Es gibt Themen, die lassen einen nicht mehr los. Bei mir ist es Wissensmanagement, der professionelle Umgang mit Wissen in allen Lebensbereichen. Angefangen hat es mit meiner Diplomarbeit beim Fraunhofer IIS, und seitdem brenne ich für die Frage, wie Menschen und Organisationen ihr Wissen teilen, weiterentwickeln und nutzen. Seit 1998 bin ich in diesem Feld aktiv, 2001 habe ich Cogneon mit gegründet. Und ich bin überzeugt: Wir stehen bei diesem Thema erst ganz am Anfang.
Ein Geburtstag, der uns etwas sagen will
Am 20. Oktober 1986 hielt Karl Wiig einen Vortrag, den man als Geburtsstunde des Wissensmanagements sehen kann. Am 20. Oktober 2026 wird die Disziplin also 40 Jahre alt. Vierzig Jahre Erfahrung, Methoden, Irrwege und Erfolge. Und trotzdem ist Wissensmanagement in vielen Organisationen immer noch ein Randthema.
Gleichzeitig läuft uns die Zeit davon. Bis 2036 verlässt die Generation der Babyboomer das Erwerbsleben, und mit ihr ein riesiger Schatz an Erfahrungswissen. Zur selben Zeit verändert Künstliche Intelligenz grundlegend, wie wir mit Wissen umgehen, mit neuen Möglichkeiten und neuen Risiken. 40 Jahre Wissensmanagement, 10 Jahre bis 2036. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das Menerva-Programm
Deshalb starte ich das Menerva-Programm, eine Initiative über zehn Jahre, die Wissensmanagement in Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Zivilgesellschaft verbreiten soll. Der Name ist eine Anspielung an das Apollo-Programm und an Minerva, die Göttin der Weisheit, in der Schreibweise der Etrusker. Es soll ein Programm werden, das uns so mitreißt wie der Aufbruch zum Mond, nur dass wir diesmal gemeinsam an einer Wissensrepublik bauen.
Die Charta der Wissensrepublik
Der erste sichtbare Baustein ist die Charta der Wissensrepublik: sieben Grundsätze, zu denen sich Einzelpersonen und Organisationen öffentlich bekennen können, von der Wissensallmende bis zum Satz „Wir bauen die Wissensrepublik. Und ich baue mit.“ Ab dem 20. Oktober kannst du sie online unterschreiben. Ich freue mich sehr, dass Prof. Leif Edvinsson, einer der Pioniere des Intellectual Capital, die Schirmherrschaft übernimmt und beim Kick-off eine Grußbotschaft sprechen wird.
Kick-off am 20. Oktober, 14:05 bis 14:55 Uhr, online
An diesem Tag treffen wir uns online. Ich fasse die Kernaussagen von Karl Wiigs Vortrag zusammen, stelle das Menerva-Programm vor, Leif Edvinsson spricht zur Charta, und dann seid ihr dran: Welche Aktivitäten sollten in den nächsten Jahren stattfinden, damit Wissensmanagement die Breite erreicht? Ich will eure Ideen hören, denn ein Programm für alle entsteht nicht am Schreibtisch.
Dieses Thema ist für mich eine Herzensangelegenheit. Wenn es dir auch so geht, oder wenn du es noch werden willst, dann sei dabei.
- Interview mit Menerva-Schirmherr Prof. Leif Edvinsson - 20. Oktober 2026
- Das Menerva-Programm 2036: 40 Jahre Wissensmanagement, 10 Jahre bis 2036 - 12. Oktober 2026
- Menerva-Programm 2036 - 5. Oktober 2026

Lieber Simon,
Glückwunsch zum Start des Menerva-Programms. Die Idee, KM mit einem Zehnjahreshorizont zum Durchbruch zu verhelfen, finde ich richtig und überfällig. Der Bezug auf Karl Wiig gefällt mir besonders, denn Wiig hat Wissensmanagement von Anfang an aus der Perspektive von Organisationen gedacht: Wissen als Ressource, die gezielt gesteuert wird, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Genau an diese Linie würde ich gern anknüpfen. Da ich am 20.10. leider nicht dabei sein kann, hier vorab mein Input aus Managementsicht:
1. KM braucht Ergebnisverantwortung.
Damit KM in die Mitte der Organisationen rückt, müssen Wissensmanager:innen von Enablern zu Manager:innen werden, die sich an konkreten Ergebnissen messen lassen: schnellere Projekte, weniger Doppelarbeit, verlässlichere Entscheidungen. Das Programm würde enorm gewinnen, wenn es dafür Erfolgskriterien definiert, die auch ein CFO versteht.
2. Wissen als Asset steuern.
Der Abgang der Babyboomer bis 2036 ist zuallererst ein Geschäftsrisiko. Organisationen sollten kritisches Wissen so steuern wie andere Assets auch: identifizieren, priorisieren, absichern und als nutzbares Produkt bereitstellen („Knowledge-as-a-Product“).
3. KI macht KM zur Infrastruktur.
Jedes KI-System ist nur so gut wie der Knowledge Layer darunter: kuratiertes, kontextualisiertes, governance-fähiges Wissen. Konzeption und Governance dieses Layers sind originäres KM-Handwerk. Ein mögliches Programmziel: Bis 2036 ist der Knowledge Layer in Organisationen so selbstverständlich wie heute ein ERP-System.
Kultur und Haltung bleiben wichtig. Den Durchbruch wird KM aus meiner Sicht aber dort schaffen, wo es Organisationen nachweislich besser liefern lässt. Gerade zur Managementperspektive und zum Knowledge Layer für KI bringe ich gern Erfahrungen aus der Praxis ein.
Viel Erfolg beim Kick-off!
Michael
Super, danke dir, habe das in der Community mal mit eingebracht und im Kick-off kam das Thema auch auf.