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Euer Input zur Wissensmanagement-Norm ist gefragt: ISO/DIS 30401 Knowledge Management Systems

Gerade ist in der International Organization for Standardization (ISO) ein Prozess im Gange, um eine Wissensmanagement-Norm mit dem Titel ISO 30401 Knowledge Management Systems – Requirements zu veröffentlicht. Federführend ist das Technical Committee (TC) 260 Human Resources Management. Der aktuelle Status ist “Draft International Standard” (DIS) und es wird über die nationalen Normungsinstitute Feedback eingesammelt. Über die BSI Group kann man den aktuellen Stand einsehen und zu allen Passagen der Norm Kommentare abgeben.

Um Euch ein bisschen neugierig auf die Norm zu machen, hier der Auszug mit den “Guiding Principles”:

  1. NATURE OF KNOWLEDGE: knowledge is intangible and complex. Knowledge primarily originates from human experience and insights.
  2. VALUE: knowledge is a key source of value for organizations to meet their objectives. The determinable value of knowledge is in its impact on organisational purpose, objectives, policies, processes and performance. Knowledge management is a means of unlocking the potential value of knowledge.
  3. FOCUS: knowledge management serves the organizational objectives, strategies and needs.
  4. ADAPTIVE: There is no one knowledge management solution that fits all organizations within all contexts. Organizations may develop their own approach to the scope of knowledge and knowledge management and how to implement these efforts, based on the needs and context.
  5. SHARED UNDERSTANDING: people create their own knowledge by their own understanding of the input they receive. For shared understanding, knowledge management should include interactions between people, using content, processes, and technologies where appropriate.
  6. ENVIRONMENT: knowledge is not managed directly; knowledge management focuses on managing the working environment thus nurturing the knowledge lifecycle.
  7. CULTURE: culture is critical to the effectiveness of knowledge management.
  8. ITERATIVE: implementation of knowledge management should be phased, incorporating learning and feedback cycles.

Klingt doch schon mal gar nicht schlecht, oder? Wenn Ihr Lust und Zeit habt, klinkt Euch gerne in den Feedback-Prozess ein, damit wir am Ende einen tollen Standard für das Wissensmanagement erhalten!

Falls Ihr Euch auch für das Thema Prozessorientiertes Wissensmanagement im Rahmen der ISO 9001:2015 interessiert, dann empfehle ich Euch diese Webinar-Aufzeichnung vom 12.05.2017:

LernOS Session auf dem Corporate Learning Camp

Wie auch schon auf dem Knowledge Camp habe ich auf dem Corporate Learning Camp 2017 eine Feedback Session zu LernOS, dem Organisationssystem für Lernende Organisationen gehalten.

Zu Beginn der Session habe ich Geschichte und Grundlagen von LernOS erklärt (Basis war LernOS Handbuch Version 0.2). Die Session-Teilnehmer*innen hatten dann fünf Minuten Zeit, auf einem Postit mit einem “+” markiert aufzuschreiben, was Ihnen an LernOS gefällt und mit einem “-” markiert, was sie anders machen würden. Im Folgenen das Fotoprotokoll und das Transkript der PostIt’s aus der Session (Klicken zum Vergößern).

POSITIV – Gefällt mir gut

  1. Sprints -> Timeboxing
  2. OS-/Appstore Metapher
  3. Konzept verfügbar, statt selbst erfinden zu müssen. Wie gehe ich dazu in einen Austausch?
  4. Rückt das Lernen ins Bewusstsein von Organisationen
  5. Übersichtliche Zusammenstellung
  6. Ordnendes System für ein sehr komplexes Thema
  7. Adaption einer bekannten Metapher
  8. Visualisierung -> “Einfachheit”
  9. Drei-Ebenen-Logik
  10. Retro
  11. Konkrete Hilfe
  12. LernOS toller Sinn (Esperanto: ich werde lernen)
  13. Plattform, Apps -> Plattform Economy, aufsetzen auf bestehende Plattform
  14. Themensammlung (Anm.: gleichzeitig auch als negativer Punkt genannt)
  15. LernOS Process -> Sprints
  16. Spannendes Thema
  17. App-Metapher für Toolbox
  18. Tolle Übersicht -> bin neugierig -> Community
  19. Diagnose-SWOT
  20. ISO Prozess “Review” Denke
  21. Framework = Orientierung
  22. Community-Gedanke
  23. Standard-Vorgehen, zu starke Schranken (gleichzeitig auch als negativer Punkt genannt)
  24. Community entwickelt weiter
  25. App-Ansatz -> Modulare Weiterentwicklung
  26. #alltogether, #mutanfall
  27. Einheitliches System
  28. Verknüpfung ISO -> Umsetzungstool

NEGATIV – Würde ich anders machen

  1. SWOT zu wenig
  2. Nutzen für Einzelnen
  3. Wo ist die Installationsanleitung/-datei
  4. Wirkt noch unübersichtlich
  5. Sehr erklärungsbedürftig, ggf. missverständlich (Software?)
  6. Titel zu erklärungsbedürftig
  7. Weg aus IT-Schiene
  8. Für internationalen Gebrauch besser anderen Namen
  9. Themensammlung (Anm.: gleichzeitig auch als positiver Punkt genannt)
  10. Verwirrt
  11. Wie motiviere ich Unternehmen?
  12. Unklare Darstellung (Ziel, Zielgruppe, Begriffe)
  13. Für Kommunikation/Zielgruppe hilfreich?
  14. Bezeichnung passt nicht, keine Software
  15. Scope Organisation, Team, Individuum zu vereinfacht
  16. Methoden Matching -> Welche Methode wann (Ist das dargestellt?)
  17. Wirkt sehr technisch
  18. Nähe zu “Software”(-Entwicklung) (anderer Name?)
  19. Standard-Vorgehen, zu starke Schranken (gleichzeitig auch als positiver Punkt genannt)
  20. Warum mitmachen?
  21. Keine neuen Inhalte
  22. Softwareanalogie führt zu vermeidbaren Irritationen bzw. schreckt ab

Das Feedback werde ich in eine Version 0.3 einarbeiten und spätestens bis zur Geburtstagsfeier von Cogneon am 21.12. bereitstellen. Der nächste Schritt sind dann 2-3 Videokonferenzen im Entwicklerkreis und die geplante Veröffentlichung einer Version 0.4 im Quartal 1 2018.

Wer mag kann sein Feedback und seine Gedanken natürlich gerne unten in die Kommentare schreiben!

Top 10 Journals für Wissen, Lernen und Management in 21. Jahrhundert

Im Volume 21 Issue 3 des Journal of Knowledge Management (JKM) hat Nick Bontis eine Aktualisierung seines Rankings von Journalen im Bereich Wissensmanagement und Intellektuelles Kapital veröffentlicht. Das Ranking gab es bereits in Versionen von 2008 und 2012. Das aktuelle Ranking umfasst 27 Journale, hier die Top 10:

  1. Journal of Knowledge Management (1.986)
  2. Journal of Intellectual Capital (1.558)
  3. Knowledge Management Research & Practice (1.492)
  4. The Learning Organization (1.410)
  5. International Journal of Knowledge Management (1.242)
  6. VINE: The Journal of Information and Knowledge Management (1.215)
  7. Knowledge and Process Management: The Journal of Corporate Transformation (1.114)
  8. Journal of Information and Knowledge Management (1.051)
  9. International Journal of Learning and Intellectual Capital (1.042)
  10. International Journal of Knowledge Management Studies (1.032)

Nicht in den Top 10 aber auf Platz 12: das Electronic Journal of Knowledge Management. Alle Artikel sind offen verfügbar, das Journal erfährt außerdem gerade eine Neuausrichtung in Bezug auf schnellere Veröffentlichung.

Wissensmanagement und Qualitätsmanagement gemeinsam gedacht

Heute war ich beim Treffen des Fachkreises Wissensmanagement und Qualitätsmanagement von DGQ und GfWM in Frankfurt. Schwerpunkt lag in der Erarbeitung einer gemeinsamen Vision sowie der Ausarbeitung von Arbeitspaketen in drei weiteren Themenfeldern (Wissensziele, Methodenliste, Raum für Austausch). Der Tag fand im Design-Thinking-Raum QLab der DGQ statt. Von dort konnte ich über die Mittagspause auch an der Livesession des Corporate Learning 2025 MOOCathon teilnehmen.


Der Raum war ganz im Stile der d.school eingerichtet und auch die agilen Coaches der DGQ waren sehr professionell. So sind wir in der relativ kurzen Zeit von 10-16 Uhr zu guten Ergebnissen gekommen. Ich hatte mich der Arbeitsgruppe “Vision” zugeordnet. Dort gab es aus dem ersten Treffen und einer Telefonkonferenz bereits zwei Versionen eines Vision Statements als Vorarbeit.


Aus dem Feedback der anderen Arbeitsgruppen gleich zu Beginn des heutigen Treffens und unseren eigenen Überlegungen haben wir daraus eine Version 3 erarbeitet:

Alle Organisationen und Individuen sind durch den systematischen und ausgewogenen Umgang mit Wissen und Qualität in der digital-vernetzten Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts erfolgreich.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in virtueller Zusammenarbeit auf der Online-Plattform DGQ Aktiv weiter bearbeitet. Auf dem GfWM KnowledgeCamp (14.-15.09.2017, Potsdam) und dem DGQ Qualitätstag (22.11., Stuttgart) sollen die Arbeitsstände vorgestellt, Feedback eingeholt und Anwender zur Umsetzung gefunden werden.

Neue Mitgliedschaft: DGQ Fachkreis Wissensmanagement und Qualitätsmanagement

Letzte Woche bin ich Mitglied im DGQ Fachkreis Wissensmanagement und Qualitätsmanagement geworden, der gemeinsam mit der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) organisiert wird. Mit der Neuauflage des Management-Standards ISO 9001 im Herbst 2015 hat das Wissensmanagement einen qualitativen Sprung gemacht: systematisches und prozessorientiertes Wissensmanagement wird von der Kür zur Pflicht. Die GfWM kann mit ihrem ISO-9001-basiertem Wissensmanagement-Modell und einer Handreichung für Qualitätsverantwortliche (auch gemeinsam mit DGQ) auf einige Vorarbeiten zurückgreifen, die DGQ bietet mittlerweile ein Seminar zum Thema an.

Im Rahmen des Fachkreises will ich meine Praxiserfahrungen mit prozessorientiertem Wissensmanagement einbringen, die ich z.B. in Projekten bei Elektrobit, e-EyeCare, Wavelight, Schaeffler, Johnson Controls, Bosch, Audi, Leoni und dem VDI Benchlearning Projekt Wissensmanagement und ISO 9001:2015 gesammelt habe. Seit meinen ersten Schritten mit Wissensmanagement Ende der 1990er Jahre im Frauenhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) bin ich nämlich überzeugt davon, dass das ein sehr erfolgsversprechender und vor allem nachhaltiger Ansatz ist.

Wichtig ist mir dabei, die großen Linien des Managements in den Blick zu nehmen und nicht nur auf die Anforderungen im Kapitel 7.1.6 “Wissen der Organisation” zu fokussieren. Die Geschichte entwickelt sich für mich von Taylor über Shewart, Deming, Drucker, Ohno, Nonaka, Schoen/Agyris, Senge und Garvin bis zu dem, was ich heute für modernes Wissensmanagement halte: die Führung und Gestaltung Lernender Organisationen (s.a. Präsentation 100 Jahre Wissensmanagement aus dem Jahr 2006). Ich werde hier im Blog über die Arbeit im Fachkreis berichten.

In der Reihe GfWM Seminare Mitglieder-für-Mitglieder werde ich am 12.05.2017 von 10:30-12:00 Uhr einen Einblick in den Stand der Praxis und Beispiele geben. Der Beitrag wird auch für Nicht-Mitglieder live übergragen (wer Interesse hat, am besten gleich im Kalender notieren):

Technik oder Kultur zuerst – das ist im Wissensmanagement die Frage

Kommende Woche bin ich mit meinem Kollegen Ulrich Schmidt vom Knowledge On Air Podcast zum Deutschen Fußball-Bund nach Frankfurt eingeladen. Dort werden wir die nächste Episode unseres Podcasts aufzuzeichnen. Der Zeit-Artikel Abreissen, neu bauen über die Planung der neuen DFB-Akademie hatte unser Interesse geweckt. Darin berichtet Oliver Bierhoff über das Projekt zur Planung und Umsetzung der neuen DFB-Akademie in Frankfurt, Projektleiter ist Ex-Hockey-Nationaltrainer Markus Weise. Wie man der Webseite der DFB-Akademie entnehmen kann, sollen Wissens- und Qualitätsmanagement die tragenden Säulen der Akademie werden.

In einer vorbereitenden Telefonkonferenz haben wir bereits einiges über den Konzept-Stand der Akademie erfahren. Den Steckbriefen der Inhaltsmodule kann man einige der geplanten Maßnahmen des Kompetenzzentrums entnehmen (z.B. Ausbildung Fußball-Lehrer, Forum Bundesliga-Trainer, Ausbildung Spezialtrainer, Schiedsrichter-Lehrgänge, Trainer-Mentoring). Im Gespräch fiel die Frage “Technik oder Kultur zuerst?”. Da ich diese Frage schon in vielen Unternehmen und Organisationen gestellt bekommen habe, versuche ich, meine übliche Antwort auf die Frage in diesem Blog mal etwas ausführlicher zu skizzieren. Zunächst ein Projektbeispiel.

adidas Learning Campus

2008/2009 hat mich Christian Kuhna an Board des adidas Enterprise 2.0 Projekts geholt (s.a Podcast M2P021 adidas Learning Campus). Aufgabenstellung war den Übergang von internen traditionellen zu sozialen Medien zu gestalten. Im Intranet sollte der Weg “from isolated islands to one integrated intranet portal” beschritten werden. Als Lösung wurde zunächst telligent (Fokus: Wikis & Blogs), dann SharePoint 2010 und später unter dem Namen adidas a-Live SharePoint 2013 eingesetzt (s.a. Blog Game over for traditional intranet navigation). Dieses Intranet verbindet redaktionell bereitgestellte Inhalte, Suche, Navigation, Profil, News, den persönlichen Aktivitätenstrom sowie den Zugriff auf oft benötigte Anwendungen und Workspaces (Quelle: adidas):

Als adidas Vorstand Herbert Hainer im November 2011 die Konzeption einer neuen Corporate University bekannt gab, bat mich Christian wieder mit in das Projektteam zu kommen. Der Fokus weitete sich vom Sozialen Intranet hin zu Collaboration und Knowledge Management mit der Vision von adidas als Lernende Organisation (s.a. Präsentation Collaboration & Knowledge Management – Auf dem Weg zur Lernenden Organisation) Passend zur Unternehmensstrategie Route 2015 und dem Slogan “New Way of Working” haben wir als Motto für die Corporate University “New Way of Learning” ausgewählt.

Das Konzept wurde partizipativ mit allen Mitarbeitern und offener Beteiligung der Web-Community erstellt (siehe z.B. Blogparade Help us find the new way of working and learning). Ein wichtiges Ergebnis war, dass über den “Holisitc Knowledge Cycle” die Themenfelder Innovation (Wissensgenerierung), Lernen (Wissensaquise, Faktenwissen & Fähigkeiten) und Wissenstransfer/-bewahrung (z.B. um Wissen bei Mitarbeiterfluktuation zu sichern) in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt wurden (Quelle: GamePlan A):

Aus der Vision “to transform the adidas Group into a learning organization, with sustainable learning as a competetive advantage” wurden die 5 New Learning Principles abgeleitet:

  1. Working is learning and learning is working
  2. Shift to an open and collaborative, connected “social” learning environment
  3. Leadership means sharing, teaching and learning
  4. Innovation is part of everybody’s daily work
  5. Create a new culture of self-driven life-long learning

Da adidas -wie der gesamte Sportbereich- sehr kompetitiv denkt, war es wichtig, Einzelleistung und Teamerfolg miteinander in Beziehung zu setzen. Um die Vision der Lernenden Organisation Wirklichkeit werden zu lassen muss also das individuelle Lernen (“you learn”) über das organisationalen Lernen in den gemeinsamen Erfolg (“we grow”) übergehen (Quelle: Präsentation adidas Group – New Way of Learning auf dem Leonardo Corporate Learning Award):

Die Lernende Organisation – Ein sozio-technisches System

Ein kleiner Ausflug in die Organisationstheorie hinter Projektansätzen, wie dem geschilderten adidas Learning Campus. Organisationen kann man als sog. soziotechnische Systeme begreifen, d.h. sie bestehen aus einem sozialen Teilsystem und einem technischen Teilsystem (Quelle: Wikipedia):

In dieser modellhaften Darstellung lassen sich die Elemente Technik und Kultur der Ausgangsfrage verorten: im technischen Teilsystem sind die Prozesse und Aufgaben der Organisation sowie die eingesetzte Technik (Maschinen, Gebäude, technische Arbeitsmittel, Informations- und Kommunikationstechnik). Die Menschen (in der Grafik “Mitglieder”) in der Organisation zusammen mit den Rollen und der sozialen Struktur (Hierarchie, Netzwerk, Marktplatz etc.) bilden das soziale Teilsystem der Organisation. Durch den Faktor Mensch wird ein kompliziertes System immer auch zu einem komplexen System mit nichtlinearen und unvorhersehbaren Eigenschaften. Man kann das als ein Nachteil betrachten (Stichwort: VUCA-Welt) oder als eine Grundvoraussetzung für die Lernfähigkeit einer Organisation (Stichwort: komplexe adaptive Systeme). Zwei Aspekte des sozialen Teilsystems erscheinen mir besonders wichtig:

Erstens: das Management und damit auch die Strukturen von Organisationen haben sich über die letzten 100 Jahre evolutionär entwickelt. Militärische Organisationsformen bilden den Ausgangspunkt (Stichwort: Command & Control) und entwickelten sich über die Industrialisierung zu effizienten Reproduktionsmaschinerien weiter. Es gibt allerdings viele Anzeichen dafür, dass diese Art Organisation zu denken, für die digital-vernetzte Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts (s.a. Merkmale der Wissensgesellschaft) nicht mehr ideal sind. Zwei meiner bevorzugten Quellen dazu stammen von Gary Hamel (“Management 2.0”) und John Kotter (“Dual Operating System”).

Zweitens: (Organisations-)Kultur wird meistens zu eindimensional als “Werteliste” oder “Die Art wie wir zusammenarbeiten” verstanden. Hier verwende ich gerne zur Vertiefung das Kulturebenen-Modell von Edgar Schein (Quelle: Wikipedia):

Im Projekt zum Bosch Praxisleitfaden Wissensmanagement (s.a. Projektpräsentation) haben wir dieses Modell z.B. im Kapitel “Wissensorientierte Unternehmenskultur und Führung” verwendet und in Form Wasserlilie dargestellt (Seite 37). Die Lilie selbst ist über Wasser und stellt das beobachtbare Verhalten sowie sichtbare Artefakte (z.B. ein für alle Mitarbeiter offenes Wiki) dar. Die Stile sind unter Wasser, symbolisieren Einstellungen und Werte und sind nur verschwommen zu beobachten. Die Wurzeln als Grundüberzeugungen der handelnden Personen sind im Grund verborgen und unsichtbar. Von oben nach unten steigt die Schwierigkeit (und damit die Zeitdauer), Veränderungen auf der jeweiligen Ebene zu bewirken. Ein Wiki ist schnell eingeführt, eine Kultur der offenen Wissensteilung zu entwickeln braucht gut und gerne Jahre bis Jahrzehnte.

Drei Bestandteile der Lernende Organisation

Möchte man eine Lernende Organisation entwickeln, stellt sich schnell die Frage “Wo fangen wir an?”. Hier bringe ich gerne Harvard-Professor David Garvin und seine Definition der Lernenden Organisation ins Spiel:

Eine Lernende Organisation ist eine Organisation, die die Fähigkeit besitzt, Wissen zu generieren, zu akquirieren und zu verteilen und ihr Verhalten auf Basis neuer Erkenntnisse und Einsichten zu verändern.

Seine “Building Blocks of a Learning Organization” (s.a. HBR-Artikel Is Your’s a Learning Organization?) bilden einen sehr guten Orientierungsrahmen für die Praxis:

Mit den Vorüberlegungen von oben sind folgende Aspekte bei der Gestaltung der drei Handlungsfelder zu beachten:

  • Lernumgebung: hier ist die technische Umgebung (Gebäude, Büros, Übungsräume/-plätze etc.), die virtuelle Umgebung (Intranet, Wiki, Blogs, Soziales Netzwerk etc.) und die kulturelle Umgebung zu berücksichtigen.
  • Lernprozesse: hier geht es, nicht nur um die Gestaltung des formellen Lernens (Training, Schulung), sondern im Sinne des 70/20/10-Modells insbesondere auch um das informelle Lernen.
  • Wissensorientierte Führung: hier ist nicht nur Top-Management-Support gemeint (auch wenn der unerlässlich ist), sondern auch der Antrieb und die Vorbildfunktion des mittleren Managements (s.a. Nonaka’s Toward Middle-Up-Down Management).

Ein schönes Beispiele, wie die Gestaltung physischer und virtueller Lernumgebung bei adidas Hand in Hand geht, sind die dort vorhandenen Coworking Spaces, die die Zusammenarbeit über Silogrenzen hinweg ermöglichen und somit Diversität und Innovation fördern (Beispiel: “The Pitch” in Herzogenaurach):

Die Rolle von Tools in der Lernenden Organisation

Ein letzter Abschnitt noch zur Rolle von Tools in der Lernenden Organisation. Wissensmanagement hat sich vielfach aus dem Informationsmanagement und damit aus der IT heraus entwickelt. Auch wenn das Dreieck des ganzheitlichen Wissensmanagements “Mensch – Organisation – Technik” in vielen Folien auf der KnowTech (Wissensmanagement-Leitkonferenz der BITKOM 1999-2015) gezeigt wurde, waren die konkreten Ansätze dann doch oft eher technischer Natur (Content Management Systeme, Intranets, Suchmaschinen, Semantik etc.). Doch auch im Wissensmanagement gilt:

A fool with a tool is still a fool!

Die Vielzahl von technischen und nicht-technischen Tools im Wissensmanagement, ist heutzutage kaum noch zu überblicken. Auf Basis der Idee “Management 2.0” von Gary Hamel haben wir beispielsweise im Jahr 2013 den Management 2.0 MOOC (massive open online course) veranstaltet. Ein Ergebnis des Kurses war das Management 2.0 Toolkit, das aktuell 75 Werkzeuge für Lernende Organisationen umfasst. Einige Beispiele:

Doch geht es im Wissensmanagement mitnichten darum, möglichst viele Tools zum Einsatz zu bringen. Vielmehr ist die Idee, entlang der eigenen Ziele und Strategie die richtigen Tools auszuwählen und zu implementieren.

In meinem Vortrag “Lernende Organisationen – State of the Union” auf der KnowTouch letztes Jahre habe ich versucht, diese Evolution von vereinzelten Tools über Toolkits bis hin zum Framework der Lernenden Organisation darzustellen. Ich bin überzeugt davon, dass mit steigendem Reifegrad von links nach rechts auch die erreichte Wirkung (impact) exponentiell wächst.

Aus diesen ganzen Gedanken, Erfahrungen und Ideen leitet sich unsere aktuelle Definition von Wissensmanagement ab:

Wissensmanagement ist die Führung und Gestaltung Lernender Organisationen.

Welche Werkzeuge in der Gestaltung ausgewählt werden hängt von Strategie und Ziel der Organisation ab. Wichtig ist die zugrunde liegende Haltung der handelnden Personen, denn sie entscheidet, ob wichtige Werte wie Offenheit, Vernetzung, Transparenz, Gemeinschaft etc. in die Kultur der Organisation Einzug halten oder nicht.

Aber jetzt freue ich mich erstmal auf das Gespräch kommende Woche. Der Podcast dazu erscheint dann auf knowledge-on-air.de. Wer sich noch für weitere Wissensmanagement-Podcasts interessiert, dem empfehle ich an dieser Stelle noch unseren Management 2.0 Podcast (demnächst erscheinen die Episoden zum Wissensmanagement bei Airbus und zu Digital Leadership).

Vier KnowTouch Webinare – Euer Fazit

Im Vorfeld der KnowTouch haben wir vier Webinare mit nationalen und internationalen Expert*innen des Wissensmanagements und der Lernenden Organisation angeboten. Es war das erste Mal, dass wir in größerem Umfang die Plattform GoToWebinar eingesetzt haben und das hat eigentlich auch ganz gut geklappt. Die wenigen Nachteile: es gibt keinen offenen Chat (so wie wir ihn im Corporate Learning 2.0 MOOC in Adobe Connect verwendet haben) und es gibt keine Möglichkeit, kostenpflichtige Webinare anzubieten (falls hier jemand einen Tipp/Workaround hat, wäre ich dankbar).

Im Folgenden findet Ihr die Aufzeichnungen der vier Webinare zum nachsehen. Alternativ könnt Ihr Euch auch eine ZIP-Datei mit den Audio-Spuren der Webinare herunterladen (80 MB), falls Ihr Euch das z.B. beim Joggen oder im Auto anhören wollt. Mich würde in den Kommentaren unten interessieren, was Ihr aus den Webinaren mitgenommen hab, was interessant war und was Euer Fazit aus der kleinen Webinar-Reihe ist.

Angelika Mittelmann

Angelika (Webseite) hat ihren Beitrag entlang der Methode Future Backwards aufgebaut. Nach einem kompakten Überblick über ihren persönlichen Werdegang im Wissensmanagement hat sie uns Ihre Vision des Wissensmanagements vorgestellt: Freie Bildungsressourchen, Freier Zugang zu Wissen, Mensch-Maschine Kooperation, Menscengerechte Organisation sowie die wissensbewusste und innovationsfreudige Gesellschaft. Alles in allem ein schönes Plädoyer für die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. FOLIEN ZUM WEBINAR

Peter Schütt

Peter ging zunächst auf die nach wie vor bestehende Begriffsverwirrung im Wissensmanagement ein und hat mit Zitaten und Definitionen von Nonaka, Snowden und Prusak etwas Licht ins Dunkel gebracht. Es folgte eine Unterscheidung zwischen mechanisch-systemischen und komplex-systemischen Zugängen zu Wissensmanagement. Sehr schön auch die Hypekurve mit relevanten Quellen aus 100 Jahren Wissensmanagement und die kurze Einführung zu Machine Learning und Cognitive Computing. FOLIEN ZUM WEBINAR

Werner Sauter, Daniel Stoller Schai und Jochen Robes

Das dritte Webinar fand nicht per GoToWebinar, sondern als Session live auf dem CorporateLearningCamp in Frankfurt statt. Werner, Danie und Jochen sprachen über Ihre Sicht auf den Status quo des Corporate Learnings (als Teil des Wissensmanagements) und Ihre Aussichten auf die Zukunft. In der zweiten Hälfte der Session kommen die Session-Teilnehmer*innen mit Ihren Wünschen für die Zukunft des Corporate Learning zu Wort.

Nick Milton

Das Webinar mit Nick fand natürlich in Englisch statt. Nick erzählte seine Geschichten von den Anfängen im Wissensmanagement bei BP Norwegen bis zu seinen aktuellsten Erkenntnissen. Insbesondere seine gedankliche Entwicklung von Wissensmanagement als Tool, als Toolkit und als Framework ist bei mir hängengeblieben. FOLIEN ZUM WEBINAR

Über Kommentare und Fazit zu den Webinaren in den Kommentaren unten würde ich mich wirklich sehr freuen! Wer mag, kann sich auch noch ein Livestream-Ticket für die KnowTouch kaufen (€ 49,-), geströmt werden die vier Keynotes.

KnowTouch Livestream-Test gelungen

Wir haben heute zum International Podcast Day erstmalig das Livestream-Setup getestet, das wir auch für die Übertragung der Keynotes der KnowTouch einsetzen wollen. Den Aufbau wollten wir so einfach wie möglich haben: als Kamera kommt eine Canon XA25 zum Einsatz, die über SDI an einem ATEM Telvision Studio (TVS) angeschlossen ist. Die Folien des Vortragenden kommen von der Bühne über HDMI und einen Scaler (720p) in das TVS.

Über die iOS App “Strata Lite” kann man mit einem iPod Touch zwischen Kamera und Folien wechseln. Der Ton kommt über drei Sennheiser XSW Funkstrecken (Vortragener mit t.bone Earmic 500, Publikum mit Handmikrofonen) und einen HDMI-Audio-Extraktor (um den Ton vom Notebook des Vortragenden zu übertragen) in ein Behringer XENYX UFX1204 Mischpult und von dort über die Aux-Sends in eine A/D-Wandler und in das TVS. Das Programm-Signal des TVS geht direkt in ein Matrox Monarch HD, der den Videostream an YouTube Live schickt.

Verbesserungspotential: idealerweise kann man in das Setup noch eine Kamera mit der Totalen und eine Detailkamera für die Bühne aufnehmen. Außerdem müssen wir die Lichtsituation auf der Bühne noch verbessern, da war es etwas dunken (vermutlich mit LED-Strahlern, die wir an einer Travers vor der Bühne montieren). Falls Ihr noch Ideen zur Professionalisierung habt, gerne unten in die Kommentare posten!

Bei der KnowTouch vom 26.-27. Oktober 2016 übertragen wir die vier Keynotes (siehe PDF-Programm). Für nur € 49,- kann man sich ein Livestream-Ticket dafür zulegen und ist live dabei!

Wie sehen wir die Geschichte des Wissensmanagements? (knt16 Blogparade)

Im Rahmen der Blogparade zur KnowTouch hatte ich letzte Woche die Frage gestellt, wo wir unserer Meinung nach bei Wissensmanagement und Lernenden Organisationen heute stehen. Über 20 Kommentare sind zusammengekommen!

In der zweiten Woche der Blogparade wollen wir uns die Frage stellen, wie es zu diesem Status quo gekommen ist. Ihr könnt das aus Eurer persönlichen Perspektive, aus Perspektive Eurer Organisation/Eures Unternehmens oder aus Perspektive der Disziplin Wissensmanagement an sich beantworten.

Die Frage dieser Woche (Antwort einfach unten als Kommentar eintragen):

knt16-blogparade-2

P.S. im Rahmen der KnowTouch finden am 30.09., 07.10., 14.10. und 21.10. kostenfreie Webinare statt, für die man sich auf knowtouch.de anmelden kann. Die KnowTouch ist zusammen mit dem CorporateLearningCamp (13.-14.10.) und dem KnowledgeCamp (22.-23.11.) eine von drei Veranstaltungen, die sich das übergreifende Motto “Wissen und Lernen im Fluss” gegeben haben. Infos dazu im PDF-Flyer.

Wissenstreppe 2.0

Auf der KnowTouch werden wir einen Rückblick auf 20 Jahre Wissensmanagement wagen und gemeinsam einen Weg in die Zukunft skizzieren. Dazu gehört auch, die etablierten Wissensmanagement-Modelle vor dem Hintergrund der Praxiserfahrungen zu betrachten und ggf. anzupassen. Denn nach wie vor startet Wissensmanagement in vielen Organisationen mit studentischen Arbeiten, Google-Suchen und den dabei gefunden Modellen. Die Fundstücke begleiten die jeweiligen Organisationen dann Jahre oder Jahrzehnte und prägen die Sicht auf Wissensmanagement.

Zu den in der Praxis häufig verwendeten Modellen gehören nach meiner Erfahrung das TOM-Modell (Technik, Organisation, Mensch, s.a. Trainingsbuch Wissensmanagement, S. 34) von Bullinger et. al. (1997), die DIKW-Pyramide (data, information, knowledge, wisdom) von Russell Ackoff (1989) bzw. deren deutschsparchige Entsprechung die Wissenstreppe von Klaus North (1998), die Bausteine des Wissensmanagements von Gilbert Probst et. al. (1996) sowie die Wissensspirale (oft auch SECI-Modell genannt) von Nonaka und Takeuchi (1995). Bei fortgeschrittenen Anwendern ist oft zusätzlich das Cynefin-Framework von Dave Snowden (2007) im Einsatz. In einer kleinen Blog-Reihe werde ich die Modelle mal an den Herausforderungen in der Praxis spiegeln und angepasste Versionen als Weiterentwicklungen vorschlagen.

Gedanken aus der Praxis zu einer Wissenstreppe 2.0:

  1. Umfang: mit den 12 Treppenstufen, den unterliegenden Ergänzungen sowie den beiden oben- und untenliegenden Pfeilen hat das Modell recht viele Elemente. Eine Anpassung mit weniger Elementen wäre für einfache Merkfähigkeit wünschenswert (z.B. Millersche Zahl: 7 +/- 2). Die Treppenstufe “Zeichen” spielt z.B. in der Praxis kaum eine Rolle und könnte ohne Verlust weggelassen werden.
  2. Mensch: im Wissensmanagement steht der Mensch als Wissensträger zwangsläufig im Mittelpunkt, da Wissen immer an Menschen gebunden ist. Die meisten Modelle legen das aber visuell selten nahe. Versieht man die Treppenstufen “Wissen” mit dem Mensch als Wissensträger, so könnte man beispielsweise die Treppenstufen “Können” und “Handeln” entfernen und als Eigenschaften des Menschen beschreiben. Mit Punkt 1. wäre der Idealwert von 5 Treppenstufen erreicht.
  3. Kausalität: wie Prof. Capurro schon im Podcast M2P009 Knowledge Leadership richtig angemerkt hat, sind die kausalen Übergänge Daten/Informationen und Informationen/Wissen höchstens für Erstsemester geeignet. In vielen Fällen führt das zu einer sehr Daten-/IT-fokussierten Sichtweise auf Wissensmanagement. Auf der KM World 2012 gab es gar einen Beitrag mit dem Titel “The DIKW Pyramid must die!”. Trotzdem ist der Dreiklang Daten-Informationen-Wissen in der Praxis recht verbreitet und erzeugt intuitives Verständnis. Daten wird dabei meist mit strukturierten Daten (z.B. Datenbanken), Informationen mit Informationsobjekten (z.B. E-Mail, Dokument) gleichgesetzt. In einem neuen Modell könnten daher “Daten” und “Informationen” zumindest nur durch gestrichelte Linien angebunden werden.
  4. Strategisch vs. operativ: in der Praxis wird Wissensmanagement nach wie vor oft mit operativem Informationsmanagement gleichgesetzt, das Unwort der Wissensdatenbank ist noch nicht gebannt. Und so wird bei der Wissenstreppe auch mehr die Treppe an sich (vorzugsweise das untere Ende) und nicht die beiden Pfeile oben und unten betrachtet. Diese beiden Pfeile sollten hervorgehoben und mit “Strategisches Wissensmanagement” und “Operatives Wissensmanagement” (statt “Daten-, Informations- und Wissensmanagement (operativ)”) bezeichnet werden. So wäre zusätzlich eine elegante Brücke zum verbreiteten St. Galler Management-Modell (Normatives Management, Strategisches Management, Operatives Management) möglich.
  5. Kernkompetenz: die Treppenstufe “Kompetenz” ist in der Praxis problematisch. Die Definition von Kompetenz ist in den Organisationen meist sehr unscharf, z.B. “Können” (redundant zur entsprechenden Treppenstufe, außerdem synonym zu prozeduralem Wissen bzw. know how) oder “Dürfen” (Entscheidungsbefugnis liegt innerhalb/außerhalb der Kompetenz einer Person). Gerade für die Hinführung zur “Wettbewerbsfähigkeit” wäre eine Brücke zu den Kernkompetenzen der Organisation nach Prahalad und Hamel (1990) sinnvoll. Das würde gleichzeitig eine Brücke zu Management 2.0 (2007, s.a. Buch The Future of Management) dem Management-Ansatz für das 21. Jahrhundert von Hamel ermöglichen (s.a. Video Reinventing The Technology of Human Accomplishment). Außerdem hat das Wissensmanagement Forum Graz in seinem Wissensmanagement-Praxishandbuch (S. 10) eine schöne Brücke zwischen Wissensträgern, Wissensdomänen und Kernkompetenzen gebaut.

Und so könnte aus meiner Sicht eine neue Variante der Wissenstreppe aussehen:


Feedback und Gedanken in den Kommentaren sehr willkommen!

    Episoden

    M2P026 Cogneon 2.0

    avatar Herbert Stoyan
    avatar Simon Dückert

    Am 21. Dezember 2001 wurde die Cogneon GmbH von Prof. Herbert Stoyan, Dr. Michael Müller, Marc Holfelder und Simon Dückert gegründet. Zum 15-jährigen Geburtstag haben wir nach Nürnberg geladen (s.a. Blog). Die beiden kurzen Ansprachen stellen wir hier im Podcast bereit.

    Hinweis: die Shownotes werden noch nachgereicht.

    M2P024 20 Jahre Wissensmanagement mit Peter Heisig

    avatar Peter Heisig
    avatar Simon Dückert

    Dr. Peter Heisig beschäftigt sich seit Anfang der 1990er Jahre mit Wissensmanagement. In dieser Episode spreche ich mit ihm über seine Erfahrungen im Fraunhofer IPK, in der Selbständigkeit, seine Zeit in England und seine neue Professur für Informations- und Wissensmanagement in Potsdam.

    Studium der Sozialwissenschaften an der Uni Göttingen / DFG-Projekt zur Produktion von Wissen in Organisationen / Informationspathologie / Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) / Forschungsverbund CeA – Computergestützte, erfahrungsgeleitete Arbeit / Nonaka-Buch Organisation des Wissens / Studie Wissensmanagement – Daten, Fakten, Trends von Fraunhofer Institut und manager magazin / Konsortialstudie Wissensmanagement / Buch Knowledge Management Best Practices in Europe / Fraunhofer Competence Center Knowledge Management / GPO-WM Analyseleitfaden / Wissensbilanz / Beteiligung Leif Edvinsson & Jan Mouritsen (s.a. Mouritsen, J., Bukh, P.: Intellectual Capital) / Wissensbilanz Toolbox / Wissensmanagement Frameworks aus Forschung und Praxis / European Guide to Good Practice in Knowledge Management (Deutsch), Framework mit Paul Iske / Transactive Memory / Wissensspeicherung ist nicht nur aufschreiben / Projekt Wissensmanagement im Produkt-Lifecycle in Campbridge / Leeds Business School / Global Knowledge Survey / Wissen als Prozess (dynamisch) vs. Wissen als Objekt (statisch) / Kodifizierungs- vs. Personalisierungsstrategie (s.a. Hansen et.al.: What’s Your Strategy For Managing Knowledge?) / Organisationsweites Wissensmanagement scheiterte häufig, Fokussierung ist nötig / Professur für Informations- und Wissensmanagement in Potsdam / Informationswissenschaft und Information Seeking Behaviour

    M2P016 Continental GUIDE Netzwerk

    avatar Harald Schirmer
    avatar Simon Dückert

    Im Rahmen der Social Business Arena auf der CeBIT 2015 haben wir Harald Schirmer (@haraldschirmer) von Continental getroffen und die Gelegenheit genutzt, mit ihm zu sprechen. Da es in der Messehalle doch recht laut zuging, haben wir die Aufzeichnung kurzerhand ins sonnige Freie verlegt. Leider blies der Wind recht starkt, was an einigen Stellen im Podcast zu hören ist. Inhaltlich ging es um die gesamte Entwicklungsgeschichte des Continental GUIDE Netzwerks, einem Multiplikatoren-Netzwerk für Haltung, Prinzipien und Werte im Kontext von Enterprise 2.0.

    Shownotes: Geschichte Enterprise 2.0 und ConNext bei Continental / Idee Guide-Konzept vor 15 Jahren in der Elektronik-Entwicklung / Anlaufstelle für Probleme und gemeinsame Dokumentation / Working Out Loud als “Über die Schulter schauen” / Social Media KPIs / Wechsel in Social-Media-Projekt in der Konzernzentrale / GUIDE Konzept (Präsentation, Video) / Jeder Standort ein GUIDE mit max. 200 Personen Zielgruppe / Dunbar-Zahl / Über 800 GUIDES mit 10% der Arbeitszeit in den ersten 3 Jahren / Guide Recruiting über Beitrag auf Senior Executive Convention, direkte Kontaktaufnahme und über Wissensmanagement-Funktionen / Größter Erfolg: E-Mail von Finanz- und Personalvorstand an alle Mitarbeiter / Innerhalb von 3 Monaten über 300 Bewerbungen / Entscheidend waren Motivation, Neugierde und Englisch-Kenntnisse / Vision “Wir verändern die Welt” (NICHT: “Wir führen ein Tool ein”) / Monatliche Telefonkonferenzen mit 150-300 Personen zur Vermittlung von Haltung/ 2012 Kick-off-Event Beach Center Hamburg (200 TeilnehmerInnen) / Continental Werte (Vertrauen, Gewinnermentalität, Freiheit, Verbundenheit) / GUIDE Welt-Tour durch 9 Länder (z.B. Singapur, Brasilien, China, Indien, Amerika, Mexiko, Rumänien) / Management vs. Leadership / Projekt zu Ende, aber der Prozess noch nicht / LEAD-GUIDES zur Übernahme von Arbeitspaketen / GUIDE-Ansatz verbreitet sich (z.B. bei SIKA) / Barrieren und Erfolgsfaktoren / “Worte sind schwach, wenn es keine Vorbilder gibt”

    M2P015 Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiss

    avatar Karsten Ehms
    avatar Simon Dückert

    In dieser Episode spreche ich mit Dr. Karsten Ehms von Siemens (Corporate Technology) über die Geschichte des Wissensmanagements bei Siemens und die Lehren, die man daraus ziehen kann.

    Heinrich Pierer Zitat: Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiss, dann wären unsere Zahlen noch besser (1995) / Hintergrund Karsten Ehms / Elektrotechnik, Psychologie, Usability / Douglas Rushkoff: Program or be programmed / Siemens Abteilung Wissensmanagement und Business Transformation / Die Siemens Wissensmanagement-Geschichte ab 1995 / Zentrale WM-Stelle “Corporate Knowledge Management” (2000-2004) / Communities of Practice / Wissensstrategie / Siemens “CoP Knowledge Management” als Multiplikatoren-Netzwerk / Wissensmanagement-Assessment (KMMM) mit acht Gestaltungsfelder und 60 Teilthemen / Siemens Wissensstrategieprozess (s.a. Measuring Knowledge and KM in an Organization) / Community Management und Support Modell / Dissertation Persönliche Weblogs in Organisationen: Spielzeug oder Werkzeug für ein zeitgemäßes Wissensmanagement? / Vernetzungspotential von Weblogs / Siemens Blogosphere (seit 2006) / Blog von Vorstand Klaus Kleinfeld und Siemens Blog 100 Initiative (s.a. Interview zu Corporate Blogging und Siemens Blog 100) / Siemens Wikisphere (seit 2008) / Wiki-Anwendungsfälle / Siemens TechnoWeb (s.a. Fallstudie Wissensvernetzung mit TechnoWeb 2.0 (seit 2010) / Highlight Urgent Request Prozess / Siemens Social Network (seit 2012) / Informations- und Medienkompetenz für die Auswahl von Werkzeugen / Trend Multimedia im Wissenstransfer / Enterprise 2.0 Wissensmanagement als Thema ab? / Mythen im Wissensmanagement / Management = Dinge systematisch tun / Herausforderung bei der Ausbildung von “Knowledge Professionals”

    M2P013 14 Jahre Wissensmanagement bei Schaeffler

    avatar Paul Seren
    avatar Simon Dückert

    In dieser Episode des Podcast spreche ich mit Paul Seren, der in den vergangenen 14 Jahren das Wissensmanagement in dem Maschinenbau-Unternehmen Schaeffler in Herzogenaurach aufgebaut hat.

    Vorstellung Paul Seren / Geschäftsleitung COI / Ausgangspunkt 1999: IT und Informationsverteilung / Wissen ist mehr als Dokumente / Abteilungen für Wissensmanagement und Innovationsmanagement / Erster Schwerpunkt: Intranet / Inhalte und(!) Personen finden / Ansprechpartnersuche und Expertise Location / Schwarzes Brett als “Aktivitätenstrom” auf der Startseite / Beteiligung von mittlerem und Top-Management / Communities of Practice (CoP) bei Schaeffler: Networks of Competence (s.a Wissensmanagement in der Schaeffler Gruppe, S. 15ff.) / Aktuell ca. 150 NoCs/ Vorsitzender der Geschäftsleitung als Treiber / Integration von Wissen in die Bewertungskriterien der Mitarbeiter (Wissen weitergeben, aufnehmen und Freiraum geben) / Integration Wissensmanagement in Management-Trainings / Demografischer Wandel / Expert Debriefing bei Schaeffler 2004-2005 (s.a. Wissenstransfer und organisationales Lernen mit Expert Debriefing und Wikis) / Terminologiemanagement /  / Schaeffler Wiki (s.a. Erfahrungsbericht Schaeffler Wiki) / Erfolgsfaktor Wiki Anwendungsfälle / Schaeffler Wissensforen als offenes Veranstaltungsformat für den Wissensaustausch / Lessons Learned Workshops zur Reflexion von Erfahrungen in Projekten (s.a. Lessons Learned in der Schaeffler Gruppe) / Reifegrade des Wissensmanagement bei Schaeffler (s.a. Buchartikel von Paul in Wissensmanagement beflügelt) / Lernende Organisation Lebenslanges Lernen als A und O / 5 Thesen zum Wissensmanagement der Zukunft / Nächste Schritte bei Schaeffler / Wissensmanagement in der ISO/DIN 9001 als Instrument der “Beflügelung”