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Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass für eine gute Zeit in Video- und Audiokonferenzen die Audioqualität ein gang entscheidender Faktor ist. Trotzdem trifft man auch Anfang 2021 auf Menschen, die einfach in das Mikrofon ihres Endgeräts sprechen und keine Kopfhörer verwenden.

Es ist zwar schon Februar, aber vielleicht ist es noch nicht zu spät, sich den Vorsatz besserer Audioqualität in Online-Treffen zu setzen? Die anderen Teilnehmer*innen in Clubhouse oder Audio-BarCamps wie dem audiobc21 werden es euch danken und sich an dem “Balsam für die Ohren” erfreuen.

In diesem Beitrag beschreibe ich mal meine persönlichen Überlegungen zu dem Thema und bei welchen Setups ich nach nun einem knappen Jahr Corona-Pandemie gelandet bin. Das heißt natürlich nicht, dass das auch für euch der richtige Ansatz ist. Aber vielleicht bietet es ja einen guten Ausgangspunkt für eigene Überlegungen.

Grundsätzliches

Bei Audio gilt das Prinzip: Shit-in-Shit-out. An jeder Stelle in der Audiokette können mit dem Ton schlimme Dinge passieren, die sich nicht mehr ausbügeln lassen (nein, auch nicht mit AI!). Daher versuche ich folgenden Grundsätzen zu folgen:

  • Kabel ist besser als Luft 1: ja, Bluetooth-Headsets sind bequem und man kann damit herumlaufen. Aber man handelt sich auch schlechte Audio-Codecs und Latenz durch die Bluetooth-Verbindung (Hands-Free Profile) ein. Wenn möglich, versuche ich Bluetooth zu vermeiden.
  • Kabel ist besser als Luft 2: ja, auch WIFI ist bequem, weil man ortsunabhängig an Online-Besprechungen teilnehmen kann. Allerdings ist das WIFI ein geteiltes Medium, das keine konstant gute Verbindungsqualität liefert. Wenn möglich, versuche ich daher an einem LAN-Kabel zu hängen.
  • Mikrofon nah ran an die Quelle: den Klang von halligen Räumen und dünnen Stimmen kennt ihr bestimmt mittlerweile? Dagegen gibt es nur ein Mittel: Mikrofon nah ran an den Mund (Daumenregel: 4 Fingerbreit Abstand). Das Mikrofon sollte dabei auf den Mund gerichtet sein und ca. 20 Grad neben der Schallrichtung, um Plopp-Geräusche zu vermeiden (Headsets haben i.d.R. genau diesen Abstand). HiFi-Kopförer mit eingebauten Mikrofonen wie es sie von Sony, Bose, Sennheiser, Apple & Co. gibt, sind keine gute Wahl.
  • Störgeräusche minimieren: im Büro alleine und mit Fenster zu hat man selten Probleme mit Störgeräuschen. Aber gerade draußen gibt es davon viele. Daher mache ich mich bei den verwendeten Tools immer als ersten Schritt mit Tastaturkürzeln zum Stummschalten und Funktionen wie Push-to-Talk (PTT, man muss eine Taste drücken, um sprechen zu können) vertraut.

Headsets, Mikrofone, Audiorecorder und Mischpulte

Ich höre sehr viel Podcasts und mittlerweile auch Podcasts in der Natur. Ich versuche Vormittag, Mittag und Nachmittag raus zu gehen und dabei habe ich eigentlich immer Audio auf den Ohren. Mein stetiger Begleiter ist dabei das Jabra Evolve2 65 Bluetooth Headset. Es ist angenehm zu tragen und hat auch für Musikgenuss eine gute Audioqualität. Ein riesiger Vorteil dieses Headsets ist, dass man sich über das Absenken/Anheben des Mikrofonarms Anrufe annehmen/auflegen und sich selber muten/unmuten kann.

Beim Einsatz in der Natur gibt es das Problem, dass der Wind harte Störgeräusche an der Mikrofonkapsel verursacht. Man kann das Mikrofon mit der Hand abschirmen, das ist aber auf Dauer unbequem. Daher verwende ich einen Trick, den auch Fernsehreporter einsetzen: eine tote Katze. Keine Angst, hier kommen keine Tiere zu schaden :) Tote Katze ist der Fachbegriff für ein Fell mit langen Haaren, das über dem Mikrofon montiert wird und die Windgeräusche wegnimmt (ich verwende diesen, sieht ein bisschen lustig aus, funktioniert aber perfekt):

Wenn ich tagsüber lange in Besprechungen, Schulungen oder Workshops bin, ist mir ein Headset meist zu unbequem. Dann verwende ich lieber eine Freisprecheinrichtung mit integrierter Echounterdrückung. Ich habe auch das Sennheiser SP 30 mal ausprobiert, aber mein Gerät der Wahl ist seit Jahren das Jabra Speak 510 (klein, leicht, günstig, Bluetooth, lange Akkulaufzeit, Kopföreranschluss, USB-A):

Ein zweites Mikrofon, das ich seit einiger Zeit sehr gerne verwende, ist das BoomPro von V-Moda. Ralf hat das in seiner unermüdlichen Suche nach guten und günstigen Mikrofonen für das Podcasting entdeckt. Das BoomPro ist ein einzelner Mikrofonarm mit Kabel, der über einen 3,5mm Klinkenstecker an einem Kopfhörer (mit 3,5mm Klinke Buchse) befestigt werden kann:

Das BoomPro habe ich zunächst an einem alten Beats Kopfhörer betrieben, den ich noch hatte. Der hatte aber als On-Ear Kopfhörer so einen starken Anpressdruck, dass mir nach spätestens einer Stunde die Ohren weh getan haben (war schon immer der Grund, warum ich für Musik beim Klassiker Sennheiser HD 25 geblieben bin). Als Kopfhörer habe ich mir dann auch auf Empfehlung den Termichy Bluetooth Kopfhörer bestellt (betreibe ihn mit Kabel, nicht Bluetooth). Mit dem bin ich mittlerweile recht zufrieden, bin nur noch auf der Suche nach Velours- statt Kunstleder-Pads und einer toten Katze dafür. Bin dem BoomPro und Termichy Kopfhörer erhält man für € 50,- ein Headset, das vom Preis-Leistungsverhältnis aktuell wahrscheinlich nicht zu übertreffen ist.

Wenn richtig gute Audioqualität notwendig ist und für das Remote-Podcasting verwende ich den RodeCaster Pro. Das ist ein Audiointerface und Mischpult, das speziell für das Podcasting gemacht wurde. An den RodeCaster kann man bis zu vier Podcast-Headsets anschließen (ich verwende meist die Beyerdynamic DT 297, Achtung: Kabel muss man extra bestellen). Der RodeCaster funktioniert als USB-Audiointerface und kann gleichzeitig auf Mikro-SD-Karte aufzeichnen.

Um mit dem RodeCaster z.B. an Clubhouse Sessions teilzunehmen braucht es noch ein Kabel und einen Adapter. An das iPhone schließt man einen Lightning auf 3,5mm Klinke Adapter an. Diesen verbindet man dann mit einem 3,5mm TRRS Verlängerungskabel mit dem RodeCaster. Schon kann man mit professioneller Audiotechnik an Clubhouse-Sessions teilnehmen und diese bei Bedarf aufzeichnen (darf man aber nicht ;-)

Hast du auch ein interessantes Setup oder wertvolle Erfahrungen zu Audio-Equipment? Gerne unten in die Kommentare schreiben.

Hinweis: die Links in diesem Beitrag sind Amazon-Affiliate-Links.

Seit ein paar Tagen ist meine Timeline voll von Beiträgen und Euphorie rund um die App Clubhouse. Clubhouse ist ein soziales Audio-Netzwerk, in dem man anders als bei LinkedIn & Co. nicht asynchron über Text-Chats kommuniziert, sondern sog. Räume anlegen kann in denen live gesprochen wird. Videobilder und das Teilen von Bildschirmen ist nicht möglich, Livestreaming und Aufnahmen sind durch die Nutzungsbedingungen untersagt.

Wer mich kennt weiß, dass ich seit meiner studentischen Zeit im Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen (der Heimat von mp3) sehr Audio-affin bin. Wir haben schon Ende der 1990er Jahre angefangen, Expert*innen-Gespräche zur Wissensbewahrung in sog. Expert Debriefings mit Audio-Recordern aufzuzeichnen (Fun Fact: damals noch keine Zoom H6, sondern Sony Minidisc Recorder). Seit 2005 bin ich im Podcasting aktiv, hauptsächlich mit Unternehmens-internen Podcasts zur Wissensbewahrung (s.a. Blog mit Ideen zu Anwendungsfeldern).

Deswegen habe ich mich auch recht schnell um ein Clubhouse Konto gekümmert, da man für die Teilnahme aktuell noch eine Einladung braucht (Danke, Sebastian!) und seit Sonntag habe ich an 3-4 Sessions dort teilgenommen. Allzu tiefe Expertise gibt es also noch nicht, aber ich möchte trotzdem meine ersten Eindrücke beschreiben:

  • Das virale Marketing von Clubhouse war vorbildlich, die Plattform wurde den Leuten nicht aufgedrängt, sondern alle viele wollten sie haben.
  • Gleich nach dem Anmelden werden die Vorteile einer zentralen Plattform sichtbar: zu den eigenen Interessen und Bekannten werden einem Audio-Räume angezeigt, denen man mit einem Klick beitreten und dort zuhören kann. Für problematisch aus Datenschutz-Sicht halte ich, dass viele Leute der App Zugriff auf ihr Adressbuch geben, das habe ich nicht gemacht (s.a. Tweet).
  • Die Magie von Audio: wie auch bei Popdcasts habe ich das Gefühl, sehr intensiv im Gespräch zu sein. Anders als YouTube oder viele Webinare/Videokonferenzen, konsumiere ich Audio fast nie “nur nebenbei”. Zwei der Clubhaus-Räume haben sich wie Barcamp-Sessions oder interaktive Konferenzbeiträge angefühlt. Ich spiele mit dem Gedanken, mal ein reines Audio-Barcamp als Experiment zu machen.
  • Die Funktionen von Clubhouse sind einfach und mächtig genug. In den Räumen gibt es drei Rollen (Moderator, Redner*in, Zuhörer*in), per Handzeichen kann man sich melden und der Moderator kann einen auf die Bühne holen.
  • Aktuelle Nachteile sind: Clubhouse geht aktuell nur auf iOS (kein Android, kein Desktop), Aufnehmen und Streaming sind nicht erlaubt (das macht es schwierig für Live-Podcasting-Szenarien), es ist zu erwarten, dass die Plattform auch über Datensammlung/Profilbildung + Werbung monetarisiert werden wird.

Da viele Technologien im Schnitt 10-15 Jahre brauchen, um den Weg vom Internet auch in die Intranets von Organisation zu schaffen, kann ich mir vorstellen, dass das Thema Audio im Kontext von Wissensmanagement und Lernenden Organisationen in Zukunft an Bedeutung gewinnt. Tools wie Teamspeak, Mumble oder Discord gibt es ja schon eine Weile, da könnte meine 10-Jahres-Regel so langsam greifen. Mit Plattformen wie Microsoft Stream oder si:cross ist ein solcher Trend in Unternehmen ja auch schon in Ansätzen zu beobachten.

Ich mache am 20.01.2021 von 11-12 Uhr eine einstündige Session auf Clubhouse, bei der wir die Vor- und Nachteile von Audio für Wissensmanagement und Lernende Organisationen besprechen und auf diesem Pad dokumentieren. Wer Lust und Zeit hat ist herzlich eingeladen, mit dazu zu kommen: