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Euer Input zur Wissensmanagement-Norm ist gefragt: ISO/DIS 30401 Knowledge Management Systems

Gerade ist in der International Organization for Standardization (ISO) ein Prozess im Gange, um eine Wissensmanagement-Norm mit dem Titel ISO 30401 Knowledge Management Systems – Requirements zu veröffentlicht. Federführend ist das Technical Committee (TC) 260 Human Resources Management. Der aktuelle Status ist “Draft International Standard” (DIS) und es wird über die nationalen Normungsinstitute Feedback eingesammelt. Über die BSI Group kann man den aktuellen Stand einsehen und zu allen Passagen der Norm Kommentare abgeben.

Um Euch ein bisschen neugierig auf die Norm zu machen, hier der Auszug mit den “Guiding Principles”:

  1. NATURE OF KNOWLEDGE: knowledge is intangible and complex. Knowledge primarily originates from human experience and insights.
  2. VALUE: knowledge is a key source of value for organizations to meet their objectives. The determinable value of knowledge is in its impact on organisational purpose, objectives, policies, processes and performance. Knowledge management is a means of unlocking the potential value of knowledge.
  3. FOCUS: knowledge management serves the organizational objectives, strategies and needs.
  4. ADAPTIVE: There is no one knowledge management solution that fits all organizations within all contexts. Organizations may develop their own approach to the scope of knowledge and knowledge management and how to implement these efforts, based on the needs and context.
  5. SHARED UNDERSTANDING: people create their own knowledge by their own understanding of the input they receive. For shared understanding, knowledge management should include interactions between people, using content, processes, and technologies where appropriate.
  6. ENVIRONMENT: knowledge is not managed directly; knowledge management focuses on managing the working environment thus nurturing the knowledge lifecycle.
  7. CULTURE: culture is critical to the effectiveness of knowledge management.
  8. ITERATIVE: implementation of knowledge management should be phased, incorporating learning and feedback cycles.

Klingt doch schon mal gar nicht schlecht, oder? Wenn Ihr Lust und Zeit habt, klinkt Euch gerne in den Feedback-Prozess ein, damit wir am Ende einen tollen Standard für das Wissensmanagement erhalten!

Falls Ihr Euch auch für das Thema Prozessorientiertes Wissensmanagement im Rahmen der ISO 9001:2015 interessiert, dann empfehle ich Euch diese Webinar-Aufzeichnung vom 12.05.2017:

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

Wissensmanagement und die ISO 9001 – Treffen beim VDI in Düsseldorf

Heute fand in der Zentrale des Vereins Deutscher Ingenieur (VDI) in Düsseldorf das Treffen des VDI Fachausschuss 110 Wissensmanagement im Engineering statt. Als Gast hatten wir Hr. Hoffmann vom TÜV Nord Cert, um über die neuen Anforderungen an das Wissensmanagement aus der Management-Norm ISO 9001:2015 und die Kompatibilität mit der VDI Richtlinie 5610 Wissensmanagement im Ingenieurwesen: Grundlagen, Konzepte, Vorgehen zu sprechen.

Wir wollten herausfinden, wie sich das Thema Wissensmanagement aus Sicht eines Zertifizierers und Auditierers darstellt. Nach Aussage von Hr. Hoffmann sorgen Managementsystem für “Mehrwissen und Mehrwert” durch Messung & Analysen, Erkennen & Reduzieren von Risiken, Vermeiden von Verschwendungen, Erkennen & Nutzen von Chancen, Verbesserungsmaßnahmen und Erhöhung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Die Bedeutung von Wissen wurden gleich in den ersten Folien anhand des folgenden Zitats deutlich:

Da Deutschland mehr zu einem Wissensstandort geworden ist, wird klar, welche Bedeutung Wissen und WM für die Qualität der Lösungen und Zukunftsfähigkeit hat.

Ziel des Audits ist ein objektiver Nachweis über die Wirksamkeit das Managementssystems. Auditieren ist dabei in erster Linie ein Feedback-Mechanismus. Es wird verifiziert, dass die definierten Elemente des Managementsystems exisiteren, verwirklicht werden und wirksam sind. Das geschieht z.B. durch Sammlung von Nachweisen in Form von Interviews, Untersuchung von Dokumentation und Produkten, Beobachtung von Tätigkeiten sowie das Beobachten von Bedingungen und Ergebnissen.

Die Norm erwartet, dass sich die Organisation mit den potentiellen Risiken und Veränderungen auseinander setzt. Die Norm sagt aus Hoffmann’s Sicht über Wissen:

  • Wissen ist organisations- und ggf. prozessspezifisch.
  • Wissen muss aufrechterhalten werden.
  • Wissen muss in erforderlichem Umfang zur Verfügung gestellt werden.
  • Wissen muss sich ändernden Erfordernissen angepasst werden.

Der Zertifizierer/Auditor sucht nach Nachweisen, dass und wie die Organisation den möglichen Risiken und Veränderungen Rechnung trägt, damit die Qualität und Konformität der Produkte und Leistungen sichergestellt wird. Beispielsweise werden folgende Zielgruppen befragt:

  • Top Management: Ressourcenplanung, Übersicht der Know-How-Träger, Übersicht externer Entwicklungspartner und Lieferanten, Lizenzgeber
  • Personalabteilung: Gap-Analysen, Schulungsplanung, Qualifikationsmatrix, Skill-Datenbank, Liste künftiger Pensionäre, Personalpläne, Einstellungspläne, Schulungspläne, Stellenbeschreibungen, Stellenausschreibungen
  • Prozessverantwortliche: Einarbeitungspläne, Übergabepläne und -programme (Patenschaften), Spezifikationen, Wikis, FMEA, Reklamationsdatenbank, CRM-Datenbank
  • Mitarbeiter (in ihrer Rolle als Wissensträger): Interviews (“Wie geht man eigentlich mit Ihnen um?”), Vertretungsregelungen, Nachfolgeregelung

Aus Sicht des TÜV Nord können im Audit beispielsweise folgende Fragen gestellt werden:

  • Welches derzeitige und künftige Wissen ist erforderlich (Kontext & Strategie)
  • Welches Wissen wird an welcher Stelle benötigt (Bedarfsanalyse)?
  • Welches Wissen ist an welcher Stelle in der Organisation vorhanden?
  • Gibt es in der Organisation bereits Wissensdefizite/Engpässe (Welche, Wo) und gibt es Risiken Wissen zu verlieren (Welche)?
  • Wie wird das Wissen in der Organisation aufrechterhalten und wie wird neues Wissen aufgebaut (Methoden und Instrumente)? Wie wird den Risiken entgegen gewirkt? Gibt es ein übergeordnetes Wissensmanagement?
  • Wie wir das Wissen in der Organisation den betreffenden Mitarbeitern zugänglich gemacht und vor unberechtigtem Zugriff geschützt?
  • Gibt es Prozesse, Ressourcen und Instrumente dafür? Welche? Wer ist dafür verantwortlich und ggf. noch daran beteiligt? Wie läuft die Kommunikation und wie wird die Wirksamkeit überwacht?
  • Wie ist die obere Leitung eingebunden?
  • Dokumente (Standards, Spezifikationen, VA/AA, Profile etc.)

Im folgenden erläuterte Herr Hoffmann anhand einiger Vergleiche zwischen VDI 5610 und ISO 9001, wie man anhand der Elemente der VDI-Richtlinie die Forderungen der ISO 9001 erfüllen kann. Er gab konkrete Beispiele wie die Bausteine “Bestimmung der Wissensbedarfe” und “Kernaktivitäten des Wissensmanagements” aus Sicht des Zertifizierers noch weiter verbessert werden können.

vdi-5610-bestimmung-wissensbedarfe

Bestimmung der Wissensbedarfe (Quelle: VDI-Richtlinie 5610)

 

vdi-5610-kernaktivitaeten-des-wm

Kernaktivitäten des Wissensmanagements ( Quelle: VDI-Richtlinie 5610)

Am Nachmittag des Fachausschuss-Treffen haben wir beschlossen, im Jahr 2016 ein “Benchlearning-Projekt Wissensmanagement und ISO 9001:2015” durchzuführen. Ziel ist, gemeinsam mit Verantwortlichen von Prozess-/Qualitätsmanagsmanagement und Wissensmanagement ISO-9001-konforme Ansätze für die Praxis herauszuarbeiten. Wir haben eine erste Version eines Projektflyers erstellt und werden auf der Knowtech 2016 in Hanau beginnen, erste Unternehmen zwecks Teilnahme anzusprechen. Die Projektlaufzeit wird von März bis Oktober 2016 sein, die Teilnehmerzahl ist auf 7-8 Unternehmen begrenzt.

Zusätzlicher Tipp: Viele Ideen und Gedanken aus dem Fachausschuss-Treffen haben mich an Inhalte aus unserem Whitepaper “Prozessorientiertes Wissensmanagement” erinnert, das wir im Jahr 2004 veröffentlicht haben. Darin wurden in diesem Zusammenhang z.B. Wissenslandkarten, Wissensstrategie-Prozesse und Wissensmatrizen vorgestellt.

cogneon-whitepaper-powm-2004

Aktuell überarbeiten wir dieses Whitepaper in Vorbereitung auf den nächsten Knowledge Jam zum Thema “Wissensmanagement und ISO 9001 am 26.11.2015 in Nürnberg grundlegend. Es wird dann mit der neuen Version der ISO 9001 vollständig kompatibel sein und die Menge an Instrumenten und Werkzeugen des Wissensmanagements an den Anforderungen der Management-Norm spiegeln.

Die Plätze für den Jam sind begrenzt, wer Interesse hat, kann sich jetzt schon über Xing Events anmelden.

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.

Episoden

M2P013 14 Jahre Wissensmanagement bei Schaeffler

avatar Paul Seren
avatar Simon Dückert

In dieser Episode des Podcast spreche ich mit Paul Seren, der in den vergangenen 14 Jahren das Wissensmanagement in dem Maschinenbau-Unternehmen Schaeffler in Herzogenaurach aufgebaut hat.

Vorstellung Paul Seren / Geschäftsleitung COI / Ausgangspunkt 1999: IT und Informationsverteilung / Wissen ist mehr als Dokumente / Abteilungen für Wissensmanagement und Innovationsmanagement / Erster Schwerpunkt: Intranet / Inhalte und(!) Personen finden / Ansprechpartnersuche und Expertise Location / Schwarzes Brett als “Aktivitätenstrom” auf der Startseite / Beteiligung von mittlerem und Top-Management / Communities of Practice (CoP) bei Schaeffler: Networks of Competence (s.a Wissensmanagement in der Schaeffler Gruppe, S. 15ff.) / Aktuell ca. 150 NoCs/ Vorsitzender der Geschäftsleitung als Treiber / Integration von Wissen in die Bewertungskriterien der Mitarbeiter (Wissen weitergeben, aufnehmen und Freiraum geben) / Integration Wissensmanagement in Management-Trainings / Demografischer Wandel / Expert Debriefing bei Schaeffler 2004-2005 (s.a. Wissenstransfer und organisationales Lernen mit Expert Debriefing und Wikis) / Terminologiemanagement /  / Schaeffler Wiki (s.a. Erfahrungsbericht Schaeffler Wiki) / Erfolgsfaktor Wiki Anwendungsfälle / Schaeffler Wissensforen als offenes Veranstaltungsformat für den Wissensaustausch / Lessons Learned Workshops zur Reflexion von Erfahrungen in Projekten (s.a. Lessons Learned in der Schaeffler Gruppe) / Reifegrade des Wissensmanagement bei Schaeffler (s.a. Buchartikel von Paul in Wissensmanagement beflügelt) / Lernende Organisation Lebenslanges Lernen als A und O / 5 Thesen zum Wissensmanagement der Zukunft / Nächste Schritte bei Schaeffler / Wissensmanagement in der ISO/DIN 9001 als Instrument der “Beflügelung”

Scholarch der Cogneon Akademie. Von der Ausbildung Dipl.-Ing. Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitale Nachrichtentechnik. Ich brenne für Lernende Organisationen, Wissensmanagement, New Work und Lebenslanges Lernen. Mitglied in Corporate Learning Community, Gesellschaft für Wissensmanagement, Chaos Computer Club uvm. Weiterer Podcast unter http://knowledge-on-air.de.