#cl20 Offene vs. geschlossene Lernsysteme

Da ich im Corporate Learning 2.0 MOOC in der letzten Woche Unternehmenspate von Festo war, diese Woche der Abschluss unseres Benchlearning Projekts “Internes Community Management” und nächste Woche die Knowtech ist, habe ich leider diese Woche nicht viel Zeit für den MOOC. Auf der Heimfahrt von Ingolstadt gestern habe ich es gerade so geschafft, mir die Audio-Version des Mitschnitts der Wocheneröffnung vom Montag anzuhören.

Thema der Woche ist offene vs. geschlossene Lernsysteme. Aus der Eröffnung entnehme ich, dass es dabei hauptsächlich um die Unterscheidung “Zugang zu Lerninhalten mit vs. ohne Login” und die Konsequenzen, die sich daraus für Messung und Lernerfolgskontrolle ergeben geht. Durch Communities wie den Chaos Computer Club, openBIT (ehem. Open Source Business Foundation) und die Podcaster-Community bin ich inhaltlich und geistig sehr nah an der Open-Source-Geschichte und -Szene. Daher finde ich es wichtig, wenn man von “open” im Kontext des Lernens spricht, diesen Hintergrund mit einzubeziehen.

Im Bereich Open Source gab/gibt es eine lange Diksussion rund um die Begriffe open/libre/free (s.a. Wikipedia-Artikel Gratis vs. Libre). Da das dem 2.0 innewohnende Prinzip “Offenheit” sich ausgehend von Open Source in den 70ern verbreitet hat (Open Access, Open Education, Open Innovation, Open Data, Open Science, Open Hardware, Open Business etc.), lohnt sich meiner Meinung nach die Beschäftigung mit dieser Entwicklung. Wer etwas mehr Zeit dafür investieren möchte, dem empfehle ich den Film “Revolution OS” auf YouTube.

Die Open Source Initiative legt in Ihrer Open Source Definition zehn Kriterien für Open Source dar (Details of der OSI-Seite):

  1. Free Redistribution
  2. Source Code
  3. Derived Works
  4. Integrity of the Author’s Source Code
  5. No Discrimination Against Persons Or Groups
  6. No Discrimination Against Fields Of Endeavour
  7. Distribution Of License
  8. License Must Not Be Specific To A Product
  9. License Must Not Restrict Other Software
  10. License Must Be Technology Neutral

Ähnlich verhält es sich im Bereich Open Education. Aufbauend auf der Open-Source-Idee geht es nicht nur um freie Inhalte (Open Content), sondern auch um freie Software und freie Lizensen (z.B. Creative Commons). Vor diesem Hintergrund würde ich bei dieser Themenwoche eher von “Lernsystemen mit/ohne Login bzw. Personalisierung” sprechen, da der Begriff “offen” missverständlich sein könnte. Vielleicht könnten Claudia und Herr Ortmeyer aber in der Livesession am Freitag auf den Aspekt mal eingehen?

Da “Open Source” neben “Speed”, “Cities” und “Accelerated Growth” eine der vier Säulen der adidas Stragtegie 2020 ist, werde ich als Unternehmenspate versuchen, den Aspekt in der letzten MOOC-Woche (9.-13. November) aus Perspektive von adidas zu beleuchten.

Wissensmanagement und die ISO 9001 – Treffen beim VDI in Düsseldorf

Heute fand in der Zentrale des Vereins Deutscher Ingenieur (VDI) in Düsseldorf das Treffen des VDI Fachausschuss 110 Wissensmanagement im Engineering statt. Als Gast hatten wir Hr. Hoffmann vom TÜV Nord Cert, um über die neuen Anforderungen an das Wissensmanagement aus der Management-Norm ISO 9001:2015 und die Kompatibilität mit der VDI Richtlinie 5610 Wissensmanagement im Ingenieurwesen: Grundlagen, Konzepte, Vorgehen zu sprechen.

Wir wollten herausfinden, wie sich das Thema Wissensmanagement aus Sicht eines Zertifizierers und Auditierers darstellt. Nach Aussage von Hr. Hoffmann sorgen Managementsystem für “Mehrwissen und Mehrwert” durch Messung & Analysen, Erkennen & Reduzieren von Risiken, Vermeiden von Verschwendungen, Erkennen & Nutzen von Chancen, Verbesserungsmaßnahmen und Erhöhung von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Die Bedeutung von Wissen wurden gleich in den ersten Folien anhand des folgenden Zitats deutlich:

Da Deutschland mehr zu einem Wissensstandort geworden ist, wird klar, welche Bedeutung Wissen und WM für die Qualität der Lösungen und Zukunftsfähigkeit hat.

Ziel des Audits ist ein objektiver Nachweis über die Wirksamkeit das Managementssystems. Auditieren ist dabei in erster Linie ein Feedback-Mechanismus. Es wird verifiziert, dass die definierten Elemente des Managementsystems exisiteren, verwirklicht werden und wirksam sind. Das geschieht z.B. durch Sammlung von Nachweisen in Form von Interviews, Untersuchung von Dokumentation und Produkten, Beobachtung von Tätigkeiten sowie das Beobachten von Bedingungen und Ergebnissen.

Die Norm erwartet, dass sich die Organisation mit den potentiellen Risiken und Veränderungen auseinander setzt. Die Norm sagt aus Hoffmann’s Sicht über Wissen:

  • Wissen ist organisations- und ggf. prozessspezifisch.
  • Wissen muss aufrechterhalten werden.
  • Wissen muss in erforderlichem Umfang zur Verfügung gestellt werden.
  • Wissen muss sich ändernden Erfordernissen angepasst werden.

Der Zertifizierer/Auditor sucht nach Nachweisen, dass und wie die Organisation den möglichen Risiken und Veränderungen Rechnung trägt, damit die Qualität und Konformität der Produkte und Leistungen sichergestellt wird. Beispielsweise werden folgende Zielgruppen befragt:

  • Top Management: Ressourcenplanung, Übersicht der Know-How-Träger, Übersicht externer Entwicklungspartner und Lieferanten, Lizenzgeber
  • Personalabteilung: Gap-Analysen, Schulungsplanung, Qualifikationsmatrix, Skill-Datenbank, Liste künftiger Pensionäre, Personalpläne, Einstellungspläne, Schulungspläne, Stellenbeschreibungen, Stellenausschreibungen
  • Prozessverantwortliche: Einarbeitungspläne, Übergabepläne und -programme (Patenschaften), Spezifikationen, Wikis, FMEA, Reklamationsdatenbank, CRM-Datenbank
  • Mitarbeiter (in ihrer Rolle als Wissensträger): Interviews (“Wie geht man eigentlich mit Ihnen um?”), Vertretungsregelungen, Nachfolgeregelung

Aus Sicht des TÜV Nord können im Audit beispielsweise folgende Fragen gestellt werden:

  • Welches derzeitige und künftige Wissen ist erforderlich (Kontext & Strategie)
  • Welches Wissen wird an welcher Stelle benötigt (Bedarfsanalyse)?
  • Welches Wissen ist an welcher Stelle in der Organisation vorhanden?
  • Gibt es in der Organisation bereits Wissensdefizite/Engpässe (Welche, Wo) und gibt es Risiken Wissen zu verlieren (Welche)?
  • Wie wird das Wissen in der Organisation aufrechterhalten und wie wird neues Wissen aufgebaut (Methoden und Instrumente)? Wie wird den Risiken entgegen gewirkt? Gibt es ein übergeordnetes Wissensmanagement?
  • Wie wir das Wissen in der Organisation den betreffenden Mitarbeitern zugänglich gemacht und vor unberechtigtem Zugriff geschützt?
  • Gibt es Prozesse, Ressourcen und Instrumente dafür? Welche? Wer ist dafür verantwortlich und ggf. noch daran beteiligt? Wie läuft die Kommunikation und wie wird die Wirksamkeit überwacht?
  • Wie ist die obere Leitung eingebunden?
  • Dokumente (Standards, Spezifikationen, VA/AA, Profile etc.)

Im folgenden erläuterte Herr Hoffmann anhand einiger Vergleiche zwischen VDI 5610 und ISO 9001, wie man anhand der Elemente der VDI-Richtlinie die Forderungen der ISO 9001 erfüllen kann. Er gab konkrete Beispiele wie die Bausteine “Bestimmung der Wissensbedarfe” und “Kernaktivitäten des Wissensmanagements” aus Sicht des Zertifizierers noch weiter verbessert werden können.

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Bestimmung der Wissensbedarfe (Quelle: VDI-Richtlinie 5610)

 

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Kernaktivitäten des Wissensmanagements ( Quelle: VDI-Richtlinie 5610)

Am Nachmittag des Fachausschuss-Treffen haben wir beschlossen, im Jahr 2016 ein “Benchlearning-Projekt Wissensmanagement und ISO 9001:2015” durchzuführen. Ziel ist, gemeinsam mit Verantwortlichen von Prozess-/Qualitätsmanagsmanagement und Wissensmanagement ISO-9001-konforme Ansätze für die Praxis herauszuarbeiten. Wir haben eine erste Version eines Projektflyers erstellt und werden auf der Knowtech 2016 in Hanau beginnen, erste Unternehmen zwecks Teilnahme anzusprechen. Die Projektlaufzeit wird von März bis Oktober 2016 sein, die Teilnehmerzahl ist auf 7-8 Unternehmen begrenzt.

Zusätzlicher Tipp: Viele Ideen und Gedanken aus dem Fachausschuss-Treffen haben mich an Inhalte aus unserem Whitepaper “Prozessorientiertes Wissensmanagement” erinnert, das wir im Jahr 2004 veröffentlicht haben. Darin wurden in diesem Zusammenhang z.B. Wissenslandkarten, Wissensstrategie-Prozesse und Wissensmatrizen vorgestellt.

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Aktuell überarbeiten wir dieses Whitepaper in Vorbereitung auf den nächsten Knowledge Jam zum Thema “Wissensmanagement und ISO 9001 am 26.11.2015 in Nürnberg grundlegend. Es wird dann mit der neuen Version der ISO 9001 vollständig kompatibel sein und die Menge an Instrumenten und Werkzeugen des Wissensmanagements an den Anforderungen der Management-Norm spiegeln.

Die Plätze für den Jam sind begrenzt, wer Interesse hat, kann sich jetzt schon über Xing Events anmelden.

#cl20 MOOC: Rückblick auf die vierte Woche mit FESTO

Die Woche vom 12.-16.10.2015 mit Festo im Corporate Learning 2.0 MOOC war die erste Woche, in der ich als Unternehmenspate seitens der Corporate Learning Alliance gemeinsam mit Renate Aheimer, Eva-Maria Bruch und Benjamin Schaich von Festo aktiv war. In der Woche davor war ich auf dem Corporate Learning Camp (#clc15) in Frankfurt, wo ich mich um die Technik zur  Live-Übertragung der MOOC-Woche mit ÖAMTC gekümmert habe (s.a. Planungsdokument Technik). Außerdem habe ich über das CLC ein paar Stimmen gesammelt und daraus eine neue Episode des Management 2.0 Podcasts zusammengeschnitten.

Auf die Woche mit Festo habe ich mich sehr gefreut, da ich im Kontext Wissensmanagement und Lernende Organisationen schon sehr lange mit den Kollegen zu habe. Ein paar Links für alle, die sich für diese Themen bei Festo interessieren:

Die Woche des MOOCs hatten wir didaktisch in zwei Hälften geteilt. In der ersten Wochenhälfte sollten die Teilnehmer das Programm ProFIT (Professional Festo Industry Segment Training) zur Ausbildung von Vertriebsingenieuren verstehen. Da es sich dabei um ein komplexes Thema handelt, haben wir neben den Materialien (Folien, Video, Podcast) ein Forum zum Sammeln von Fragen bereitgestellt und diese in einer 30-minütigen Sprechstunde am Dienstag beantwortet.

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Sprechstunde über Adobe Connect, kein Input, nur Fragen beantworten

Die zweite Wochenhälfte war als Ideenwettbewerb gestaltet. Für den fiktiven Lerner “Sam” sollten Ideen für informelle Lernoptionen entwickelt werden, die das formale Programm ProFIT ergänzen. Für die in einem separaten Forum geposteten Ideen wurde auch der Badge der Woche vergeben. Hierbei kamen erstaunliche 68(!) Ideen zusammen. Vielen Dank an alle Ideengeber an dieser Stelle! Als kleines Dankeschön erhalten alle einen Schlüsselanhänger von Festo, die drei erstplatzierten eine signierte Ausgabe des Buchs HR Innovation (für alle anderen: hier gibt es das Buch unter Creative Commons Lizenz frei zum Download :-)

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Alle Ideen haben wir aus dem Forum in eine Tabelle übertragen, um in der Jury bei der Bewertung besser damit arbeiten zu können. Falls jemand die Tabelle weiterverwenden möchte, stellen wir sie als Google Doc (zum Kommentieren freigegeben, gerne Hinweise, Links etc. eintragen), Word-Dokument und PDF-Dokument bereit.

In einer Jury-Sitzung haben Renate und Eva-Maria ihre Favoriten bestimmt. Kriterien für die Auswahl waren die Umsetzbarkeit in der Vertriebsorganisation, die Neuartigkeit sowie der Quick-Win-Charakter des Ansatzes. Hier die drei Erstplatzierten aus Sicht der Jury von Festo (Nummern in Klammern sind die Nummern in der Ideen-Tabelle):

  • 1. Platz: “Leuchtturm Projekt” von Tanja Willers (Nr. 29)
  • 2. Platz: “Location- and Tag-based Learning” von Adrian Weidmann (Nr. 65)
  • 3. Platz: “Link Battle” von Christine Knieriemer (Nr. 39)

Parallel hatten wir eine Doodle-Umfrage bereitgestellt, in der auch alle MOOC-TeilnehmerInnen ihre Ideen-Favoriten bestimmen konnten. Zum Zeitpunkt der Blog-Erstellung haben 33 Personen abgestimmt. Das waren die platzierten Ideen:

  • 1. Platz (9 Stimmen): Communities of Practice (Nr. 3), Mentoring (Nr. 17)
  • 2. Platz (8 Stimmen): Lernpartnerschaft (Nr. 2), Lerncommunities (Nr. 9), Corporate MOOC (Nr. 12), Corporate Barcamp (Nr. 26), Unternehmenskultur der Wertschätzung (Nr. 27), Raum geben (Nr. 41)
  • 3. Platz (7 Stimmen): Bildungsdatenbank (Nr. 8)

Die nächste MOOC Woche wird von Miele mit dem Thema “LMS vs. öffentliche Plattform bestritten”. Montag um 14:00 Uhr wird es eine Livesession zum Auftakt geben, der Wocheabschluss am Freitag wird ab 14:00 Uhr live vom HRM Corporate Learning Forum in Berlin gestream. Ich habe Karlheinz Pape diese Woche noch einen kleinen Crashkurs in Streamingtechnik gegeben und drücke die Daumen, dass vor Ort auch alles klappt!

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Karlheinz Pape beim Crashkurs Livestreaming