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Wenn man sich mit einem Thema wie Enterprise 2.0 beschäftigt, wie das z.B. aktuell im Enterprise 2.0 MOOC geschieht, sollte man sich zunächst auf eine Definition bzw. ein gemeinsames Begriffsverständnis einigen. Dazu ein kurzer Blick in die Historie. Der Begriff Web 2.0 wurde im Jahr 2004/2005 durch den Verleger Tim O'Reilly bekannt gemacht, der seine Sicht auf die neue Nutzungsform des Webs in dem Artikel What is Web 2.0? beschreibt. Wichtige Aspekte darin sind die tabellarische Gegenüberstellung zwischen Web 1.0 und Web 2.0 (z.B. Britannica vs. Wikipedia, persönliche Hompages vs. Weblogs), die Web 2.0 Meme Map, das Prinzip der Nutzung kollektiver Intelligenz, die Hervorhebung der Bedeutung von Daten (“Data is the Next Intel Inside”) sowie eine Liste von acht Web 2.0 Design Patterns, zu denen auch der Long Tail und User Generated Content gehören.

 

Andrew McAfee, Direktor des Center for Digital Business am MIT, übertrug die Grundidee des Web 2.0 auf Unternehmen und beschrieb seine Sicht in dem 2006 veröffentlichten Artikel Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration. Darin führte er das SLATES Meme ein (Search, Links, Authoring, Tags, Extensions, Signals), benannte zwei “ground rules” von Enterprise 2.0 (Ease of Use, Nutzungsoffenheit) sowie die wichtige Rolle von Führungskräften. Als kleine Randnotiz kann man noch anführen, dass McAfee das Ende von “Knowledge Management Systems” durch Enterprise 2.0 zu einer Zeit prognostiziert, als der Disziplin Wissensmanagement längst klar war, dass es so etwas wie Wissensmanagementsysteme gar nicht gibt. Systeme sind immer nur Teil der Infrastruktur, ob dadurch Wissen generiert, transferriert oder dokumentiert wird, hängt maßgeblich von der Motivation der Nutzer und den Rahmenbedingungen im Unternehmen ab.

In dem genannten Artikel war keine klare Enterprise-2.0-Definition enthalten, sondern nur die Umschreibung “I use the term Enterprise 2.0 to focus only on those platforms that companies can buy or build in order to make visible the practices and outputs of their knowledge workers”. Später brachte McAfee in seinem Blog zwei Versionen von Definitionen:

  1. Enterprise 2.0 is the use of emergent social software platforms by organizations in pursuit of their goals.
  2. Enterprise 2.0 is the use of emergent social software platforms within companies, or between companies and their partners or customers.

Mittlerweile gab es auch Versuche, Definitionen zu erstellen, die nicht auf die technischen Werkzeuge abzielen, sondern den übergeordneten Nutzen der Werkzeuge für Wissenstransfer und Lernen herausstellen. Dazu gehört z.B. “Ein Enterprise 2.0 ist eine Lernende Organisation, die ihre Ziele durch lernförderliche Handlungsmuster und den Einsatz von sozialen Medien erreicht” im GfWM Positionspapier Wissensmanagement und Enterprise 2.0 (englisch). Eine wichtige Erkenntnis in der Erarbeitung des Positionspapier war aus meiner Sicht, dass man Enterprise 2.0 nur “werden” und nicht “einführen” kann. Trotzdem bin ich mittlerweile überzeugt, dass die Ankopplung an das Konzept der Lernenden Organisation für einen Großteil der Zielgruppe zu abstrakt und zu wenig greifbar ist. Daher schlage ich für den Enterprise 2.0 MOOC folgende Definition vor, die eine deutschsprachige Zusammenführung der beiden Definitionen von McAfee darstellt:

Enterprise 2.0 beschreibt den Einsatz sozialer Medien in Unternehmen, sowie zwischen Unternehmen, Partnern und Kunden, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Dabei finde ich “Soziale Medien” griffiger, als eine wörtlichere Übersetzung von “emergent social software platforms”. Die beiden Definitionen habe ich zusammengeführt, da mir sowohl der organisationsübergreifende Aspekt (“within companies, or between companies and their partners or customers”), als auch der Strategiebezug (“in pursuit of their goals”) bei Enterprise-2.0-Ansätzen wichtig sind.

P.S. die aus “Social Software” abgeleitete Begriffe (z.B. Social Enterprise, Social Business) nutzen wir insbesondere im deutschen Sprachraum nicht, da das soziale Unternehmen hier ganz anders belegt ist.