Seit ein paar Tagen ist meine Timeline voll von Beiträgen und Euphorie rund um die App Clubhouse. Clubhouse ist ein soziales Audio-Netzwerk, in dem man anders als bei LinkedIn & Co. nicht asynchron über Text-Chats kommuniziert, sondern sog. Räume anlegen kann in denen live gesprochen wird. Videobilder und das Teilen von Bildschirmen ist nicht möglich, Livestreaming und Aufnahmen sind durch die Nutzungsbedingungen untersagt.

Wer mich kennt weiß, dass ich seit meiner studentischen Zeit im Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen (der Heimat von mp3) sehr Audio-affin bin. Wir haben schon Ende der 1990er Jahre angefangen, Expert*innen-Gespräche zur Wissensbewahrung in sog. Expert Debriefings mit Audio-Recordern aufzuzeichnen (Fun Fact: damals noch keine Zoom H6, sondern Sony Minidisc Recorder). Seit 2005 bin ich im Podcasting aktiv, hauptsächlich mit Unternehmens-internen Podcasts zur Wissensbewahrung (s.a. Blog mit Ideen zu Anwendungsfeldern).

Deswegen habe ich mich auch recht schnell um ein Clubhouse Konto gekümmert, da man für die Teilnahme aktuell noch eine Einladung braucht (Danke, Sebastian!) und seit Sonntag habe ich an 3-4 Sessions dort teilgenommen. Allzu tiefe Expertise gibt es also noch nicht, aber ich möchte trotzdem meine ersten Eindrücke beschreiben:

  • Das virale Marketing von Clubhouse war vorbildlich, die Plattform wurde den Leuten nicht aufgedrängt, sondern alle viele wollten sie haben.
  • Gleich nach dem Anmelden werden die Vorteile einer zentralen Plattform sichtbar: zu den eigenen Interessen und Bekannten werden einem Audio-Räume angezeigt, denen man mit einem Klick beitreten und dort zuhören kann. Für problematisch aus Datenschutz-Sicht halte ich, dass viele Leute der App Zugriff auf ihr Adressbuch geben, das habe ich nicht gemacht (s.a. Tweet).
  • Die Magie von Audio: wie auch bei Popdcasts habe ich das Gefühl, sehr intensiv im Gespräch zu sein. Anders als YouTube oder viele Webinare/Videokonferenzen, konsumiere ich Audio fast nie „nur nebenbei“. Zwei der Clubhaus-Räume haben sich wie Barcamp-Sessions oder interaktive Konferenzbeiträge angefühlt. Ich spiele mit dem Gedanken, mal ein reines Audio-Barcamp als Experiment zu machen.
  • Die Funktionen von Clubhouse sind einfach und mächtig genug. In den Räumen gibt es drei Rollen (Moderator, Redner*in, Zuhörer*in), per Handzeichen kann man sich melden und der Moderator kann einen auf die Bühne holen.
  • Aktuelle Nachteile sind: Clubhouse geht aktuell nur auf iOS (kein Android, kein Desktop), Aufnehmen und Streaming sind nicht erlaubt (das macht es schwierig für Live-Podcasting-Szenarien), es ist zu erwarten, dass die Plattform auch über Datensammlung/Profilbildung + Werbung monetarisiert werden wird.

Da viele Technologien im Schnitt 10-15 Jahre brauchen, um den Weg vom Internet auch in die Intranets von Organisation zu schaffen, kann ich mir vorstellen, dass das Thema Audio im Kontext von Wissensmanagement und Lernenden Organisationen in Zukunft an Bedeutung gewinnt. Tools wie Teamspeak, Mumble oder Discord gibt es ja schon eine Weile, da könnte meine 10-Jahres-Regel so langsam greifen. Mit Plattformen wie Microsoft Stream oder si:cross ist ein solcher Trend in Unternehmen ja auch schon in Ansätzen zu beobachten.

Ich mache am 20.01.2021 von 11-12 Uhr eine einstündige Session auf Clubhouse, bei der wir die Vor- und Nachteile von Audio für Wissensmanagement und Lernende Organisationen besprechen und auf diesem Pad dokumentieren. Wer Lust und Zeit hat ist herzlich eingeladen, mit dazu zu kommen:

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  1. […] cases for using the Clubhouse App, the new audio social network“). Und Simon Dückert („#Clubhouse, Trend Audio und meine 10-Jahres-Regel“) […]

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