Wissens-, Kompetenz- und Erfahrungsmanagement – drei Seiten der gleichen Medaille

Gerade habe ich den Podcast Bildung – Zukunft – Technik (btz) von Guido Brombach und Felix Schaumburg in meine Podroll aufgenommen und angefangen, die alten Episoden durchzuhören. Die Folge BZT035 Kompetenzoffensive hat mich motiviert, diesen Blog zu schreiben.

Denn seit mit Ansätzen wie Social Learning und dem 70/20/10-Modell verstärkt Personal- und Weiterbildungsmenschen das Wissensmanagement für sich entdecken, hört man plakative Sätze wie “Wissensmanagement war gestern, was wir brauchen ist Kompetenzmanagement”. Bei den darauf folgenden Erklärungsansätzen bin ich dann meist verwundert, weil die genannten Themen aus meiner Sicht zum Kern des ganzheitlichen Wissensmanagements gehören. So erkläre ich das für mich:


Zum Lernen gehört ein Gedächtnis, damit Gelerntes “gespeichert” werden kann. Das menschliche Gedächtnis kann man je nach Informationsart in die Bereiche deklaratives Gedächtnis (Zahlen, Daten, Fakten), episodisches Gedächtnis (Ereignisse, Erfahrungen) und prozedurales Gedächtnis (Vorgehensweisen, Fertigkeiten) einteilen. Aus dieser Perspektive würden dann folgende Felder zu einem ganzheitlichen Wissensmanagement gehören:

  • Informationsmanagement: Kommunikation und Dokumentation von Faktenwissen, z.B. Intranet, Dokumentenmanagement, Wissensdatenbanken, Wiki.
  • Kompetenzmanagement: formeller und informeller Erwerb von Fähigkeiten, z.B. Training, Tutorials, Workshops, Communities of Practice.
  • Erfahrungsmanagement: Erfassung und Übertragung, z.B. Lessons Learned, Storytelling, Expert Debriefing, Working Out Loud.

Alle Bereiche oben beziehen sich auf den Umgang mit bestehendem Wissen. Wenn man das Ideen- und Innovationsmanagement zur Schaffung neuen Wissens noch hinzunimmt, entsteht eine wirklich ganzheitliche Sicht.

Was denkt Ihr, ist das ein sinnvoller Erklärungsansatz?

Autor: Simon Dückert

Berater, Coach und Geschäftsführer bei Cogneon

3 Gedanken zu „Wissens-, Kompetenz- und Erfahrungsmanagement – drei Seiten der gleichen Medaille“

  1. Antwort: Sehr! Danke.
    Eine feine Idee, die die Sache sehr verständlich greifbar macht.

    Bonus für mich: “Wissens-, Kompetenz- und Erfahrungsmanagement – drei Seiten der gleichen Medaille” inspiriert mich zu einem Blogpost, der “Fehler” in Metaphern als kreatives Stilmittel für Nachhaltigkeit des transportierten Inhaltes zeigt.

    Danke sehr :-)

  2. Lieber Simon,
    das ist auch meine Sicht auf das Thema Wissensmanagement. :-)
    So findet sie sich aber eigentlich auch in irgendeiner Form in allen gängigen Wissensmanagement-Modellen wieder (wenn auch mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten und Schwerpunkten, je nach Blickwinkel und Herkunftsdisziplin eben). Am deutlichsten zeigt sich dieses Verständnis wohl bei Probst/Raub/Romhardt in den Wissensbausteinen. Da ist alles drin von Informationsmanagement über Kompetenzmanagement bis hin zum Innovations- und Ideenmanagement.

    Dieses Verständnis als allgemeingültig zu implementieren scheitert leider immer wieder daran, dass die Begrifflichkeiten nicht sauber genug ausdifferenziert sind und viel zu selten das verbindende Element, nämlich das Wissensmanagement, als Klammer dafür gesehen wird. Daruaf weist auch Prof. Lehner immer wieder in seinen Vorträgen hin. Hier ist noch einiges an Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten.

    Diese Situation ist für mich auch ein Grund, warum so gern davon gesprochen wird, dass Wissensmanagement nicht funktioniert, wir viele Geschichten des Scheiterns hören und immer wieder neue Wortschöpfungen auftauchen. Wissensmanagement ist eben nicht nur die Einführung eines Tools wie z.B. Wiki, sondern eine Kombination verschiedener Disziplinen. Die heutigen Herausforderung sind zumeist von hoher Komplexität geprägt und nicht zuletzt auch davon abhängig, wieviel Veränderungs- und Mitwirkungswillen bei den Mitarbeitern besteht. Und eben dafür braucht es einen ganzheitlichen Wissensmanagement-Ansatz unter Berücksichtigung aller für die jeweilige Aufgabenstellung erforderlichen Disziplinen.

    Schreit nach einem neuen Standardwerk fürs Wissensmanagement, in dem sich heutige Welt und Tools/Methoden sich widerspiegeln. Das wäre doch was.

    Viele Grüße,
    Anna

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