Der 19. Blog Carnival von Andrea Back und Jochen Robes hat das Thema “Welches neue Lernformat hat Dich zuletzt begeistert?”. Der Eröffnungsbeitrag hat EduCamp genannt, eine Un-Konferenz zum Thema Weiterbildung. Da in vielen Kreisen “Konferenz vs. Un-Konferenz” als eine Entweder-Oder-Entscheidung diskutiert wird, würde ich gerne eine Lernerfahrung beisteuern, dass es vielleicht auch ein Sowohl-Als-Auch gibt.

Zunächst einmal aus meiner persönlichen Sicht die Unterschiede zwischen einer Konferenz und einer Un-Konferenz:

Konferenz Un-Konferenz
Auswahl der Beiträge Durch ein Programmkommittee Durch die Teilnehmer
Beginn der Veranstaltung Am Tag der Konferenz Monate vorher durch den Einsatz sozialer Medien (z.B. Wiki oder Netzwerk auf mixxt)
Einstieg in die Veranstaltung Einführung durch den Veranstalter, Keynotes Kennenlernen der Teilnehmer durch Vorstellungsrunde (Name und drei Tags, damit es schnell geht) und gemeinsame Erstellung des Programms
Während der Veranstaltung Programm ist fest vorgegeben Im Programm werden Slots freigelassen, falls sich aus einer Session Bedarf für eine weitere ergibt
Beitragsformate Meist Vorträge mit (zu kurzer) Fragerunde Vorträge, Ideen-Sessions, Live-Demonstrationen, Arbeitssessions, Diskussionsrunden, Panel-Diskussion (es gibt keine Einschränkungen)
Ende der Veranstaltung Alle gehen einfach nach Hause Gemeinsamer Abschluss mit Feedback-Runde
Dokumentation Konferenzband oder Proceeding gedruckt, als CDROM oder online verfügbar Sessions werden (teilweise) im Wiki oder in Blogs dokumentiert. Das ist meiner Meinung nach ein großer Nachteil von Un-Konferenzen.
Nach der Veranstaltung Meist kommt man nicht mal mehr dazu, Visitenkarten zu sortieren und Follow-Ups zu organisieren Begleitung des Nachgangs über soziale Medien

In 2008 fand die WikiSym in Porto/Portugal statt, eine Konferenz zum professionellen Einsatz von Wikis (Weblogs von damals in der Kategorie wikisym2008). Den Organisatoren ist es gelungen, eine aus meiner Sicht perfekte Symbiose aus Konferenz und Un-Konferenz. Das hat deswegen gut geklappt, weil die beiden Formate in einer Art zusammengeführt worden sind, die ich plakative “C-Shape-Design” nenne, d.h. das Konferenzformat ist durch das Un-Konferenz-Format wie mit dem Buchstaben “C” eingerahmt:

Das bedeutet, dass zu Beginn eine Vorstellungsrunde gemacht und das Programm des Un-Konferenz-Teils erstellt wird (Teil A). Das hat den großen Vorteil, das zu Beginn der Konferenz alle Teilnehmer Transparenz über die Inhalte in den Un-Konferenz- (Teil B1) und den Konferenz-Teil (Teil B2) haben. Die Veranstaltung wird durch eine gemeinsame Refklektion (Teil C) abgeschlossen. Durch den massiven Einsatz von Twitter kam es zu viel wechseln zwischen den beiden Konferenzzügen.

Eine kleine Anregung an Prof. Lehner von der Uni Passau, der im September die European Conference on Knowledge Management (ECKM)ausrichtet. Wollen wir nicht dieses C-Shape-Design für die ECKM verwenden und damit deutsch Event-2.0-Kompetenz demonstrieren? Wir würden gerne unterstützen :-)