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Erfahrungen zur Auswahl einer Plattform für die neue Akademie Community

Lern-Communities spielen eine zentrale Rolle im informellen Lernen und damit bei der Weiterbildung der Zukunft. So auch in den aktuellen Überlegungen, die Erfahrungen der Cogneon Akademie zur Entwicklung von Lernenden Organisationen über unsere Kundenprojekte hinaus einer breiteren Zielgruppe mit Hilfe einer Akademie Community zugänglich zu machen. In einer Pilotphase im März 03/2018 haben wir gemeinsam mit 13 Pilotnutzer*innen eine Plattform für die Online-Community ausgewählt. Überraschung für uns: es ist ein alter Bekannter geworden.

Seit unserer Gründung im Dezember 2001 haben wir viel Erfahrungen in hunderten Kundenprojekten gesammelt. Das Problem aus unserer Sicht: dieses Wissen liegt zum großen Teil in unseren Köpfen, zum Teil auf unseren Servern versteckt und ist damit nicht zugänglich. Das wollen wir ändern und dieses Wissen gemäß unseres Slogans “Wissen muss frei sein!” einem größeren Personenkreis zugänglich machen. Ab Mai 2018 werden wir mit der Akademie Community hierzu ein ganz neues Produkt für Professionals in mittleren und großen Organisationen an den Start bringen. Der Ansatz wird nicht die Beratung/Dienstleistung/Schulung, sondern die Community als Gemeinschaft der Lernenden in den Mittelpunkt stellt. Neben einer Online-Community wird es auch ein Jahres-Event, zwei Knowledge Jams, ein “Lernflix” mit Learning Nuggets, einen monatlichen Community Talk uvm. geben.

Im Bereich Online-Communities haben wir in der Vergangenheit schon eine ganze Menge Experimente durchgeführt und dabei Erfahrungen gesammelt:

  • Wiki und Knowledge Jam: unser Mediawiki-basiertes Wiki war vor der Öffnung unser internes Intranet. Anfang 2015 haben wir die  interne Informationen entfernt und am 22.05.2005 unter wiki.cogneon.de zugänglich gemacht. Erster Anwendungsfall war die Dokumentation der Knowledge Jams zusammen mit den Teilnehmern. Das Wiki verfügt zwar über Benutzerseiten (Profile), Diskussionsseiten und persönliche Nachrichten, ist aber hauptsächlich für die Dokumentation und nicht die Kommunikation von Wissen geeignet.
  • Benchlearning Projekt 2012 auf mixxt: gemeinsam mit Paul Seren von Schaeffler und Christian Kuhna von adidas haben wir 2012 das erste Benchlearning Projekt mit Fokus “Social intranets” (blp12) gestartet. Aus meinen verschiedenen Barcamps kannte ich die Community-Plattform mixxt (heute tixxt). Diese hatten wir damals  als Community-Plattform unter dem Namen “Orange People” ausprobiert und für Kommunikation und Dokumentation im blp12 verwendet.
  • Benchlearning Projekt 2013 auf G Suite: im blp13 mit dem Thema “Future of Learning & Future of Working” war auch Google Projektmitglied. Google bot an, die G Suite von Google für die Zusammenarbeit im Projekt zu testen. Gerade im Kontext größerer Industrieunternehmen gab es aber Schwierigkeiten mit der Nutzung von Google-Produkten.
  • Management 2.0 MOOC auf Xing Gruppe: ein Projektergebnis des blp13 war die Liste Innovative Lehr- und Lernmethoden. Diese haben wir im Projekt priorisiert, um einige Methoden Hands-on auszuprobieren. Die Wahl fiel u.a. auf die Methode Massive Open Online Course (MOOC), was zum Projekt Management 2.0 MOOCs führte. Die Struktur und Erfahrungen daraus (s.a. MOOCs als Anwendungsfall in sozialen Intranets auf der KnowTech 2013) bildeten später die Basis für den Zusammenarbeit 2.0 MOOC bei Audi und den Corporate Learning 2.0 MOOC.
  • Benchlearning Projekte 2015-2016 auf IBM Connections: die Teilnehmer des blp15 mit Thema “Internes Community Management” hatten alle seit 2-3 Jahren ein Enterprise Social Network (ESN) im Einsatz, überwiegend Jive oder IBM Connections. Bosch war gerade in einem Piloten, Connections nicht nur intern, sondern auch mit externen Partnern auszuprobieren. So konnten wir im Rahmen des Benchlearnings Connections als Plattform nutzen.
  • KnowTouch 2016 auf Discourse: die Bitkom hat die Wissensmanagement-Konferenz KnowTech 2015 eingestellt. Um der KnowTech-Community im Folgejahr einen Treffpunkt zu bieten, haben wir die KnowTouch ins Leben gerufen. Im Rahmen der Podcasting-Community sendegate.de wurde bereits seit Ende 2014 erfolgreich Discourse (von Jeff Atwood, einem der Macher von Stack Overflow) eingesetzt. Discourse haben wir erfolgreich zur Begleitung der KnowTouch eingesetzt (Konferenzplanung, Vortragsauswahl, Vorstellung der Teilnehmer, Programm, Bereitstellung Folien, Dokumentation, Diskussion zu den Vorträgen).
  • Benchlearning Projekte 2017-2018 auf Facebook Gruppe: die Teilnehmer in den Benchlearning-Projekten blp17/blp18 “Working, Collaborating & Leading in the Digital Age” sind in Bezug auf Social-Media-Nutzung wie z.B. Facebook, Twitter und LinkedIn sehr weit. So kam im Review 2016 der Wunsch auf, eine Facebook-Gruppe für die Kommunikation und eine private Cloud für Dokumente zu nutzen, was wir seitdem so erfolgreich umsetzen.
  • Benchlearning Projekt 2018 zu Office 365 auf Microsoft Teams: parallel zum blp18 haben wir dieses Jahr ein weiteres Benchlearning Projekt zu “Office 365 in der Unternehmenspraxis” gestartet. Da Microsoft Teams zu den Top-Prioritäten der teilnehmenden Unternehmen zählt, wurde Teams als Community-Plattform für das Projekt festgelegt.

Aus diesen Projekten lassen sich eine ganze Menge von Erfahrungen extrahieren. Viel hat funktioniert, viel hat aber auch nicht und wir haben daraus gelernt. Zusammenfassend kann man das vielleicht so sagen:

[bctt tweet=”Für den Erfolg einer Community kommt es auf die Faktoren Mensch UND Technik an. Community Management,  Beziehungsmanagement und Kommunikation sind genauso wichtig, wie technische Plattform, Usabilty und Dokumentation.” username=”cogneon”]

Einige Teilaspekte aus unseren Erfahrungen, die jetzt in die Akademie Community einfließen:

  • Community of Practice (CoP): wichtiger als die Technik ist das Selbstverständnis der Gemeinschaft der Lernenden. Hier kann nach wie vor das Konzept der CoP nach Etienne Wenger (s.a. CoP Quick-Start Guide) mit den drei Elementen Domain (Thema), Community (Menschen und Beziehungen) und Practice (praktisches Wissen) handlungsleitend sein.
  • Community Management: wie bei Unternehmen, Abteilungen und Projekten auch braucht es in Communities die Funktion des Koordinators, oft auch “Community Manager” genannt. Dieser sollte eher als “Wegbereiter” und “Katalysator” und weniger als “Bestimmer” auftreten. Auf jeden Fall ist es erfolgskritisch, das Community Management mit ausreichend Ressource zu versehen, da Aktivitäten sonst schnell einschlafen.
  • Dokumentation und Kommunikation: die eingesetzte Technik sollte die Kommunikation und die Dokumentation von Wissen unterstützen. Bei der Dokumentation sind sowohl Datei-basierter Inhalte (Ablage), als auch vernetzte und Web-basierte Inhalte (Webseiten, Wiki) zu unterstützen. Bei der Kommunikation sollte die schnelle, flüchtige Kommunikation (z.B. Chat, Messenger), aber auch die langandauernde, persistente Kommunikation (z.B. Forum, Blog) unterstützt werden.
  • Usability und User Experience (UX): die Technik muss vom Nutzer schnell verstanden und der eigene Nutzen erkannt werden (s.a. Technology Acceptance Model). Die Technik muss sich selbst erklären und ausreichend Hilfe anbieten (s.a. ISO 9241-11).
  • Mobile Nutzung und App: viele Anwender nutzen Online-Communities als “Zwischendurch-Medium” (im Bus, in der Bahn etc.). Daher muss die Technik auch auf mobilen Endgeräten vollumfänglich nutzbar sein (lesen, schreiben, partizipieren). Eine mobile App mit Push-Notifikation ist wichtig, um dem Nutzer schnell neue Aktivitäten der Community signalisieren zu können.
  • Kosten: für uns als Betreiber einer Community spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle. Ein Pay-per-User-Modell haben wir ausgeschlossen, da neben den mit der Nutzerzahl steigenden Kosten auch ein großer Verwaltungsaufwand von Lizenzen entsteht.

Für die Pilotphase zu unserem neuen Produkt haben wir uns aufgrund der aktuellen Beliebtheit von Office 365 für Yammer entschieden. Im Gegensatz zu Microsoft Teams können in Yammer auch externe Personen als Nutzer ohne komplexes User Management eingeladen werden. Der Pilot hat allerdings gezeigt, dass Yammer für unser Konzept einige Nachteile mit sich bringt:

  • Unübersichtlich: schon bei 13 Pilotnutzern entstand der Eindruck, dass die Plattform unübersichtlich wird und Inhalte/Diskussionen nicht (mehr) gefunden werden können. Das gilt auch für die App, mit der die Pilotnutzer “nicht warm geworden” sind.
  • Zu Chat-artig: Yammer ist eher ein Chat-Werkzeug und nicht für ausführliche Kommunikation oder Dokumentation geeignet.
  • Keine Registrierung mit privaten E-Mail-Adressen: auch wenn in der Pilotphase alle Teilnehmer Professionals waren, bestand der Wunsch, sich mit einer privaten E-Mail an der Community zu beteiligen, z.B. weil bestimmte Apps auf dienstlichen Endgeräten nicht erlaubt sind.
  • Multiuser-Fähigkeit: wird in Organisationen bereits Yammer genutzt und ist gleichzeitig der Beitritt zu externen Gruppen verboten, muss sich der Nutzer kontinuierlich An- und Abmelden, was er natürlich in der Praxis nicht oft machen wird.

Nach der Pilotphase war recht schnell klar, dass Yammer nicht die Plattform der Wahl sein würde. Die Erfahrung ist vermutlich ähnlich, wie die der Microsoft Tech Community, die ja auch 2016 von Yammer nach Lithium umgezogen ist. Nach einigem Hin- und Herüberlegen haben wir in der letzten Woche der Pilotphase nochmal Discourse als Community-Plattform ausprobiert. Insbesondere die ausgewogene Abdeckung von Kommunikation und Dokumentation, die Übersichtlichkeit, die Usability, die Optimierung für mobile Nutzung und die guten Erfahrungen auf dem Sendegate sprachen dafür. Diese Einschätzung spiegelte sich dann auch in dem Feedback der Pilotnutzer wieder:

Erster Eindruck sehr positiv! Anmeldung ohne Probleme, App läuft bislang tadellos, UX besser als bei Yammer, da intuitiver, übersichtlicher und thematisch geordnet, zusätzlich die Möglichkeit, Lesezeichen zu vergeben. Möglichkeit zum Chat und Gruppenchat. Daumen hoch […]!

Ja, wesentlich übersichtlicher als Yammer. Scheint eine gute Wahl.

Ich finde vor allem die Timeline auf der rechten Seite prima, sowie die Möglichkeit, ein Lesezeichen auf einen interessanten Beitrag zu setzen, sonst findet sich bei längeren und komplexeren Themen ja irgendwann nichts mehr wieder.

Klasse finde ich auch dieses Gamification-Dings, dass man für Beteiligung Abzeichen (Badges) verliehen bekommt.

Discourse gefällt mir sehr gut als Alternative. Mehr Corporate Identity (orange) und einfach wesentlich übersichtlicher. Ich fühle mich jedenfalls wesentlich wohler in diesem System. Läuft auch gefühlt irgendwie besser. Ich würde Discourse beibehalten.

Ab dem 2. Mai 2018 geht das neue Akademie-Produkt inkl. Community an den Start. Im Mai wird es noch viele der Angebote offen zum “Schnuppern” geben. Ab Juni kann man sich dann mit einem Jahresticket einbuchen – in den ersten drei Monaten noch mit 20% Rabatt! Wer dazu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann uns auf Twitter folgen oder sich zu unserem Lern-Newsletter Keep Calm & Learn On anmelden.

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

Was die Cogneon Akademie mit der Akademie von Platon gemein hat und was das für das Lernen dort bedeutet

Als wir vor gut sechs Jahren im Sommer 2011 vom Medical Valley Center in Erlangen in den rilkepark in Nürnberg gezogen sind, haben wir uns viel Gedanken über den Namen des neuen Standorts gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatten wir uns am Coworking Space Nürnberg beteiligt und “Cogneon Coworking Space” in die Kandidatenliste aufgenommen. Zusätzlich waren wir vom Konzept des Future Center von Leif Edvinsson sehr angetan (s.a. M2P031 Podcast), so war auch “Cogneon Future Center” in der Liste vertreten.

Final hat sich dann der Name “Cogneon Akademie” in Anlehnung an die Akademie von Platon durchsetzt. Den Namen hatte die Platon’sche Akademie von einem Hain vor den Toren von Athen. Im Jahr 428 v.Chr. gegründet gilt sie als eine der ältesten und nachhaltigsten Bildungseinrichtungen dieser Art in Griechenland. Das Bild von Platon im Garten der Akademie hängt daher auch heute bei uns in der Bibliothek.

Akademie von Platon. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Platon-Akademie.jpg

Viele der Grundprinzipien und Eigenschaften der Akademie von Platon sind für uns auch heute noch richtungsweisend (siehe Abschnitt Unterrichtsbetrieb in Wikipedia):

  1. Der Unterricht fand teils auf Platons Grundstück, teils auf öffentlichem Grund statt. Wir sehen Konferenzen, Community-Meetups und auch den virtuellen Raum mit Blogs, Wikis, Livestream, YouTube, Twitter etc. als öffentlichen Grund außerhalb der Cogneon Akademie und bespielen diese aktiv.
  2. Fortgeschrittene Schüler übernahmen Lehr- und Forschungsaufgaben. In Bezug auf unser weites Themenfeld der digital-vernetzten Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts wäre es vermessen zu glauben, alle Themen selber beherrschen zu können. So verstehen wir die Cogneon Akademie als Plattform, die über Communities, Projekte und weitere Aktivitäten die Experten aus verschiedenen Disziplinen zu einem gemeinsamen Lernprozess zusammenbringt.
  3. Die Frage, ob bzw. inwieweit die Wissensvermittlung formell organisiert war und in welchen Formen sie stattfand, ist umstritten, insbesondere hinsichtlich der Rolle des Lehrvortrags. Formelle Wissensvermittlung, z.B. in Form der Expert Debriefing Moderatoren-Ausbildung oder der KnowTouch spielen auch eine Rolle in unserer Akademie. Der Anteil der informellen Wissensvermittlung in Form von Knowledge Jam und Meetups wie beispielweise dem Innovationsbeirat oder dem Podcasting Meetup Franken sind für uns aber deutlich wichtiger.
  4. Der Unterricht war normalerweise kostenlos. Gemäß unserer OER-Strategie versuchen wir möglichst viele Inhalte kostenfrei zum Selbststudium zur Verfügung zu stellen. Das gilt z.B. für unser Wiki Copedia, unsere Videos auf YouTube, unsere Folien auf Slideshare und auch die Online-Communities Lernende Organisationen auf Xing und Lernende Organisationen auf Facebook.
  5. Die Schulmitglieder verstanden sich als Lebensgemeinschaft, was unter anderem in gemeinsamen Mahlzeiten, Symposien und Festen zum Ausdruck kam. Das ist für uns der Kern einer Lern-Community. Nicht alles Lernen muss ernst und spaßfrei sein. Die Menschen müssen im Mittelpunkt stehen und sich bewusst als Teil der Lerngemeinschaft sehen. Ein Beispiel sind unsere Benchlearning-Projekte, die wir 2012 gemeinsam mit unseren Kunden Schaeffler und adidas ins Leben gerufen haben. In 2018 wird es zwei Benchlearning-Projekte zu “Working, Collaborating & Leading in the Digital Age” und “Office 365” geben.
  6. Forschung und Lehre waren im Prinzip frei, wobei der Umstand eine Rolle spielte, dass Platon eine dogmatische Fixierung seiner Lehre ablehnte. Auch wir gehen nicht von “dem richtigen Weg” zu Wissensmanagement und Lernenden Organisationen aus. Wir versuchen zwar gerade mit LernOS, unsere Erfahrungen in einem geschlossenen Konzept zu bündeln, jeder Einzelne und jede Organisation muss aber seinen/ihren individuellen Weg finden.
  7. Idee, dass die Schule nicht von der Präsenz des Gründers abhing, sondern nach seinem Tod fortbestand. Ich glaube nicht, dass die Entwicklung der globalen Wissensgesellschaft nach meinen Vorstellungen zu meinem eigenen Tod abgeschlossen sein wird. Daher hoffe ich, dass auch die Cogneon Akademie deutlich länger bestehen wird, als mein kurzes Leben es zulässt :-)

Im kommenden Jahr werden wir die Möglichkeiten auch aus der Ferne Mitglied der Cogneon Akademie zu sein deutlich ausbauen. Einige Gedanken dazu kann man im Podcast M2P026 (ab Minute 35:57) von unserer 15-jährigen Geburtstagsfeier nachhören. Eine zentrale Rolle wird dabei Cogneon Connect spielen, ein Mischung aus virtueller und physischer Teilnahme an den Aktivitäten der Akademie. Stay tuned & Learn on!

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

KnowTouch 2016

Vielleicht hat sich der eine oder die andere gewundert, warum es in meinem Blog in den letzten Monaten recht ruhig gewesen ist und warum Termine wie z.B. die Ermittlung der Top 10 KM Themen für 2016 einfach so verstrichen sind. Der Grund ist einfach: ich war den ganzen Februar im Urlaub und da hat mich die Nachricht erreicht, dass die Bitkom die KnowTech ab diesem Jahr nicht mehr fortführen wird (vielen Dank an Dr. Weber und alle Aktivist*innen dort für die tolle Orga in den letzten Jahren!!!). Das war natürlich erstmal ein Schock, sofort gab es rege Diskussion in der Community, wie und wo wir denn ab sofort unser jährliches Austauschtreffen machen könnten. Nach vielen Gesprächen und einigem an Online-Diskussion haben wir uns im März 2016 dann dazu durchgerungen, eine neue Veranstaltung unter dem Label KnowTouch (26.-27. Oktober 2016, Cogneon Akademie, Nürnberg) zu starten.

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Einen Moment haben wir darüber nachgedacht, mit der Bitkom über die Übernahme des ursprünglichen Namens KnowTech zu sprechen. Zwei Gründe sprachen am Ende dann aber dagegen. Aus pragmatischer Sicht hätte ein solcher Prozess mit einem solchen Verband vermutlich recht lange gedauert – zu lange für eine Veranstaltung, die schon im Oktober zur klassischen KnowTech-zeit stattfinden soll. Zum zweiten wollten wir über einen neuen Namen auch eine etwas neue Ausrichtung kommunizieren.

Der Name leitet sich aus dem Megatrend High Tech & High Touch ab, den der Zukunftsforscher John Naisbitt in seinem Buch Megatrends – 10 Perspektiven, die unser Leben verändern werden beschrieben hat. Das passte sehr gut zu unserer Idee, den Fokus der KnowTouch innerhalb des Dreiecks des ganzheitlichen Wissensmanagements Mensch – Organisation – Technik mehr in Richtung Mensch und Organisation zu verschieben. Und das nicht, weil die Technik im Kontext von sozio-technischen Systemem (aka Lernenden Organisationen) nicht auch wichtig wären, sondern eher weil die technische Dimension mittlerweile ausführlich behandelt und daher gut verstanden ist (Wer 2016 noch von Wissensdatenbanken spricht ist selber schuld :-)

Um hier Akzente zu setzen haben wir uns u.a. Prof. Stefan Kühl (Organisationssoziologie) und Prof. Peter Pawlowsky (Personal & Führung) als Redner eingeladen. Außerdem wollen wir im Rahmen der Veranstaltung die letzten 20 Jahre Wissensmanagement und Lernende Organisationen im deutschsprachigen Raum reflektieren und eine Idee für die nächsten 20 Jahre entwickeln. 20 Jahre deswegen, weil im Jahr 1996 die beiden Bücher Wissen gewinnt (Zucker/Schmitz) und Wissen managen (Probst/Raub/Romhardt) in Erstausgabe herausgekommen sind. Glücklicherweise konnten wir hier auch Dr. Kai Romhardt als Redner für die KnowTouch gewinnen.

Das Format der KnowTech war bisher im wesentlichen durch plenare Keynotes gefolgt von parallelen Vorträgen mit Q&A. Erfolgreich experimentiert wurde in den letzten Jahren mit interaktiven Formaten. Als Abendveranstaltung gab es i.d.R. ein gemeinsames Buffet. Eine Abendveranstaltung mit Dinner und/oder Party gab es nicht (im letzten Jahr hatten wir unsere 4. Orange Night im Rahmen der KnowTech angeboten). Die Gestaltung einer ganz neuen Veranstaltung gab uns aber auch die Möglichkeit, gemeinsam mit der Community neue Dinge umzusetzen. Diese Eckpunkte sind aus der Diskussion herausgekommen:

  • Konferenz/Un-Konferenz: um den Teilnehmer*innen Input und Interaktion zu bieten teilen sich beide KnowTouch-Tagen einen Konferenz-Teil und einen Barcamp-Teil geben. Session-Ideen für den Barcamp-Teil werden in der Community schon im Vorfeld eingeholt.
  • Community: Teilnehmer*innen der KnowTouch beschäftigen sich nicht nur an den zwei Veranstaltungstagen mit Wissensmanagement und Lernenden Organisationen, sondern auch an den anderen 363 Tagen des Jahres. Deswegen erhalten alle Teilnehmer*innen einen Zugang zu unserer Community-Plattform Connect (ab Anmeldung bis 31.12.2016), um sich zu vernetzten und auszutauschen. Die Organisation und Kommunikation zur KnowTouch im Vorfeld läuft über diese Plattform. Nach der KnowTouch verlässt die Plattform Connect den Pilotstatus, ab dann kann jedermann/-frau Jahresmitgliedschaften buchen.
  • Livestream: die vier Keynotes der KnowTouch werden wir live streamen. Hierfür haben wir in der Akademie ein kleines “Fernsehstudio” installiert, um in HD-Qualität streamen und zwischen Kamara-Bild und Folien im Vollbild umschalten zu können. Wer nicht vor Ort sein kann, kann sich für € 49,- ein Livestream-Ticket kaufen.
  • Vortragsaufzeichnungen: die anderen Vorträge zeichen wir vor Ort auf. Die Redner*innen erhalten die Möglichkeit, Passagen herausschneiden zu lassen (Grund: wir wollen eine offene Atmosphäre, in der nicht nur über Erfolgsgeschichten, sondern auch über Misserfolge gesprochen wird). Die Videos werden in den Monaten nach der KnowTouch in unserem YouTube-Kanal veröffentlicht.
  • Fuckup Night: nach dem Vorbild der mittlerweile global verbreiteten Fuckup-Nights (Veranstaltungen, die einen Rahmen bieten, um über Fehler zu sprechen) lassen wir im Rahmen unseres Conference Dinners die 1. KM Fuckup Night stattfinden. Maximal drei Personen erhalten die Gelegenheit 7 Minuten mit max. 10 Bildern/Folien über einen großen Misserfolg im Wissensmanagement zu sprechen. Hier gibt es natürlich keinen Livestream und absolutes Twitter-Verbot ;-)
  • Blogparade: die KnowTech-Blogparade zur Zukunft der Arbeit verlief im letzten Jahr sehr erfolgreich (73 Beiträge). Diesen Ansatz wollen wir fortsetzen. Im September/Oktober wird es daher eine 5-teilige Blogparade zu 20 Jahren Wissensmanagement und Lernenden Organisationen geben, in der wir nach der Methode Future Backwards die fünf Fragen stellen: 1.) Wo stehen wir heute? 2.) Was ist in Vergangenheit passiert? 3.) Wo wollen wir hin (heaven)? 4.) Wo wollen wir auf keinen Fall hin (hell)? und 5.) Wie kommen wir in den Himmel (unter Vermeidung der Hölle)?
  • Teilnehmerzahl: die KnowTech hatte bisher immer zw. 300-400 Besuchern. Aufgrund der Platzsituation in der Cogneon Akademie muss die KnowTouch deutlich kleiner ausfallen. Daher haben wir die Platzanzahl auf 40 begrenzt. Wir haben gezielt Personen mit 10-20 Jahren Erfahrung in der Praxis und/oder Forschung angesprochen. Zusätzlich zu unseren Räumen haben wir einen großen Schulungsraum von der BEI Group angemietet (auch im Erdgeschoss). Zusätzlich haben wir das Restaurant Hunger&Durst (Erdgeschoss im Hinterhaus) für beide Tage als geschlossene Gesellschaft gebucht. Dort finden Mittagessen, Conference Dinner und Fuckup Night statt. Außerdem steht uns das Hunger Durst während beiden Tagen als informeller Austauschort zur Verfügung.
  • Knowtech Body of Knowledge: im Rahmen der letzten 17 Jahre Knowtech hat sich dort natürlich ein großer Wissensbestand in Form von Papern und Vorträgen angesammelt. Viele Konferenzbände, -CDROMs und USB-Sticks stehen bereits heute bei uns in der Bibliothek. Dr. Weber von der Bitkom hat angeboten, mal im Bitkom-Archiv zu schauen, was dort noch schlummert. Den Rest werden wir versuchen in einer kleinen Crowdsourcing-Aktion zusammenzutragen. unser Ziel ist bis zur KnowTouch alle KnowTech-Beiträge seit 1999 in der Open-Source-Literaturverwaltung Zotero zu erfassen und so den Teilnehmer*innen eine Möglichkeit zu bieten, sich diesen Body of Knowledge zu erschließen.
  • Sponsoring: es gibt die Möglichkeit, die KnowTouch zu sponsoren. Auf der Veranstaltung selber verfolgen wir den Ansatz des minimal-invasiven Sponsorings (d.h. keine Werbestände, Messefläche, Verkaufsgespräche). Die Sponsoring-Pakete machen die Sponsoren auf Webseite, Banner, Livestream, Konferenzband etc. präsent. Es gibt die Möglichkeit Informationen auf der KnowTouch auszulegen. Außerdem bieten wir eine Webinarreihe im Vorfeld (ab September), in der es Raum für Sponsoren geben wird. Wer Interesse an einem Sponsoring hat, kann uns jederezeit gerne kontaktieren.

Nachdem wir das zum ersten mal machen, sind wir angespannt, aber in einer sehr positiven Art. Wem verbesserungswürdige Sachen auffallen, einfach an uns weiterreichen. Falls jemand in irgendeiner Form mithelfen will, würden wir uns natürlich auch sehr freuen. Hoffentlich bis bald!

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

Hackathon Community Management Playbook vom 3.-4.8.2015

Seit Januar 2015 läuft unser Benchlearning Projekt Internes Community Management, in dem wir gemeinsam mit acht Unternehmen lernen, wie man internes Community Management am besten aufsetzt und etabliert. Der Kick-off fand bei Audi in Ingolstadt statt, die ersten beiden Projekttermine bei Bosch in Stuttgart und Volkswagen in Wolfsburg. Die drei Schwerpunktthemen sind Community-Ansätze, Supportmöglichkeiten für Communities und das zugehörige Change Management. Im Rahmen des Projekts führen wir Literatur-Reviews und Benchmark-Umfragen durch und erarbeiten Best Practices in Kleingruppen im Rahmen der Projekttermine.

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Auf der Rückfahrt vom letzten Projekttermin in Wolfsburg fiel uns auf, dass wir im Projekt bislang meist aus der Perspektive von zentralen Enterprise-2.0-, Social-Intranet- oder Digital-Transformation-Teams und weniger aus Perspektive des einzelnen Community Managers gesprochen haben. Wir wollten einen Weg finden, auch Community Managern eine Arbeitshilfe an die Hand zu geben. Im Literatur-Pool waren bereits Community Playbooks von Yammer, von Cisco und vom Community Roundtable. Bosch war gerade daran, ein interaktives Playbook auf PDF-Basis zu erstellen.

Daraus entstand die Idee, gemeinsam ein deutschsprachiges Community Management Playbook als offene Ressource (OER) zu erstellen. Nachdem wir letztes Jahr bei der Erstellung des Buchs HR Innovation bereits sehr gute Erfahrungen mit der Methode Hackathon gemacht hatten, soll diese wieder zum Einsatz kommen. Hier ist der Plan:

  • Vom 03. bis 04. August machen wir einen Hackathon “Community Management Playbook” in der Cogneon Akademie in Nürnberg.
  • Teilnahmeberechtigt sind Mitglieder des Benchlearning Projekts, Mitarbeiter der teilnehmenden Unternehmen (Siemens, Telekom, Bosch, Continental, Deutsche Post, Henkel, Volkswagen, Audi) und ausgewählt Gäste.
  • Wir starten Montag um 10:30 Uhr, machen Abends bis wir keine Lust mehr haben und enden am Dienstag um 16:30 Uhr.
  • Die Teilnahme ist vor Ort oder virtuell möglich. Die virtuelle Teilnahme kann aktive (mitarbeiten) oder passiv (lurken) sein.
  • Als Räumlichkeiten vor Ort haben wir ein Plenum (aus dem wir live streamen) sowie vier Räume in denen Gruppenarbeit und Audio-/Videokonferenzen möglich sind.
  • Die erste Version des Playbooks entsteht als Google Doc und Papier-Prototyp, später ist eine gedruckte Version (DIN A4, Querformat, 30-40 Seiten) geplant.
  • Anmeldung erfolgt über Xing, alle weiteren Infos und Links werden wir unter cogneon.de/live bereitstellen. Hashtag ist #hcmp15.

Wer glaubt, bei den Einladungen übersehen worden zu sein, kann sich gerne bei uns melden.

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.