Die 13 wichtigsten Unterschiede zwischen #lernOS und #WOL

Andreas hat auf Twitter die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen lernOS und WOL ist. Da die Frage öfter aufkommt, schreibe ich die wichtigsten Unterschiede in diesem Blog mal zusammen. Es kann sein, dass sich die Liste im Lauf der Zeit erweitert.

Ausgangspunkt von lernOS ist ein Projekt der Cogneon Akademie, die Erfahrungen in Projekten zu Wissensmanagement und Lernende Organisation seit der Gründung am 21.12.2001 in einem geschlossenen Ansatz zusammenzufassen (siehe dazu auch den Podcast M2P026 Cogneon 2.0 von unserer 15-jährigen Geburtstagsfeier). Nachdem das neben unser täglichen Arbeit ein komplexes Unterfangen ist (im wesentlichen passiert das in unserer 20%-Zeit), ist die Projektlaufzeit auf 2016-2022 angelegt. Wie im Wissensmanagement üblich, soll das auf den drei Ebenen Individuum, Team und Organisation erfolgen. Wir betrachten unsere zentralen Projekte der letzten 18 Jahre und extrahieren die zentralen Erkenntnisse. Die drei orangen Rechtecke im lernOS Logo stehen für diese drei Ebenen.

Ich bin seit vielen Jahren in der Podcasting Community rund um das Sendegate und die Subscribe aktiv. Dort habe ich Johannes und Eva kennengelernt, die beide einen Podcast auf Esperanto machen. Über diesen Kontakt bin ich darauf gestoßen, dass das Verb lernos auf Esperanto die Zukunftsform von lernen ist. Das hat perfekt zu unseren Handlungsfeldern Lebenslanges Lernen und Lernende Organisationen gepasst. Da die Digitalisierung (genauer die Digitalität) in unserer global vernetzten Wissensgesellschaft eine wichtige Rolle spielt, kamen wir auf die Idee, das durch das groß geschriebene „OS“ zu symbolisieren. So kam es zum Mission Statement „lernOS – Operating System for Lifelong Learning and Learning Organizations“.

Im Folgenden sammle ich mal die zentralen Unterschiede zwischen lernOS und WOL, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Interesse besteht, kann ich ähnliche Vergleiche auch mal für lernOS und Scrum, lernOS und OKR sowie lernOS und GTD machen.

Unterschiede auf übergeordneter Ebene

  1. Betrachtungsebenen: lernOS betrachtet die gesamte Organisation und das lebenslange Lernen der Organisationsmitglieder (lebenslang = von der Wiege bis zur Bahre). lernOS kann daher als systemischer Ansatz angesehen werden, der die einzelnen Ebene der Organisation wie in einem Fraktal zusammenführt. WOL fokussiert nur auf das Individuum.
  2. Zielgruppen: der große Charme von WOL liegt darin, dass es ein fertiges Rezept ist, das man in eine Organisation geben und genau so anwenden kann. Daher eignet sich WOL besonders gut für Einsteiger*innen, die bisher noch nicht bloggen, twittern, vlogen, podcasten etc. und die Vorteile des offenen und vernetzten Arbeitens mit einer einfachen Methode erlernen möchten. Für lernOS auf individueller Ebene gilt das prinzipiell auch, nur dass mit Canvas und den weiteren Methoden Scrum, OKR und GTD mehr Freiheitsgrade bestehen, wodurch der Ansatz auch komplexer wird. Daher sieht man in der Praxis oft, dass Menschen mit lernOS weitermachen, wenn sie die ersten 1-2 WOL Circle durchlaufen haben (siehe z.B. Podcast M2P037 lernOS Circle 1 Lessons Learned mit Leonid).
  3. Wiederverwendbarkeit: ich glaube bei Wissen und Lernen nicht an eine „One-Size-Fits-All Lösung“. Deswegen stehen die Inhalte von lernOS durchgängig unter der offenen Creative Commons Lizenz CC BY, damit sich jeder den Ansatz auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Dafür stehen alle Quellen wie z.B. die Bilder im SVG-Format auf Github zum Download zur Verfügung.

Unterschiede auf individueller Ebene

  1. Sprint vs. Circle: Zentrales strukturelles Element in lernOS ist der lernOS Sprint, in WOL ist es ein WOL Circle. Der lernOS Sprint ist ein Zeitraum von 13 Wochen, in dem etwas neues gelernt wird. Einen lernOS Sprint kannst du in einem lernOS Circle machen, aber auch für dich alleine. lernOS setzt dabei wie WOL auf der Idee der Lean In Circles auf, selbstorganisiertes Lernen in kleinen Gruppen zu fördern. Die Modifikation von WOL (z.B. Reduktion von 12 auf 5 Circle Mitglieder) sind übernommen.
  2. Sprint Dauer: ein Circle in WOL dauert 12 Wochen und beginnt mit der Definition des Ziels. In lernOS ist eine Woche 0 vorgelagert, in der man selbst oder gemeinsam mit dem Circle den Sprint planen und die Infrastruktur einrichten kann. Somit ergibt sich in lernOS eine Sprint Dauer von 13 Woche, was gut zum Quartalstakt von OKR passt (4 Sprints = 1 Jahr).
  3. Sprint Wiederholung: einen WOL Circle macht man in der Regel nur 1-2 Mal, weil man das offene und vernetzte Arbeiten dann für sich erlernt hat. Die Sprints in lernOS wiederholen sich im Idealfall immer wieder, da sie ja das lebenslange Lernen unterstützen sollen. Hierfür gibt es verschiedene Lernpfade, da man ja nicht immer wieder die gleichen Aufgaben durchlaufen will. Ab der Version 1.4 wird es in lernOS jeweils einen Lernpfad für WOL, GTD und OKR geben. Darüber hinaus kann man mit den Leitfäden der lernOS Toolbox weitere Methoden wie Sketchnoting, Podcasting, Expert Debriefing etc. erlernen.
  4. Anzahl der Übungen: bevor ich angefangen habe, den lernOS for You Leitfaden zu schrieben, hatte ich 12 WOL Circle absolviert. Meine Beobachtung war, dass mit den 2-3 Übungen pro Woche die Agenda des stündlichen Meetings sehr dicht war und wir oft nicht alles geschafft haben. Außerdem waren einige Übungen dabei, die mich auch im 5-6 Circle nicht angesprochen haben (z.B. der Limonadenstand). Mir kam die Idee, dass für die Grundidee von WOL Observable Work + Narrating Your Work, nicht alle 31 Übungen aus den WOL Guides notwendig sind. Über eine Umfrage mit ca. 140 WOL Circle Absolventen habe ich herausgefunden, dass das andere durchaus auch so sehen. Daher wurde für den WOL Lernpfad in WOL die Anzahl von Übungen von 31 auf 11 (eine pro Woche) reduziert.
  5. Flipped Classroom: ich habe einige WOL Circle mit Führungskräften absolviert. Größtes Problem war dabei immer, synchrone Termine in 12 aufeinanderfolgenden Wochen hinzubekommen. Hat das geklappt, habe sich diese Führungskräfte öfter mal beschwert, dass sie sich gegenseitig beim „Briefe schreiben“ zuschauen sollen. Deswegen empfehlen wir in lernOS konsequent die Methode Flipped Classroom zu verwenden, d.h. jeder macht die Übungen vorab und man tauscht sich dann im wöchentlichen Treffen über Ergebnisse aus und diskutiert Probleme.
  6. Ziel vs. OKR: In WOL definiert man sich ein Ziel ohne eine methodische Vorgabe. lernOS verwendet das agile Zielmanagement-System OKR von Google, um Ziele anziehen und messbar zugleich zu formulieren. Über den Einsatz von OKR wird die Kopplung von Zielen über die Ebenen Individuum, Team und Organisation möglich.
  7. OKR und Canvas: WOL bietet drei Fragestellungen, um ein Ziel auf Eignung für einen Circle zu prüfen (Ist es dir wirklich wichtig? Kann man es als Lernziel formulieren? etc.). lernOS bietet zusätzlich den lernOS Canvas, mit dem man Ziele systematisch aus aktuellen Aufgaben, Rollen und Projekten ableiten kann.
  8. OneNote Circle Template: was mich in meinen WOL Circle immer gestört hat war, dass es keine (digitale) Unterstützung für die Dokumentation gibt. PDFs auszudrucken und dort reinzuschreiben hat sich für mich nie zeitgemäß angefühlt. Außerdem haben Circle Mitglieder oft beim nächsten Treffen ihre „Papierwirtschaft“ vergessen und sich an ihre Dokumentation nicht mehr erinnert. Daher haben wir für lernOS Circle ein OneNote Circle Template entwickelt, dass den gesamten Prozess der Dokumentation und Kommunikation im Circle unterstützt.
  9. Mindset, Skillset, Toolset: die Bedeutung der richtigen Grundeinstellung wird in WOL durch das Element Growth Mindset von Carol Dweck betont. In lernOS wird mit dem Dreiklang Mindset, Skillset und Toolset hervorgehoben, dass es auf die richtige Balance von Haltung, Fähigkeiten, Methoden und Tools ankommt. Jede dieser drei Dimension wird auf einer weiteren Ebene durch empirisch und wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse detailliert (Skillset z.B. durch das 4C Framework und das DigCom 2.1 Framework). Über einen Bogen zur Selbsteinschätzung kann man herausfinden, in welchem Bereich man den größten Lernbedarf hat.
  10. Skills for the 21st Century: lernOS versucht quasi als „hidden agenda“ die Nutzer mit wichtigen Methoden und Wissensbeständen für das 21. Jahrhundert in Berührung zu bringen. Einige Beispiele dazu: auf individueller Ebene wird nicht eine einzelne Methode verwendet, sondern die Kombination aus Scrum, OKR, GTD und WOL. Über den Sprint-Verlauf sind zwei Boxenstopps eingebaut, über den die Nutzer*innen mit der Methode Minimum Viable Product aus Lean Startup in Kontakt gebracht werden. Über die Links und Fußnoten bringen wir die Nutzer*innen mit weiteren 21st Century Skills wie beispielsweise Open by Default, Mozilla Web Literacy Framework, Web 2.0, Future Backwards etc. in Berührung.

Das sind mal die wichtigsten Unterschiede aus meiner Sicht. Wenn ihr weitere kennt, gerne unten in die Kommentare damit.

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