D-A-CH Wissensmanagement Glossar Version 1.1. vs. 2020

Gestern habe ich mit Karsten Ehms angefangen, am sog. “lernOS Zero Bullshit Knowledge Management Lernpfad” (Arbeitstitel) zu arbeiten, der einem die Disziplin Wissensmanagement in einem lernOS Sprint (13 Wochen) nahebringen soll. Auf dem lernOS Camp 2019 gab es ja bereits eine Assembly dazu und auch beim Camp 2020 wird es wieder eine geben. Ich habe das Gefühl, dass dieser Lernpfad eine sehr gute Basis werden könnte, um zu verstehen, warum der lernOS Core aus den drei Ebenen Individuum, Team und Organisation besteht und woher die inhaltlichen Themen kommen. Unser Ziel ist, ein präsentable Version des Lernpfads bis zum Camp ferig zu haben.

Der lernOS für Organisationen Leitfaden wird kompatibel mit dem neuen Wissensmanagement-Standard ISO 30401 Knowledge Management Systems, d.h. wer sich am Leitfaden orientiert, wird automatisch alle Anforderungen aus der Norm erfüllen. Dafür kuratiere ich gerade parallel die Quellen, die wir im Leitfaden verwenden wollen.

Eine dieser Quellen ist das D-A-CH Wissensmanagement Glossar, das ich neben der GfWM Wissenslandkarte und dem GfWM Wissensmanagement Modell vor 10 Jahren in meiner Funktion als Leiter des Fachteams Wissensmanagement in der Gesellschaft für Wissensmanagement mitentwickelt habe.

Gerade ist mit dem D-A-CH Wissensmanagement Glossar 2020 eine Variante des o.g. Glossars erschienen, die sich doch in einigen Teilen von der Version 1.1 unterscheidet. In diesem Blog vergleiche ich die zwei Versionen und ziehe ein kurzes Fazit für die Verwendung von Begriffen in lernOS. Der Blog-Beitrag wird sich im Lauf der nächsten Wochen kontinuierlich ergänzen. Für die schnellere Arbeit mit den Texten habe ich die Version 1.1 und die Version 2020 in unser offenes Wiki COPEDIA übertragen. Feedback, Gedanken und Ideen gerne direkt unten in die Kommentare.

Vergleich Glossar Version 1.1 und 2020

In der folgenden Tabelle findet ihr in der linken Spalte die Obermenge aller Begriffe in der Version 1.1. Das “X” in den Spalten zwei und drei zeigt an, ob der Begriff in der jeweiligen Glossar-Version enthalten ist (zur schnellen Navigation sind die Differenzen rot markiert). In der letzten Spalte werde ich nach der detaillierten Analyse noch Bemerkungen ergänzen.

BegriffVersion 1.1Version 2020Bemerkung (noch in Arbeit)
ArbeiterX
BeziehungskapitalX
BilanzX
Chief Knowledge OfficerXX
Community of InterestX
Community of PracticeXX
Content-Management-SystemXX
DatenebeneX
ErfahrungX
ErfahrungswissenX
Explizierbares WissenX
Expliziertes WissenX
Explizites WissenX
GemeinschaftX
GesellschaftX
HandlungsebeneX
HumankapitalX
Implizites WissenXX
InformationXX
InformationsmanagementXX
Intellektuelles KapitalXX
KapitalX
Kollektives WissenXX
KompetenzXXNeue Sichtweise auf Kompetenz, in der Einleitung der Version 2020 beschrieben.
KompetenzmanagementXXNeue Sichtweise auf Kompetenzmanagement, in der Einleitung der Version 2020 beschrieben.
KulturXX
Lernende OrganisationXX
ManagementXX
ManagerX
MethodeXX
ModellXX
OrganisationXX
Organisationale WissensbasisX
Organisationales WissensmanagementXX
Persönliches WissensmanagementXX
Prozedurales WissenX
ProzessXX
ReflexionX
RolleXX
Social MediaXWarum nicht den deutschen Begriff “Soziale Medien” verwenden? Von der GfWM gibt es außerdem das Positionspapier Wissensmanagement und Enterprise 2.0. Web 2.0 und Enterprise 2.0 sollten im Glossar auch aufgenommen werden.
SoftwareX
Soziale SoftwareX
StrategieXX
Strategisches WissensmanagementXX
StrukturkapitalX
SystemXX
TaxonomieX
TerminologieX
WissenXX
Wissen vernetzenX
WissensarbeiterXX
WissensbilanzXX
WissensdomäneX
WissensebeneX
WissensgemeinschaftXXAls Synonym zu Community of Practice definiert, das kann man mit der Beschreibung im Buch von Kai Romhardt so nicht machen.
WissensgenerierungX
WissensgesellschaftXX
Wissensintensiver ProzessXX
WissenskulturXX
WissenslandkarteXXDefinition von Cogneon durch andere ersetzt.
WissensmanagementXX
Wissensmanagement-MethodeXX
Wissensmanagement-ModellXX
Wissensmanagement-ProzessXX
Wissensmanagement-StrategieXX
Wissensmanagement-SystemXX
Wissensmanagement-TechnikX
WissensmanagerXXFundamental andere Definition des Wissensmanagers (Führungskraft vs. dedizierte Rolle)
WissensprozessXX
WissensrisikenX
WissenssystemX
WissenstransferX
ZielebeneX

Fazit für lernOS

Folgt in den nächsten Wochen.

Benchlearning 2020: Offenes und vernetztes Arbeiten und Lernen – einige wenige Plätze sind noch frei

Unsere Benchlearning Projekte, die sich aus der Kooperation in Projekten mit Audi, Schaeffler und adidas entwickelt haben, gibt es seit dem Jahr 2012. Die letzten beiden Jahre hatten wir erstmalig zwei Benchlearnings parallel laufen: das blp19 “Digital & Connected Work” (Bericht) und das blp19o365 “Office 365 Evolution” (Bericht). In den Abschlussworkshops waren sich alle einige, dass wir die Themenfelder der Digitalen & vernetzten Zusammenarbeit (blp19) und der Rolle, die Office 365 darin spielt (blp19o365), ausreichend intensiv behandelt haben und eine Fortsetzung keinen größeren Erkenntnisgewinn mehr bringen würde.

Deswegen haben wir uns im Abschlussworkshop über die nächsten wichtigen Lernthemen Gedanken gemacht und sind zu folgendem Thema für das Benchlearning Projekt 2020 gelangt: blp20 “Offenes und vernetztes Arbeiten und Lernen” (OVAL). Darin wollen wir uns insbesondere um diese zwei Aspekte der Arbeit der Zukunft kümmern:

  1. Offenheit und Vernetzung: wie können wir die Prinzipien Offenheit und Vernetzung konkret in der Zusammenarbeit verankern (Tags: Open by Default, Open Collaboration, Open Innovation, Open Educational Resources, Open Source, Open Science, Open Spaces, Vernetzung Mensch/Mensch, Mensch/Inhalt, Inhalt/Inhalt, Vernetzung Cross-Company).
  2. Arbeiten und Lernen: wie können wir Harold’s Satz “Working is Learning and Learning is the Work” in der Praxis verankern? Damit kommen wir auch wieder ein bisschen zu den Wurzeln des Benchlearning 2020 zurück, bei dem die Bildung von internen interdisziplinären Netzwerken zur Entwicklung einer Lernenden Organisation (z.B. HR, IT, Com, KM) im Fokus stand.

Für das Benchlearning Projekt 2020 sind noch einige wenige Plätze frei. Mit von der Partie sind bisher Audi, Deutsche Telekom, Schaeffler, Siemens Healthineers, Volkswagen und ZF Friedrichshafen. Das Format und die Termine für die Projekttreffen sind dieses Jahr:

  • 19.-20.02.: Kick-off, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • 08.04.: Online-Treffen
  • 15.-16.06.: Präsenz-Treffen, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • 21.09.: Online-Treffen
  • 16.-17.11.: Abschluss-Workshop, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • Virtuelle Zusammenarbeit: Parallel zu den fünf Treffen wird in Arbeitsgruppen an Themen gearbeitet, die wir im Kick-off festlegen. Dafür verwenden wir eine geschlossene Gruppe auf CONNECT.
  • Thematische Calls: begleitend werden wir 4-5 offene Calls (ca. 1h) machen, in den wir uns Gastredner*innen zu den Schwerpunktthemen des Benchlearnings einladen.

Wer kann beim Benchlearning 2020 noch mit dabei sein? Ihr solltet folgende Kriterien erfüllen:

  • Organisationsgröße 10.000+ Mitarbeiter*innen
  • Organisation global und interkulturell verteilt
  • Entsand von 3-5 Projektteilnehmer*innen in das Projekt, idealerweise interdisziplinär (HR, IT, Kommunikation, Wissensmanagement)

Die Teilnahme an dem Projekt kostet € 5.900,-. Darin enthalten sind die Organisation der fünf Termine, der Online-Zusammenarbeit, die Erstellung des Abschlussberichts, die Erstellung einer Dokumentbibliothek mit allen Materialien und die Verpflegung während der Präsenztreffen.

Interesse und/oder offene Fragen? Dann kontaktiert uns oder schreibt unten in die Kommentare.

Teams Community Day – Eine Kuration

Am Dienstag 28.01.2020 war der Teams Community Day, an dem sich in verschiedenen deutschen Städten Menschen zu Veranstaltungen rund um Microsoft Teams getroffen und ausgetauscht haben. In diesem Beitrag kuratiere ich mal die für mich spannenden Inhalte aus dem Twitter-Strom zum Hashtag #TeamsCommunityDay. Ich werde die Kuration erweitern, wenn ich weitere “Perlen” finde.


Sketchnote zum Teams Community Day:


Buch-Tipp Adopt & Embrace Microsoft Teams – habe ich mir gleich bestellt (Affiliate-Link):


Eine schöne Übersicht über Spezifikation und Begrenzungen von Microsoft Teams (z.B. maximale Anzahl Mitglieder in einem Team, maximale Anzahl Team-Owner, maximale Anzahl Teams in einem Tenant, maximale Anzahl private Channels pro Team):


Eine Powershell-Skript Kollektion auf GitHub, z.B. zum Entfernen des Wiki-Tabs:


Vortrag zum “Collaboration Contract” in Office 365 (dazu gibt es auch einen guten Beitrag in der Microsoft Techcommunity):


Beitrag zum Microsoft Composer for Bot Framework (GitHub), zur Erstellung von Bots mit dem Microsoft Bot Framwork:


Einführung in Adaptive Cards, einem User-Interface-Container, in dem kurze Informationen und Aktionen angezeigt werden können:


Chat Clients in Office 365 … ganz schön viele :)


 

#lernOS Lighning Talk auf dem 36C3

Auf dem 36. Chaos Communication Congress (#36c3) habe ich an Tag 4 (30.12.2019) einen Lightning Talk zu lernOS gehalten. Gemäß des Lightning Talk Formats habe ich versucht, die große lernOS Idee für Individuen in 5 Minuten vorzustellen. Seht selbst, ob mir das gelungen ist (Kritik gerne in die Kommentare):

Lightning Talks gab es an 2, 3 und 4 des Kongresses mit jeweils 2,5 Stunden Talks (der erste ist immer eine Einführung in das Format). Das Programm gibt euch einen Überblick über die Themen, auf media.ccc.de. findet ihr die Aufzeichnungen von Tag 2, Tag 3 und Tag 4.

Spoiler: da ich sehr begeistert vom Lightning Talks Format bin, wird es auch eine Lightning Talks Session auf dem lernOS Camp 2020 (#loscamp20) geben. Dafür habe ich schon die richtige LED-Lampe als Stoppuhr vorbereitet:

Office 365 und der digitale Arbeitsplatz

In einem Tweet habe ich neulich geschrieben, dass wir mit der breiten Verfügbarkeit von Office 365 Themen wie Digital Workplace & Co. so langsam hinter uns lassen müssten, um uns mit den kommenden Themen zu beschäftigen. Meine Motivation war, mal aus der Community zu hören, was die großen neuen Themen im Kontext von Wissensgesellschaft und Lernenden Organsiationen sein werden.

Angeregt durch diesen Tweet hat Andreas Stiehler den Blog Zwischenruf im Echoraum: Office 365 = Digital Workplace!? geschrieben, in dem er meine Aussage kritisiert. Einige ausgewählte Zitate aus seinem Blog-Beitrag:

    Wer die Microsoft-Produktfamilie zum Quasi-Standard für den Digital Workplace (v)erklärt, verkennt die Tragweite des Themas und riskiert einen Verlust an Akzeptanz in der Belegschaft.
    Der Digital Workplace ist schließlich kein IT-Projekt, sondern ein ganzheitliches Transformationsvorhaben, das nur gelingen kann, wenn es von den Menschen mitgetragen wird.
    Sicher könnte man aus global-galaktischer Perspektive darüber diskutieren, dass mit der Vormachtstellung eines Anbieters die Innovationsfreude am Mark tendenziell sinkt.
    Aber bietet die Kombi(nation) aus MS Teams, SharePoint, Skype, Yammer & Co. Tatsächlich die bestmögliche Lösung?! Ich behaupte: Nein!
    […] Auch die “Blue Collar Worker” -dies wird in der Diskussion häufig vernachlässigt- sind zunehmend mit Wissensarbeit konfrontiert, haben aber oft ganz andere Anforderungen an die Zusammenarbeit.
    Vernachlässigt wird auch, dass die Integration der klassischen (DECT-)Telefonie zumeinst ein integraler Bestandteil Abreitsplatzkonzepten im Rahmen der digitalen Fabrik und weiterer vertikaler Use Cases ist.
    Bleibt noch hinzuzufügen: Wer den Austausch der Wissensarbeiter effektiv unterstützen will, sollte diese zunächst von Routinetätigkeiten befreien.
    […] das klingt eher nach Business-Theater denn nach “Future of Work”.
    Bevor wir Digital Workplace & Co. hinter uns lassen, sollten wir zunächst einmal versuchen, die Herausforderung der Wissensarbeit(er) in ihrer ganzen Tragweite zu begreifen.

Bevor ich die einzelnen Punkte aus meiner Perspektive kommentiere, möchte ich auf eine Hypothese kommen, die ich zu den Hochzeiten von Enterprise 2.0 schon einmal gemacht habe: wir müssen uns mehr und exakter mit der verwendeten Begriffswelt auseinandersetzen.

In meinem Tweet ging es um den digitalen Arbeitsplatz. Der Arbeitsplatz ist laut Organisationslehre eine “räumlich eingegrenzte, mit Arbeitsmitteln ausgestattete Stelle, an der eine Arbeiskraft ihr Arbeitsaufgaben verrichten kann. Im Fall von Wissensarbeiter*innen sind das dann eben wissensintensive Aufgaben, die wiederum Teil von wissensintensiven Prozessen sind.

Beim physischen Arbeitsplatz geht es dann um z.B. Sitzgelegenheiten, Tische, Regale, Rollcontainer, Ablage, Fax und Telefon. Beim digitalen Arbeitsplatz geht es um die digitalen Entsprechungen, im Wesentlichen sind das Computer/Laptops, Smartphones, Webcams, Headsets/Freisprecheinrichtungen, Monitore, Drucker sowie die zugehörige Softwareausstattung. Die Digitalisierung der Arbeitsmittel ermöglicht als neue Eigenschaft, den Arbeitsplatz von einer ortsgebundenen Stelle aus mobil zu machen, wie das bereits gut in der CSCW-Matrix nach Johansen aufgezeigt wurde.

Soweit zu meinem Begriffsverständnis zum digitalen Arbeitsplatz, jetzt zu den von mir herausgegriffenen Punkten.

Zu 1.) Eine (V)erklärung habe ich in meinen Augen nicht gemacht. Wir haben ja mit Unified Inbox, Sozialen Intranets, Wikis, Blog-Plattformen, ESNs etc. seit Anfang des Jahrhunderts eine Zeit hinter uns, in der extrem viel ausprobiert wurde. Dass sich jetzt Office/Microsoft 365 in Breite durchsetzt ist einfach eine Beobachtung, die ich in meinem (begrenzten) Ausschnitt des Marktes beobachte.

Zu 2.) Der digitale Arbeitsplatz ist in meinen Augen gerade kein ganzheitliches Transformationsvorhaben, sondern die Ausstattung der Mitarbeiter*innen mit zeitgemäßen Arbeitsmitteln. Wir sollten aufhören, schick klingende und englische Begriffe mit allen möglichen Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten aufzuladen und stattdessen die Dinge sachlich beim Namen nennen. Wenn es um eine “ganzheitliche Transformation” geht, müssen die Bereiche benannt werden, die zur Ganzheit gehören und für alle ein Zustand vor und nach der Transformation beschrieben werden. Wenn es “nur” um den digitalen Arbeitsplatz geht, sollten wir das auch einfach so erklären, um nicht mehr Verwirrung als Nutzen zu stiften.

Zu 3.) Die “Anbieter” hatten jetzt ja recht lange Zeit, ihre Innovationsfreudigkeit unter Beweis zu stellen, denn Microsoft hat im Bereich des zeitgemäßen, digitalen Arbeitsplatzes ja sicher noch nicht lange eine “Vormachtstellung”. Leider wurden diese Chancen nicht ausreichend genutzt, jetzt konsolidiert sich der Markt und die alte Commodity-Lösung ist auch die neue.

Zu 4.) Zurecht weist Andreas an einigen Stellen auf die Notwendigkeit von “Bedarfsanalysen” hin, um passgenaue Lösungen zu finden. Fühle ich mich als Wissensarbeiter mit einem Windows 10 Laptop, Office 365 Konto, iPhone und 4G-Flatrate aber als Basisaustattung gut ausgerüstet? Definitiv. Brauche ich darüber für meine speziellen wissensintensiven Aufgaben angepasste Lösungen? Natürlich.

Zu 5.) Völlig richtig: die sog. Blue Collar Worker (auch direkete Mitarbeiter oder Produktionsmitarbeiter) stehen bei Projekten des digitalen Arbeitsplatzes selten im Fokus. Oft scheitert die Einbindung dieser Mitarbeiter*innen schon daran, dass an ihren Arbeitsplätzen keine persönlichen digitalen Endgeräte vorgesehen und BYOD-Ansätze nicht erlaubt sind. Microsoft bietet mit der F1 Lizenz, der Integration von Staffhub in Teams oder dem Messenger Kaizala interessante Ansätze, die ich so von anderen noch nicht gesehen habe. In diesem Feld kenne ich mich aber zugegebenermaßen nicht sehr gut aus, da ich meist in Forschungs- und Entwicklungsumfeldern aktiv bin.

Zu 6.) Zumindest im Büroumfeld beobachte ich, dass die Telefonie in Vergangenheit schon vielfach durch Skype for Business abgelöst wurde. Dieser Trend setzt sich aktuell mit Teams fort. Bei mir beobachte ich, dass ich durch die Integration der Teams-Anrufe in das CallKit auf dem iPhone schon gar nicht mehr merke, ob mich jemand über meine Telefonnummer oder Teams anruft. Schätzen würde ich, dass deutlich mehr als 50% der Anrufe bereits heute über Teams kommen.

Zu 7.) Spätestens seit der Osborne-Frey-Studie ist klar, das viele Tätigkeiten von Wissensarbeiter*innen in Zukunft durch (kognitive) Maschinen übernommen werden können und diese gleichzeitig verbleibende Wissensarbeit unterstützen. Anwendungen und Projekten wie Flow (jetzt Power Automation), PowerBI, Power Apps, Chatbots und das Projekt Cortex sind erste Gehversuche von Microsoft in die Richtung. Bei mir habe ich bisher noch nicht beobachtet, dass meine Arbeitsauslastung dadurch deutlich gesunken ist, aber es ist definitiv die Richtige Stoßrichtung.

Zu 8.) Die Begriffe Digital Workplace und Future of Work würde ich auf keinen Fall in einen Topf schmeißen, dass sind komplett unterschiedliche Dinge.

Zu 9.) Das Konzept der Wissensarbeit ist von den Anfängen mit Peter Drucker Ende der 1960er Jahre recht klar und z.B. durch durch die Studien des BIBB auf Berufsgruppen und auf Tätigkeiten exakt heruntergebrochen. Die Bausteine des Wissensmanagements nach Probst zeigen klar die Kategorien der Wissensarbeit auf, die Wissenstreppe von North unterstreicht die Bedeutung sowohl des operativen Wissensmanagements beginnend bei Daten und Informationen, als auch des strategischen Wissensmanagements, dessen Erfolg sich in der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit einer Organisation zeigt. Ich glaube also nicht, dass wir 2019 erst versuchen sollten, die Herausforderungen der Wissensarbeit(er) zu verstehen. Vieles -vielleicht das meiste- ist schon verstanden, wir müssen das vorhandene Wissen nur anwenden. Wir sollten dabei nicht mehr so sehr unserem Techno-Fetischismus fröhnen und glauben, dass wir produktive Wissensarbeit nur durch immer neue IT-Tools erreichen. Viel mehr geht es darum, Wissensarbeiter*innen Zeit für das Lernen und die Kreativität zu geben und mit Ansätzen wie Barcamps, Coworking Spaces, 20%-Zeit, Communities of Practice, Lunch&Learn, Fuckup Nights uvm. Zeit und Raum für Austausch, Problemlösung und Ideenfindung zu legitimieren. Wenn hier der richtige Ansatz für die Organisation gefunden ist, kann zielgerichtet überlegt werden, welche über den Standard hinausgehenden Elemente des digitalen Arbeitsplatzes der Organisation noch weiterhelfen würden.

Über alle neun Punkte hinweg würde ich gerne für mehr sprachliche Schärfe im Diskurs plädieren. Unsere deutsche Sprache ermöglicht so viel Präzision, dass wir genau benennen können, worum es uns geht. Damit würden wir für viel Klarheit und weniger Verunsicherung sorgen und den Organisationen inkl. aller Mitarbeiter*innen einen großen Gefallen tun.

So viel zu meinen 5 Cent zu einigen der benannten Themen, ich bin gespannt auf weitere Diskussionbeiträge.

lernOS on Air Podcast – Wer hilft bei der Einreichung zum Deutschen Podcastpreis mit?

Im kommenden Jahr geht mal wieder ein neuer Podcast Preis an den Start. Das finde ich immer eine gute Gelegenheit, den eigenen Podcast mal wieder auf Vordermann (und -frau) zu bringen.

Die Geschichte

Mein Podcast ist als Management 2.0 Podcast gestartet. Im Management 2.0 MOOC (2013) hatten wir die Livesessions aufgezeichnet und als Podcast bereitgesetellt. Nach Ende des MOOCs haben viel nach neuen Episoden gefragt. Ich hatte dann zuerst eine bereits bestehende Aufnahme mit Prof. Rafael Capurro zu Knowledge Leadership veröffentlich.t Danach habe ich in unregelmäßigen Abständen Episoden mit Geschichten aus Unternehmen produziert, die in den Rahmen der Entwickung zur Lernenden Organisation passten.

Zum lernOS Rockstars Camp im Juni dieses Jahres habe ich den Podcast dann von “Management 2.0 Podcast” in “lernOS on Air” umbenannt. Außerdem hatten mich viele von euch angesprochen, warum der Podcast nicht auf Spotify ist. Eigentlich möchte ich (wie bei Blogs) die Plattformisierung von Audio nicht unterstützen. Da mittlerweile aber echt viele Spotify als Ersatz für einen echten Podcatcher verwenden, habe ich lernOS on Air dort nun auch bereitgestellt.

Der Preis

Um am Deutschen Podcast Preis teilzunehmen (Teilnahmebedingungen), muss man den Podcast bis 31.12.2019 über ein Formular einreichen. Man braucht eine Kurzbeschreibung (max. 850 Zeichen), das Cover-Bild (1500x1500px) und man kann eine Audio-Datei (max. 5 Minuten) als Bewerbung einreichen.

Die Jury besteht aus ca. 100 fachkundigen Expert*innen. Zusätzlich gibt es einen Publikumspreis. Die Preisverleihung findet am 19.03.2020 im Festsaal Kreuzberg in Berlin statt.

So könnt ihr mithelfen

Die 5 Minuten Bewerbungsaudio würde ich gerne aus verschiedenen Teilen zusammenbauen: einer kurzen Vorstellung des Podcasts durch mich, einige Highlight O-Töne aus den Episoden und einige Stimmen zum Podcast von euch, den Hörer*innen.

Das könntet ihr tun:

  1. Eure Highlights im lernOS on Air Podcast: welche Episoden oder Stellen in Episoden gefallen euch am besten. Einfach Link zur Episode, idealerweise mit Zeitangaben (hh:mm:ss) unten in die Kommentare schreiben.
  2. Eure Stimme in dem Bewerbungsaudio: was ist euer Statement zum lernOS on Air Podcast? Nehmt einfach 1-3 Sätze als Audio auf und schickt mir das als Sprachnachricht per Telegram oder über einen anderen Kanal.

Video vs. Audio – warum es sich manchmal lohnen kann, Videos auch als Audio-Dateien bereitzustellen

Die Diskussion Video vs. Audio kommt im Bereich von Kommunikation und Weiterbildung immer mal wieder hoch. Meist wird Video favorisiert, aus meiner Sicht oft, weil es durch YouTube und E-Learning bekannter ist und eingeübter ist. Als großer Fan von Podcasts versuche ich dann immer, die Beteiligten über Audio als Option mal nachdenken zu lassen.

Vor einige Tagen gab es so einen Fall mit dem New Work Chat von Gabriel. Er hat mittlerweile das siebte Gespräch zu Themen rund um New Work mit einer Videokonferenz-Software aufgezeichnet und dann auf YouTube bereitgestellt (dieses Mal mit Katha zu WOL):

Ich wollte mir den Mitschnitt auf dem Heimweg anhören und da hat YouTube in meinen Augen drei Nachteile:

  1. Bandbreite: es gibt keine Möglichkeit, eine Nur-Audio-Version anzuhören, was unnötig viel Bandbreite braucht (in Zeiten von Flatrates kein Problem).
  2. Akku: das Telefon muss die ganze Zeit an sein, da die YouTube-App nur spielt, wenn sie im Vordergrund ist (insbesondere Nachts störend).
  3. Offline-Modus: wenn man bei YouTube kein Geld einwirft, gibt es ohne Zusatzwerkzeuge wie youtube-dl keine Möglichkeit, das Video herunterzuladen. Man ist beim Hören/Sehen also auf Netz angewiesen (schwierig in DE).

Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass die Abrufzahlen der Videos trotz der sehr guten Gesprächspartner sehr niedrig ist. Ich habe Garbiel dann auf Twitter gefragt, ob er seine Medien nicht auch per Podcast bereitstellen möchte:

Seine Antwort war wie folgt:

Der Aspekt der Audio-Qualität ist bei Podcasts natürlich wichtig. Die Videokonferenz-Tools sind hier meist nicht optimal, da sie eher auf geringe Latenz und Ausfallsicherheit und nicht Audioqualität optimiert sind. Außerdem sieht es im Video etwas komisch aus, wenn man mit einem guten Headset wie dem Beyerdynamic DT297 (Affiliate-Link) vor dem Rechner sitzt. Meist haben die Gesprächspartner dann einfach die Smartphone-Kopfhörer im Ohr, deren Audioqualität nicht sonderlich gut ist.

Aber auf die Audioqualität wollte ich mit meiner Antwort eigentlich gar nicht raus. Mir ging es eher um das Nutzungsszenario von Podcasts: den New Work Chat in einer Podcast App abonnieren und neue Folgen automatisch auf das Smartphone heruntergeladen zu bekommen. Im Idealfall noch mit Kapitelmarken, damit man im Podcast thematisch springen kann. Anders als von Gabriel angezweifelt finde ich die Audioqualität seiner Aufnahmen dafür auf jeden Fall ausreichend.

Ein Podcast, der das beispielsweise so macht, ist der Aufwachen Podcast rund um Stefan Schulz. Zwei bis drei Personen schauen sich gemeinsam Ausschnitte aus Nachrichtensendungen an und kommentieren diese. Die Aufzeichnungen landen auf YouTube und werden gleichzeitig als Audio-Podcast ausgespielt. Diese Sendung habe ich zuerst als Podcast entdeckt und mir ist erst viel später aufgefallen, dass es davon auch eine Video-Version gibt. Das hat mir klar gemacht, wie wenig einem der Video-Kanal in vielen Fällen fehlt (Tipp für ein Experiment: schaut mal die Tagesschau mit geschlossenen Augen und bewertet, ob ihr dadurch weniger Informationen erhaltet).

An Gabriels Stelle kann man den Audio-Podcast als Zweitverwertung der Aufzeichnung recht einfach ausprobieren:

  1. Im Blog eine Podcast-Erweiterung wie beispielsweise Podlove Publisher für WordPress installieren
  2. Aus der Video-Datei z.B. Mit ffmpeg eine Audio-Spur extrahieren (FLAC)
  3. Die Audio-Spur durch Auphonic laufen lassen, um die Audioqualität zu verbessern, Kompression hinzuzufügen und einen konstanten Pegel zu erzeugen (MP3)

    Die MP3-Datei über den Blog mit Podcast-Erweiterung bereitstellen
    Den Podcast-Feed bei Apple-Podcasts (dort holen sich fast alle Podcast Verzeichnisse die Feeds), fyyd und bei Spotifiy eintragen, um langfristig die Reichweite zu erhöhen

Gabriel, ich würde mich über den New Work Chat als Podcast sehr freuen und helfe gerne, wenn es irgenwo hakt :-)

lernOS Geschichten des Gelingens (GdG) – macht eure #lernOS Erfolgsgeschichten vom 12.09.-20.11.2019 sichtbar

Auf dem lernOS Rockstars Camp gab es in der lernOS Assembly eine Session mit Winfried Ebner von der Telekom. Winfried’s Idee ist, das Konzept der Geschichten des Gelingens der Telekom auf lernOS zu übertragen und damit einen offen verfügbaren Pool von Erfolgsgeschichten aufzubauen.

Die Telekom verwendet die Geschichten des Gelingens, um den Nutzen des Enterprise Social Networks You & Me (YAM) anhand kleiner Erfolgsgeschichten von echten Mitarbeiter*innen darzustellen. Die Geschichten können mit einer Vorlage digital direkt im Intranet gesammelt werden. Mittlerweile gibt es aber auch mehrere Ausgaben von kuratierten Büchlein mit thematisch sortierten Geschichten, die in gedruckter Fassung erschienen und verteilt worden sind.

Die Geschichten des Gelingens sind immer nach einem ähnlichen Muster aufgebaut:

  • Name des Hauptakteurs
  • Bild des Hauptakteurs
  • Aussagekräftiger Titel
  • Position/Rolle des Hauptakteurs
  • Organisation(seinheit) des Hauptakteurs
  • Die Geschichte in wenigen Absätzen (ca. 2.000 Zeichen ohne Leerzeichen)

Auf dem Camp in München haben wir vereinbart, uns bis zum Corporate Learning Camp (#clcko19) eine Vorgehensweise zur öffentlichen Sammlung von lernOS Geschichten des Gelingens zu überlegen und dann bis zum KnowledgeCamp (#gkc19) echte Geschichten aus der Community zu sammeln. Auf dem KnowledgeCamp wollen wir dann in einer Session ein Prototyp (Minimum Viable Product) in gedruckter Form vorliegen haben.

Um diesen Prototyp ohne großen Aufwand umzusetzen, brauchen wir eine minimale Infrastruktur, die ich im Folgenden mal versuche zu beschreiben. Es kann sein, dass sich diese Dokumentation in der Zeit vor dem #clc19ko im Austausch mit Winfried nochmal verändert:

  1. Google Sheet: wir verwenden ein Google Sheet, um die Inhalte für die Geschichten einzusammeln. Die Spalten der Tabelle entspricht den zu erhebenden Daten und Metadaten der Geschichte.
  2. Google Form: als Eingabemaske für die Geschichten verwenden wir ein Formular zur Table. Jeder kann offen Geschichten eingeben, die Tabelle mit den Inhalten ist offen für alle einsehbar und kann kommentiert werden.
  3. Scribus: wir erstellen eine Booklet-Vorlage in Scribus, mit der ein druckreifes Büchlein auf Basis ausgewählter Geschichten erstellt werden kann. Das Scribus-Format wird so gewählt, dass die Booklets bei Online-Druckdienstleistern einfach und kostengünstig bestellt werden können. Schriftarten, Farben und Grafiken sollten sich für die Übertragbarkeit auf Organisationen einfach austauschen lassen (wer in der Community hat Erfahrungen mit Scribus? Ich habe noch nie intensiv damit gearbeitet).

Falls ihr Kommentare und Verbesserungsvorschläge habt, oder euch gar im “Team GdG” beteiligen wollt, gerne unten in die Kommentare schreiben.

Kommunikation & Kollaboration bei Automattic – was können wir davon lernen?

Automattic ist das Unternehmen, das hinter der Entwicklung von WordPress steht. WordPress ist ein Blog- und Content-Management-System, mit dem ca. ein Drittel der Seiten des Internets betrieben werden.

Im Urlaub habe ich das Buch The Year Without Pants (Affiliate-Link) von Scott Berkun über das Arbeiten bei Automattic gelesen. Interessant ist, dass die knapp 1.000 Mitarbeiter*innen alle remote und über die Welt verteilt arbeiten. Automattic hatte eine sehr moderne (newworkige) Location am Pier 38, hat diese aber bereits 2007 geschlossen, weil dort nur selten jemand gearbeitet hat.

Im Gegensatz zu Präsenzkulturen muss man sich bei komplett verteilter Arbeit sehr viel mehr Gedanken über Routinen und Tools für die Kommunikation und die Kollaboration in der Organisation und den Teams machen.

Natürlich gibt es bei Automattic auch E-Mail, aber wie der Gründer von Automattic Matt Mullenweg in seinem Blog schreibt, kam E-Mail nach IRC und Skype schon immer an letzter Stelle der Kommunikationswege. Mit der Einführung von P2 (Project Log), einem auf Status-Updates basierendem Gruppen-Blog, hat sich das Gleichgewicht der Kommunikation noch weiter verschoben (Seite 48 im Buch):

  1. Blogs (P2): 75 Prozent
  2. IRC: 14 Prozent
  3. Skype: 5 Prozent
  4. E-Mail: 1 Prozent

Wichtig ist, dass alle P2s intern für alle offen einsehbar und kommentierbar sind, so dass komplette Transparenz entsteht. Für den Support von Nutzeranfragen gibt es nochvein Ticket-System, über das Tickets erstellt und nachverfolgt werden. Andere Werkzeuge wie Team-Videokonferenzen, Whiteboards etc. wurden zwar ausprobiert, haben sich aber bei verteilten Teams als nicht robust genug erwiesen.

Was können wir aus der Automattic Story lernen? Ich habe für mich folgende Punkte identifiziert:

  1. Open by Default als Leitprinzip: jeder sollte Informationen zu Zwecken der Kommunikation und Kollaboration offen einsehen können, um Silo-Bildung zu vermeiden.
  2. Blog als E-Mail-Ersatz: der gemeinsame Team-Blog kann die Team-internen E-Mails weitestgehend ersetzen. Die Öffnung des Blogs für alle ermöglicht Wissenstransfer aus dem Team heraus und Unterstützung des Teams von aussen.
  3. Chat und Audio-Konferenz als Gesprächsersatz: als Ersatz für das schnelle Gespräch im Büro braucht es Online Chats und Audio-Konferenz-Tools, die möglichst schnell und einfach funktionieren. Chat (asynchron) ist der synchronen Audiokonferenz oft überlegen.
  4. Digitaler Raum für das Team: wo das P2 eines Teams als dessen Whiteboard zur Dokumentation verstanden werden kann, bildet IRC das digitale Büro. Jedes Team hat dort einen Kanal als Raum, jeder kann jedem Raum Beitreten (digitale Open Door Policy). Ich kenne bis heute kein Werkzeug, dass das besser abbilden kann, als das Anfang der 1990er Jahre entstandene IRC.
  5. Tickets zur Nachverfolgung: für alle Themen (issues), die nicht verloren gehen dürfen und nachverfolgt werden müssen, braucht es ein Ticketsystem wie Trac, OTRS, Zendesk oder Zammad. Nur so können transparen Verantwortlichkeiten für wichtige Themen vergeben werden.

Habt ihr das Buch auch gelesen? Was sind eure Schlussfolgerungen für zeitgemäße Kommunikation und Zusammenarbeit in verteilten Teams?

Wer sich noch tiefer für die Arbeit bei Automattic interessiert, dem empfehle ich den Podcast Distributed mit Matt Mullenweg.

Eine Audiobook-Version für lernOS Leitfäden mit Open Source Anwendungen

Audiobooks sind mit Plattformen wie Amazon Unlimited oder Audible ein großer Trend geworden. Dort kann man sich gelesene Versionen von Büchern herunterladen und unterwegs anhören. Ende März hat Asja auf Twitter die Frage aufgebracht, ob man so ein Audiobook nicht auch für lernOS Leitfäden anbieten könnte:

Da die Inhalte gemäß einer agilen Entwicklungsmethode alle drei Monate in einer neuen Version erscheinen, ist das Einlesen der Texte von menschlichen Sprechern nicht realistisch – außer wir finden einen Sponsor, der uns regelmäßig Rufus Beck finanziert :-)

Also habe ich mich mal auf die Suche nach freien Sprachsynthese-Anwendungen begeben. Gedanklich waren die Anforderungen an die Anwendung ungefähr so (es gab kein Lastenheft):

  • Freie Software, damit alle damit experimentieren können
  • Verfügbarkeit gut klingender Stimmen
  • Kommandozeilen-Tool, damit wir es in unseren automatisierten Produktionsprozess einbinden können
  • Export-Funktion als MP3, idealerweise weiterer Audio-Formate
  • Kapitelmarken-Funktion, damit die Kapitel im Leitfaden auch im Audiobook einzeln ansteuerbar sind

Getestet haben wir z.B. auch, Siri auf dem iPhone den Leitfaden vorlesen zu lassen und dass dann über ein Audio-Interface aufzunehmen. Schließlich haben wir uns dann für die Freeware-Anwendung Balabolka entschieden.

Balabolka setzt auf dem Windows Speech Application Programming Interface (SAPI) auf. Dadurch kann auf eine Vielzahl kostenloser und kostenpflichtiger Stimmen zurückgegriffen werden. Für SAPI 5 sind noch nicht so viele Stimmen verfügbar, wie für SAPI 4, das wird sich aber in Zukunft noch ändern.

Balabolka kann Text aus einer großen Auswahl von Quellen einlesen, darunter die Zwischenablage und Dateiformate wie DOC, EPUB, HTML, MOBI, HTML und PDF. Da wir die lernOS Leitfäden auch in den eBook-Formate EPUB und MOBI erstellen, kam uns diese Flexibilität sehr entgegen. Die synthetisierten Texte können dann in den Audio-Formaten WAV, MP3, OGG und WMA abgespeichert werden. Perfekt.

Ich habe jetzt mal die deutsche und englische Version des lernOS for You Leitfaden als MP3 erstellt (Laufzeit ca. 1h, Größe ca. 50 MByte). Um für die experimentellen Audiobooks eine kompakte Seite mit Player und Feedback-Option zu erhalten, habe ich beide Dateien auf archive.org hochgeladen:

Es ist natürlich klar, dass die Sprachsynthese nicht an die Lösung mit Rufus Beck heranreicht. Aber hört bitte trotzdem mal rein und schreibt auf der Seite unten eine sog. Rezension mit eurem Feedback. Meine Frage ist, ob wir dieses Art Audiobooks bei den Leitfäden mal mit anbieten sollen, oder ob das noch zu weit von brauchbar entfernt ist.