So war mein 32C3

Wie jedes Jahr fand in den vier Tagen zwischen Weihnachten und Sylvester wieder der mittlerweile 32. Chaos Communication Congress (#32c3) statt. Dieses Mal kamen mehr als 12.000 Besucher ins CCH nach Hamburg und mehr passen da auch nicht rein. Thema des Kongress war “Gated Communites”, eine Kritik an den geschlossenen Ökosystemen im Netz, die die Bequemlichkeit von Menschen ausnutzt und sie von kritischem Denken und eigenem Schaffen abhält (Botschaft: seid nicht nur Otto-Normal-Facetuber!).

Wenn in den Medien über Hacker berichtet wird, hat das oft eine kriminelle Note. Doch gerade den Sicherheitsforschern und Hackern im Chaos Computer Club (CCC) ist ihre Hackerethik sehr wichtig. Und im Prinzip ist der Kongress auch in seinem 32. Jahr noch sehr ähnlich, wie die Tagesschau schon 1984 zu berichten wusste – nur viel größer.

In der öffentlichen Wahrnehmen kommen vom Kongress meist nur ganz kleine Ausschnitte an, z.B. der BTX-Hack, der iPhone-Hack oder der EC-Karten-Hack. Doch der Kongress ist viel mehr. Zum einen gibt es da das Vortragsprogramm, das natürlich auch als App verfügbar ist. Es gliedert sich in CCC-bezogene Vorträge (z.B. Jahresrückblick des Vereins) und sieben weitere Vortragskategorien (Art & Culture, Entertainment, Ethics & Society & Politics, Hardware & Making, Science, Security, Failosophy). Im Bereich Ethik gab es z.B. einen sehr ausführlichen Beitrag über die technischen Hintergründe des Dieselgate-Skandals von Volkswagen. Mein persönlicher Favorit in diesem Jahr war der Beitrag “Computational Meta-Psychology” von Joscha über künstliche Intelligenz und menschliche Rationalität.

Die zweite Hälfte des Kongress stellen die Assemblies dar, deren Fläche ungefähr genauso groß ist, wie die Vortragsräumlichkeiten. Die verschiedenen CCC Erfas, Hackerspaces oder Projektgruppen melden Assemblies für den Kongress an und bekommen entsprechend Fläche zugeteilt. Viele TeilnehmerInnen ordnen sich einer Assembly zu, die dann für sie als eine Art “home base” für den Kongress fungiert. Ich habe mich dieses Jahr dem Sendezentrum zugeordnet, der Assembly für PodcasterInnen. Dort habe ich über die Tage das Podcast-Schneiden mit Reaper gelernt und die Startseite des Management 2.0 Podcast mit Podlove-Templates an die Struktur des Forschergeist. Im Gegensatz zu den Vorträgen findet man an den Tischen der Assemblies immer ExpertInnen, die einem unkompliziert bei den eigenen Hacking-Vorhaben helfen können. Auf der Bühne des Sendezentrums waren auch einige Live-Podcasts zu verfolgen, z.B. Not Safe for Work, Logbuch:Netzpolitik, Freakshow und Puerto Patida. Besondors gefreut hat mich, dass Nicolas und Reinhard von Methodisch inkorrekt, die noch vor wenigen Wochen ihr Hörertreffen bei uns in der Akademie gemacht haben, als erster Podcast auf dem Kongress einen der Vortragssäle bespielt (und gerockt!) haben.

 

Das CCC VOC (Video Operation Center) hatte wieder massive Technik aufgefahren, um die Vorträge aus allen Sälen und dem Sendegate live und kostenfrei zu streamen. Die Aufzeichnungen stehen auf media.ccc.de und auf YouTube bereit. Wer ein bisschen über das lebendige Treiben neben den Vorträgen erfahren möchte, dem empfehle ich die Podcasts Küchenradio KR287 Chaos Communication Congress 2015, radiomono RMN034 #32C3 Lieblingsplätze und Kulturkapital KK022 Jugend hackt über das OKFD-Projekt Jugend hackt.

Genug Material also für die kommenden Monate. Und für alle, die sich für den kreativen Umgang mit Technik interessieren empfehle ich, sich den 27.-30.12.2016 schonmal zu reservieren, da ist nämlich #33c3 in Hamburg. Grund genug, die eigene “gated community” zu verlassen und einen Blick über den Tellerrand zu wagen!

 

Autor: Simon Dückert

Berater, Coach und Geschäftsführer bei Cogneon

2 Gedanken zu „So war mein 32C3“

  1. Next to being there!

    Danke, lieber Simon, für Deine Eindrücke und die Mühe, die es demjenigen, der nicht dabei war, möglich macht, sich zu orientieren. Das hast du ja schön öfter gemacht und für das abgelaufene Jahr, wo ich einige Zusammenfassungen von Dir bereits gelesen habe, nochmal herzlichen Dank. Werde versuchen, mich zu revanchieren, bei Veranstaltungen, die ich besuche.

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