Messen und Konferenzen als „Professionelle Freizeit“ und Innovationstreiber?

Im letzten Blog habe ich vom Dillemma hybrider Veranstaltungen geschrieben und es sind einige tiefgründige Kommentare eingegangen. Auf Linkedin habe ich gestern einen Beitrag von Sabine zu den ersten Messen dieses Jahr kommentiert. Sie schreibt von leeren Hallen, wenigen Leuten in den Vorträgen, aber vielen online dabei (Faktor 10!).

Ich war vor kurzem mit Karlheinz auf der Messe Learning & Developlement Pro in München und wir haben dort eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht (Blog von Karlheinz). Auf der Messeflächee waren so wenig Menschen unterwegs, dass keine einzige(!) Barcamp-Session zustande gekommen ist. An dem hybriden CLC-Tisch (Podcast-Tisch mit Jitsi-Konferenz parallel). Dort kamen immerhin 3 Sessions zu stande mit im Schnitt 7 Teilnehmer_innen (3 vor Ort, 4 Remote).

Aber ich möchte in diesem Beitrag von einer anderer Erfahrung berichten. Ich habe mich die Tage vor der Fahrt nach München schon darauf gefreut, mal zwei Tage ohne Termine, ohne Videokonferenzen und ohne vorgegebenem Programm zu haben. In Zeiten der verteilten Zusammenarbeit folgt ja oft eine Videokonferenz der anderen und man muss oft dafür kämpfen, dass zumindest die Mittagszeit frei von Terminen bleibt (insbesondere in den internationalen Projekten).

So habe ich dann auch die beiden Tage vor Ort erlebt: man konnte sich treiben lassen, mal hier mal da mit jemand reden, einen Kaffee trinken und zusammen was essen. Wir saßen an unserem Stand (Tisch) und immer wieder ist jemand online oder offline vorbeigekommen und man konnte einen Plausch halten. Von den Ständen und den Vorträgen vor Ort habe ich gar nichts mitbekommen, das kann ich mir später auch noch ansehen.

Im Innovationsmanagement wird oft gesagt, die besten Ideen hat man nicht auf der Arbeit, sondern unter der Dusche oder beim Spazieren gehen. Das liegt meiner Meinung nach weniger daran, dass die Dusche ein besonders kreativer Ort ist, sondern, dass man dort keinen Druck hat und die kognitive Leistungsfähigkeit nicht anderweitig in Anspruch genommen wird.

Aus dem Blickwinkel kann man Offline-Messen und -Konferenzen als „professionelle Freizeit“ sehen, in der wir gemeinsam ungeplante Zeit verbringen, die sich dann mit neuen Ideen und kreativen Einfällen füllen kann. Mit Karlheinz habe ich z.B. auf Hin- und Rückfahrt über viele Ideen für die Corporate Learning Community 2022 gesprochen, kommende Woche treffen wir uns und planen einige der Idee ein.

Das Dilemma in Organisationen wird sein, dass man keine Reisefreigabe für solche professionelle Freizeit bekommt. Es wird also das Aussteller- und Vortragsprogramm weiterhin brauchen (obwohl das genau so gut online abbildbar wäre), weil sonst viele Leute nicht kommen dürfen.

In unserem adidas Learning Campus Projekt hatte ich mit einem Manager gesprochen, der dafür einen sehr nützlichen Gedanken hatte. Sinngemäß hat er gesagt, dass es in der Sport- und Trainingslehre völlig klar ist, dass es Trainings- und Wettkampfphasen gibt und dass es nach Belastungs- auch Entlastungsphasen geben muss. Seiner Meinung nach versucht man in der Wirtschaft, 40 Stunden in der Woche und 52 Wochen im Jahr Marathon zu laufen. Und das geht nicht (ohne die Mitarbeiter_innen auszubrennen).

Idee: nach Phasen mit anstrengenden Projekten bewusst mal eine Woche professionelle Freizeit einplanen. Die Zeit kann man nicht nur für Messen und Konferenzen verwenden, sondern sich vielleicht auch mal in einer Unterkunft in der Natur einmieten, Themen und Neuigkeiten besprechen, gemeinsam reflektieren und neue Ideen spinnen. Kursierende Begriffe wie „Workation“ und „Wollidays“ deuten darauf hin, dass es solche Modi auch heute schon gibt.

Was haltet ihr von dem Gedanken?

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