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Rund um die erneuten Änderung der Nutzungsbedingungen der Working Out Loud Circle Guides durch John Stepper gab es ja bereits einige kontroverse Diskussion auf Twitter. Ich weiß, viele lesen Blogs nicht zu Ende, sondern reagieren direkt. Deswegen vorab eine klare Aussage: John hat das Markenrecht am Begriff “Working Out Loud” in drei Produktkategorien (z.B. dem Anbieten von Workshops mit WOL im Titel). Die Änderungen der Nutzungsbedingungen sind also aus rechtlicher Sicht völlig in Ordnung, da sie gutes Recht des Rechteinhabers sind.

Jochen Adler und Ragnar Heil, zwei der Initiatoren der deutschsprachigen Working Out Loud Community auf Yammer und Betreiber von @wol_de auf Twitter, hatten am 26.05.2020 ein kurzes Treffen arrangiert, um über die neue Situation zu sprechen. Für den 16.06.2020 ist ein weiteres Treffen mit einem erweiterten Teilnehmerkreis geplant. Ich schreibe diesen Blog, um uns von Seiten der Cogneon Akademie zum Thema Working Out Loud zu positionieren.

Ursprung: Blogging, Podcasting, vLogging

Working Out Loud hat seinen Ursprung in der Blogger-Szene, also bei Menschen, die ihre Weblogs, Audio-Blogs (Podcasts), und Video-Blogs (vLogs) für den offenen und vernetzten Austausch von Gedanken und Wissen verwenden (Blog Thinking and Working Out Loud von Glyn Moody vom 20.09.2006). Grundproblem war (und ist), dass Wissensarbeit durch die Digitalisierung “unsichtbar” wird (Blog Managing the visibility of knowledge work von Jim McGee vom 23.06.2010) und dadurch die Produktivität leidet.

Im Rahmen der Enterprise 2.0 Community haben sich zwischen 2006 und 2010 dafür zunächst die zwei Begriffe “observable work” (#owork) und “narrating your work” herausgebildet (Präsentation In the Flow: Patterns of Observable Work von Brian Tullis und Joe Crumpler im November 2010):

Der Kern von Working Out Loud

Bryce Williams hat, angeregt durch die Enterprise 2.0 Konferenz 2010 die drei Begriffe in seiner Definition von Working Out Loud zusammengebracht und dabei nebenher in genialer weise die Brücke zu einer Szene aus dem Film Spaceball geschlagen, in der das Jetzt im Jetzt sichtbar gemacht wird (Blog When will we start to Work Out Loud? Soon!):

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your  Work

Im Gründungsteffen der deutschsprachigen WOL Community 2015 hatten wir diskutiert, ob wir “Working Out Loud” ins Deutsche übersetzen wollen und uns dagegen entschieden. Diese Entscheidung trage ich nach wie vor mit. Trotzdem kann es in Kontexten, in denen Englisch nicht normal ist, eine gewisse Barriere darstellen. Daher der Versuch, die Definition ins Deutsche zu Übertragen (ja ich weiß, Storytelling ist Englisch, aber es steht in der deutschsprachigen Wikipedia):

Working Out Loud = Offene & Transparente Wissensarbeit + Storytelling

Dieser Ansatz, Wissensarbeit sichtbar und transparent zu machen sowie über Zielsetzung, Durchführung und Ergebnis von Wissensarbeit zu erzählen (Storytelling), ist für mich der Kern von Working Out Loud. Sichtbar wird Wissensarbeit z.B. durch Bereitstellung in offenen Wikis oder offen verfügbaren Dateiablagen (statt in verrechteten Silos). Das Storytelling zur Wissensarbeit kann, wie im Blog von Bryce beschrieben, durch “Journaling” in Blogs und Microblogs (intern z.B. in einem Enterprise Social Network) erfolgen.

Offenheit und die Wahl des Lizenzmodells

Als letztes noch meine Gedanke zu den geänderten Nutzungsbedingungen der Working Out Loud Circle Guides. Ich kann verstehen, dass es aus Gründen der Monetarisierung ein verlockender Ansatz ist, einen möglichst geschlossenen Ansatz (closed source) zu verfolgen. Bei den WOL Circle Guides hatten die ersten Ausgaben keine spezielle Lizenz (was nach unserer Rechtssprechung einem normalen Copyright gleichzusetzen ist), die Version 4 die geschlossenste Form der Creative Commons Lizenz (CC BY ND NC) und ab Version 5 ein normales Copyright.

Die Lizenzmodelle Copyright und Creative Commons kann man auf einer Skala von “most open” bis “least open” darstellen. Auf den Seiten der Creative Commons Corporation gibt es ausführliche Beschreibungen der Lizenzen und auch Argumente, warum die Lizenzen mit der Einschränkung “non-commercial” (keine Nutzung zur Verfolgung geschäftlicher Interessen und monetärer Vorteile) oft kontraproduktiv sind.

Quelle: Wikipedia

Die Arbeitshaltung “Working Out Loud” ist so breit angelegt, dass es meiner Meinung nach nicht die “eine richtige Sicht” darauf geben kann. Es braucht eine Vielzahl von Perspektiven, Meinungen, Schulen und Zugängen zum Thema. Die Working Out Loud Circle Guides sind dabei ein Weg unter vielen, sich dem Themenfeld zu nähern. Gerade für Neueinsteiger*innen sind sie mit ihrer detaillierten Anleitung natürlich nach wie vor eine sehr gute Option für die ersten Schritte auf einer langen Reise.

Fazit

Wenn ich in Zukunft von “Working Out Loud” (#wol) spreche und schreibe, meine ich damit die Arbeitshaltung oben beschrieben und definierten Sinne. Wenn ich die Circle Guides von John meine, werde ich von “Working Out Loud Circle Guides” (#wolcg) sprechen und schreiben. Meine Hoffnung, dass wir auf diesem Weg wieder einen breiten und diversen Diskurs zum Thema gibt und die Vielfalt der Ansätze uns alle weiter bringt.

Unsere Benchlearning Projekte, die sich aus der Kooperation in Projekten mit Audi, Schaeffler und adidas entwickelt haben, gibt es seit dem Jahr 2012. Die letzten beiden Jahre hatten wir erstmalig zwei Benchlearnings parallel laufen: das blp19 “Digital & Connected Work” (Bericht) und das blp19o365 “Office 365 Evolution” (Bericht). In den Abschlussworkshops waren sich alle einige, dass wir die Themenfelder der Digitalen & vernetzten Zusammenarbeit (blp19) und der Rolle, die Office 365 darin spielt (blp19o365), ausreichend intensiv behandelt haben und eine Fortsetzung keinen größeren Erkenntnisgewinn mehr bringen würde.

Deswegen haben wir uns im Abschlussworkshop über die nächsten wichtigen Lernthemen Gedanken gemacht und sind zu folgendem Thema für das Benchlearning Projekt 2020 gelangt: blp20 “Offenes und vernetztes Arbeiten und Lernen” (OVAL). Darin wollen wir uns insbesondere um diese zwei Aspekte der Arbeit der Zukunft kümmern:

  1. Offenheit und Vernetzung: wie können wir die Prinzipien Offenheit und Vernetzung konkret in der Zusammenarbeit verankern (Tags: Open by Default, Open Collaboration, Open Innovation, Open Educational Resources, Open Source, Open Science, Open Spaces, Vernetzung Mensch/Mensch, Mensch/Inhalt, Inhalt/Inhalt, Vernetzung Cross-Company).
  2. Arbeiten und Lernen: wie können wir Harold’s Satz “Working is Learning and Learning is the Work” in der Praxis verankern? Damit kommen wir auch wieder ein bisschen zu den Wurzeln des Benchlearning 2020 zurück, bei dem die Bildung von internen interdisziplinären Netzwerken zur Entwicklung einer Lernenden Organisation (z.B. HR, IT, Com, KM) im Fokus stand.

Für das Benchlearning Projekt 2020 sind noch einige wenige Plätze frei. Mit von der Partie sind bisher Audi, Deutsche Telekom, Schaeffler, Siemens Healthineers, Volkswagen und ZF Friedrichshafen. Das Format und die Termine für die Projekttreffen sind dieses Jahr:

  • 19.-20.02.: Kick-off, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • 08.04.: Online-Treffen
  • 15.-16.06.: Präsenz-Treffen, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • 21.09.: Online-Treffen
  • 16.-17.11.: Abschluss-Workshop, Nürnberg (Tag 1 ab 14:00 Uhr)
  • Virtuelle Zusammenarbeit: Parallel zu den fünf Treffen wird in Arbeitsgruppen an Themen gearbeitet, die wir im Kick-off festlegen. Dafür verwenden wir eine geschlossene Gruppe auf CONNECT.
  • Thematische Calls: begleitend werden wir 4-5 offene Calls (ca. 1h) machen, in den wir uns Gastredner*innen zu den Schwerpunktthemen des Benchlearnings einladen.

Wer kann beim Benchlearning 2020 noch mit dabei sein? Ihr solltet folgende Kriterien erfüllen:

  • Organisationsgröße 10.000+ Mitarbeiter*innen
  • Organisation global und interkulturell verteilt
  • Entsand von 3-5 Projektteilnehmer*innen in das Projekt, idealerweise interdisziplinär (HR, IT, Kommunikation, Wissensmanagement)

Die Teilnahme an dem Projekt kostet € 5.900,-. Darin enthalten sind die Organisation der fünf Termine, der Online-Zusammenarbeit, die Erstellung des Abschlussberichts, die Erstellung einer Dokumentbibliothek mit allen Materialien und die Verpflegung während der Präsenztreffen.

Interesse und/oder offene Fragen? Dann kontaktiert uns oder schreibt unten in die Kommentare.

Vom 17.-19. August 2016 findet die diesjährige OpenSym in Berlin statt. Die Konferenz, ursprünglich mit dem Namen WikiSym versteht sich als Konferenz und Community für “open collaboration” und trifft damit ein zentrales Thema der digitalen Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

 
Auch wenn die Besucher auf den Konferenzen, auf denen ich bisher war, eher aus dem Bereich von Wikis und Zusammenarbeit im Web kamen, habe ich doch immer spannende Themen mitnehmen können. Zwei Beispiele:

  1. WikiSym 2008 in Porto/Portugal: die Organisatoren hatten die perfekte Kombination aus Konferenz und Unkonferenz parallel geplant. Ein Ansatz, den wir auch heute noch bei der Planung von Veranstaltungen und Barcamps in Unternehmen nutzen.
  2. OpenSym 2014 in Berlin: über die Keynote von Laura Hilliger von der Mozilla Foundation bin ich auf die Web Literacy Map gestoßen. Dieses Framework haben wir als Ausgangsbasis verwendet, um Digital Literacy Programm zur Steigerung von Medienkompetenz bei Mitarbeitern und Führungskräften in Unternehmen zu konzipieren.

Früher wanderte die Konferenz global. Mittlerweile hat Dirk Riehle, einer der Organisatoren und Professor für Open Source an der Universität in Erlangen, den Modus geändert. Die OpenSym findet abwechselnd in Berlin und San Francisco und damit in zwei der Zentren der Digitalisierung statt. Wie es sich für eine Open-Collaboration-Veranstaltung gehört, ist die Dokumentation frei zugänglich. Es lohnt sich ein Blick ins Archiv der Veranstaltung.

Bis zum 8. April sind noch Vortragseinreichungen in den Kategorien Free&Open Software, IT-Driven Open Innovation, Open Data, Open Education, Open Collaboration sowie Wikipedia/Wikidata  über den Call for Papers möglich. In meiner Rolle als Track Chair für den Industry & Community Track würde ich mich natürlich besonders über Einreichungen dort freuen.

Dieses Jahr fand erstmalig das OER-Festival 2016 zum Thema Open Education Resources in Berlin (und im Internet) statt. Das Festival bestand aus einem Barcamp (OERcamp), einer Fachkonferenz (OER-Fachforum) und einer Preisverleihung (OER-Award). Der OER-Award wurde in den Kategorien Schule, Hochschule, Weiterbildung/Erwachsenenbildung, The Great Wide Open und Fusion vergeben. In der Kategorie Weiterbildung/Erwachsenenbildung war unser Wiki nominiert und hat es unter die drei Finalisten geschaft. Wir gratulieren an dieser Stelle dem ichMOOC – Mein digitales Ich zum Sieg in dieser Kategorie.

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Im Rahmen des OER-Festivals wurder die erste Ausgabe des OER-Atlas veröffentlicht, der unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission auf über 105 Seiten offene Bildungsangebote listet. Der OER-Atlas ist unter CC BY 4.0 Lizenz als PDF-Download frei verfügbar.

Wie es sich für ein OER-Festival gehört, wurden im Nachgang zur Veranstaltung die gesamte Dokumentation veröffentlicht (s.a. Links im Programm, Seite mit Dokumentation). Eine kleines Auswahl aus unseren Favoriten:

Episoden

Im Vorfeld zur adidas Woche im Corporate Learning 2.0 MOOC habe ich mit Christian Kuhna zusammen unser Projekt zum adidas Learning Campus reflektiert, in das wir beide im Zeitraum 2011-2014 involviert waren.

Corporate Learning 2.0 MOOC / adidas Learning Campus / Christian’s Background / Online-Redakteur bei Daimler / Siemens Intranet und Presse / Leiter Interne Kommunikation bei adidas 2007 / Digital & Mensch / Paul Seren und Schaeffler (s.a. M2P…) / adidas Intranet – von CMS zu Social (Basis: Telligent) / Telligent / a-LIVE als Social Intranet (Basis: SharePoint 2013) / Blog-Post Game over for traditional intranet navigation / Herbert Hainer und die Corporate University (2011) / Wechsel von Kommunikation zu HR / Partizipativer Ansatz durch Crowdsourcing zur Konzeptfindung / Blog-Carnival Help us find the new way of working and learning / Cluetrain Manifesto / “Die Bibel” im Projekt / adidas House of Learning / adidas Learning Campus Vision / OpenU und Open Learning / Dazzle Camouflage / Benchlearning Gruppe Future Learning / Benchlearning Projekt Social Intranet 2012 (Bericht) / Knowtech-Präsentation MOOCs als Anwendungsfall in sozialen Intranets? / Infografik adidas Learning Campus (s.a. Blog-Post Bringing the adidas Group Learning Campus to Life! / 70/20/10 Model / The New Way of Learning / Holistic Knowledge Cycle (Innovation + Wissenstransfer + Wissensbewahrung) / Slogan: You learn – We grow / The Shed (Co-Learning Space, s.a. Pinterest Board zu The Shed) / Global Week of Learning (s.a. Blog-Post The Future of Learning has started – with the Global Week of Learning) / adidas Speaker Series / Elvis im Laces / Film Augenhöhe kostenfrei auf Vimeo / Think Tank Future Trends & Innovation in HR Strategie / Open Source als Teil der adidas Geschäftsstrategie “Creating The New” / “Lebender Disruptor” / Digitale Transformation / VUCA – Der Wandel muss ins Konzept eingebaut sein / Forbes-Artikel A New Way Of Working And Learning: Adidas Style / Lerntag-Video adidas Learning Campus