In den letzten Wochen bin ich öfter mal gefragt worden, ob man sich in der aktuellen Situation überhaupt mit Wissensmanagement und Lernenden Organisationen beschäftigen sollte, es gäbe doch so viel anderes zu tun. Da die Wissensgesellschaft auch in einer Krise wie dieser nicht aufhört zu existieren, denke ich das auf jeden Fall! Gerade jetzt wird sichtbar, wo man Defizite hat und wo Handlungsbedarf besteht.

In den letzten Jahren habe ich sehr oft Aussagen wie “In der VUCA-Welt muss man ständig Lernen, um erfolgreich zu sein” gehört – oft eher als Phrase denn als handlungsleitende Maxime. Aber beim systematischen Umgang mit Wissen (=Wissensmanagement) geht es nicht nur darum, Erfolg zu haben. Es geht auch darum Misserfolge zu vermeiden, oder zumindest die Konsequenzen in einem erträglichen Rahmen zu halten.

Das Feld der Wissensrisiken ist ganz gut erforscht, da gibt es z.B. den Ansatz von Probst/Knaese zum Management von Wissensrisiken, den wir auch im Expert Debriefing verwenden. Oft verwende ich auch die Dissertation Steuerung von Wissensrisiken von Florian Bayer. Darin werden vier Kategorien von Wissensrisiken benannt:

  1. Wissensverlust
  2. Unerwünschte Wissensdiffusion
  3. Unzureichender Wissenstransfer
  4. Eingeschränkte Wissensqualität

In den Bereich der eingeschränkten Wissensqualität fallen die Entscheidungen auf Basis von Wissen mit mangelhafter Qualität (S. 124). Mit den Worten “Innovation happens at the Fringe” von Gary Hamel liegt hier aber ein Problem: für uns relevantes Wissen wird oft dort generiert, wo wir unser Augenmerk gar nicht hinrichten, weil es mit unserer Tagesbeschäftigung nichts zu tun hat (The unknown unknown).

Hätten wir in unserer regelmäßig eingeplanten Lernzeit dort mal hingesehen, so wie das auch schon Peter Drucker empfohlen hat, wären vielleicht Beiträge wie der von Bill Gates aufgetaucht. Gates zweifelte 2015(!) nicht daran, dass eine Pandemie wie die jetzige passieren wird – offene Frage ist nur wann:

Als lernOS Praktiker müssen wir also unsere Hausaufgaben machen und uns neben der Beschäftigung mit all den schönen und innovativen Themen, ein effektives Risikomanagement aufbauen. Das geht ganz einfach in folgenden Schritten:

  1. Liste möglicher Risiken erstellen und kontinuierlich pflegen
  2. Alle Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schadensausmaß bewerten (dazu gehören auch Gehaltseinbußen durch Kurzarbeit, Jobverlust, Umsatzeinbruch etc.)
  3. Für die Risiken im sog. “inakzeptablen Bereich” Risikoverminderungs- und Vorsorgemaßnahmen  definieren
  4. Gehe zurück zu 1.)

So etwas ist schnell umgesetzt (z.B. im lernOS Memex) und im Quaterly Review eingefügt. In diesem Sinne: Keep Calm & Learn On! Die nächste Pandemie kommt bestimmt … die Frage ist nur wann.

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