Podcast-Ideen für unternehmensinternes Podcasting gesucht

So langsam aber sicher kommt das Thema Podcasting auch in Unternehmen an. Vor einiger Zeit hatte ich auf der Subscribe mal eine Session dazu gemacht und im Vorfeld im Bekanntenkreis mal rumgefragt. Die Ressonanz war damals im Vergleich zu heute deutlich kleiner. Ich sehe dafür hauptsächlich drei Treiber:

  1. Smartphones: die Verbreitung dienstlicher Smartphones (hauptsächlich iPhones) nimmt deutlich zu. Waren diese Geräte früher oft Führungskräften vorbehalten, kommen sie jetzt verstärkt in Breite und auf allen Hierarchieebenen.
  2. Multimedia-Portale: über Soziale Intranets und aus dem Corporate Learning heraus getrieben sind Plattformen wie Vimp oder Kaltura in Unternehmen vorhanden. Über den Trend zu Office 365 kommt zusätzlich Office Stream dazu. Die Plattformen sind zwar auf Video ausgerichtet, können aber meist auch mit Audio umgehen.
  3. Pendler: fast 60% der Beschäftigten haben einen langen Anfahrtsweg zur Arbeit (siehe faz-Artikel vom 31.07.2017), Tendenz steigend. In Kombination mit der Podcast-App auf dem Smartphone wird für diese Menschen das Auto oder das Verkehrsmittel zum möglichen Lernort.

Vor einiger Zeit habe ich im Rahmen des Siemens Learning Campus mal einen eintägigen Workshop “Podcast Lab” angeboten. Ziel war, an einem Tag die Konzeption, Aufnahme, Nachbearbeitung und Veröffentlichung einer Podcast-Episode zu durchlaufen, um erste Erfahrungen mit dem Medium zu machen. Anfang Dezember werde ich etwas ähnliches bei Festo anbieten. Um potentielle Podcaster*innen in Unternehmen für Podcasts zu begeistern möchte ich eine Liste mit Format-Ideen erstellen (vielleicht mit einer kleinen Klassifizierung, so ähnlich wie die Blog-Klassifizierung von Ansgar Zerfaß damals). Hier ist die Liste von Gesprächs- und Interview-Formaten (mit öffentlichen Beispielen), die ich in den Workshops aktuell verwende:

  1. Knowledge-Podcasts: Expert*innen zu eine Fachthema reflektieren Wissen, Erfahrungen und neue Erkenntnisse zu ihrem Fachgebiet gegelmäßig in einem Podcast. Beispiel: Open Science Radio.
  2. Research-Podcast: externe und interne Forschung hat einen hohen Stellenwert in wissensintensiven Unternehmen. ImmPodcast werden Forschungsergebnisse kurz und knapp vorgestellt und somit Neugier für die jeweilige Forschung geweckt. Beispiel: Methodisch Inkorrekt.
  3. Schulungs-Podcast: die “Redepassagen” aus Schulungen werden aufgezeichnet und als Podcast veröffentlicht. Sie können somit als Audio-Dokumentation und in Flipped-Classroom-Szenarien verwendet werden. Beispiel: Opel Podcasts in der Vertriebsschulung.
  4. Kampagnen-Podcast: in vielen Unternehmen gibt es Kampagnen, die eine große Mitarbeiteranzahl erreichen muss (z.B. neue Strategie, Software-Rollout). Im Podcast wird regelmäßig über Stand und Hintergründe gesprochen. Beispiel: Siemens Podcast in Friday.
  5. Meetup-/Speaker-Series-Podcast: in Unternehmen gibt es eine vielzahl von regelmäßigen Vortragsveranstaltungen (z.B. Wissenschaft im Dialog bei Audi). Das Tonsignal der ohnehin vorhandenen Mikrofone kann aufgezeichnet und als Podcast bereitgestellt werden. Beispiel: TED Talks audio.
  6. Konferenz-Retrospektive-Podcast: sowohl externe als auch interne Konferenzen Unternehmen eine Rolle. Aber nicht alle Mitarbeiter können alle Konferenzen live miterleben. Eine Gruppe Podcaster lässt die Konferenz Revue passieren. Beispiel: WikiStammtisch Episode 70 über die Wikimania 2017.
  7. Executive-Podcasts: Führungskräfte sprechen über ihre strategischen Themen im Podcast. So können Mitarbeiter, die mit den Führungskräften nur selten in direktem Kontakt sind, an deren Gedankengängen teilhaben. Beispiel: Extraordinary Happens Podcast von Mark King (President adidas Group Nordamerika).
  8. Lessons-Learned-Podcast: Projektabschlussberichte mit Lessons Learned werden selten brauchbar verfasst und noch seltener in neuen Projekten systematisch verwendet. Projektteilnehmer können bei Meilensteinen und dem Projektende zusammenkommen und Erfahrungen zusammentragen.
  9. Expert-Debriefing-Podcasts: wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, geht auch deren Wissen. Es wird eine Wissenslandkarte des Mitarbeiters erstellt und über alle Wissensgebiete gesprochen.
  10. Hot-Topic-Podcast: Mitarbeiter müssen regelmäßig über Hintergründe zu strategischen Themen und anderen Hot Topics informiert werden (z.B. Diversity, Elektronobilität, neue Standorte, Compliance). Beispiel: Logbuch:Netzpolitik.

Frage: Welche Formate fallen Euch noch ein? Mit welchen Formaten habt Ihr unternehmensintern gute Erfahrungen gemacht?

12 Years of Working Out Loud – an overview of my repositories (#wolweek)

We are in the middle of the international Working Out Loud Week (#wolweek) which takes place from 13th to 18th of November 2017. I want to use this occasion to finish a task that’s in my task manager for a long time: “create an overview of repositories where I make my work visible”. The idea for that task came from the 2010 definition of WOL by Bryce Williams.

 

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

 

The journey to making my work visible and talking about it began in 2005 when we at Cogneon decided to make our wiki, which was our intranet before 2005, openly accessible to anyone under a Creative Commons License. For a long time I was a member of the open source community and was convinced that open access to knowledge and content is a basic success factor for our society. From that starting point I added a lot of repositories to show my work an narrate it:

 

 

For all these repositories I made a table with a short description, the number of items and links. I think in the future I will go through the repositories an check if I can switch more licenses from proprietary to CC BY (e.g. YouTube videos).

RepositoryDescription# of items
BlogWe started our Blog in 2004 with the switch from a Microsoft Frontpage website to the open source drupal system. Later on we switched to wordpress. Both platforms are open source. The blog content is under CC BY license. 289 blog posts
WikiIn 2005 we opened our intranet for the public. To do that we had to remove all critital content (e.g. customer information). The wiki is based on Mediawiki. The wiki content is under CC BY license.1098 articles, 530 images
SlideshareIn 2006 I began to publish slides on slideshare (e.g. conference presentation on knowledge retention method Expert Debriefing). I published the first slides with the simon.dueckert account until we switched to cogneon.107 slide decks
TwitterIn 2007 I posted my first tweet with my account @simondueckert. Via the bio text I declared that all tweets are under CC BY license.10.600 tweets
YoutubeIn 2011 we ran a “Web 2.0 Driving License” Mini-MOOC and published the videos in the youtube.com/cogneon channel. Since then we tried to record talks and workshops and put the videos there.70 videos
FlickrSince our first Knowledge Jam in 2005 we collected fotos of events and flipcharts on our fileserver but we never published it. In 2012 we startet our Flickr Account with albums for our major events.1.600 images
Podcast(s)Since I often drive to Ingolstadt I often called my friend Ulrich Schmitt and we talked about knowledge management. One day we had the idea to record that as podcast and started the Knowledge On Air podcast (KOA). In the 2013 Management 2.0 MOOC we recorded the friday livesessions (Google Hangout) and published them as podast. This was the beginning of the Management 2.0 podcast (M2P).32 KOA episodes, 31 M2P epidsodes

Right now we are about to migrate a lot of content from our internal fileserver and media server to Office 365. In this process we find a lot of content (slides, conceps, images, videos) that we will publish in the future as well. Happy WOLweek!

Enterprise Messaging im Mainstream angekommen

Als wir 2012 unser erstes Benchlearning Projekt mit dem Titel „Soziale Intranets“ gestartet haben, war ein Ergebnisse aus einem Teilprojekt die Enterprise 2.0 Flower (s.a. Enterprise 2.0 in Copedia und blp12 Abschlussbericht). Inspiriert durch das Social Media Prism zeigte sie die Kategorien Sozialer Software, die in den Unternehmen damals relevant waren (Soziale Netzwerke, Weblogs, Wikis, Redaktionelle Intranets (CMS), Suchmaschinen, Videoportale, Dashboards/PIM, Groupware).

Auch wenn sich die wichtigsten Akteure im Inneren der Blume etwas verändert haben, stimmen die acht Kategorien meiner Meinung nach im Wesentlichen noch. Aber ein „New Kid on the Block“ gibt es: Enterprise Messenger. Unter einem Enterprise Messenger (EM) verstehe ich – ähnlich wie bei Enterprise Blogs, Enterprise Wikis und Enterprise Social Networks – Instant Messenger (IM), die besonders für den Einsatz im Kontext von Unternehmen geeignet sind.

Die Liste von Instant Messengern ist lang, doch in der Praxis kommt nach meiner Beobachtung nur eine überschaubare Anzahl von Produkten zum Einsatz. Ich zähle hier erweiterte SMS-Dienste wie iMessage oder eher privat genutzte Messenger wie WhatsApp nicht dazu, auch wenn diese in der Praxis durchaus eine Rolle spielen (WhatsApp dürfte einer der häufigsten genutzte Dienst kn der „Schatten-IT“ sein). Meine Top 5 EM‘s (Reihenfolge alphabetisch):

  1. Hipchat: Hipchat unterstützt Gruppenchats, Videochats und Bildschirmübertragung. Zunächst unabhängig wurde Hipchat 2012 von Atlassian (den Machern von Jira und Confluence) übernommen.
  2. Skype for Business: Skype4B (früher Lync) ist eigentlich eher eine Web-/Telefon-/Videokonferenz-Software, aber mit Chat-Funktion. Darüber hat es eine weite Verbreitung in Unternehmen. Mit Skype Live-Meeting lassen sich Konferenzen an bis zu 10.000 Teilnehmende streamen.
  3. Slack: erster Messenger, der intensiv auf Integration externer Dienste wie Github, Dropbox und Trello gesetzt hat. Slack unterstützt mehrere „Workspaces“ (wie Gruppen bei Facebook), Workspaces können durch „Channels“ strukturiert sein. das Beitragsbild dieses Blogs stammt aus einer einseitigen Slack-Anzeige im Handelsblatt.
  4. Teams: Microsoft Teams ist ein recht neues Produkt aus dem Hause Microsoft und Bestandteil von Office 365. In der grundsätlichen Nutzung erinnert es stark an Slack. In Teams können verschiedene Dienste aus Office 365 und dem Internet integriert werden.
  5. Threema: Threema ist ein Messenger aus der Schweiz, der besonders auf Sicherheit durch Schlüsseltausch per QR-Code und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setzt. In Threema sind Gruppen mit bis zu 50 Personen möglich. Mit Threema Work lässt sich der Messenger in MDM-Systeme integrieren.

Wie sieht das in Euren Organisationen aus? Teilt Ihr die Beobachtung der Beduetungszunahme von Enterprise Messengern? Welche werden eingesetzt und wofür? Wis stehen die Messengern zu anderen Tools aus der Enterprise 2.0 Flower?

Wikidata – wie aus strukturierten Daten Wissen werden kann

Vom 28.-29. Oktober 2017 fand in Berlin die erste WikidataCon in Berlin statt. Anlass war das 5-jährige Bestehen des Projekts. Wikidata ist ein Schwesterprojekt der Wikipedia, das sich mit der Erfassung und Organisation von strukturierten Daten rund um die Wikipedia beschäftigt.

Zwei wichtige Anwendungsfälle sind der schnelle Aufbau von Basisinformationen (in Form der Infoboxen und „ArticlePlaceholder“) in „kleineren Versionen“ der Wikipedia und die Möglichkeit von komplexen Suchanfragen z.B. Mit SPARQL (aktuell ca. 8,5 Mio. Abfragen/Tag). So können z.B. alle Städte ab einer bestimmten Einwohnerzahl mit weiblichen Bürgermeistern sehr schnell ermittelt werden. In ihrem Vortrag Wikidata: State of the Project gibt die Lydia Pintscher, die Produkmanagerin von Wikidata, einen tiefen Einblick in das Projekt:

Einige Informationen und Links zu Themen, die Lydia in Ihrem Vortrag anspricht:

Dank @c3voc gibt es die Vorträge der WikidataCon auch wieder als Aufzeichnung. Außerdem hat sich der Chaosradio Podcast in der Episode 240 ausführlich mit der Geschichte von Wikidata beschäftigt. Zu den Anfangsideen gibt es auch noch den CRE Podcast Episode 205 mit Jens Ohlig.

P.S.: schmunzeln muss ich, dass auch in diesem Kontext die Trennlinie zwischen Daten, Information und Wissen nicht sauber gezogen ist („data items“ vs. „knowledge base“). T.D. Wilson ist also immer noch aktuell (s.a. T.D. Wilson: The Nonsense of Knowledge Management)!

Die 3. Podcasting Welle – warum Audio der Text der mobilen Generation ist

Am Wochenende fand mit der Subscribe 9 die halbjährliche Podcasting-Konferenz mit Barcamp beim Bayerischen Rundfunk in München statt. Das Programm der zweieinhalb Tage war wieder dicht gepackt mit Vorträgen und Workshops und dank des Video Operation Center des Chaos Computer Club (@c3voc) gibt es alle Vorträge auch online zum nachsehen.

In seiner Keynote am Freitag hat Tim (@timpritlove) schön beschrieben, warum wir uns aktuell in der dritten Welle des Podcasting befinden. Die erste Welle begann 2005, als Apple Podcasts zusammen mit dem iPod (daher auch der Name PODcast) in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt hat. Die zweite Welle hat Tim im Zeitraum 2008-2011 verankert. Sie ist gekennzeichnet durch die Verbreitung von Smartphones, die Verfügbarkeit von schnellem Internet auf Smartphones und die Trennung der Medien Audio und Video (Stichwort YouTube). Die dritte Welle startete dann 2016/2017. In ihr wird der Nutzen des Mediums Podcast erst so richtig erkannt, es gibt sichtbare Leuchtturm-Projekte (Serial Podcast) und ein tieferes Verständnis für das Medium Podcast entsteht. Dazu gehören nach Tim insbesondere die Faktoren Persönlichkeit, Communities, Kommentar-Kultur sowie die Tatsache, dass Podcast das am besten parallel zu nutzende Medium ist (beim Bügeln, Kochen, Spazieren, Reisen, Pendeln).

Der zweite Vortrag von Sven (@graphorama) hatte den Titel Influencer A – Anstecken am Social Web. Darin zog er die Parallele zwischen Podcaster*innen und anderen Content Creators wie z.B. YouTuber und Instagrammer. Seine provokante These: Wir sind gar keine Podcaster*innen, wir sind Audio Creators. Und als solche dürfen wir nicht nur in unserem Medium, sondern müssen auch transmedial denken. Andere Medien wie YouTube und Instagram sollten wir in die Verbreitung unserer inhaltlichen Botschaften und die Erreichung unserer Zielgruppe einbeziehen. Wie an vielen anderen Stellen der Subscribe 9 war auch ihm das Digitale Storytelling über verschiedene Medien hinweg sehr wichtig (s.a. Transmediales Erzählen).

Die Subscribe war ursprünglich der Treffpunkt einer Community von Leuten, die privat oder im Kontext kleiner Unternehmen Podcasts erstellen und veröffentlichen. Doch seit einigen Jahren kommen immer mehr Akteure aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie beispielsweise dem Deutschlandfunk oder dem Bayerischen Rundfunk zu der Veranstaltung. Interessant fand ich den Vortrag BR Podcasts – Hinter den Kulissen, in dem Christoph und Eric mal die Geschichte des Relaunch der BR-Podcast-Webseite erzählen (geplant für Ende 2017). Eine ähnliche Überarbeitung werden in den kommenden Jahren sicherlich auch die bestehenden “Medienportale” in Unternehmen erfahren.

Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheinen sich auch Verlage zunehmend mit dem Medium Podcast zu beschäftigen. Bekannte Beispiele sind der Spiegel (Spiegel Online Podcasts), Zeit (Zeit Online Podcasts), die c’t (c’t Uplink), t3n (Filterblase) und der Harvard Business Review (HBR IdeaCast). Luca Caracciolo erklärt in seinem Vortrag Community, Brand, Persönlichkeit – Warum t3n Podcasts macht sehr schön, wie der Verlag Podcasts als auditive Erweiterung des Print-Magazins versteht. Schönes Zitat im Vortrag auch die Aussage des Chefredakteurs der Rheinischen Post, der Audio als Text der mobilen Generation bezeichnet.

Ich denke in den kommenden Jahren werden wir in Unternehmen ähnliche Tendenzen der Nutzung von Podcasts zur Verbreitung von Wissen sehen. Zwei wichtige Handlungsfelder sind in meinen Augen die Unternehmenskommunikation (z.B. Kampagnen, Podcasts zu erklärungsbedürftigen Strategie-Themen wie Digitalisierung) und die Weiterbildung (Flipped-Classroom-Ansätze, Mitarbeiter-schulen-Mitarbeiter, Lessons-Learned-Podcasts). Zum Einsatz von Podcasts in Lehr- und Lernprozessen empfehle ich auch den Vortrag Mehr als nur Hören – Podcasts in Schule und Unterricht von Lothar.

Auch der Ansatz, Working Out Loud nicht nur über interne Tweets in Kurzform, sondern über Podcasts in Langform zu praktizieren, ist ein vielversprechender Ansatz. Die Verbreitung von Smartphones in Unternehmen wird immer besser (siehe z.B. Smartphone-Initiative von dm) und im Gegensatz zu Video ist für die Mitarbeiter der Einarbeitungs- und Produktionsaufwand viel geringer. Ich habe beispielsweise im Siemens Learning Campus letztes Jahr mal einen eintägigen Workshop mit dem Titel “Podcast Lab” gehalten. Die Teilnehmer*innen sahen sich nach diesem einen Tag schon in die Lage versetzt, ihre eigenen Podcasts in Lernkontexten zu verwenden. Im Online-Forum Sendegate gibt es einen Beitrag zu Corporate Podcasting, wer sich für das Thema interessiert, kann sich dort gerne einklinken.

Also: Podcast Out Loud!

5 Methoden, die Wissensarbeiter*innen kennen sollten!

Update 04.11.2017: auf Basis der Kommentare unten habe ich am Ende des Blogs eine Methodenliste kuratiert, die ich später noch in einer kleinen Umfrage bewerten lassen und dann zur ersten Version der Top 20 LernOS Apps verwenden möchte.

Ich bin aktuell in einem Working Out Loud Circle und meine Hausaufgabe aus Woche 9 ist, ein Blogbeitrag im Format Listicle zu verfassen und darin einige wertvolle Ressourcen zu listen. Da mein WOL-Ziel mit dem Aufbau eines Methodenpools in einem internen Wiki zu tun hat, stelle ich im folgenden kurz meine Top-5-Methoden für Wissensarbeiter*innen vor und verlinke meine wichtigsten Quellen dazu:

 

  1. Getting Things Done: Getting Things Done (GTD) ist eine Methode zur Selbstorganisation von Wissenarbeiter*innen. Sie geht davon aus, dass der Arbeitsalltag durch “Stuff” gestört wird, der intelligent organisiert werden will. Im Getting Things Done Podcast spricht Erfinder David Allen über viele Details.
  2. Memex: die Idee des Memex stammt von Vannevar Bush aus dem Jahr 1945. Es handelt sich um die Idee eines “Memory Extender”, der Daten und Inhalte speichert und abrufbar bereithält. Früher habe ich ein persönliches Wiki auf Basis von TiddlyWiki als Memex verwendet, heute spielt diese Rolle OneNote.
  3. Community of Practice: Eine Community of Practice (CoP) ist nach Etienne Wenger eine Gruppe von Personen mit einem gemeinsamen Interesse, die durch regelmäßige Interaktion voneinander lernt. Wenger stellt mit dem Artikel CoP – A Brief Introduction und dem CoP Quick Start-up Guide einen guten Einstieg zur Verfügung.
  4. Wissenslandkarte: eine Wissenslandkarte ist eine graphische Darstellung von Wissensgebieten und deren Zusammenhängen. Am einfachsten kann man Wissenslandkarten in hierarchischer Form mit einer Mind-Mapping-Software wie MindManager, XMind oder Freemind erstellen.
  5. Working Out Loud: mit Working Out Loud kann man sich sein eigenes Netzwerk strategisch so aufbauen, dass man die eigenen Ziele besser erreicht, als alleine (wer alleine arbeitet addiert, wer gemeinsam arbeitet multipliziert). Die Anleitung in Form der WOL Circle Guides sind frei verfügbar.

Was sind die Top 5 in Eurer Werkzeugkiste? Schreibt sie einfach unten in die Kommentare! Gerne auch nur als kurze Liste ohne große Erläuterung.


Kuratierte Methodenliste (siehe Update oben):

  1. Barcamp
  2. Brainstorming
  3. Brainwriting
  4. Community of Interest
  5. Community of Practice
  6. Dateisystem
  7. Enterprise Social Network (intern)
  8. Fragetechnik
  9. Getting Things Done
  10. Meetup
  11. Memex (OneNote)
  12. Microblog (Twitter)
  13. Mind Map
  14. Podcast
  15. Seek > Sense > Share
  16. SMART (Zielmanagement)
  17. Social Bookmarks (pinboard.in)
  18. Soziales Netzwerk (extern)
  19. Tagging
  20. Texteditor/-verarbeitung (Etherpad, Word, OpenOffice)
  21. Weblog
  22. Wissenslandkarte
  23. Working Out Loud
  24. World Cafe

How to Record a Podcast in a Remote Setup

Today I recorded an episode of the Management 2.0 Podcast with Prof. Leif Edvinsson about Intellectual Capital, Knowledge Management and Future Centers. Leif was at home in Sweden and I in the library of the Cogneon Akademie in Nuremberg. He asked me to write a short tutorial on how to record a remote podcast so here we go.

First of all a list of the necessary equipment. There many alternatives to record audio like recording phone calls or skype calls (e.g. via a skype recorder). But the audio quality of telephone lines and skype conversations is poor and I suggest that only in emergency cases. My setup was based on a local USB audio interface with a high quality headset and the software package studio link for the remote connection. Here is what you will need for that setup:

  • PC or Mac with software Reaper (Digital Audio Workstation) and the Ultraschall extension (Ultraschall already comes with the needed studio link pluging build in)
  • The studio link standalone version (German page) for the remote podcaster
  • USB audio interface to connect the headset to the PC (I used a Focusrite Scarlett Solo)
  • A combination of microphone and a headphone for monitoring (I used a Beyerdynamic DT 297)
  • A good internet connection (use LAN not WIFI)

The workflow to record the podcast looks like this:

  1. Connect the headset to the audio interface
  2. Connect the audio interface to your computer
  3. Start Reaper
  4. Configure your audio interface in the settings
  5. Add a track with the input from your audio interface
  6. Add another track as „studio link track“
  7. After step 6. a browser opens with the studio links controls (Tip: put that side by side with the Reaper window)
  8. In the browser window you will the your studio link ID (it has the format of an email „XY@studio-link.de). You have to send that to your remote podcaster and he has to enter that in the studio link standalone version to call you
  9. If the remote podcaster calls you, you get a notification in the browser window. Accept the call and you can hear each other
  10. Hit the record button in Reaper, record the podcast and hit the stop button when you‘re finished. That‘s it.

If I find some time in the future, I will do a short screencast with the whole setup. If you have feedback, comments or questions just use the comment field below.

Microsoft Ignite 2017 (#msignite)

Vom 25.-29.09.2017 fand die Microsoft Ignite in Orlando, Florida statt. Die Ignite ist die größte Kundenkonferenz von Microsoft, auf der viele Produktneuheiten und Anwendungsbeispiele gezeigt werden. Die Videos der Vorträge und Diskussionsrunden sind öffentlich verfügbar. Die Keynote zur Eröffnung hat Microsoft CEO Satya Nadella gehalten (zusätzlich gab es noch ein Interview mit Nadella und Walter Isaac):

Insgesamt sind 748 Vorträge aufgezeichnet worden, die ich natürlich nicht alle nachschauen kann und werde. Vorteil im Vergleich zu einer Vor-Ort-Teilnahme ist aber, dass man zeitsouverän auch parallele Beiträge ansehen kann. Hier sammle ich eine Liste von Videos, die mich interessieren und die ich im Lauf der nächsten Wochen anschauen/-hören werde:

Office 365 allgemein

Outlook & Office 365 Groups

Microsoft Teams, Skype for Business, Skype Meeting Broadcast, Meeting Rooms

Yammer & Enterprise Social Network

SharePoint & OneDrive

Task Management, To-Do, Planner, Workflow

Security

Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Bots, Big Data, BI

OneNote, Delve, Workplace Analytics

Lernen, Virtueller Klassenraum

Multimedia, Video, Visiualisierung

Windows 10

Suche

Sonstige

LernOS Session auf dem Corporate Learning Camp

Wie auch schon auf dem Knowledge Camp habe ich auf dem Corporate Learning Camp 2017 eine Feedback Session zu LernOS, dem Organisationssystem für Lernende Organisationen gehalten.

Zu Beginn der Session habe ich Geschichte und Grundlagen von LernOS erklärt (Basis war LernOS Handbuch Version 0.2). Die Session-Teilnehmer*innen hatten dann fünf Minuten Zeit, auf einem Postit mit einem “+” markiert aufzuschreiben, was Ihnen an LernOS gefällt und mit einem “-” markiert, was sie anders machen würden. Im Folgenen das Fotoprotokoll und das Transkript der PostIt’s aus der Session (Klicken zum Vergößern).

POSITIV – Gefällt mir gut

  1. Sprints -> Timeboxing
  2. OS-/Appstore Metapher
  3. Konzept verfügbar, statt selbst erfinden zu müssen. Wie gehe ich dazu in einen Austausch?
  4. Rückt das Lernen ins Bewusstsein von Organisationen
  5. Übersichtliche Zusammenstellung
  6. Ordnendes System für ein sehr komplexes Thema
  7. Adaption einer bekannten Metapher
  8. Visualisierung -> “Einfachheit”
  9. Drei-Ebenen-Logik
  10. Retro
  11. Konkrete Hilfe
  12. LernOS toller Sinn (Esperanto: ich werde lernen)
  13. Plattform, Apps -> Plattform Economy, aufsetzen auf bestehende Plattform
  14. Themensammlung (Anm.: gleichzeitig auch als negativer Punkt genannt)
  15. LernOS Process -> Sprints
  16. Spannendes Thema
  17. App-Metapher für Toolbox
  18. Tolle Übersicht -> bin neugierig -> Community
  19. Diagnose-SWOT
  20. ISO Prozess “Review” Denke
  21. Framework = Orientierung
  22. Community-Gedanke
  23. Standard-Vorgehen, zu starke Schranken (gleichzeitig auch als negativer Punkt genannt)
  24. Community entwickelt weiter
  25. App-Ansatz -> Modulare Weiterentwicklung
  26. #alltogether, #mutanfall
  27. Einheitliches System
  28. Verknüpfung ISO -> Umsetzungstool

NEGATIV – Würde ich anders machen

  1. SWOT zu wenig
  2. Nutzen für Einzelnen
  3. Wo ist die Installationsanleitung/-datei
  4. Wirkt noch unübersichtlich
  5. Sehr erklärungsbedürftig, ggf. missverständlich (Software?)
  6. Titel zu erklärungsbedürftig
  7. Weg aus IT-Schiene
  8. Für internationalen Gebrauch besser anderen Namen
  9. Themensammlung (Anm.: gleichzeitig auch als positiver Punkt genannt)
  10. Verwirrt
  11. Wie motiviere ich Unternehmen?
  12. Unklare Darstellung (Ziel, Zielgruppe, Begriffe)
  13. Für Kommunikation/Zielgruppe hilfreich?
  14. Bezeichnung passt nicht, keine Software
  15. Scope Organisation, Team, Individuum zu vereinfacht
  16. Methoden Matching -> Welche Methode wann (Ist das dargestellt?)
  17. Wirkt sehr technisch
  18. Nähe zu “Software”(-Entwicklung) (anderer Name?)
  19. Standard-Vorgehen, zu starke Schranken (gleichzeitig auch als positiver Punkt genannt)
  20. Warum mitmachen?
  21. Keine neuen Inhalte
  22. Softwareanalogie führt zu vermeidbaren Irritationen bzw. schreckt ab

Das Feedback werde ich in eine Version 0.3 einarbeiten und spätestens bis zur Geburtstagsfeier von Cogneon am 21.12. bereitstellen. Der nächste Schritt sind dann 2-3 Videokonferenzen im Entwicklerkreis und die geplante Veröffentlichung einer Version 0.4 im Quartal 1 2018.

Wer mag kann sein Feedback und seine Gedanken natürlich gerne unten in die Kommentare schreiben!

11 Jahre Barcamping – Eine Retrospektive

Meine erste Barcamp-Teilnahme war vom 16.-17.12.2006 das 1. Barcamp Nürnberg (#bcnue1), das damals erst dritte Barcamp in Deutschland. Ich habe dort eine Session zu Wissensportalen für Metropolregionen gehalten und die Idee des Web 2.0 Führerscheins von Oliver Gassner aufgeschnappt. Im September 2005 hatten wir bei Cogneon nach dem Vorbild der LexThink (Tagline: No Agenda, No PowerPoint, No Kidding) mit dem Knowledge Jam eine hybride Konferenz/Un-Konferenz gestartet, die mittlerweile im zwölften Jahr läuft. Da das alles mittlerweile über zehn Jahre her ist und die Eindrücke vom Knowledge Camp 2017 in Potsdam und vom Corporate Learning Camp 2017 in Frankfurt noch frisch sind, möchte ich diesen Blog für eine kleine Retrospektive nutzen und einige Ideen für die Zukunft aufschreiben.

Auch wenn ich seit dem Barcamp Nürnberg an sehr vielen Barcamps und hybriden Veranstaltungen teilgenommen habe und mit Knowledge Camp, Corporate Learning Camp und verschiedener firmeninterner Bacamps (z.B. Audi Zusammenarbeit 2.0 Barcamp) auch in die Barcamp-Organisation eingebunden bin, möchte ich hier trotzdem das 1. Nürnberger Barcamp als Beispiel verwenden, um die Anatomie von Barcamps herauszuarbeiten:

  1. Landing Page: für das Barcamp wird eine Seite im Internet mit zentralen Informationen angelegt. Hier wird über Ort/Zeit informiert, zum Anmeldeprozess verlinkt, Neulingen das Format Barcamp erklärt und auf vergangene Veranstaltungen verwiesen (Archiv). Beim #bcnue1 hatten wir hierfür eine Wiki-Seite auf pbworks.com. Zusätzlich gab es Einträge auf barcamp.org und upcoming.org.
  2. Soziales Netzwerk: im Vorfeld, während des Barcamps und zur Kommunikation/Zusammenarbeit hinterher wird ein soziales Netzwerk (früher z.B. Mixxt) oder eine Gruppe in einem sozialen Netzwerk verwendet, um die Community rund um das Barcamp interagieren zu lassen. Dort wird vor dem Barcamp ein virtueller Sessionmarktplatz angeboten, um Session-Angebote und -Nachfragen transparent zu machen. Im Fall des #bcnue1 gab es kein dediziertes Soziales Netzwerk, es wurde das Wiki als Plattform verwendet. Rund um Knowledge Camp und Corporate Learning Camp kommen heute Xing- und Facebook-Gruppen zum Einsatz.
  3. Twitter: für ein Barcamp wird ein Hastag ausgegeben (z.B. #gkc17, #clc17), damit sich die Teilnehmer*innen auf Twitter rund um das Barcamp austauschen und die Veranstalter wichtige Informationen platzieren können. Twitter dient aber auch dazu, dem Barcamp aus der Ferne folgen zu können, da viele Statements, Bilder, Folien, Aussagen etc. aus den Session getwittert werden.
  4. Sponsoren: über die Einwerbung von Sponsoren, die Beträge von wenigen hundert bis einige tausend Euro geben, finanziert sich das Barcamp. Anfangs waren Barcamps für Teilnehmende kostenlos. Mittlerweile verlangen die meisten Barcamps eine Art „Schutzgebühr“ von ca. 50,- Euro, um die sog. No-Show-Rate (Teilnehmende, die sich anmelden, aber nicht kommen) niedrig zu halten. Zusätzlich gibt es oft Raumsponsoren, die Veranstaltungsfläche, WLAN-Zugriff und manchmal auch das Catering sponsoren. Im Fall von bcnue1 waren der Linux Business Campus, Novell Deutschland, die Stadt Nürnberg und pasicX netsystems die Sponsoren. Ein leerstehendes Stockwerk im Linux Business Campus diente als Veranstaltungsfläche.
  5. Vorstellungsrunde: zu Beginn des Barcamps stellen sich alle Teilnehmer kurz vor. Das geschieht i.d.R. durch die Nennung von Namen, Organisation und 2-3 Schlagworte (Tags), die die Interessen der Person bezeichen. So wird gleich zu Beginn der Veranstaltung sichtbar, mit welchen Personen man sich vernetzen und austauschen könnte. Das wurde beim #bcnue1 exakt so durchgeführt.
  6. Session-Planung: die Session-Planung erfolgt gemeinsam mit allen Barcamp-Teilnehmer*innen vor Ort. Wer eine Session einbringen möchte, schreibt einen Sessionvorschlag auf einen Zettel (meist vorgedrucktes Formular, am Empfang verteilt) und stellt den im sog. Session-Pitch allen Teilnehmenden vor. Interessieren sich genügend Personen für die Session (Abstimmung per Handzeichen), wird die Session in den Sessionplan aufgenommen. Eine Session unterscheidet sich von einem Vortrag auf einer Konferenz durch den Grad der Vorbereitung und Interaktivität. Sessions sind meist Diskussionsrunden, Brainstormings oder Workshops und haben einen Zeitrahmen von 45 Minuten + 15 Minuten Wechselpause zur Verfügung. Die Dauer des gesamten Barcamps und die Anzahl paralleler Räume bestimmt die maximale Anzahl möglicher Sessions. Beim bcnue1 hatten wir an zwei Tagen und bei sieben parallelen Räumen eine Anzahl von 36 Sessions.
  7. Session-Dokumentation: Die Papier-Version des Session-Plans wird meist in eine elektronische Form übertragen. Hier kommen oft Google Tabellen zum Einsatz, da diese die tabellarische Form aus Session-Zeiten (Zeilen) und Räumen (Spalten) gut abbilden. Die Titel der einzelnen Sessions werden nach der Session-Planung in die Zellen übertragen und mit Medien verlinkt, in denen Dokumentation zu den Sessions erstellt werden kann. Hier kommen oft Google Docs oder Etherpads zum Einsatz. Manchmal werden Flipcharts aus den Sessions von den Veranstaltern abfotografiert und in die Session-Dokumentation eingestellt. Session-Owner und -Teilnehmer*innen wird ans Herz gelegt, eine Dokumentation zur Session anzufertigen. Beim bcnue1 haben wir für Session-Plan und -Dokumentation das Wiki benutzt.
  8. Bilder und Videos: von den Teilnehmer*innen von Barcamps wird meist eine generelle Foto- und Video-Erlaubnis eingeholt (oft über Anmeldung oder beim Empfang). Wie bei Konferenzen erstellt ein Fotograph vor Ort Bilder oder Videos mit Impressionen des Barcamps (siehe z.B. Video Knowledge Camp 2009, Bilder Knowledge Camp 2017 Tag 1 und Tag 2). Bei manchen Barcamps können Teilnehmer ihre eigenen Bilder (z.B. über Instagram) beitragen. Beim #bcnue verwenden wir den Hashtag barcampnuernberg auf Flickr zum Sammeln von Bilder.

Wer auf eines der aktuellen Barcamps geht stellt fest, dass sich dieses vom Barcamp Nürnberg 2006 nicht grundlegend unterscheidet. Das Format Barcamp kann also als “gut abgehangen” bezeichnet werden. Ich will hier mal aus meiner Sicht die von mir wahrgenommen Vor- und Nachteile von Barcamps zusammentragen:

VORTEILE von Barcamps

  • Augenhöhe: die Teilnehmenden begegnen sich auf Augenhöhe, es gibt wenig hierarchische Unterschiede. Das wird durch das Barcamp-Du und das Weglassen von Titeln unterstützt.
  • Selbstorganisation: das Barcamp-Format fördert die Selbstorganisation. Vom Einbringen einer eigenen Session bis zur Abstimmung über das Programm müssen sich die Teilnehmenden einbringen und die Veranstaltung mit-organisieren.
  • Community: das gemeinsame Organisieren, die Vernetzung und der Austausch in den Sozialen Medien führt dazu, dass die Community-Bildung besser unterstützt wird, als bei klassischen Konferenzen.
  • Aufwand: da Barcamps meist etwas “hemdsärmeliger” organisiert werden, als andere Veranstaltungen, ist der zeitliche und finanzielle Aufwand deutlich geringer. Ein 100-150 Personen-Barcamp kann man mit einem Team von 2-3 Personen und ca. 10.000,- Budget auf die Beine stellen.
  • Nachhaltigkeit: oft entsteht in Sessions die Idee, ein Thema auch über die Veranstaltung hinaus zu treiben. In der Session werden dann Kontaktdaten getauscht und erste Follow-Up-Aktivitäten vereinbart, was zu einer nachhaltigen Fortentwicklung eines Themas führt bzw. führen kann.

NACHTEILE von Barcamps

  • Zielgruppe Unternehmen: richten sich Barcamps an die Zielgruppe „Praktiker und Entscheider in Unternehmen“, ist die Teilnehmergewinnung oft schwierig. Oft genannte Gründe sind Chefs die vor Freigabe ein Programm sehen wollen, der geringe Preis (“Was nichts kostet, ist nichts wert”) und die Unsicherheit, ob sich denn vor Ort auch ein lohnendes Programm ergeben wird.
  • Dokumentation: durch den oben beschriebenen Prozess der Session-Dokumentation (kein eingereichtes Paper zur Session, selbstorganisierte Dokumentation, keine aktive Verteilung eines “Konferenzbandes” an die Teilnehmenden) ist die Dokumentation von Barcamps meist sehr dünn und beschränkt sich auf einige Stickpunkte und Links, die oft im Nachgang nur schwer zu nutzen sind.
  • Expertise: das fachliche Niveau von Barcamps ist ein sehr kontrovers diskutiertes Thema. Die Bandbreite der Standpunkte reicht von “Jeder ist doch Experte” bis zu “Sessions sind Laberrunden auf Laien-Niveau”. Wie oft liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte. Ich glaube, dass sich zwei interessante Zielgruppen nur schwer auf Barcamps locken lassen: 1.) Wissenschaftler, die einen Gegenstand über Jahre im Detail erforschen und ihr Fazit in einem wissenschaftliche Aufsatz und/oder Vortrag aufbereiten und 2.) Praktiker und Themen-Experten, die für ein relevantes Fallbeispiel oder ein interessantes Fachthema stehen. Die zweite Zielgruppe ist i.d.R. gewohnt, zu Vorträge/Keynotes eingeladen zu werden, die Reisekosten erstattet zu bekommen und ein Honorar für ihren Beitrag zu erhalten („speaker fee“). Beide Gruppen wären trotzdem spannend, als Barcamp-Teilnehmer zu erreichen.
  • Konferenz-Pattern: auch wenn sich das Barcamp mit der Format-Bezeichnung „Un-Konferenz“ vom klassischen Konferenzformat absetzt, trifft das meiner Meinung nach nur auf die Programmgestaltung nicht den Umgang mit der Veranstaltungsfläche zu. Die Flächennutzung ist genau wie bei einer Konferenz: es gibt 1.) ein Plenumsraum, in dem alle Teilnehmenden zusammen kommen können, 2.) eine Catering Area, in der es Getränke und Essen gibt und 3.) Session-Räume, in denen dies Sessions stattfinden. Im Lauf des Tages pendeln die Teilnehmenden zwischen Catering-Area und Session-Räumen, wie bei einer Konferenz. Ähnlich wie bei Konferenzen hört man mittlerweile auch bei Barcamps Stimmen wie “Das beste waren die Pausen und die sind zu kurz”. Veranstaltungen wie re:publica und Chaos Communication Congress zeigen, dass gerade für Community Aktivitäten auch “Community Spaces” in Form von Räumen mit kleineren Tischen zum Austausch und zur Zusammenarbeit sehr gut angenommen werden.
  • Sessiongröße und Interaktivität: ein Vortrag mit 50 Zuhörern in einer Konferenz ist überhaupt kein Problem, da der Informationsfluss in eine Richtung läuft. Bei einer Session in einem Barcamp merkt man schon ab deutlich kleineren Gruppengrößen (ab ca. 15 Personen), dass die Interaktivität in der Session deutlich nachlässt und die Session-Owner auf Frontalformate zurückfallen. Hat man in einem Barcamp zehn parallele Session-Räume und möchte die Session-Größe im Schnitt auf 15 begrenzen, würde das für eine maximale Barcamp-Teilnehmerzahl von 150 sprechen.

Nach dieser Betrachtung meiner persönlichen Historie mit Barcamps und den wahrgenommenen Vor- und Nachteilen möchte ich jetzt noch ein paar Ideen für die Zukunft des Formats Barcamp entwickeln, die ich dann in die Reviews und Planungsgespräche der Barcamp-Reihen mit einbringen werde:

  1. Online Community: das Barcamp sollte als regelmäßiges face-2-face Treffen der Community rund um das Barcamp gesehen werden. Diese Community braucht auch online einen Ort, an dem Kommunikation und Kollaboration der Community stattfinden kann. Das können z.B. Gruppen in Xing, Facebook oder Yammer sein. Es eignen sich aber auch Messenger wie Slack, Telegram oder Threema. So wie das Barcamp die Rolle “Barcamp-Moderator” benötigt, sind für die Online-Community ein oder mehrere Community Manager notwendig. Da der Jahresabstand der meisten Barcamps für die Community-Entwicklung sehr lang ist, können in der Community auch regionale Meetups als lokale Anlaufstellen der Community organisiert werden.
  2. Kuratiertes Programm: in Ergänzung zu den Tracks mit Sessions kann ein kuratiertes Programm mit eingeladenen Praktikern und Wissenschaftlern angeboten werden. Das kuratierende Team sollte idealerweise die Community in die Themenfindung der Tracks und die Auswahl der Referent*innen einbeziehen, um auch hier einen partizipativen Ansatz zu verfolgen. Nach meinem Bauchgefühl sollten maximal 20% der Inhalte des Barcamps aus kuratiertem Programm bestehen, also z.B. 1-2 Tracks des gesamten Programms.
  3. Community Space: neben Session-Räumen und Catering Area wird zusätzlich ein Bereich für die physische Interaktion der Community angeboten. Dieser kann z.B. zum Teil aus Lounge (Sofas, Sitzsecke, Lümmel etc.) und zum Teil aus Räumen mit kleinen Tischen (4er bis 8er Gruppen) bestehen. Die Tische können für den Austausch, als Anlaufstelle regionaler Gruppen und für die Arbeit an Themen/Projekten verwendet werden. Als Vorbilder können z.B. der Hackcenter auf dem CCC und der “Affenfelsen”der re:publica dienen.
  4. Session-Dokumention: in dem Bereich könnten wir von Konferenzen lernen. Dort gibt es i.d.R. einen Konferenzband als gedrucktes Buch oder als PDF für alle Teilnehmer*innen. Zusätzlich gibt es hinterher meist einen Download-Bereich, in dem die Präsentationen heruntergeladen werden können. Für ein Barcamp könnte man ein gemeinesames Google Doc für die Dokumentation aller Sessions anlegen. So entsteht eine Art “Un-Konferenz-Band” und es ist einfach(er) im Nachgang nochmal drüber zu lesen, Bilder anzureichern und ein finales Dokument zu erzeugen. Gleichzeitig kann ein Upload-Bereich bereitgestellt werden (z.B. Dropbox, Google Drive, Owncloud), in den Session-Owner und -Teilnehmer ihre Materialien und Inhalte hochladen können. Für die einfache Navigation in Dokument und Inhalten vor und nach dem Barcamp ist eine eindeutige Sessionnummerierung notwendig (z.B. Session 1-1 für die erste Session im ersten Zeitslot).

Diese Ideen werden bestimmt die eine oder andere “ideologische” Barcamp-Diskussion hervorrufen, aber ich denke, nach über 10 Jahren kann man durchaus mal kritisch reflektieren, um das Format Barcamp vielleicht auf eine nächste Ebene zu heben.

Schreibt Eure Meinung zu Barcamps gerne unten in die Kommentare!