der Methode Minimum Viable Product aus Lean Startup in Kontakt gebracht werden. Über die Links und Fußnoten bringen wir die Nutzer*innen mit weiteren 21st Century Skills wie beispielsweise Open by Default, Mozilla Web Literacy Framework, Web 2.0, Future Backwards etc. in Berührung.

Das sind mal die wichtigsten Unterschiede aus meiner Sicht. Wenn ihr weitere kennt, gerne unten in die Kommentare damit.

Das Open Badge zum lernOS Rockstars Camp

Bei unseren Veranstaltungen versuchen wir immer auch neue und innovative Ansätze ganz praktisch umzusetzen, um Erfahrungen zu sammeln. So haben wir beispielsweise vor über fünf Jahren den Ansatz Flipped Classroom bei allen unseren Seminaren eingeführt, den Management 2.0 MOOC durchgeführt (2013), Livestreaming zur KnowTouch 2016 angeboten und die kollaborative Dokumentation mit einem Google Doc bei der KnowTouch 2018 verprobt.

Beim lernOS Rockstars Camp gibt es auch wieder eine Reihe innovativer Elemente. Eine davon ist die Vergabe eines Badges als digitales Zertifikat für die erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung. Wir folgen dabei dem Ansatz von Open Badges, der von Mozilla Foundation und MacArthur Foundation gemeinsam entwickelt wurde (Open Badges v2.0 Standard).

Ein Badge ist eine digitale Grafik im Format PNG oder SVG, in die Metadaten im JSON-Format eingebettet werden. Importiert man diese Grafik dann in ein System mit Open-Badge-Unterstützung (z.B. ein LMS) werden neben der Grafik auch die Metadaten importiert und das System “weiß”, welche Lernleistungen man vollbracht hat. Für das lernOS Camp haben wir daher ein rundes Badge entwickelt, das die Teilnehmer*innen auch als physischen Aufkleber für das Notebook erhalten:

Der nächste Schritt war die Auswahl der Infrastruktur für die Erstellung und den Versand der Badges. Theoretisch kann man Badges mit Anwendungen wie der openbadges-bakery (Github) auch selber erstellen und die Grafiken dann per Email verschicken. Den manuellen Aufwand wollte ich uns aber für die Zukunft nicht auferlegen.

Es folgte eine Recherche möglicher Dienste. Der Markt fühlte sich bei dieser noch jungen Technologie noch recht unübersichtlich an. lernOS Supporter SAP setzte seine openSAP Digital Badges beispielsweise zusammen mit dem Anbieter Acclaim um (Ankündigung).

Um möglichst einfache Nachahmung z.B. für Barcamps zu ermöglichen, wollten wir aber einen (kosten)freien Anbieter wählen. Zunächst fiel uns dabei der Backpack-Dienst von Mozilla auf. Doch Mozilla ED Mark Surman hat im August 2018 angekündigt, diesen Dienst nicht weiter fortzuführen, da es mittlerweile genug Akteure gibt, die diese Innovation vorntreiben.

Nach ausgiebiger Suche fiel unsere Wahl auf den Dienst Badgr von Concentric Sky, die für die MacArthur Foundation seit Beginn der Open Badges Bewegung eine zentrale Rolle gespielt haben. Alle beim lernOS Camp eingecheckten Teilnemer*innen, erhalten am Tag nach der Veranstaltung ein Email mit dem Badge. Zusätzlich kann man sich das Zertifikat auch in einem hübschen PDF generieren lassen, um es z.B. in einem schönen Rahmen über den Schreibtisch zu hängen :-)

Livestream vom lernOS Rockstars Camp

Mit Audio und Video zur Wissensbewahrung beschäftige ich mich im Rahmen unserer Expert Debriefing Methode schon sehr lange. Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir unseren Ansatz des internen Podcastings im Rahmen des Wissenstransfers entwickelt. Und auch im Design von Veranstaltungen spielt das Thema eine immer größere Rolle. Insbesondere bei Community-orientierten Veranstaltungen helfen Livestream und Aufzeichnung, entfernte Community-Mitglieder einzubinden und auch nach der Veranstaltung einen Anlass für Diskussion und Aktion zu bieten.

Klares Vorbild für mich ist das Video-Team c3voc des Chaos Computer Club. Von allen größeren Veranstaltungen gibt es einen Video-Livestream und alle Vorträge werden im Nachgang auf media.ccc.de als Audio- und Video-Podcast sowie auf YouTube bereitgestellt. Ich habe den gesamten Feed von media.ccc.de abonniert und bekomme so in meiner Podcast-App (Castro) sofort mit, wenn neue Aufzeichnungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise bin ich schon auf viele spannende Themen gestoßen, die sonst an mir vorbei gegangen wären (Serendipity Effekt).

Mit diesen Erfahrungen war mir schon bei unserer KnowTouch 2016 und KnowTouch 2018 klar, dass wir Livestream und Aufzeichnungen anbieten müssen. Wir haben uns ein Konzept dafür überlegt, das natürlich viel schlanker ausfällt, als das des c3voc. Die Konfiguration haben wir kontinuierlich weiterentwickelt, der letzte Einsatz war beim Livestream des kuratierten Tracks Arbeitswelten der Zukunft des KnowledgeCamp 2018.

Falls ihr mal ein ähnliches Setup aufsetzen wollt, hier eine kleine Übersicht der verwendeten Hard- und Software:

  • Streaming-Rechner: ein Intel Mini-PC NUC i7 mit 16 GB RAM und Windows 10
  • Streaming-Software: wir verwenden das Open Broadcaster Studio (OBS) für die Bildkomposition, die Aufzeichnung auf dem Rechner und das Streamen zu YouTube-Live. OBS kommt aus der Gamer-Szene, ist sehr performant und sehr leicht zu bedienen.
  • Kamera: semi-professioneller HD-Camcorder Canon HD25, hiermit nehmen wir das Video Bild der Redner*innen auf. Ein Elgato Camlink Adapter konvertiert das Videosignal der Kamera in ein USB-Video-Signal für den PC
  • Audio-Funkstrecken: wir setzen vier Sennheiser XSW Funkstrecken ein. Zwei davon mit Nackenbügel- und zwei mit Hand-Mikrofonen. Über einen Mackie VLZ4 Mischpult werden die Audio-Signale gemischt und in die Kamera eingespeist. Am Mackie hängt zusätzlich ein iPad für die Zuspielung der Musik. Die Aufzeichnung in der Kamera dient uns als zusätzliches Backup (neben OBS und YouTube).
  • Video-Funkstrecke: da sich Rednerpult und Streaming-Rechner an zwei verschiedenen Enden des Plenums befinden, setzen wir einfach eine Clickshare-Video-Funkstrecke ein, um das Videosignal durch den Raum zu übertragen und lange Kabelführungen zu vermeiden. Der HDMI-Ausgang des Clickshare-Empfängers wird über ein Vaddio AV Bridge auch in ein USB-Video-Signal konvertiert und steht so im Streaming-Rechner zur Verfügung. Leider haben wir es bisher nicht hinbekommen, zwei Elgato Camlink mit OBS zu betreiben, das würde die Gesamtlösung nochmal kompakter und günstiger machen.

Und wer das Ergebnis dieses Aufbaus sehen will, kann sich am Dienstag 25.06.2019 ab 09:30 Uhr den Livestream vom loscamp19 ansehen (ICS-Datei zum Eintragen in den Kalender und Weiterleiten an Kolleg*innen):

Wie schreibt man einen #lernOS Guide? Einige Vorüberlegungen zu einer Anleitung

Eigentlich hatte ich mir das als Aufgabe für die Sommerpause vorgenommen. Ich wollte eine kleine Anleitung schreiben, wie man eigentlich lernOS Guides schreiben kann, denn in Zukunft soll dazu jeder in der Lage sein. Warum erst in der Sommerpause? Weil bis dahin mehr Erfahrungen mit den drei bestehenden Leitfäden (lernOS for You, lernOS Expert Debriefing Leitfaden, lernOS Podcasting Leitfaden) vorliegen würden.

Doch an einigen Stellen laufen schon Überlegungen zu neuen Guides, so dass ich diese Aufgabe vielleicht ein bisschen vorziehen werde. Karsten tüftelt an einem KM 101 Leitfaden und Karl ist mit einer Gruppe von Sketchnoter*innen an einem lernOS Sketchnoting Guide dran:

Mit der Version 1.1 des lernOS for You Guides haben wir das Konzept von “Lernpfaden” (learning paths) eingeführt. Die Grundidee ist, dass der selbstgesteuerte Lernprozess als Grundstruktur immer 13-wöchige Sprints verwendet, die Lerninhalte sich in Form der Katas (Übungen) aber je nach Lernziel ändern können. Dafür muss man die Sprints mit dem Sprint Planning (Woche 0), der Sprint Retrospektive (Woche 12) und den Lernpfaden/Katas so aufbauen, dass sie modular und austauschbar sind. Das habe ich im Release Webcast zur Version 1.1 kurz beschrieben:

Außerdem wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, wenn das Inhaltsverzeichnis der lernOS Leitfäden gleich strukturiert ist, damit sich die Lernenden schnell zurecht finden können. Hier war für mich das gedankliche Vorbild die ISO 9001, die in den letzten fünf Jahren eine sog. High Level Structure (HLS) entwickelt haben, damit verschiedene Management-Standards die gleiche Struktur haben und sich teilweise auch Inhalte teilen können. Die drei bestehenden Leitfäden haben aus historischen Gründen unterschiedliche Strukturen. Diese habe ich bei mir im OneNote schonmal nebeneinander gelegt und versucht, daraus eine “lernOS HLS” abzuleiten:

Aus diesen und weiteren Vorüberlegungen ließen sich dann ein paar erste Grundregeln für die Erstellung von ganzen lernOS Leitfäden oder Lernpfaden ableiten:

  • Ein lernOS Leitfaden oder lernOS Lernpfad ist unter Creative Commons Attribution Lizenz (CC BY) verfügbar.
  • Ein lernOS Leitfaden verwendet die lernOS High Level Structure als Grundstruktur.
  • Die Quellen eines lernOS Leitfadens sind in einem Repository auf github auf Basis einer im lernOS Core bereitgestellten Vorlage verfügbar.
  • Alle lernOS Inhalte verwenden das lernOS Glossar und weitere Sprach- und Formatierungskonventionen (Sie/Du, aktive/passive Sprache, neue/alte Rechtschreibung etc.).
  • Die Katas eines Lernpfads sind für die 13 Wochen eines Lern-Sprints ausgelegt (mindestens 11 Übungen). Daumenregel für den Zeiteinsatz pro Woche sind 1-2 Stunden.
  • Die Katas eines Lernpfads müssen für alle Lernenden in Selbstorganisation und mit vertretbarem Aufwand möglich sein (keine Inhalte hinter Paywalls, keine Teilnahme an kostenpflichtigen Veranstaltungen etc.).
  • Die Beschreibung der Katas folgt der einheitlichen Struktur der Vorlage, wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen.
  • Für den Learning Circle Moderator wird eine Checkliste angeboten, die ihn bei der Begleitung des Lernpfads unterstützt.

Das ist mal ein “braindump” meiner bisherigen Gedanken zu einem “How to write a lernOS Guide?” Tutorial, die sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben. Meine Frage an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, auch mal einen lernOS Guide/Lernpfad zu erstellen oder sich mit der Materie auskennen: ergibt das so Sinn? Was fehlt? Wo besteht die Gefahr der “Überregulation”?

Gesucht: eine Definition für “Führung”

Für das lernOS Projekt soll es auch ein lernOS Glossar geben, in dem alle zentralen Begriffe definiert sind. Wo möglich, sollen diese Definitionen auf allgmein anerkannten und bereits bestehenden Definitionen aufbauen.

Einige Definitionen, wie beispielsweise “Projekt” oder “Prozess” sind einfach. Andere Fälle sind schwieriger gelagert, weil es keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Ein solcher Fall ist der Begriff “Führung” (im Sinne der Führung von Menschen).

Um mich an eine Definition für das lernOS Glossar heranzutasten bin ich zunächst mal von einer Definition ausgegangen, die nahe an der Wikipedia-Definiton lag:

Version 1: Führung ist die Tätigkeit, „geführte“ Menschen für gesetzte Ziele zu motivieren und auf den Weg der Erfüllung der Ziele für den gemeinsamen Erfolg mitzunehmen.

Dann habe ich auf Twitter die Frage gestellt, ob man Führung so definieren könne (Ja/Nein-Auswahl mit der Bitte um eine Begründung. Die überwiegende Mehrheit stimmte für nein (80% nein bei 45 Stimmabgaben, Abstimmung läuft noch).

Aus den Kommentaren und dem Feedback lies sich einiges an Verbesserungsvorschlägen für eine aktualisierte Definition ziehen:

  • Gut: Begrenzungen und Eckplanken, die das Leben leichter machen (Martin)
  • Fehlt: Gemeinsam über Ziele entscheiden (Peter)
  • Vorschlag: Führung als bewusste und zielbezogene Einflussnahme auf Menschen nach Rosenstiel (Anna)
  • Bedenkenswert: kann Führung auch nicht an Personen/Rollen gebunden sein? (Anna)
  • Bedenkenswert: Führung, um Menschen zur Entfaltung zu bringen (Katharina, Thomas, Pivi)
  • Zu eng für mich: Führen als Entscheiden (me&me)
  • Kritik: motivieren/mitnehmen klingt zu sehr nach “bemuttern” (Jo)
  • Bedenkenswert: Führung als Haltung, nicht als Tätigkeit (Henning)
  • Gut: Demotivation vermeiden und positives Umfeld schaffen (Henning)
  • Kritik: “geführte” aus “geführte Menschen” streichen (Marc)

Auf Basis dieses Feedbacks habe ich dann eine neue Version der Definition erstellt, die auch mir deutlich besser gefällt:

Version 2: Führung ist die Tätigkeit, Menschen in die Zielfindung einzubinden, motivierende Rahmenbedingungen zu schaffen, Lern- und Entwicklungsprozesse zu unterstützen und die Zielerreichung bei Bedarf zu unterstützen.

Die Version 2 habe ich in den Entwurf des lernOS Glossars aufgenommen. Die letzte Version der Definition wird es aber bestimmt nicht sein, gerne in den Kommentaren oder auf Twitter weiter mitdenken :) Vielen Dank an alle Beitragenden!

Office 365 und die Lernende Organisation

Es zeichnet sich ab, dass lernOS auf der Ebene der Lernenden Organisation und Office 365 zwei zentrale Themen bei mir im kommenden Jahr sein werden. Deswegen mache ich mir gerade Gedanken, wie die beiden Themen miteinander zusammenhängen. Das Zusammenspiel von Technologie und Lernen/Kultur soll gleichzeitig die Basis für den lernOS Guide auf Ebene der Organisation werden (erste Gedanken dazu im Handbuch Version 0.5). Dieser Blog-Beitrag kann sich im Lauf der nächsten Wochen immer wieder etwas verändern, wenn sich meine Gedanken ordnen.

3 Ansätze der Lernenden Organisation

Drei Quellen sind für mich für das Konzept der Lernenden Organisation zentral:

  1. Das Systemdenken aus der 5. Disziplin von Peter Senge
  2. Die 3 Building Blocks der Lernenden Organisation von David Garvin
  3. Das Dual Operating System mit Hierarchie und Netzwerk nebeneinander von John Kotter

Die fünf Disziplinen nach Peter Senge sind Shared Vision, Personal Mastery, Team Learning, Mental Models und Systems Thinking. In “Personal Mastery” ist das Lebenslange Lernen verankert, im “Team Learning” die Forderung nach kontinuierlich lernenden Teams. Das Systemdenken ist der Ansatz, ein Unternehmen nicht als eine starre Maschine zu sehen, sondern als einen lebendigen Organismus, der mit der Außenwelt agiert und sich selber kontinuierlich an Veränderungen anpassen kann (=lernen). Diese Anpassung passiert auf allen Ebenen der Organisation, vom einzelnen Mitarbeiter bis zur gesamten Struktur der Organisation, exakt die drei Ebenen von lernOS.

David Garvin und Amy Edmondson arbeiten in ihrem Artikel Is Yours A Learning Organization? die drei Handlungsfelder “Leadership that reinforces Learning”, “Concrete Learning Processes” und “A Supportive Learning Environment” heraus. Darin werden die Führungskräfte in ihrer Vorbildrolle für den Umgang mit Wissen und Lernen hervorgehoben. Bei den konkreten Lernprozessen wird eher auf formale Lernprozesse wie Informationsmanagement, Innovationsmanagement, Competitive Intelligence, Problem Solving und Skill Management abgezielt. Hier ergänze ich beim Erklären immer noch das informelle Lernen im Sinne des 70/20/10 Modells (Barcamps, Meetups, Communities of Practice). Garvin sieht im “Learning Environment” hauptsächlich kulturelle Aspekte (Gefühl der Sicherheit, Wertschätzung gegenüber anderen Ideen, Risikobereitschaft, Zeit zum Lernen), die natürlich extrem wichtig sind. Zusätzlich sehe ich in der Arbeits- und Lernumgebung auch noch die physische Arbeitsumgebung (Gebäude, Büros, Besprechungsräume, Kreativräume, Lernräume, Coworking-Spaces) und die digititale Arbeitsumgebung (Intranet, Enterprise Social Network, Anwendungen, mobile Endgeräte).

Im Artikel Accelerate! beschreibt John Kotter die Koexistenz von Hierarchie und Netzwerk. Die Netzwerkorganisation besteht in diesem Modell aus Freiwilligen, die neben ihren Tätigkeiten in der Hierarchie auch im Netzwerk aktiv sind. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden: 1.) Vernetzung mit anderen Kolleg*innen über die Grenze von Organisationseinheiten hinweg (sog. Fayolsche Brücken, z.B. durch Working Out Loud), aber auf individueller Ebene und ohne Gruppenbildung (linke Seite) 2.) Bildung von Initiativen und Subinitiativen, die zielgerichtet sind, aber mit einem selbstgegebenen Ziel und nicht durch hierarchische Vorgabe (rechte Seite).

https://hbr.org/resources/images/article_assets/hbr/1211/R1211B_A_LG.gif

Die Grundidee von Accelerate! baut auf den 8 Schritten der Veränderung aus dem Buch Leading Change auf, in der bereits die “Guiding Coalition” eine zentrale Rolle spielte:

  1. Establishing a sense of urgency
  2. Creating a guiding coalition
  3. Developing a change vision
  4. Communicating the vision for buy-in
  5. Empowering broad-based action
  6. Generating short-term wins
  7. Never letting up
  8. Incorporating changes into the culture

Der Guiding Coalition kommt dabei eine besondere Rolle zu, weil sie – bestückt mit Freiwilligen aus der hierarchischen Organisation – die Brücke zwischen Hierarchie und Netzwerk bildet. John hebt aber auch die drei wichtigsten Unterschied von Accelerate! zum alten 8-Schritte-Ansatz hervor: 1.) Früher war der Wandel zeitlich begrenzt, heute ist er dauerhaft 2.) Die Change Agents im alten Ansatz waren meist eine “small, powerful core group”, für den Wandel heute ist eine “volunteer army” notwendig 3.) die Change-Ansätze früher fanden in der traditionellen Hierarchie statt, heute muss die Flexibilität und Agilität des Netzwerks genutzt werden. Im Video Accelerate! The Evolution of the 21st Century Organization beschreibt John sehr anschaulich, wie die Balance zwischen Hierarchie und Netzwerk gehalten werden kann:

Office 365

Wie passt das Angebot von Office 365 mit dem Konzept der Lernenden Organisation zusammen? Für viele Neueinsteiger ist Office 365 erst einmal etwas unübersichtlich, da es so viele einzelne Anwendungen (Apps genannt) und Dienste bietet (z.B. Azure Cognitive Services). Darstellungen wie beispielsweise das Periodic Table of Office 365 zeigen die einzelnen Anwendungen zwar auf, helfen aber wenig für die Orientierung. Als Einstiegspunkt eignet sich in meinen Augen die Inner-Outer-Loop-Darstellung von Microsoft von der Ignite 2017, die eine Hilfestellung bei der Frage gibt, wo man eine Konversation in Office 365 beginnen sollte:

Ausgangspunkt in der Grafik unten ist der einzelne Mitarbeiter, dessen persönliches Informationsmanagement mit E-Mails (“ubiquitous for targeted communications”), Terminen, Kontakten etc. in Outlook stattfindet (für alle ESN-Fans: ja, das ist auch mehrere Jahre nach der Einführung von Enterprise Social Networks so!). Die Zusammenarbeit in bekannten Teams stellt der “Inner Loop” dar. Im Beschreibungstext der Grafik heißt es zwar “People you work with regulary on core projects”, ich würde den Inner Loop aber auf alle geplante Kommunikation und Zusammenarbeit in bestehenden und bekannten Teams und damit die linke Seite vom Dual Operating System beziehen (z.B. Abteilungen, Gremien, Projekt-Teams und Prozess-Teams). Der “Outer Loop” ist für “people you connect with openly accross the organization”. Über die Vernetzung können einfach Informationen ausgetauscht werden (z.B. über Working Out Loud), es kann aber auch zielgerichtete Kommunikation und Zusammenarbeit entstehen (z.B. In Communities of Practice). Das stellt dann die rechte Seite des Dual Operating System dar.

Bei der Vielzahl von Office 365 Apps, die kontinuierlich verbessert und erweitert werden (z.B. aktuell Kaizala), sollte ständig geschaut werden, welche davon für das Lernen in der Organisation relvant sein könnten. Prominente Beispiele sind Stream als internes YouTube, Forms für das strukturierte Erfassen von Feedback oder Flow für die Automatisierung von Routineaufgaben von Wissensarbeitern (z.B. Teilen neuer Videos in Communities).

Office 365 und die Lernende Organisation

Aus diesen Vorüberlegungen lässt sich ein Maßnahmenplan ableiten, wie die Einführung von Office 365 verwendet werden kann, um dem größeren Entwicklungsziel “Entwicklung einer Lernenden Organisation” zuzuarbeiten. Im Folgenden sammle ich in einer dynamischen Liste Elemente für einen Baukasten, den man dann fallspezifisch zu einer Projekt-Roadmap zusammenstellen kann:

  • Sense of Urgency & Shared Vision: warum führt die Organisation Office 365 ein? Welche Elemente der Geschäfsstrategie können durch Office 365 unterstützt werden? Wie kann die Bedeutung von Wissen und Lernen in der Vision verankert werden (“Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß”)?
  • Guiding Coalition: welches Kernteam und welches Guide-Netzwerk (“volunteer army”) bildet die Guiding Coalition die die Veränderung in der Arbeitsweise (New Work) treibt? Sind genug Schlüsselpersonen mit dabei? Sind genug Experten in Bezug auf Office 365, aber auch in Bezug auf die Arbeitsprozesse in denen Office 365 verwendet mit dabei? Wird die Guiding Coalition in der Organisation genug Glaubwürdigkeit und Reputation haben? Sind ausreichen etablierte Führungskräfte für die Unterstützung der Veränderung mit dabei? Wie können die Führungskräfte Vorbilder/Role Models in Bezug auf Digital Leadership sein/werden (Executive Blog, Executive Vlog, Executive Communities, Townhall mit Livestream, Executive Tweetchats)?
  • Shared Vision: wie sieht das Zielbild für den Einsatz von Office 365 aus? Wie sieht Kommunikation und Zusammenarbeit in der Organisation, mit Partnern und nach Extern im Idealfall in Zukunft aus? Was sind die Kernbotschaften? Wie werden die Anwendungen von Office 365 in diesem Kontext platziert?
  • Communication: wie kann die Vision und die Kernbotschaften bestmöglich in der ganzen Organisation bekannt gemacht werden? Welche Maßnahmen sind über Standard-Kommunikationsmaßnahmen (E-Mail, Flyer, Poster, 1-Pager etc.) hinaus sinnvoll? Welche Ansätze von Influencer- und Guerilla-Marketing können genutzt werden? Wie kann die Kommunikation “anders” als bisher üblich gestaltet werden, um den Botschaften “anders arbeiten” und “anders führen” Rechnung zu tragen?
  • Empowering broad-based action: wie kann das Guide-Netzwerk als treiber für eine Massenbewegung eingesetzt werden? Wie kann das “Onboarding” neuer Guides im Netzwerk aussehen? Welches “Guide Toolkit” (Präsentationen, Leitfaden, Steckbriefe etc.) erhalten Guides als Hilfsmittel? Welche Regelaktivitäten werden für den Austausch von Guides angeboten (z.B. Monatstreffen, regelmäßige Online-Besprechungen)? Welche Unterstützung bieten die Guides an (1:1 Gespräche, Vorstellungen in Abteilungs-/Projektrunden, Hands-On-Workshops etc.)? Wie können alle Mitarbeiter Teil der Massenbewegung werden (z.B. Offene Calls, Barcamp zu Office 365, Bereitstellen aller Materialien in bearbeitbarer Form).
  • Generating short-term wins: wie kann mit den Office 365 Anwendungen schnell ein Aha-Effekt erzeugt werden? Was sind Beispiele guter Praxis? Das können z.B. sein
    • Delve Profile als “Homepage” und “Digital Twin” für Mitarbeiter, Absprungpunkt zum persönlichen Blog der Mitarbeiter
    • OneDrive als ersatz für persönliche Laufwerke mit einfachem Teilen und Verfügbarkeit der Dateien auf allen Endgeräten
    • OneNote als digitales Notizbuch für Mitarbeiter oder ganze Teams
    • PowerPoint für die Erstellung von Multimedia-Inhalten inkl. Screencasts
    • SharePoint als Intranet für die ganze Organisation oder Teile der Organisation (s.a. SharePoint Starter-Kit auf github)
    • Skype for Business für Online-Besprechungen, aber auch für das Livestreaming von Meetups und Open Calls
    • Stream für Aufzeichnungen von Schulungen, Screencasts, Tutorials (auch User Generated Content)
    • Teams als Kommunikationszentrale für Abteilungs- und Projekt-Teams. Dadurch können E-Mails massive reduziert und Schatten-IT (z.B. Slack) zurückgefahren werden
    • Teams für Gruppen, die gemeinsam durch eine Schulung oder ein Blended Learning Angebot laufen
    • Word für maschinelle Übersetzung ganzer Dokumente (Beispiel: deutsche Version des lernOS Guide ist so entstanden)
    • Yammer mit den Gruppen für offene Kampagnen und strategische Themen, die eine breite Menge von Leuten ansprechen
    • Yammer mit dem offenen Aktivitätenstrom “Gesamtes Unternehmen” für offenes Teilen, Vernetzten und systematisches Working Out Loud
    • Yammer mit der Livestream-Funktion für Mitarbeiterveranstaltungen, Fachveranstaltungen/Meetups und Townhall
    • Yammer mit den externen Gruppen für die Kommunikation und Zusammenarbeit mit externen Partnern und Stakeholdern
    • DILO (day in a life of) für verschiedene Rollen der Organisation, z.B. für Marketing, Sales, Human Resources, Finance, Compliance, Construction, IT Manager, Service Engineer, Retail Associate, Retail Manager (s.a. Office 365 Adoption Kit)
    • uvm. (Deine Idee?)
  • Never letting up: Keep Calm & Learn On!
  • Incorporate changes into culture: wie können alle Maßnahmen rund um die Office-365-Einführung die Kultur einer Lernenden Organisation fördern (Lernkultur, Führungskultur, Innovationskultur, Fehlerkultur etc.)? Beispiele für konkrete Maßnahmen:
    • Lead by Example: Führungskräfte werden in die Lage versetzt und angehalten, für den neuen offenen, agilen, transparenten und digitalen Arbeitsstil als Vorbild zu fungieren (z.B. durch Reverse Mentoring, Führungskräfte-Community, Verankerung in Leadership-Programmen)
    • Open by default: Yammer-Gruppen oder SharePoint-Teamsites sind im Standard offen für alle Mitarbeiter und können nur durch Begründung geschlossen gestartet werden
    • Working Out Loud: alle Mitarbeiter werden motiviert, ihr Delve-Profil zu pflegen, dort ihren eigenen Blog zu starten, in Stream einen Video-Kanal anzulegen und im Bereich “Gesamtes Unternehmen” auf Yammer intern zu twittern
    • Lessons Learned: nach abgeschlossenen Aktionen oder Projekten werden After Action Reviews oder Lessons Learned Workshops durchgeführt und die Ergebnisse wenn möglich z.B. in einem Wiki allen Mitarbeitern verfügbar gemacht
    • Strategy/Innovation Challenges: in offenen Yammer Gruppen werden Strategie- oder Innovationswettbewerbe gemacht, um Offenheit und Partizipation zu fördern
    • uvm. (Deine Idee?)

So viel erstmal zu meinen ersten Gedanken zum Thema. Welche Ideen habt Ihr zum Ansatz “Office 365 und Lernende Organisationen” noch? Gerne unten in die Kommentare schreiben!

Neuer lernOS Produktions-Workflow

Für die Erstellung von lernOS Leitfäden haben wir uns einen Produktions-Workflow gebaut, der aus einer Single-Source automatisch verschiedene Zielformate erzeugen kann. Die Quellen der Leitfäden sind durchgängig in Markdown geschrieben. Für den ersten lernOS Guide in der Version 1.0 haben wir daraus die Formate PDF, DOCX (MS Word), HTML und EPUB (eBook) erzeugt. Für die Version 1.1 haben wir diesen Workflow etwas erweitert. In diesem Blog beschreibe ich alle notwendigen “Zutaten”.

Der alte Workflow hat im Kern zwei Werkzeuge verwendet:

  1. Pandoc: eine Anwendung zur Konvertierung von Dokumentformaten. Pandoc unterstützt eine Vielzahl von Dateiformaten, darunter z.B. Markdown, textile, HTML, LaTeX, Mediawiki, Creole, MS Word, ODT (Libre Office), DocBook uvm.
  2. MikTeX: damit pandoc auch PDF erzeugen kann, ist MikTeX notwendig. MikTeX ist eine LaTeX-Version für Windows.

Im alten Workflow wurde eine PDF-Version, eine Word-Version, eine HTML-Version (u.a. zur Erzeugung der OneNote-Vorlage) und eine EPUB-Version erstellt. Die PDF-Version hatte das lernOS-typische orange Cover, die anderen Versionen waren ohne Cover, da die Cover-Erzeugung eine Funktion der LaTex-Vorlage ist. Außerdem konnte die EPUB-Version nicht direkt an den verbreiteten Amazon Kindle (Device oder App) übertragen werden, da dieser MOBI und nicht EPUB als Format verwendet. Daher wurde der Workflow für die Version 1.1 des lernOS Guide wie folgt erweitert:

  1. ImageMagick: freie Anwendung zur Erstellung und Bearbeitung von Raster- und Vektor-Grafiken. Damit ist die Konvertierung des Covers (erste Seite des PDF) in eine PNG-Datei möglich.
  2. Calibre: freie Anwendung zur Verwaltung und Konvertierung von eBooks. Damit kann die EPUB-Version um Metadaten und das Cover erweitert und im Anschluss auch in das MOBI-Format konvertiert werden.

Auf diese Weise entsteht im neuen Workflow eine Datei mit Endung .mobi, die an die E-Mail-Adresse des eigenen Kindle geschickt werden kann. Dort kann der Leitfaden dann kommentiert, durchsucht und mit Lesezeichen versehen werden. Alle Markierungen synchronisieren sich automatisch über alle Kindle-Geräte.