Video vs. Audio – warum es sich manchmal lohnen kann, Videos auch als Audio-Dateien bereitzustellen

Die Diskussion Video vs. Audio kommt im Bereich von Kommunikation und Weiterbildung immer mal wieder hoch. Meist wird Video favorisiert, aus meiner Sicht oft, weil es durch YouTube und E-Learning bekannter ist und eingeübter ist. Als großer Fan von Podcasts versuche ich dann immer, die Beteiligten über Audio als Option mal nachdenken zu lassen.

Vor einige Tagen gab es so einen Fall mit dem New Work Chat von Gabriel. Er hat mittlerweile das siebte Gespräch zu Themen rund um New Work mit einer Videokonferenz-Software aufgezeichnet und dann auf YouTube bereitgestellt (dieses Mal mit Katha zu WOL):

Ich wollte mir den Mitschnitt auf dem Heimweg anhören und da hat YouTube in meinen Augen drei Nachteile:

  1. Bandbreite: es gibt keine Möglichkeit, eine Nur-Audio-Version anzuhören, was unnötig viel Bandbreite braucht (in Zeiten von Flatrates kein Problem).
  2. Akku: das Telefon muss die ganze Zeit an sein, da die YouTube-App nur spielt, wenn sie im Vordergrund ist (insbesondere Nachts störend).
  3. Offline-Modus: wenn man bei YouTube kein Geld einwirft, gibt es ohne Zusatzwerkzeuge wie youtube-dl keine Möglichkeit, das Video herunterzuladen. Man ist beim Hören/Sehen also auf Netz angewiesen (schwierig in DE).

Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass die Abrufzahlen der Videos trotz der sehr guten Gesprächspartner sehr niedrig ist. Ich habe Garbiel dann auf Twitter gefragt, ob er seine Medien nicht auch per Podcast bereitstellen möchte:

Seine Antwort war wie folgt:

Der Aspekt der Audio-Qualität ist bei Podcasts natürlich wichtig. Die Videokonferenz-Tools sind hier meist nicht optimal, da sie eher auf geringe Latenz und Ausfallsicherheit und nicht Audioqualität optimiert sind. Außerdem sieht es im Video etwas komisch aus, wenn man mit einem guten Headset wie dem Beyerdynamic DT297 (Affiliate-Link) vor dem Rechner sitzt. Meist haben die Gesprächspartner dann einfach die Smartphone-Kopfhörer im Ohr, deren Audioqualität nicht sonderlich gut ist.

Aber auf die Audioqualität wollte ich mit meiner Antwort eigentlich gar nicht raus. Mir ging es eher um das Nutzungsszenario von Podcasts: den New Work Chat in einer Podcast App abonnieren und neue Folgen automatisch auf das Smartphone heruntergeladen zu bekommen. Im Idealfall noch mit Kapitelmarken, damit man im Podcast thematisch springen kann. Anders als von Gabriel angezweifelt finde ich die Audioqualität seiner Aufnahmen dafür auf jeden Fall ausreichend.

Ein Podcast, der das beispielsweise so macht, ist der Aufwachen Podcast rund um Stefan Schulz. Zwei bis drei Personen schauen sich gemeinsam Ausschnitte aus Nachrichtensendungen an und kommentieren diese. Die Aufzeichnungen landen auf YouTube und werden gleichzeitig als Audio-Podcast ausgespielt. Diese Sendung habe ich zuerst als Podcast entdeckt und mir ist erst viel später aufgefallen, dass es davon auch eine Video-Version gibt. Das hat mir klar gemacht, wie wenig einem der Video-Kanal in vielen Fällen fehlt (Tipp für ein Experiment: schaut mal die Tagesschau mit geschlossenen Augen und bewertet, ob ihr dadurch weniger Informationen erhaltet).

An Gabriels Stelle kann man den Audio-Podcast als Zweitverwertung der Aufzeichnung recht einfach ausprobieren:

  1. Im Blog eine Podcast-Erweiterung wie beispielsweise Podlove Publisher für WordPress installieren
  2. Aus der Video-Datei z.B. Mit ffmpeg eine Audio-Spur extrahieren (FLAC)
  3. Die Audio-Spur durch Auphonic laufen lassen, um die Audioqualität zu verbessern, Kompression hinzuzufügen und einen konstanten Pegel zu erzeugen (MP3)

    Die MP3-Datei über den Blog mit Podcast-Erweiterung bereitstellen
    Den Podcast-Feed bei Apple-Podcasts (dort holen sich fast alle Podcast Verzeichnisse die Feeds), fyyd und bei Spotifiy eintragen, um langfristig die Reichweite zu erhöhen

Gabriel, ich würde mich über den New Work Chat als Podcast sehr freuen und helfe gerne, wenn es irgenwo hakt :-)

lernOS Geschichten des Gelingens (GdG) – macht eure #lernOS Erfolgsgeschichten vom 12.09.-20.11.2019 sichtbar

Auf dem lernOS Rockstars Camp gab es in der lernOS Assembly eine Session mit Winfried Ebner von der Telekom. Winfried’s Idee ist, das Konzept der Geschichten des Gelingens der Telekom auf lernOS zu übertragen und damit einen offen verfügbaren Pool von Erfolgsgeschichten aufzubauen.

Die Telekom verwendet die Geschichten des Gelingens, um den Nutzen des Enterprise Social Networks You & Me (YAM) anhand kleiner Erfolgsgeschichten von echten Mitarbeiter*innen darzustellen. Die Geschichten können mit einer Vorlage digital direkt im Intranet gesammelt werden. Mittlerweile gibt es aber auch mehrere Ausgaben von kuratierten Büchlein mit thematisch sortierten Geschichten, die in gedruckter Fassung erschienen und verteilt worden sind.

Die Geschichten des Gelingens sind immer nach einem ähnlichen Muster aufgebaut:

  • Name des Hauptakteurs
  • Bild des Hauptakteurs
  • Aussagekräftiger Titel
  • Position/Rolle des Hauptakteurs
  • Organisation(seinheit) des Hauptakteurs
  • Die Geschichte in wenigen Absätzen (ca. 2.000 Zeichen ohne Leerzeichen)

Auf dem Camp in München haben wir vereinbart, uns bis zum Corporate Learning Camp (#clcko19) eine Vorgehensweise zur öffentlichen Sammlung von lernOS Geschichten des Gelingens zu überlegen und dann bis zum KnowledgeCamp (#gkc19) echte Geschichten aus der Community zu sammeln. Auf dem KnowledgeCamp wollen wir dann in einer Session ein Prototyp (Minimum Viable Product) in gedruckter Form vorliegen haben.

Um diesen Prototyp ohne großen Aufwand umzusetzen, brauchen wir eine minimale Infrastruktur, die ich im Folgenden mal versuche zu beschreiben. Es kann sein, dass sich diese Dokumentation in der Zeit vor dem #clc19ko im Austausch mit Winfried nochmal verändert:

  1. Google Sheet: wir verwenden ein Google Sheet, um die Inhalte für die Geschichten einzusammeln. Die Spalten der Tabelle entspricht den zu erhebenden Daten und Metadaten der Geschichte.
  2. Google Form: als Eingabemaske für die Geschichten verwenden wir ein Formular zur Table. Jeder kann offen Geschichten eingeben, die Tabelle mit den Inhalten ist offen für alle einsehbar und kann kommentiert werden.
  3. Scribus: wir erstellen eine Booklet-Vorlage in Scribus, mit der ein druckreifes Büchlein auf Basis ausgewählter Geschichten erstellt werden kann. Das Scribus-Format wird so gewählt, dass die Booklets bei Online-Druckdienstleistern einfach und kostengünstig bestellt werden können. Schriftarten, Farben und Grafiken sollten sich für die Übertragbarkeit auf Organisationen einfach austauschen lassen (wer in der Community hat Erfahrungen mit Scribus? Ich habe noch nie intensiv damit gearbeitet).

Falls ihr Kommentare und Verbesserungsvorschläge habt, oder euch gar im “Team GdG” beteiligen wollt, gerne unten in die Kommentare schreiben.

Kommunikation & Kollaboration bei Automattic – was können wir davon lernen?

Automattic ist das Unternehmen, das hinter der Entwicklung von WordPress steht. WordPress ist ein Blog- und Content-Management-System, mit dem ca. ein Drittel der Seiten des Internets betrieben werden.

Im Urlaub habe ich das Buch The Year Without Pants (Affiliate-Link) von Scott Berkun über das Arbeiten bei Automattic gelesen. Interessant ist, dass die knapp 1.000 Mitarbeiter*innen alle remote und über die Welt verteilt arbeiten. Automattic hatte eine sehr moderne (newworkige) Location am Pier 38, hat diese aber bereits 2007 geschlossen, weil dort nur selten jemand gearbeitet hat.

Im Gegensatz zu Präsenzkulturen muss man sich bei komplett verteilter Arbeit sehr viel mehr Gedanken über Routinen und Tools für die Kommunikation und die Kollaboration in der Organisation und den Teams machen.

Natürlich gibt es bei Automattic auch E-Mail, aber wie der Gründer von Automattic Matt Mullenweg in seinem Blog schreibt, kam E-Mail nach IRC und Skype schon immer an letzter Stelle der Kommunikationswege. Mit der Einführung von P2 (Project Log), einem auf Status-Updates basierendem Gruppen-Blog, hat sich das Gleichgewicht der Kommunikation noch weiter verschoben (Seite 48 im Buch):

  1. Blogs (P2): 75 Prozent
  2. IRC: 14 Prozent
  3. Skype: 5 Prozent
  4. E-Mail: 1 Prozent

Wichtig ist, dass alle P2s intern für alle offen einsehbar und kommentierbar sind, so dass komplette Transparenz entsteht. Für den Support von Nutzeranfragen gibt es nochvein Ticket-System, über das Tickets erstellt und nachverfolgt werden. Andere Werkzeuge wie Team-Videokonferenzen, Whiteboards etc. wurden zwar ausprobiert, haben sich aber bei verteilten Teams als nicht robust genug erwiesen.

Was können wir aus der Automattic Story lernen? Ich habe für mich folgende Punkte identifiziert:

  1. Open by Default als Leitprinzip: jeder sollte Informationen zu Zwecken der Kommunikation und Kollaboration offen einsehen können, um Silo-Bildung zu vermeiden.
  2. Blog als E-Mail-Ersatz: der gemeinsame Team-Blog kann die Team-internen E-Mails weitestgehend ersetzen. Die Öffnung des Blogs für alle ermöglicht Wissenstransfer aus dem Team heraus und Unterstützung des Teams von aussen.
  3. Chat und Audio-Konferenz als Gesprächsersatz: als Ersatz für das schnelle Gespräch im Büro braucht es Online Chats und Audio-Konferenz-Tools, die möglichst schnell und einfach funktionieren. Chat (asynchron) ist der synchronen Audiokonferenz oft überlegen.
  4. Digitaler Raum für das Team: wo das P2 eines Teams als dessen Whiteboard zur Dokumentation verstanden werden kann, bildet IRC das digitale Büro. Jedes Team hat dort einen Kanal als Raum, jeder kann jedem Raum Beitreten (digitale Open Door Policy). Ich kenne bis heute kein Werkzeug, dass das besser abbilden kann, als das Anfang der 1990er Jahre entstandene IRC.
  5. Tickets zur Nachverfolgung: für alle Themen (issues), die nicht verloren gehen dürfen und nachverfolgt werden müssen, braucht es ein Ticketsystem wie Trac, OTRS, Zendesk oder Zammad. Nur so können transparen Verantwortlichkeiten für wichtige Themen vergeben werden.

Habt ihr das Buch auch gelesen? Was sind eure Schlussfolgerungen für zeitgemäße Kommunikation und Zusammenarbeit in verteilten Teams?

Wer sich noch tiefer für die Arbeit bei Automattic interessiert, dem empfehle ich den Podcast Distributed mit Matt Mullenweg.

Eine Audiobook-Version für lernOS Leitfäden mit Open Source Anwendungen

Audiobooks sind mit Plattformen wie Amazon Unlimited oder Audible ein großer Trend geworden. Dort kann man sich gelesene Versionen von Büchern herunterladen und unterwegs anhören. Ende März hat Asja auf Twitter die Frage aufgebracht, ob man so ein Audiobook nicht auch für lernOS Leitfäden anbieten könnte:

Da die Inhalte gemäß einer agilen Entwicklungsmethode alle drei Monate in einer neuen Version erscheinen, ist das Einlesen der Texte von menschlichen Sprechern nicht realistisch – außer wir finden einen Sponsor, der uns regelmäßig Rufus Beck finanziert :-)

Also habe ich mich mal auf die Suche nach freien Sprachsynthese-Anwendungen begeben. Gedanklich waren die Anforderungen an die Anwendung ungefähr so (es gab kein Lastenheft):

  • Freie Software, damit alle damit experimentieren können
  • Verfügbarkeit gut klingender Stimmen
  • Kommandozeilen-Tool, damit wir es in unseren automatisierten Produktionsprozess einbinden können
  • Export-Funktion als MP3, idealerweise weiterer Audio-Formate
  • Kapitelmarken-Funktion, damit die Kapitel im Leitfaden auch im Audiobook einzeln ansteuerbar sind

Getestet haben wir z.B. auch, Siri auf dem iPhone den Leitfaden vorlesen zu lassen und dass dann über ein Audio-Interface aufzunehmen. Schließlich haben wir uns dann für die Freeware-Anwendung Balabolka entschieden.

Balabolka setzt auf dem Windows Speech Application Programming Interface (SAPI) auf. Dadurch kann auf eine Vielzahl kostenloser und kostenpflichtiger Stimmen zurückgegriffen werden. Für SAPI 5 sind noch nicht so viele Stimmen verfügbar, wie für SAPI 4, das wird sich aber in Zukunft noch ändern.

Balabolka kann Text aus einer großen Auswahl von Quellen einlesen, darunter die Zwischenablage und Dateiformate wie DOC, EPUB, HTML, MOBI, HTML und PDF. Da wir die lernOS Leitfäden auch in den eBook-Formate EPUB und MOBI erstellen, kam uns diese Flexibilität sehr entgegen. Die synthetisierten Texte können dann in den Audio-Formaten WAV, MP3, OGG und WMA abgespeichert werden. Perfekt.

Ich habe jetzt mal die deutsche und englische Version des lernOS for You Leitfaden als MP3 erstellt (Laufzeit ca. 1h, Größe ca. 50 MByte). Um für die experimentellen Audiobooks eine kompakte Seite mit Player und Feedback-Option zu erhalten, habe ich beide Dateien auf archive.org hochgeladen:

Es ist natürlich klar, dass die Sprachsynthese nicht an die Lösung mit Rufus Beck heranreicht. Aber hört bitte trotzdem mal rein und schreibt auf der Seite unten eine sog. Rezension mit eurem Feedback. Meine Frage ist, ob wir dieses Art Audiobooks bei den Leitfäden mal mit anbieten sollen, oder ob das noch zu weit von brauchbar entfernt ist.

Barcamp Moderation im Tandem – zusammen mit Pepper, dem Roboter

Ich mache Barcamp-Moderationen gerne gemeinsam mit 1-2 anderen Personen, weil man sich da gut gegenseitig die inhaltlichen Bälle zuspielen kann. Ähnlich wie bei einem Podcast sind zwei oder mehr Personen nach meinem Gefühl dynamischer und die Moderation droht weniger, langweilig zu werden.

Bisher habe ich diese Moderation immer gemeinsam mit anderen Menschen gemacht. Nächste Woche wird es bei einem internen Barcamp am 4. Juli eine Premiere geben: ich moderiere gemeinsam mit Pepper, einem humanoiden Roboter. Pepper ist 1,20 Meter groß und verfügt über vier Mikrofone, zwei HD-Kameras, einen 3D-Abstandssensor, einen Gyrosensor, zwei Sonarsensoren und sowie sechs Laserscannern. Auf der Brust hat er ein Touchscreen, über das er Informationen anzeigen kann.

Für die Moderation des Barcamps haben wir folgende Idee entwickelt: die Moderation ist an sich auf deutsch, die NLP-Engine von Pepper kann aber nur Englisch. Wir werden ihn daher im Ablauf der Moderation immer auf Englisch ansprechen müssen. Wir verwenden das Anmoderationsskript, das ich gerade für den lernOS Barcamp Leitfaden mit Karlheinz Pape erstelle. Wir werden Pepper sich vorstellen lassen und dann nach konkreten Begriffen wie beispielsweise “Barcamp” oder “Tim O’Reilly” fragen.

Anfang nächster Woche ist die Probe. Ich werde den Teil des Barcamps in einem kleinen Video aufzeichnen und hier im Blog veröffentlichen. Bis dahin könnt ihr Pepper in diesem kurzen YouTube-Video schonmal kennenlernen:

GfWM DIYMM Workshop am 11.05.2019

Am 11.05.2019 habe ich im Rahmen meiner GfWM-Aktivitäten einen Workshop zur “Dokumentation von GfWM Meetups mit multimedialen Bordmitteln” angeboten. Ziel dabei ist es, auszuprobieren und zu lernen, wie man eine Aufzeichnung von diversen Veranstaltungen der GfWM ganz einfach selbst durchführen kann. Beginn ist um 09:30 Uhr, Ende um 12:00. Hier meine OneNote-Notizen und Links aus der Vorbereitung für die Teilnehmer*innen:

The Transformers – von digitalen und anderen Transformationen

Heute morgen hat Till auf Twitter folgende Frage gestellt: “Wann ist eure Transformation im Unternehmen eigentlich erfolgreich? Wenn der Kunde eine “bessere” Leistung attestiert? Wenn das Unternehmensergebnis besser ist? Wenn die Menschen im Unternehmen zufriedener sind? Spielt Nachhaltigkeit eine Rolle?”. Ich habe nachgefragt, welche Transformation er meint, z.B die digitale Transformation, die agile Transformation” oder die lean Transformation. Seine Rückfrage war dann, ob die digitale Transformation nicht die beiden anderen umfasst.

Spontan war meine Antwort nein, weil jeweils etwas anderes im Fokus der Transformation. Aber mir wurde klar, dass ich auch keine scharfe Abgrenzung aus dem Ärmel schütteln konnte. Da solche Fragestellungen in der Praxis öfters vorkommen, habe ich angefangen etwas zu schmökern, z.B. in der Wikipedia bei Digitale Transformation (betrifft die ganze Gesellschaft) und Digitale Business Transformation (betrifft Unternehmen). Aus der zweiten Quelle stammt auch die Definition, die wir in unserem Wiki Copedia verwenden:

Die Digitalisierung verändert durch die Möglichkeiten und Potenziale digitaler Medien langfristig das Fundament jedes Unternehmens in seiner Strategie, Struktur, Kultur und seinen Prozessen.

Digital, Agil & Lean

Ein kleines Zwischenfazit nach einer halben Stunde lesen: der zentrale Treiber der digitalen Transformation ist die Informationstechnik. Durch das Moorsche Gesetz entwickelt sich die zur Verfügung stehende Rechenkapazität exponentiell. Das führt dazu, dass die Halbwertszeit des Wissens im Bereich IT- und EDV-Wissen besonders klein ist (Quelle):

Daraus entsteht insbesondere in technischen Bereichen wie z.B. Software-Entwicklung, Maschinen- und Automobilbau die Notwendigkeit, schnell und lebenslang zu lernen. Somit ist es auch kein Zufall, dass die agilen Methoden ihren Ursprung zunächst in der Produktinnovation (s.a. Nonaka, I.: The New New Product Developement Game) und dann in der Software Entwicklung (s.a. Scrum Guides) haben.

Die leichte Verbreitung von dokumentiertem Wissen durch Informationstechnik und die Globalisierung führen zusätzlich zu einem starken Wettbewerbsdruck in vielen Branchen. Neben dem Treiben von Innovationen können Unternehmen diesem Druck durch möglichst effiziente Prozesse begegnen. Ein wichtiger Ansatz in diesem Feld ist das Lean Management bzw. Lean Thinking (Mindset), bei dem alle Verschwendungen (jp.: Muda) systematisch aus Prozessen entfernt wird.

Randbemerkung: neben diesen drei von Till angesprochenen Transformationsarten bin ich bei der Recherche auf viele weitere gestoßen, z.B. New Work Transformation, Industrie 4.0 Transformation, Leadership Transformation und kulturelle Transformation. Ein Grund mehr bei Transformationen in Unternehmen sprachlich sehr sauber zu beschreiben, was gemeint ist, damit man nicht im Bullshit-Bingo-Spieler-Eck steht.

Tranformation

Ein finaler Gedanke noch zum Begriff der Transformation, der in unterschiedlichen Kontexten ganz verschiedene Bedeutung haben kann. In der Betriebswirtschaft bedeutet er “den Prozess der Veränderung, vom aktuellen Zustand (IST) hin zu einem angestrebten Ziel-Zustand in der nahen Zukunft. Eine Transformation repräsentiert einen fundamentalen und dauerhaften Wandel” (Quelle: Wikipedia). Wer sich also aktuell in einer begrifflichen Buzzwort-Wolke wiederfindet und vor lauter Transformationen gar nicht weiß, wo er anpacken soll, dem helfen vielleicht vier gedankliche Schritte aus dieser Misere:

  1. Transformationsobjekt: Was ist das Objekt, das transformiert werden soll? Ein Produkt? Ein Prozess? Die Zusammenarbeit? Der Führungsstil? Das Projektmanagement? Das Geschäftsmodell?
  2. Ist-Zustand: Wie können wir den Ist-Zustand beschreiben? Welche Eigenschaften charakterisiert das Transformationsobjekt heute?
  3. Ziel-Zustand: Wie können wir den gewünschten Ziel-Zustand beschreiben? Mit welchen Eigenschaften können wir das Transformationsobjekt in der Zukunft beschreiben?
  4. Transformationspfad: In welchen Schritten können wir die Transformation von Ist- zu Ziel-Zustand vollziehen? Welche Risiken und Barrieren sind zu erwarten und wie können wir diesen begegnen?

Bevor jetzt jemand in den Kommentaren schreit “aber alles ist doch so VUCA und wir wissen gar nicht was das Ziel ist”. Natürlich wird man sich in der Transformation darauf einstellen müssen, dass man nicht von einem stabilen Zustand in den nächsten geht. So lange das Moorsche Gesetzt gilt wird der Wandel beständig bleiben und sich weiter beschleunigen. Das ist aber kein Grund, die Transformation nicht in einem überlegten Prozess anzugehen und die Vorgehensweise wenn nötig agil anzupassen (inspect & adapt). Oder wie eines meiner Lieblingszitate von Deming lautet:

If you can’t describe what you are doing as a process, you don’t know what you’re doing.

Die Transformation sollte ruhig, überlegt und ohne Aktionismus oder Alarmismus angegangen werden.

Tipp für Führungskräfte und Führungskräfteentwickler*innen: wer eine der o.g. Transformationen in seinem Unternehmen fördern möchte oder muss, sollte sich mit dem Konzept der transformationalen Führung (Bass, B., 1985) beschäftigen

Blogparade: welche Blogs empfehlt Ihr mit zu Digitaler Transformation, New Work, Wissensarbeit, Digital Leadership, Lernen 2.0 etc.?

Als Teil meiner Aktion Social Media Detox 2018 bin ich auch dabei, meine News- und RSS-Feeds zu bereinigen. Mir waren da zu viele Feeds enthalten, die zwar viele Neuigkeiten bringen, aber zu selten richtig gute Beiträge bringen. Daher habe ich gerade die größten Zeitfresser entfernt und die verbleibenden Feeds neu geordnet. Jetzt will ich natürlich auch prüfen, welche wertvollen Feeds mir noch fehlen, deswegen diese kleine Blogparade. Ich erkläre kurz, wie mein Feed-Ökosystem funktioniert und welche Themen mich interessieren. In den Kommentaren unten könnt Ihr dann Eure Top-Blogs und -Feeds eintragen. Meine vollständige Feed-Liste werde ich dann nach Ende der Blog-Parade am 07.01.2019 veröffentlichen.

Zunächst ein paar Infos zu meinem Blog-/RSS-Ökosystem. Blogs bilden für mich neben Podcasts und Twitter eine ganz zentrale Wissensquelle. Ursprünglich war ich langjähriger Nutzer des Google Readers. Als dieser 2013 eingestellt wurde, haben wir uns in der Akademie auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Motiviert durch eine Rede von Sascha Lobo waren wir schnell der Meinung, dass wir uns nicht wieder in die Hände eines Webdienstes begeben, sondern die Infrastruktur für Feeds inkl. aller Auswertemöglichkeiten, Bookmarks, Notizen selber betreiben wollen. Die Wahl fiel auf die Open-Source-Anwendung Tiny Tiny RSS (tt-rss), da sie alle gewünschten Funktionen bietet und sich gut in unsere Infrastruktur (PHP + mySQL) einbettet.

Jeder Mitarbeiter kann sich in Cogneon Feeds beliebig viele RSS-Feeds abonnieren und diese in Kategorien strukturieren. Bei mir sind die Kategorien Blogs (meist von Einzelpersonen), News Tech, News Biz (Branchen-Neuigkeiten) und Kunden. Alle 30 Minuten werden die Feeds aktualisiert und es werden die neuesten in einem Aktivitätenstrom angezeigt.

Man kann sich jeden Beitrag für später markieren oder auch einzelne Beiträge veröffentlichen. Die veröffentlichen Beiträge erscheinen in einem öffentlich zugänglichen RSS-Feed, den ich mit einer IFTTT-Regel automatisch mit einem vorangestellten “Link-Tipp: …” auf Twitter veröffentliche. Meistens lese ich die Neuigkeiten nicht im Browser, sondern mit der App tiny Reader, die sich mit der Webversion synchronisiert. Alle eigenschaften wie merken und teilen sind auch in der App verfügbar.

In regelmäßigen Abständen aktualisiere ich in meiner persönlichen Wissenslandkarte die Themen, die mich kurz-, mittel- und langfristig interessieren. Zu allen Themen suche ich mir dann die interessantesten Wissensquellen zusammen und abonniere die, die einen RSS-Feed anbieten. Aktuell sind das z.B.:

  • Agile Organisation
  • Ambidextrie
  • Change Agent Netzwerke
  • Demografischer Wandel & Wissensbewahrung
  • Digitale Transformation
  • Dual Operating System
  • Getting Things Done
  • Lean Management
  • Lebenslanges Lernen
  • Modern Workplace, Digital Workplace
  • New Work
  • New Leadership, Management 2.0
  • Objective & Key Results
  • Office 365
  • Organisationssoziologie
  • Scrum
  • Soziokratie
  • Wissensarbeit
  • Wissensmanagement, ISO 30401
  • Workhacks

Und jetzt seid ihr dran! Welche guten Blogs und Feeds kennt ihr zu den oben genannten Themen. Schreibt diese als Link zur Quelle oder Link zum Feed bis zum 06.10.2019 unten in die Kommentare. Ich werde daraus dann eine neue Feedsammlung kuratieren und diese am 07.01.2019 hier veröffentlichen.

HAPPY BLOGPARADING!

Social Media Detox 2018

Das Ende des Jahres ist immer eine gute Gelegenheit, die Social-Media-Kanäle und -Filter mal wieder zu bereinigen und schlanker zu machen. Dieser Blog dient mir als Checkliste, was noch alles zu tun ist.

Organisationale Kanäle

  • @cogneon auf Twitter IFTTT-Regel zum Posten von Link-Tipps von feeds.cogneon.de löschen (@cogneon wird Announcement-Kanal zu Aktivitäten der Cogneon Akademie)
  • IFTTT-Regel zum Posten von @cogneon Tweets auf LinkedIn Unternehmensprofil einrichten (über Buffer)
  • IFTTT-Regel zum Posten von Blogs einrichten (cogneon.de alle)
  • Instagram  Account löschen
  • Flickr und Yahoo Account löschen (nach dem Verkauf von Flickr sind dort nur noch 1000 Bilder kostenfrei möglich, wir ziehen zu Google Photos um)
  • Xing Unternehmensprofil Hinweis und News mit Verweis auf LinkedIn Unternehmensprofil erstellen
  • Slideshare Account Folien nach https://cogneon.de/media (Portfolio/Presentations) umziehen
  • Scribd Account mgmt20mooc Dokumente nach https://cogneon.de/media (Portfolio/Publications) umziehen
  • Facebook-Seite Cogneon Akademie löschen
  • LinkedIn Seite aktualisieren (inkl. Titelbild)
  • Kopplung Eventbrite – LinkedIn für Veranstaltungen mit Anmeldung prüfen (geht nur über Zappier?)
  • Flow-Regel zum Posten von Tweets von Mitarbeitern auf Twitter mit Hashtag #grny auf GRNY einrichten

Persönliche Kanäle

  • IFTTT-Regeln von meinem Account in Cogneon Account umziehen (Historie)
  • IFTTT-Regel zum Posten von Blogs auf Twitter/LinkedIn einrichten (cogneon.de meine)
  • IFTTT-Regel zum Posten von Link-Tipps einrichten (feeds.cogneon.de)
  • IFTTT-Regel zum Posten von Podcast-Tipps einrichten (fyyd.de)
  • IFTTT-Regel zum Posten von Video-Tipps einrichten (YouTube-Favoriten)
  • Franz für alle genutzten Messenger einrichten
  • Hootsuite auf allen Endgeräten für Nutzung von Twitter und LinkedIn parallel einrichten
  • Xing-Profil Hinweis auf LinkedIn-Profil einrichten (geht wohl nicht mehr)
  • Facebook-Gruppe Knowledge on Air löschen (Ulrich und ich schaffen es nicht wirklich, die Gruppe sinnvoll zu betreuen)
  • Facebook Kontakte auf Freunde und persönlich gute Bekannte reduzieren (vorher: 333, nachher …)
  • Twitter Gefolgte prüfen (vorher 789, nachher: …)
  • Author Box auf cogneon.de mit Standard-Bio bestücken (auch für Vorträge)
  • Gravatar-Profil aktualisieren
  • LinkedIn-Profil aktualisieren und Pro-Account bestellen
  • Bookmarks von delicious (1359) nach Copedia umziehen
  • Bookmarks von diigo (8) nach Copedia umziehen
  • Feed-Liste auf feeds.cogneon.de aktualisieren und OPML veröffentlichen (vorher: 43, nachher: …, OPML)
  • Podcast Abos prüfen (vorher: …, nachher: …)

Neuer lernOS Produktions-Workflow

Für die Erstellung von lernOS Leitfäden haben wir uns einen Produktions-Workflow gebaut, der aus einer Single-Source automatisch verschiedene Zielformate erzeugen kann. Die Quellen der Leitfäden sind durchgängig in Markdown geschrieben. Für den ersten lernOS Guide in der Version 1.0 haben wir daraus die Formate PDF, DOCX (MS Word), HTML und EPUB (eBook) erzeugt. Für die Version 1.1 haben wir diesen Workflow etwas erweitert. In diesem Blog beschreibe ich alle notwendigen “Zutaten”.

Der alte Workflow hat im Kern zwei Werkzeuge verwendet:

  1. Pandoc: eine Anwendung zur Konvertierung von Dokumentformaten. Pandoc unterstützt eine Vielzahl von Dateiformaten, darunter z.B. Markdown, textile, HTML, LaTeX, Mediawiki, Creole, MS Word, ODT (Libre Office), DocBook uvm.
  2. MikTeX: damit pandoc auch PDF erzeugen kann, ist MikTeX notwendig. MikTeX ist eine LaTeX-Version für Windows.

Im alten Workflow wurde eine PDF-Version, eine Word-Version, eine HTML-Version (u.a. zur Erzeugung der OneNote-Vorlage) und eine EPUB-Version erstellt. Die PDF-Version hatte das lernOS-typische orange Cover, die anderen Versionen waren ohne Cover, da die Cover-Erzeugung eine Funktion der LaTex-Vorlage ist. Außerdem konnte die EPUB-Version nicht direkt an den verbreiteten Amazon Kindle (Device oder App) übertragen werden, da dieser MOBI und nicht EPUB als Format verwendet. Daher wurde der Workflow für die Version 1.1 des lernOS Guide wie folgt erweitert:

  1. ImageMagick: freie Anwendung zur Erstellung und Bearbeitung von Raster- und Vektor-Grafiken. Damit ist die Konvertierung des Covers (erste Seite des PDF) in eine PNG-Datei möglich.
  2. Calibre: freie Anwendung zur Verwaltung und Konvertierung von eBooks. Damit kann die EPUB-Version um Metadaten und das Cover erweitert und im Anschluss auch in das MOBI-Format konvertiert werden.

Auf diese Weise entsteht im neuen Workflow eine Datei mit Endung .mobi, die an die E-Mail-Adresse des eigenen Kindle geschickt werden kann. Dort kann der Leitfaden dann kommentiert, durchsucht und mit Lesezeichen versehen werden. Alle Markierungen synchronisieren sich automatisch über alle Kindle-Geräte.