Hinweis: dieser Blogeintrag ist ein Beitrag zum Blog Carnival “Information Overload” von Andrea Back und Jochen Robes. Auf der Seite zum Carnival gibt es noch weitere interessante Beiträge zum Thema.

Der Begriff “Information Overload” entstammt dem Buch “Future Shock” von Alvin Toffler (1970) und bezeichnet die Überforderung des Menschen beim Übergang von einer “industrial society” in eine “super-industrial society” mit den Mengen an vorhandenen Informationen umzugehen und sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.

Setzt man “informiert sein” mit “wissen” gleich, dann bedeutet das, dass der Mensch selber die Hoheit hat, worüber er sich informieren möchte. Ich selber entscheide, welche Inhalte mich interessieren und welche nicht. Keine Zeitung und kein “content provider” der Welt kann mir diese Form der Selbstbestimmung nehmen. Mein Mail-Client hat einen Spam-Filter, in meinem RSS-Reader kann ich jeden Feed deaktivieren und mein Telefon hat einen Ausschalter. Meiner Meinung nach ist diese Bewusstseinshaltung der wichtigste Schritt, um sich nicht selber(!) mit Informationen zu überfluten. Um mit Max Boisot zu sprechen (PDF) kann man sagen, der Mensch muss entscheiden, welche Stimuli seiner Umwelt er durch seine Filter lässt und welche nicht.

Warum ist das so schwer? Vermutlich weil der Mensch von Natur aus neugierig ist und ihn erstmal alles interessiert. In einer Zeit, in der Informationen (oder Daten? oder Stimuli?) eine Mangelware waren, hat uns das auch nicht geschadet. Vor 50 Jahren hat man die Tageszeitung seiner Region gelesen und mit den 50-100 interessanten Personen aus seiner Umgebung Kontakt gehabt. Heute kann man früh das Notebook aufklappen und vermutlich jede Tageszeitung der Welt lesen und über Facebook & Co. mit drei Milliarden Menschen Kontakt haben. Das heißt aber nicht, dass das eine gute Idee ist zu probieren und das heißt schon gar nicht, dass unser Körper in der Lage ist, das zu tun.

Unser Wahrnehmungsapparat ist -genau wie vor 50 Jahren auch- durch das Bemermannsche Limit in seiner Informationsaufnahme/-verarbeitung begrenzt (s.a. “Können wir das Problem der Echtzeitkognition lösen?”, PDF) und die Daumenregel aus der Soziologie, dass wir mit 150-200 Personen Kontakt halten können, wird durch soziale Medien auch nicht aufgehoben. Und das bedeutet, dass für den Einzelnen das gleiche Thema, das schon seit 50 Jahren durch die Management-Literatur geistert, von essentieller Bedeutung ist: FOKUS.

Ich lege fest über was ich mich informiere! Ich lege fest bei wem ich mich informiere und ich bin für mögliche Informationsüberflutung selbst verantwortlich. Im Lauf der Zeit habe ich für mich folgende Vorgehensweise entwickelt, um mein persönliches Informationsmanagement zu organisieren:

  1. Klarheit meine Motive: die Antwort auf die Frage “Was will ich eigentlich?”. Daraus resultiert ein schriftliches Mission und Vision Statement, eine persönliche Strategie und Lebens-, Lebensabschnitts-, Jahres- und Monatspläne.
  2. Klarheit über Aufgaben und Projekte: ähnlich dem Program Management in einer Firma muss man sich selber darüber klar werden, welche Aufgaben und Projekte für die Umsetzung der Vision notwendig sind (Zitat Peter Drucker: “knowledge worker productivity demands that we as the question: what is the task?”). Hierfür verwende ich Projektlisten, Lessons Learned und Getting Things Done, um die Aufgaben zu organisieren.
  3. Klarheit über wichtige Wissensgebiete: um die gewählten Aufgaben kompetent ausführen zu können ist es wichtig, zu den relevanten Wissensgebieten informiert zu sein. Deswegen leite ich aus Punkt 1 und 2 eine persönliche Wissenslandkarte ab, die mir als Wissensportfolio dient.
  4. Klarheit über Wissensquellen: aus den ersten drei Punkten ergeben sich fast von selbst die Antworten auf die Fragen “Welche Experten hätte ich gerne in meinem Netzwerk?”, “In welchen Wissensgemeinschaften muss ich Mitglied sein?” und “Welche Informationsquellen sollte ich nutzen?” (Bücher, Zeitschriften, Webseiten, Newsletter, Blogs etc.).
  5. Striktes Timeboxing: wie schon in den 50er Jahren im Parkinsonschen Gesetz festgeschrieben, dehnen sich Arbeitsaufgaben nicht nach ihrem Zeitbedarf aus, sondern danach, wie viel Zeit man ihnen gibt. Deswegen habe ich für alle Prozesse des “mich informierens” feste zeitliche Grenzen gesetzt, die mich vor einer Informationsüberflutung schützen.

Einige Beispiele zu der genannten Vorgehensweise befinden sich in der Präsentation “Ein Tag an meinem Wissensarbeitsplatz”.

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