Vergangenen Freitag hat das erste lernOS Beiratstreffen stattgefunden. Der Beirat setzt sich aus jeweils einem Vertreter/einer Vertreterin aus jeder lernOS-Supporter-Organisation zusammen. Die aktuelle Zusammensetzung der Supporter befindet sich auf der lernOS-Seite ganz unten.

Zweck des Beirats ist es, Feedback zur aktuellen Entwicklung von lernOS zu geben sowie Wünsche/Ideen/Ressourcen für die Weiterentwicklung einzubringen. Die Beiratstreffen sind nicht öffentlich, wir haben aber vereinbart, im Nachgang immer über die wichtigsten Themen zu berichten.

Die Schwerpunktthemen aus dem ersten Treffen sind:

  1. Die Darstellung der Beteiligungsmöglichkeiten für Supporter und Community sollte verbessert werden (eigene “Contributors” Seite, thematische Einstiegspunkte auf CONNECT).
  2. In einem 1-Pager sollte dargestellt werden, welche Konsequenzen sich aus der Creative Commons Lizenz ergeben und wie man rechtssicher damit umgeht (soll in eine lernOS FAQ integriert werden).
  3. Das Telekom Konzept der Geschichten des Gelingens soll auf lernOS übertragen und damit viele Erfolgsgeschichten öffentlich sichtbar gemacht werden. Winfried und ich stimmen uns nächste Woche ab, wie wir schnell einen Prototyp umsetzen können. Idee ist, den Call for Participation mit dem clc19ko zu starten und bis zum gkc19 einen gedruckten Prototyp (MVP) zu haben.
  4. Im lernOS for You Guide soll stärker herausgearbeitet werden, wie lernOS die Agile Transition unterstützt und wie die konkreten Bezüge zum lebenslangen Lernen sind. Damit kann zusätzlich etwas Licht in den New Work/New Ways of Working Begriffsdschungel gebracht werden.
  5. Bei der Erstellung neuer lernOS Leitfäden liegt der Fokus auf Podcasting, Barcamp und Community Management/CoP. Weitere angedachte Themen sind eFacilitation (virtuelle Barcamps, digitales Moderieren), EPSS (performance support) und Prozessmanagement.
  6. Zum lernOS for You Leitfaden ist eine Office 365 Version gewünscht, die alle Übungen nicht mit allgemeinem Tool-Bezug, sondern mit Office 365 enthält (z.B. OKR in OneNote dokumentieren, GTD Next Action Liste in MS ToDo).
  7. Im lernOS for You Leitfaden sollte beschrieben werden, welche Alternativen es zur Durchführung in Circle und wöchentlichem, einstündigen Treffen gibt. In der Praxis sind viele von diesem “Committment” abgeschreckt. Ideen sind z.B. monatliche, längere Treffen oder längere Blöcke am Stück (ähnlich Summer School, Dojo). Außerdem sollen andere Formate wie beispielsweise die Verwendung der lernOS Inhalte im Reveres Mentoring beschrieben werden.

Übrigens: der Einstieg als lernOS-Supporter-Organisation ist jederzeit möglich (€ 1.000 pro Jahr, ein Sitz im Beirat, 3 Tickets für das lernOS Camp. Bei Interesse kannst du uns einfach kontaktieren.

Ich habe mich gestern mal daran gemacht, die Produktionskette für lernOS Guides auch auf dem Macbook zum laufen zu bringen. Im Prinzip war das genau so einfach wie auf Windows, außer dass man für MacTeX Pfadanpassungen machen muss und es Balbolka für die Audiobook-Produktion auf dem Mac nicht gibt.

Bei der Gelegenheit habe ich dann auch das Makefile für Windows (make.bat) in eine Shell-Skript-Version für den Mac (make.sh) übertragen. Die Datei findet ihr -noch unkommentiert- im GitHub Repo des lernOS für Organisationen Guide. Im Folgenden erkläre ich mal kurz, was die einzelnen Befehle dort tun.

Zunächst werden die Pfade richtig gesetzt, damit die nachfolgenden Befehle die MacTeX-Binaries für PDF-Erstellung und Calibre für E-Book-Erstellung und -Konvertierung finden:

PATH=$PATH:/Library/TeX/texbin:/usr/texbin:/usr/local/bin
PATH=$PATH:/Applications/calibre.app/Contents/console.app/Contents/MacOS

Dann wird die Variable f für den Dateinahmen gesetzt, damit man in den nachfolgenden Befehlen bei verschiedenen Guides nicht immer lange Textketten austauschen muss, in dem Fall:

f=lernOS-for-Organizations-Guide-de

Jetzt wird die Word-Version (docx) des Guides erzeugt. Hier gibt es noch einige offene Punkte: So wird die Metadaten-Datei (metadata/metadaty.yaml) zwar übergeben, in den Dokumenteigenschaften von Word erscheinen diese aber nicht. Außerdem sieht die Word-Datei noch sehr “roh” aus. Mit dem Schalter –reference-doc kann man pandoc eine Vorlage übergeben, damit Deckblatt, Fonts etc. ähnlich dem PDF aussehen.

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -o $f.docx

Danach wird die HTML-Version erzeugt. Der Schalter –toc erzeugt ein klickbares Inhaltsverzeichnis (Table of Contents) Für die Zukunft will ich das noch ein bisschen erweitern, damit das HTML etwas schicker und besser zu navigieren wird (habe ich mit Leonid auf dem VW Group Collaboration Barcamp schonmal getestet).

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -s --toc -o $f.html

Dann wird die PDF-Version erzeugt. Dafür wird das pandoc LaTeX Template von Wandmalfarbe verwendet (–template lernos). Die Metadaten wie Titel, Deckblatt-Farbe etc. stehen in der Metadaten-Datei.

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml --template lernos -o $f.pdf

Für die E-Book-Erstellung sind mehrere Schritte notwendig. Zunächst wird aus der PDF-Version die erste Seite (Index 0) mit 300dpi Auflösung als Deckblatt für die E-Book-Version als JPG-Datei (images/ebook-cover.jpg) extrahiert. Das wird mit dem Befehl magick aus dem Paket ImageMagick gemacht:

magick -density 300 $f.pdf[0] images/ebook-cover.jpg

Dann wird die JPG-Datei nach den Vorgaben für Amazon KDP eBooks auf die Höhe 2500px skaliert (erster mogrify-Befehl) und im Anschluss auf die korrekte Größe von 1563x255px zurechtgeschnitten (zweiter mogrify-Befehl):

mogrify -size 2500x2500 -resize 2500x2500 images/ebook-cover.jpg
mogrify -crop 1563x2500+102+0 images/ebook-cover.jpg

Im Anschluss wird mit pandoc die EPUB-Version des eBooks erzeugt und diese dann mit dem Befehl ebook-convert aus dem Paket Calibre in das Kindle-Format MOBI konvertiert:

pandoc $f.md metadata/metadata.yaml -s --epub-cover-image=images/ebook-cover.jpg -o $f.epub
ebook-convert $f.epub $f.mobi

Fertig ist der Workflow, viel Spaß beim Nachbauen! Über Tipps und Verbesserungsvorschläge über die Kommentare bin ich jederzeit offen :-)

Andreas hat auf Twitter die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen lernOS und WOL ist. Da die Frage öfter aufkommt, schreibe ich die wichtigsten Unterschiede in diesem Blog mal zusammen. Es kann sein, dass sich die Liste im Lauf der Zeit erweitert.

Ausgangspunkt von lernOS ist ein Projekt der Cogneon Akademie, die Erfahrungen in Projekten zu Wissensmanagement und Lernende Organisation seit der Gründung am 21.12.2001 in einem geschlossenen Ansatz zusammenzufassen (siehe dazu auch den Podcast M2P026 Cogneon 2.0 von unserer 15-jährigen Geburtstagsfeier). Nachdem das neben unser täglichen Arbeit ein komplexes Unterfangen ist (im wesentlichen passiert das in unserer 20%-Zeit), ist die Projektlaufzeit auf 2016-2022 angelegt. Wie im Wissensmanagement üblich, soll das auf den drei Ebenen Individuum, Team und Organisation erfolgen. Wir betrachten unsere zentralen Projekte der letzten 18 Jahre und extrahieren die zentralen Erkenntnisse. Die drei orangen Rechtecke im lernOS Logo stehen für diese drei Ebenen.

Ich bin seit vielen Jahren in der Podcasting Community rund um das Sendegate und die Subscribe aktiv. Dort habe ich Johannes und Eva kennengelernt, die beide einen Podcast auf Esperanto machen. Über diesen Kontakt bin ich darauf gestoßen, dass das Verb lernos auf Esperanto die Zukunftsform von lernen ist. Das hat perfekt zu unseren Handlungsfeldern Lebenslanges Lernen und Lernende Organisationen gepasst. Da die Digitalisierung (genauer die Digitalität) in unserer global vernetzten Wissensgesellschaft eine wichtige Rolle spielt, kamen wir auf die Idee, das durch das groß geschriebene „OS“ zu symbolisieren. So kam es zum Mission Statement „lernOS – Operating System for Lifelong Learning and Learning Organizations“.

Im Folgenden sammle ich mal die zentralen Unterschiede zwischen lernOS und WOL, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Interesse besteht, kann ich ähnliche Vergleiche auch mal für lernOS und Scrum, lernOS und OKR sowie lernOS und GTD machen.

Unterschiede auf übergeordneter Ebene

  1. Betrachtungsebenen: lernOS betrachtet die gesamte Organisation und das lebenslange Lernen der Organisationsmitglieder (lebenslang = von der Wiege bis zur Bahre). lernOS kann daher als systemischer Ansatz angesehen werden, der die einzelnen Ebene der Organisation wie in einem Fraktal zusammenführt. WOL fokussiert nur auf das Individuum.
  2. Zielgruppen: der große Charme von WOL liegt darin, dass es ein fertiges Rezept ist, das man in eine Organisation geben und genau so anwenden kann. Daher eignet sich WOL besonders gut für Einsteiger*innen, die bisher noch nicht bloggen, twittern, vlogen, podcasten etc. und die Vorteile des offenen und vernetzten Arbeitens mit einer einfachen Methode erlernen möchten. Für lernOS auf individueller Ebene gilt das prinzipiell auch, nur dass mit Canvas und den weiteren Methoden Scrum, OKR und GTD mehr Freiheitsgrade bestehen, wodurch der Ansatz auch komplexer wird. Daher sieht man in der Praxis oft, dass Menschen mit lernOS weitermachen, wenn sie die ersten 1-2 WOL Circle durchlaufen haben (siehe z.B. Podcast M2P037 lernOS Circle 1 Lessons Learned mit Leonid).
  3. Wiederverwendbarkeit: ich glaube bei Wissen und Lernen nicht an eine „One-Size-Fits-All Lösung“. Deswegen stehen die Inhalte von lernOS durchgängig unter der offenen Creative Commons Lizenz CC BY, damit sich jeder den Ansatz auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Dafür stehen alle Quellen wie z.B. die Bilder im SVG-Format auf Github zum Download zur Verfügung.

Unterschiede auf individueller Ebene

  1. Sprint vs. Circle: Zentrales strukturelles Element in lernOS ist der lernOS Sprint, in WOL ist es ein WOL Circle. Der lernOS Sprint ist ein Zeitraum von 13 Wochen, in dem etwas neues gelernt wird. Einen lernOS Sprint kannst du in einem lernOS Circle machen, aber auch für dich alleine. lernOS setzt dabei wie WOL auf der Idee der Lean In Circles auf, selbstorganisiertes Lernen in kleinen Gruppen zu fördern. Die Modifikation von WOL (z.B. Reduktion von 12 auf 5 Circle Mitglieder) sind übernommen.
  2. Sprint Dauer: ein Circle in WOL dauert 12 Wochen und beginnt mit der Definition des Ziels. In lernOS ist eine Woche 0 vorgelagert, in der man selbst oder gemeinsam mit dem Circle den Sprint planen und die Infrastruktur einrichten kann. Somit ergibt sich in lernOS eine Sprint Dauer von 13 Woche, was gut zum Quartalstakt von OKR passt (4 Sprints = 1 Jahr).
  3. Sprint Wiederholung: einen WOL Circle macht man in der Regel nur 1-2 Mal, weil man das offene und vernetzte Arbeiten dann für sich erlernt hat. Die Sprints in lernOS wiederholen sich im Idealfall immer wieder, da sie ja das lebenslange Lernen unterstützen sollen. Hierfür gibt es verschiedene Lernpfade, da man ja nicht immer wieder die gleichen Aufgaben durchlaufen will. Ab der Version 1.4 wird es in lernOS jeweils einen Lernpfad für WOL, GTD und OKR geben. Darüber hinaus kann man mit den Leitfäden der lernOS Toolbox weitere Methoden wie Sketchnoting, Podcasting, Expert Debriefing etc. erlernen.
  4. Anzahl der Übungen: bevor ich angefangen habe, den lernOS for You Leitfaden zu schrieben, hatte ich 12 WOL Circle absolviert. Meine Beobachtung war, dass mit den 2-3 Übungen pro Woche die Agenda des stündlichen Meetings sehr dicht war und wir oft nicht alles geschafft haben. Außerdem waren einige Übungen dabei, die mich auch im 5-6 Circle nicht angesprochen haben (z.B. der Limonadenstand). Mir kam die Idee, dass für die Grundidee von WOL Observable Work + Narrating Your Work, nicht alle 31 Übungen aus den WOL Guides notwendig sind. Über eine Umfrage mit ca. 140 WOL Circle Absolventen habe ich herausgefunden, dass das andere durchaus auch so sehen. Daher wurde für den WOL Lernpfad in WOL die Anzahl von Übungen von 31 auf 11 (eine pro Woche) reduziert.
  5. Flipped Classroom: ich habe einige WOL Circle mit Führungskräften absolviert. Größtes Problem war dabei immer, synchrone Termine in 12 aufeinanderfolgenden Wochen hinzubekommen. Hat das geklappt, habe sich diese Führungskräfte öfter mal beschwert, dass sie sich gegenseitig beim „Briefe schreiben“ zuschauen sollen. Deswegen empfehlen wir in lernOS konsequent die Methode Flipped Classroom zu verwenden, d.h. jeder macht die Übungen vorab und man tauscht sich dann im wöchentlichen Treffen über Ergebnisse aus und diskutiert Probleme.
  6. Ziel vs. OKR: In WOL definiert man sich ein Ziel ohne eine methodische Vorgabe. lernOS verwendet das agile Zielmanagement-System OKR von Google, um Ziele anziehen und messbar zugleich zu formulieren. Über den Einsatz von OKR wird die Kopplung von Zielen über die Ebenen Individuum, Team und Organisation möglich.
  7. OKR und Canvas: WOL bietet drei Fragestellungen, um ein Ziel auf Eignung für einen Circle zu prüfen (Ist es dir wirklich wichtig? Kann man es als Lernziel formulieren? etc.). lernOS bietet zusätzlich den lernOS Canvas, mit dem man Ziele systematisch aus aktuellen Aufgaben, Rollen und Projekten ableiten kann.
  8. OneNote Circle Template: was mich in meinen WOL Circle immer gestört hat war, dass es keine (digitale) Unterstützung für die Dokumentation gibt. PDFs auszudrucken und dort reinzuschreiben hat sich für mich nie zeitgemäß angefühlt. Außerdem haben Circle Mitglieder oft beim nächsten Treffen ihre „Papierwirtschaft“ vergessen und sich an ihre Dokumentation nicht mehr erinnert. Daher haben wir für lernOS Circle ein OneNote Circle Template entwickelt, dass den gesamten Prozess der Dokumentation und Kommunikation im Circle unterstützt.
  9. Mindset, Skillset, Toolset: die Bedeutung der richtigen Grundeinstellung wird in WOL durch das Element Growth Mindset von Carol Dweck betont. In lernOS wird mit dem Dreiklang Mindset, Skillset und Toolset hervorgehoben, dass es auf die richtige Balance von Haltung, Fähigkeiten, Methoden und Tools ankommt. Jede dieser drei Dimension wird auf einer weiteren Ebene durch empirisch und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse detailliert (Skillset z.B. durch das 4C Framework und das DigCom 2.1 Framework). Über einen Bogen zur Selbsteinschätzung kann man herausfinden, in welchem Bereich man den größten Lernbedarf hat.
  10. Skills for the 21st Century: lernOS versucht quasi als „hidden agenda“ die Nutzer mit wichtigen Methoden und Wissensbeständen für das 21. Jahrhundert in Berührung zu bringen. Einige Beispiele dazu: auf individueller Ebene wird nicht eine einzelne Methode verwendet, sondern die Kombination aus Scrum, OKR, GTD und WOL. Über den Sprint-Verlauf sind zwei Boxenstopps eingebaut, über den die Nutzer*innen mit der Methode Minimum Viable Product aus Lean Startup in Kontakt gebracht werden. Über die Links und Fußnoten bringen wir die Nutzer*innen mit weiteren 21st Century Skills wie beispielsweise Open by Default, Mozilla Web Literacy Framework, Web 2.0, Future Backwards etc. in Berührung.

Das sind mal die wichtigsten Unterschiede aus meiner Sicht. Wenn ihr weitere kennt, gerne unten in die Kommentare damit.

Audiobooks sind mit Plattformen wie Amazon Unlimited oder Audible ein großer Trend geworden. Dort kann man sich gelesene Versionen von Büchern herunterladen und unterwegs anhören. Ende März hat Asja auf Twitter die Frage aufgebracht, ob man so ein Audiobook nicht auch für lernOS Leitfäden anbieten könnte:

Da die Inhalte gemäß einer agilen Entwicklungsmethode alle drei Monate in einer neuen Version erscheinen, ist das Einlesen der Texte von menschlichen Sprechern nicht realistisch – außer wir finden einen Sponsor, der uns regelmäßig Rufus Beck finanziert :-)

Also habe ich mich mal auf die Suche nach freien Sprachsynthese-Anwendungen begeben. Gedanklich waren die Anforderungen an die Anwendung ungefähr so (es gab kein Lastenheft):

  • Freie Software, damit alle damit experimentieren können
  • Verfügbarkeit gut klingender Stimmen
  • Kommandozeilen-Tool, damit wir es in unseren automatisierten Produktionsprozess einbinden können
  • Export-Funktion als MP3, idealerweise weiterer Audio-Formate
  • Kapitelmarken-Funktion, damit die Kapitel im Leitfaden auch im Audiobook einzeln ansteuerbar sind

Getestet haben wir z.B. auch, Siri auf dem iPhone den Leitfaden vorlesen zu lassen und dass dann über ein Audio-Interface aufzunehmen. Schließlich haben wir uns dann für die Freeware-Anwendung Balabolka entschieden.

Balabolka setzt auf dem Windows Speech Application Programming Interface (SAPI) auf. Dadurch kann auf eine Vielzahl kostenloser und kostenpflichtiger Stimmen zurückgegriffen werden. Für SAPI 5 sind noch nicht so viele Stimmen verfügbar, wie für SAPI 4, das wird sich aber in Zukunft noch ändern.

Balabolka kann Text aus einer großen Auswahl von Quellen einlesen, darunter die Zwischenablage und Dateiformate wie DOC, EPUB, HTML, MOBI, HTML und PDF. Da wir die lernOS Leitfäden auch in den eBook-Formate EPUB und MOBI erstellen, kam uns diese Flexibilität sehr entgegen. Die synthetisierten Texte können dann in den Audio-Formaten WAV, MP3, OGG und WMA abgespeichert werden. Perfekt.

Ich habe jetzt mal die deutsche und englische Version des lernOS for You Leitfaden als MP3 erstellt (Laufzeit ca. 1h, Größe ca. 50 MByte). Um für die experimentellen Audiobooks eine kompakte Seite mit Player und Feedback-Option zu erhalten, habe ich beide Dateien auf archive.org hochgeladen:

Es ist natürlich klar, dass die Sprachsynthese nicht an die Lösung mit Rufus Beck heranreicht. Aber hört bitte trotzdem mal rein und schreibt auf der Seite unten eine sog. Rezension mit eurem Feedback. Meine Frage ist, ob wir dieses Art Audiobooks bei den Leitfäden mal mit anbieten sollen, oder ob das noch zu weit von brauchbar entfernt ist.

Bei unseren Veranstaltungen versuchen wir immer auch neue und innovative Ansätze ganz praktisch umzusetzen, um Erfahrungen zu sammeln. So haben wir beispielsweise vor über fünf Jahren den Ansatz Flipped Classroom bei allen unseren Seminaren eingeführt, den Management 2.0 MOOC durchgeführt (2013), Livestreaming zur KnowTouch 2016 angeboten und die kollaborative Dokumentation mit einem Google Doc bei der KnowTouch 2018 verprobt.

Beim lernOS Rockstars Camp gibt es auch wieder eine Reihe innovativer Elemente. Eine davon ist die Vergabe eines Badges als digitales Zertifikat für die erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung. Wir folgen dabei dem Ansatz von Open Badges, der von Mozilla Foundation und MacArthur Foundation gemeinsam entwickelt wurde (Open Badges v2.0 Standard).

Ein Badge ist eine digitale Grafik im Format PNG oder SVG, in die Metadaten im JSON-Format eingebettet werden. Importiert man diese Grafik dann in ein System mit Open-Badge-Unterstützung (z.B. ein LMS) werden neben der Grafik auch die Metadaten importiert und das System “weiß”, welche Lernleistungen man vollbracht hat. Für das lernOS Camp haben wir daher ein rundes Badge entwickelt, das die Teilnehmer*innen auch als physischen Aufkleber für das Notebook erhalten:

Der nächste Schritt war die Auswahl der Infrastruktur für die Erstellung und den Versand der Badges. Theoretisch kann man Badges mit Anwendungen wie der openbadges-bakery (Github) auch selber erstellen und die Grafiken dann per Email verschicken. Den manuellen Aufwand wollte ich uns aber für die Zukunft nicht auferlegen.

Es folgte eine Recherche möglicher Dienste. Der Markt fühlte sich bei dieser noch jungen Technologie noch recht unübersichtlich an. lernOS Supporter SAP setzte seine openSAP Digital Badges beispielsweise zusammen mit dem Anbieter Acclaim um (Ankündigung).

Um möglichst einfache Nachahmung z.B. für Barcamps zu ermöglichen, wollten wir aber einen (kosten)freien Anbieter wählen. Zunächst fiel uns dabei der Backpack-Dienst von Mozilla auf. Doch Mozilla ED Mark Surman hat im August 2018 angekündigt, diesen Dienst nicht weiter fortzuführen, da es mittlerweile genug Akteure gibt, die diese Innovation vorntreiben.

Nach ausgiebiger Suche fiel unsere Wahl auf den Dienst Badgr von Concentric Sky, die für die MacArthur Foundation seit Beginn der Open Badges Bewegung eine zentrale Rolle gespielt haben. Alle beim lernOS Camp eingecheckten Teilnemer*innen, erhalten am Tag nach der Veranstaltung ein Email mit dem Badge. Zusätzlich kann man sich das Zertifikat auch in einem hübschen PDF generieren lassen, um es z.B. in einem schönen Rahmen über den Schreibtisch zu hängen :-)

Mit Audio und Video zur Wissensbewahrung beschäftige ich mich im Rahmen unserer Expert Debriefing Methode schon sehr lange. Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir unseren Ansatz des internen Podcastings im Rahmen des Wissenstransfers entwickelt. Und auch im Design von Veranstaltungen spielt das Thema eine immer größere Rolle. Insbesondere bei Community-orientierten Veranstaltungen helfen Livestream und Aufzeichnung, entfernte Community-Mitglieder einzubinden und auch nach der Veranstaltung einen Anlass für Diskussion und Aktion zu bieten.

Klares Vorbild für mich ist das Video-Team c3voc des Chaos Computer Club. Von allen größeren Veranstaltungen gibt es einen Video-Livestream und alle Vorträge werden im Nachgang auf media.ccc.de als Audio- und Video-Podcast sowie auf YouTube bereitgestellt. Ich habe den gesamten Feed von media.ccc.de abonniert und bekomme so in meiner Podcast-App (Castro) sofort mit, wenn neue Aufzeichnungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise bin ich schon auf viele spannende Themen gestoßen, die sonst an mir vorbei gegangen wären (Serendipity Effekt).

Mit diesen Erfahrungen war mir schon bei unserer KnowTouch 2016 und KnowTouch 2018 klar, dass wir Livestream und Aufzeichnungen anbieten müssen. Wir haben uns ein Konzept dafür überlegt, das natürlich viel schlanker ausfällt, als das des c3voc. Die Konfiguration haben wir kontinuierlich weiterentwickelt, der letzte Einsatz war beim Livestream des kuratierten Tracks Arbeitswelten der Zukunft des KnowledgeCamp 2018.

Falls ihr mal ein ähnliches Setup aufsetzen wollt, hier eine kleine Übersicht der verwendeten Hard- und Software:

  • Streaming-Rechner: ein Intel Mini-PC NUC i7 mit 16 GB RAM und Windows 10
  • Streaming-Software: wir verwenden das Open Broadcaster Studio (OBS) für die Bildkomposition, die Aufzeichnung auf dem Rechner und das Streamen zu YouTube-Live. OBS kommt aus der Gamer-Szene, ist sehr performant und sehr leicht zu bedienen.
  • Kamera: semi-professioneller HD-Camcorder Canon HD25, hiermit nehmen wir das Video Bild der Redner*innen auf. Ein Elgato Camlink Adapter konvertiert das Videosignal der Kamera in ein USB-Video-Signal für den PC
  • Audio-Funkstrecken: wir setzen vier Sennheiser XSW Funkstrecken ein. Zwei davon mit Nackenbügel- und zwei mit Hand-Mikrofonen. Über einen Mackie VLZ4 Mischpult werden die Audio-Signale gemischt und in die Kamera eingespeist. Am Mackie hängt zusätzlich ein iPad für die Zuspielung der Musik. Die Aufzeichnung in der Kamera dient uns als zusätzliches Backup (neben OBS und YouTube).
  • Video-Funkstrecke: da sich Rednerpult und Streaming-Rechner an zwei verschiedenen Enden des Plenums befinden, setzen wir einfach eine Clickshare-Video-Funkstrecke ein, um das Videosignal durch den Raum zu übertragen und lange Kabelführungen zu vermeiden. Der HDMI-Ausgang des Clickshare-Empfängers wird über ein Vaddio AV Bridge auch in ein USB-Video-Signal konvertiert und steht so im Streaming-Rechner zur Verfügung. Leider haben wir es bisher nicht hinbekommen, zwei Elgato Camlink mit OBS zu betreiben, das würde die Gesamtlösung nochmal kompakter und günstiger machen.

Und wer das Ergebnis dieses Aufbaus sehen will, kann sich am Dienstag 25.06.2019 ab 09:30 Uhr den Livestream vom loscamp19 ansehen (ICS-Datei zum Eintragen in den Kalender und Weiterleiten an Kolleg*innen):

Eigentlich hatte ich mir das als Aufgabe für die Sommerpause vorgenommen. Ich wollte eine kleine Anleitung schreiben, wie man eigentlich lernOS Guides schreiben kann, denn in Zukunft soll dazu jeder in der Lage sein. Warum erst in der Sommerpause? Weil bis dahin mehr Erfahrungen mit den drei bestehenden Leitfäden (lernOS for You, lernOS Expert Debriefing Leitfaden, lernOS Podcasting Leitfaden) vorliegen würden.

Doch an einigen Stellen laufen schon Überlegungen zu neuen Guides, so dass ich diese Aufgabe vielleicht ein bisschen vorziehen werde. Karsten tüftelt an einem KM 101 Leitfaden und Karl ist mit einer Gruppe von Sketchnoter*innen an einem lernOS Sketchnoting Guide dran:

Mit der Version 1.1 des lernOS for You Guides haben wir das Konzept von “Lernpfaden” (learning paths) eingeführt. Die Grundidee ist, dass der selbstgesteuerte Lernprozess als Grundstruktur immer 13-wöchige Sprints verwendet, die Lerninhalte sich in Form der Katas (Übungen) aber je nach Lernziel ändern können. Dafür muss man die Sprints mit dem Sprint Planning (Woche 0), der Sprint Retrospektive (Woche 12) und den Lernpfaden/Katas so aufbauen, dass sie modular und austauschbar sind. Das habe ich im Release Webcast zur Version 1.1 kurz beschrieben:

Außerdem wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, wenn das Inhaltsverzeichnis der lernOS Leitfäden gleich strukturiert ist, damit sich die Lernenden schnell zurecht finden können. Hier war für mich das gedankliche Vorbild die ISO 9001, die in den letzten fünf Jahren eine sog. High Level Structure (HLS) entwickelt haben, damit verschiedene Management-Standards die gleiche Struktur haben und sich teilweise auch Inhalte teilen können. Die drei bestehenden Leitfäden haben aus historischen Gründen unterschiedliche Strukturen. Diese habe ich bei mir im OneNote schonmal nebeneinander gelegt und versucht, daraus eine “lernOS HLS” abzuleiten:

Aus diesen und weiteren Vorüberlegungen ließen sich dann ein paar erste Grundregeln für die Erstellung von ganzen lernOS Leitfäden oder Lernpfaden ableiten:

  • Ein lernOS Leitfaden oder lernOS Lernpfad ist unter Creative Commons Attribution Lizenz (CC BY) verfügbar.
  • Ein lernOS Leitfaden verwendet die lernOS High Level Structure als Grundstruktur.
  • Die Quellen eines lernOS Leitfadens sind in einem Repository auf github auf Basis einer im lernOS Core bereitgestellten Vorlage verfügbar.
  • Alle lernOS Inhalte verwenden das lernOS Glossar und weitere Sprach- und Formatierungskonventionen (Sie/Du, aktive/passive Sprache, neue/alte Rechtschreibung etc.).
  • Die Katas eines Lernpfads sind für die 13 Wochen eines Lern-Sprints ausgelegt (mindestens 11 Übungen). Daumenregel für den Zeiteinsatz pro Woche sind 1-2 Stunden.
  • Die Katas eines Lernpfads müssen für alle Lernenden in Selbstorganisation und mit vertretbarem Aufwand möglich sein (keine Inhalte hinter Paywalls, keine Teilnahme an kostenpflichtigen Veranstaltungen etc.).
  • Die Beschreibung der Katas folgt der einheitlichen Struktur der Vorlage, wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen.
  • Für den Learning Circle Moderator wird eine Checkliste angeboten, die ihn bei der Begleitung des Lernpfads unterstützt.

Das ist mal ein “braindump” meiner bisherigen Gedanken zu einem “How to write a lernOS Guide?” Tutorial, die sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben. Meine Frage an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, auch mal einen lernOS Guide/Lernpfad zu erstellen oder sich mit der Materie auskennen: ergibt das so Sinn? Was fehlt? Wo besteht die Gefahr der “Überregulation”?

Für das lernOS Projekt soll es auch ein lernOS Glossar geben, in dem alle zentralen Begriffe definiert sind. Wo möglich, sollen diese Definitionen auf allgmein anerkannten und bereits bestehenden Definitionen aufbauen.

Einige Definitionen, wie beispielsweise “Projekt” oder “Prozess” sind einfach. Andere Fälle sind schwieriger gelagert, weil es keine allgemein akzeptierte Definition gibt. Ein solcher Fall ist der Begriff “Führung” (im Sinne der Führung von Menschen).

Um mich an eine Definition für das lernOS Glossar heranzutasten bin ich zunächst mal von einer Definition ausgegangen, die nahe an der Wikipedia-Definiton lag:

Version 1: Führung ist die Tätigkeit, „geführte“ Menschen für gesetzte Ziele zu motivieren und auf den Weg der Erfüllung der Ziele für den gemeinsamen Erfolg mitzunehmen.

Dann habe ich auf Twitter die Frage gestellt, ob man Führung so definieren könne (Ja/Nein-Auswahl mit der Bitte um eine Begründung. Die überwiegende Mehrheit stimmte für nein (80% nein bei 45 Stimmabgaben, Abstimmung läuft noch).

Aus den Kommentaren und dem Feedback lies sich einiges an Verbesserungsvorschlägen für eine aktualisierte Definition ziehen:

  • Gut: Begrenzungen und Eckplanken, die das Leben leichter machen (Martin)
  • Fehlt: Gemeinsam über Ziele entscheiden (Peter)
  • Vorschlag: Führung als bewusste und zielbezogene Einflussnahme auf Menschen nach Rosenstiel (Anna)
  • Bedenkenswert: kann Führung auch nicht an Personen/Rollen gebunden sein? (Anna)
  • Bedenkenswert: Führung, um Menschen zur Entfaltung zu bringen (Katharina, Thomas, Pivi)
  • Zu eng für mich: Führen als Entscheiden (me&me)
  • Kritik: motivieren/mitnehmen klingt zu sehr nach “bemuttern” (Jo)
  • Bedenkenswert: Führung als Haltung, nicht als Tätigkeit (Henning)
  • Gut: Demotivation vermeiden und positives Umfeld schaffen (Henning)
  • Kritik: “geführte” aus “geführte Menschen” streichen (Marc)

Auf Basis dieses Feedbacks habe ich dann eine neue Version der Definition erstellt, die auch mir deutlich besser gefällt:

Version 2: Führung ist die Tätigkeit, Menschen in die Zielfindung einzubinden, motivierende Rahmenbedingungen zu schaffen, Lern- und Entwicklungsprozesse zu unterstützen und die Zielerreichung bei Bedarf zu unterstützen.

Die Version 2 habe ich in den Entwurf des lernOS Glossars aufgenommen. Die letzte Version der Definition wird es aber bestimmt nicht sein, gerne in den Kommentaren oder auf Twitter weiter mitdenken :) Vielen Dank an alle Beitragenden!

Für die Erstellung von lernOS Leitfäden haben wir uns einen Produktions-Workflow gebaut, der aus einer Single-Source automatisch verschiedene Zielformate erzeugen kann. Die Quellen der Leitfäden sind durchgängig in Markdown geschrieben. Für den ersten lernOS Guide in der Version 1.0 haben wir daraus die Formate PDF, DOCX (MS Word), HTML und EPUB (eBook) erzeugt. Für die Version 1.1 haben wir diesen Workflow etwas erweitert. In diesem Blog beschreibe ich alle notwendigen “Zutaten”.

Der alte Workflow hat im Kern zwei Werkzeuge verwendet:

  1. Pandoc: eine Anwendung zur Konvertierung von Dokumentformaten. Pandoc unterstützt eine Vielzahl von Dateiformaten, darunter z.B. Markdown, textile, HTML, LaTeX, Mediawiki, Creole, MS Word, ODT (Libre Office), DocBook uvm.
  2. MikTeX: damit pandoc auch PDF erzeugen kann, ist MikTeX notwendig. MikTeX ist eine LaTeX-Version für Windows.

Im alten Workflow wurde eine PDF-Version, eine Word-Version, eine HTML-Version (u.a. zur Erzeugung der OneNote-Vorlage) und eine EPUB-Version erstellt. Die PDF-Version hatte das lernOS-typische orange Cover, die anderen Versionen waren ohne Cover, da die Cover-Erzeugung eine Funktion der LaTex-Vorlage ist. Außerdem konnte die EPUB-Version nicht direkt an den verbreiteten Amazon Kindle (Device oder App) übertragen werden, da dieser MOBI und nicht EPUB als Format verwendet. Daher wurde der Workflow für die Version 1.1 des lernOS Guide wie folgt erweitert:

  1. ImageMagick: freie Anwendung zur Erstellung und Bearbeitung von Raster- und Vektor-Grafiken. Damit ist die Konvertierung des Covers (erste Seite des PDF) in eine PNG-Datei möglich.
  2. Calibre: freie Anwendung zur Verwaltung und Konvertierung von eBooks. Damit kann die EPUB-Version um Metadaten und das Cover erweitert und im Anschluss auch in das MOBI-Format konvertiert werden.

Auf diese Weise entsteht im neuen Workflow eine Datei mit Endung .mobi, die an die E-Mail-Adresse des eigenen Kindle geschickt werden kann. Dort kann der Leitfaden dann kommentiert, durchsucht und mit Lesezeichen versehen werden. Alle Markierungen synchronisieren sich automatisch über alle Kindle-Geräte.

Vor kurzem habe ich beim 1. Siemens Working Out Loud Camp in München eine Session mit dem Titel “Infrastructure for WOLers” angeboten (Folien). Darin habe ich versucht herzuleiten, welche Art von technischer Infrastruktur im Intranet oder Internet für das Praktizieren von Working Out Loud (WOL) notwendig ist. Mit WOL meinte ich damit weniger die Durchführung eines Circle zur Initialisierung, sondern eher das langfristige und nachhaltige Umsetzen einer offenen und partizipativen Arbeitshaltung.

Aus meiner Sicht spielen dabei im Internet und im Intranet die persönliche Homepage und der persönliche Weblog eine ganz zentrale Rolle. Geht man zu der frühen Definition von WOL als observable work + narrating your work zurück, kann man schnell die Parallelen zwischen WOL und den Eigenschaften von Weblogs sehen.

Der Begriff Weblog setzt sich aus den Begriffen Web und Logbuch bzw. Tagebuch zusammen. Ein Tagebuch im Sinne von WOL ist ein Ort, wo wir unsere Arbeit sichtbar machen, ähnlich der Idee von E-Portfolios im Bereich des Lernens. Das geschieht durch die Veröffentlichung (digitaler) Artefakte unserer Arbeit im Weblog. Das können Ergebnisse, Zwischenergebnisse, Ideen, Fragen und Lessons Learned mit Bezug zur Arbeit sein. Die Langform eines Weblogs ist im Gegensatz zu Meso- und Mikroblogs (Twitter, Tumblr & Co.) eher für das Storrytelling rund um den Arbeitsprozess (“narrating your work”) geeignet. Wenn reiner Text mit statischen Bildern für die Darstellung nicht reicht, kann auf die verwandten Formate Podcast (früher Audio-Blog) oder Vlog (Video-Blog) zurückgegriffen werden.

Weblogs waren ab 2005 die erste Welle im Handlungsfeld Enterprise 2.0. Auf die Blogs folgten Wikis (2008) und Enterprise Social Networks (ESN, 2012). Leider sind Blogs im Hype rund um ESNs ein bisschen untergegangen und der Fokus hat sich mehr in Richtung Mikroblogs und Communities verschoben.

Ich glaube trotzdem fest daran, das Blogs und damit Langform-Formate auch im Intranet eine Renaissance erleben werden und dann eine wichtige Basis für Working Out Loud bilden können. Auf Plattformen wie LinkedIn ist beipielsweise schon der Trend zu erkennen, dass Nutzer nicht mehr nur Beiträge schreiben (Kurzform), sondern zunehmend auch Artikel verfassen (Langform), wenn sie nicht wie Harald Schirmer, Sebastian Thomas oder Marcus Raitner über öffentliche Blogs verfügen.

Wie sind Eure Gedanken und Beobachtungen zu Weblogs als Basis-Infrastruktur für Working Out Loud?