Auf dem Corporate Learning Camp 2017 werde ich eine Session "Meinen eigenen Podcast aufnehmen" anbieten. Ziel der Session ist, dass die Teilnehmenden lernen, wie man mit einem mobilen Podcast-Studio einen eigenen Podcast mit maximal sechs Personen aufnehmen kann. Ich möchte gleich zu Beginn des Barcamps eine Einführungssession machen und in die Nutzung des Studios einführen. Das Studio wird dann an beiden Barcamp-Tagen an einem eigens dafür vorgesehenen Tisch verfügbar sein, so dass man dort selbstorganisiert aufnehmen und das Ergebnis auf einem (eigenen) USB-Stick mitnehmen kann.

Corporate Learning Camp 2017 in der Fachhochschule Frankfurt (Universty of Apllied Sciences) in Frankfurt am Main am 28.09.2017. Foto Frank Rumpenhorst

In einer Session zur Einführung habe ich ein vorgefertigtes Flipchart verwendet, um die generelle Sendekette (von oben nach unten) zu erklären. Von den verwendeten Hör-Sprech-Kombinationen (Headsets) gelangt das Audio-Signal über ein USB-Audiointerface in einen Windows-PC. Dort wird die Digital Audio Workstation (DAW) Reaper zusammen mit der Podcasting-Erweiterung Ultraschall für die Aufnahme und den Schnitt genutzt. Über das Studio-Link-Plugin können auch Remote-Podcaster in die Aufnahme einbezogen und ein Livestream des Podcasts angeboten werden.

Kurzanleitung für die Aufnahme

  1. Auf dem Desktop des Aufnahme-PC den Link Podcast aufnehmen klicken. Es öffnet sich die Software Reaper mit der Erweiterung Ultraschall mit 6 aktivierten Spuren.
  2. Wenn Ihr weniger als 6 Personen seid, könnt Ihr an dem kleinen roten Knopf neben den Spuren in Reaper diese für die Aufnahme deaktivieren (Klicken, Knopf leuchtet dann nicht mehr).
  3. Jeder Podcaster erhält eine Hör-Sprech-Kombination (Headset) bestehend aus Mikrofonarm und Köpfhörer. Der Mikrofonarm sollte nicht im Luftstrom der Nase und ca. 4cm vom Mund weg sein (4-Finger-Regel).
  4. Am Audio-Interface könnt Ihr alle Spuren separat "einpegeln". Die Pegel-Knöpfe sind mit Nummern versehen, die zugehörigen Nummern findet Ihr auch als Aufkleber auf den Headsets. Der Pegel sollte bei normaler Sprechlautstärke in Reaper zwischen -12 und -6 dB sein.
  5. Am Kopfhörerverstärker könnt Ihr die Lautstärke für jeden Podcaster separat einstellen.
  6. Zum Starten der Aufnahme in Reaper auf den Knopf Record (oben, rot, rund) klicken. Ihr seht dann rechts neben den Spuren die Aufnahme laufen.
  7. Zum Anhalten der Aufnahme in Reaper auf den Knopf Stop (open, weiß, rechteckig) klicken.
  8. Zum Bearbeiten der Aufnahme müsst Ihr Reaper über das Menü Podcast/Prepare all tracks for editing zur Bearbeitung vorbereiten. Damit Ihr für bei der Bearbeitung was hört, muss der Curser mit dem Knopf Go to start of project (open, ganz links) an den Anfang der Spur gestellt und in der Routing ein Kreuz bei master output/Mon 1 gesetzt werden.
  9. Die fertige Aufnahme könnt Ihr dann in Reaper unter File/Render... als MP3-Datei (Einstellung: Source: Master mix, Output format: MP3: Bitrate: 112 kbps) oder FLAC-Dateien (zu exportierende Spuren mit gedrückter Strg-Taste markieren, Source: Stems (selected tracks), Output format: FLAC) alle Spuren einzeln) zum Weiterverarbeiten exportieren.
  10. Am Kabel von Headset 1 ist ein USB-Stick befestigt, damit könnt Ihr Euch Eure Inhalte auf den eigenen Rechner kopieren. ACHTUNG: nicht gespeicherte Aufnahmen gehen spätestens nach dem clc17 verloren.

Verwendete Soft- und Hardware

Im Rahmen des Barcamps wurde ich öfters gefragt, ob es auch kleinere/kostengünstigere Lösungen für Podcast-Studios gibt. Hier habe ich z.B. auf den Zoom H6 Audiorecorder verwiesen, der im Podcasting oft verwendet wird. Eine Übersicht über die im Cogneon Media Lab verwendete Hard- und Software findet Ihr auf einer Seite in Copedia.

Ergebnisse

Insgesamt haben sich sechs Personen/Gruppen gefunden, die auf dem Corporate Learning Camp 2017 ihren ersten Podcast aufgenommen haben. Fünf davon wurden sogar im Corporate Learning Podcast veröffentlicht. Respekt und Dank an die Podcaster*innen:

  1. CLP041 Erfahrungsbericht des WOL Circle 1 mit Nicole Meinholz, Volkmar Langer, Stefan Deibel und Carsten Wittmer.
  2. CLP042 Erfahrungsbericht vom Corporate Learning Camp 2017 mit Evelyn Peppler, Benedikt Pape und Stephan Deierlein.
  3. CLP043 Was ist eigentlich Community Management? mit Sara Liddiard, Nicola Appel, Nicole Deuter und Karlheinz Pape.
  4. CLP044 LMS am Scheideweg? mit Axel Wolpert, Egon Fleischer und Björn Beil.
  5. CLP045 Eduaction Bildungsgipfel 2018 mit Karlheinz Pape und Davide (Nachname konnte ich leider nicht herausfinden).
  6. Laura Beck hat auch noch einen Podcast mit Ihren Eindrücken und Highlights vom Corporate Learning Camp aufgenommen, der im Sozialen Intranet ihrer Organisation veröffentlicht wird.

Auf dem Knowledge Camp in Potsdam habe ich eine Session mit dem Titel "DIY Livestream" gehalten. Ziel der Session war, den Session-Teilnehmer*innen beizubringen, den Vortrag von Prof. Eric Tsui am ersten Barcamp-Tag von 18:30-20:00 live zu streamen. In der Session jabe ich zunächstmal unsere verwendete Sendekette vorgestellt.

Den Redner Eric Tsui haben wir mit einem Lavallier-Funk-Mikrofon ausgestattet. Zusätzlich hatten wir ein Hand-Funk-Mikrofon für den Moderator/das Publikum und eine Hör-Sprech-Kombination für die Regie. Alle Audiosignale haben wir in ein Audio-Mischpult gespeist. Das Summensignal des Mischpults ging per XLR-Kabel in die Kamera.

Der Präsentationsrechner war mit HDMI-Ausgang ausgestattet. Mit einem HDMI-Splitter haben wir das Videosignal geteilt. Das eine Kabel haben wir direkt in den Beamer eingespeist. Das andere Kabel haben wir zunächst in einen HDMI-Scaler gersteckt, der uns ein 720p50 Signal erzeugt hat. Dieses Signal ging dann in einen zweikanaligen Videomischer.

Die Kamera war oben im Hörsaal auf einem Stativ mit Videokopf platziert, damit wir Eric mit der Kamera gut verfolgen konnten. Über den SDI-Anschluss der Kamera haben wir das Videobild in den Videomischer einzuspeisen und dort zwischen Eric und seinen Folien hin- und herschalten zu können. Die Kamera haben wir zusätzlich verwendet, um ein Backaup auf SD-Karte aufzuzeichnen.

Der verwendete Videomischer hatte einen USB-2.0-Ausgang, über den wir die Verbindung zu einem Windows-10-Laptop hergestellt haben. Der Videomischer ist dort als Signalquelle wie eine Webcam verfügbar. Mit einer Video-Streaming-Software haben wir über das Videosignal noch das GfWM-Logo gelegt und das Ergebnis dann zu YouTube-Live übertragen.

Als Rollen hatten wir (in Anlehnung an die CCC VOC Rollen) definiert: Kamerakind, Tontechnik, Videoregie, Stream, Streamkontrolle, Komentarmoderation und Mikrofon-Engel definiert und eingeübt. Im Bild oben seht Ihr das Dreamteam/Streamteam in Aktion. Wir haben gezeigt, dass man auch ohne oder mit wenig Vorkenntnis einen Livestream auf die Beine stellen kann, mit (nur) einer Barcamp-Session als Vorbereitung. Das Ergebnis könnt Ihr Euch auf YouTube ansehen.