Enterprise 2.0 Studien im Vergleich (2)

In diesem Post nehme ich weitere Studien in den Vergleich auf. Die folgende Abbildung stellt die jeweiligen Studien gegenüber:

Unbenannt

European Commission, “Enterprise 2.0 study”, abgerufen am 20. Januar 2012

DB Research, Enterprise 2.0 – Wie Unternehmen dass Web 2.0 für sich nutzen”, abgerufen am 20. Januar 2012

McKinsey, “The rise of the networked enterprise”, abgerufen am 20. Januar 2012

Bitkom, “Enterprise 2.0 – Analyse zu Stand und Perspektiven in der deutschen Wirtschaft”, abgerufen am 20. Januar 2012

Centrestage, “Enterprise 2.0 – Zehn Einblicke in den Stand der Einführung”, abgerufen am 20. Januar 2012

Enterprise 2.0 Studien im Vergleich

In diesem Post möchte ich zwei Enterprise 2.0 vergleichen – nämlich die Studien der DB Research und der Europäischen Kommission.

Aus der untenstehenden Darstellung wird ersichtlich, dass die EU Studie einen weitaus differenzierteren Überblick über die Nutzung von Web 2.0 im Unternehmen gibt. So analysiert sie nicht nur den Nutzen und die Ziele von Enterprise 2.0, sondern darüber hinaus auch den Markt, die unterschiedlichen Tools und gibt Handlungsempfehlungen für den Einführungsprozess.

Ein weiterer qualitativer Unterschied ergibt sich aus der Datenbasis, der den Studien zugrunde liegt: Während die DB Research Studie sich ausschließlich auf Sekundärquellen stützt, berücksichtigt die EU Studie neben einer qualifizierten und umfangreichen wissenschaftlichen Literatur, Fallstudien und Interviews.

Aufgrund des größeren Umfangs (99 vs. 16 Seiten), weist die Enterprise 2.0 Studie der europäischen Kommission eine größere Detailtiefe auf als die Studie von DB Research und empfiehlt sich als zusätzliche Literatur für Enterprise 2.0 Interessierte.

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European Commission, “Enterprise 2.0 study”, abgerufen am 20. Januar 2012

DB Research, “Enterprise 2.0 – Wie Unternehmen das Web 2.0 für sich nutzen”, abgerufen am 20. Januar 2012

Social Software for business performance

Viele der bisher veröffentlichten Studien zum Thema Enterprise 2.0 blicken oftmals aus einer IT Brille auf die Thematik. Das vorliegende Paper von Deloitte hingegen nimmt eine Managementperspektive ein.

Zurecht kritisieren die Autoren der vorliegenden Studie, dass der Erfolg von Enterprise 2.0 Initiativen bisher häufig mit Kennzahlen zum Nutzerverhalten und der Adoption Rate gemessen werden. Solche Kennzahlen stellen allerdings nur Indikatoren dar wohin die Reise geht.

Wenn es allerdings darum geht Resistenz gegenüber Enterprise 2.0 Initiativen auf Seiten von Mitarbeitern und des Managements effektiv zu begegnen, bedarf es eines Business Cases für den Einsatz von Social Media im Unternehmen.

Hierbei sollte man sich nicht nur auf allgemeine Potentiale beschränken, sondern vielmehr konkrete Probleme im Unternehmen aufdecken und deren mögliche Beseitigung durch spezifizierte Use Cases aufzeigen. Dabei geht es nicht um eine genaue ROI Betrachtung sondern vielmehr um konkrete Problemlösungsbeispiele auf unterster Ebene.

Dass sich Unternehmen mit Social Media / Enterprise 2.0 in der heutigen agilen und komplexen Wirtschaftswelt auseinandersetzen müssen steht außer Frage. Will man allerdings dass volle Potential an Möglichkeiten nutzen lohnt es sich genau zu analysieren welche Probleme Social Media im Unternehmen lösen kann.

Hierbei sieht Deloitte dass größte Potential bei wissensintensiver Arbeit, die abseits von routinemäßigen und vordefinierten Geschäftsprozessen stattfindet – überall dort wo Ausnahmen die Regel darstellen und erhöhter Koordinations- und Abstimmungsbedarf bereichsübergreifend besteht.

Das es in der Praxis auch anders geht zeigen die beiden in der Studie aufgegriffenen Beispiele der Unternehmen Alcoa und OSIsoft. Allerdings bleibt die Frage offen inwieweit und ob konkrete Messgrößen für den Großteil von Use Cases überhaupt erhoben werden können.

Unbenannt

Deloitte, “Social software for business performance – The missing link in social software: Measureable business performance improvements”, abgerufen am 19. Januar 2012

The rise of the networked enterprise

Die recht kurze McKinsey Studie (2011) blickt aus strategischer Perspektive auf die Thematik Enterprise 2.0. Hierbei wird zwischen drei Organisationstypen unterschieden.

  • Typ 1 nutzt Web 2.0 Technologien hauptsächlich innerhalb der Unternehmensgrenzen
  • Typ 2 nutzt Web 2.0 Technologien hauptsächlich für den Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern
  • Typ 3 nutzt Web 2.0 Technologien sowohl intern als in der externen Zusammenarbeit und Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern

Basierend auf einer Umfrage unter ca. 3300 Entscheidern in Unternehmen kommt die Studie zu der Kernaussage, dass vor allem Unternehmen des Typ 3 höhere Marktanteile sowie höhere Renditen erzielen. Zwar werden statistische Auswertungen zur Argumentation herangezogen, die kausale Wirkungskette kann meiner Meinung allerdings dadurch nicht ausreichend erklärt werden.

“McKinsey’s new survey research finds that companies using the Web intensively gain greater market share and higher margins.”

Konkrete operationale Use Cases werden nicht thematisiert, die unterschiedlichen “Business benefits” liefern aber wichtige Erkenntnisse welche grundsätzlichen Vorteile die Nutzung von Web 2.0 Technologien im Unternehmen ermöglichen. Davon ausgehend können Praktiker, abhängig von ihren konkreten Herausforderungen im Unternehmen, eben solche Use Cases besser konzipieren.

Unbenannt

McKinsey & Company, “The rise of the networked enterprise, abgerufen am 13. Dezember 2011

Cogneon Social Intranet Framework

Wir sind nun mittlerweile seit knapp zehn Jahren in die Gestaltung und Einführung sozialer Intranets involviert. Ab ca. 2003 begannen Firmen, soziale Elemente wie z.B. schwarze Bretter, Diskussionsforen und Weblogs in ihre Intranets aufzunehmen. Ab 2005 kamen Wikis, sowohl auf Unternehmens- als auch auf Teamebene, als neues Element hinzu. Seit zwei Jahren liegt die Einführung sozialer Netzwerke ("Corporate Facebook", "Enterprise Social Network", "Business Network") und von Video-Plattformen ("Corporate YouTube") im Trend. Aus dieser Entwicklungsgeschichte haben wir uns ein sog. Social Intranet Framework abgeleitet, das im Kern aus drei Elementen besteht:

  1. Modell mit den wichtigsten Elementen sozialer Intranets
  2. Ansatz zur übergreifenden Gestaltung der Informationsarchitektur (Benutzeroberflächen und Navigationsstrukturen)
  3. Vorgehensmodell zur Einführung und "Adoption" von sozialen Intranets

In diesem Blog möchte ich den ersten Teil des Frameworks mit den typischen Bestandteilen sozialer Intranets kurz vorstellen und erklären:

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  • Redaktionelles Intranet – kontrollierte, meist hierarchisch organisierte Inhalte, die von zentralen oder dezentralen Redaktionen bereitgestellt werden
  • Teamräume/Gruppen-Software – virtuelle Teamräume, in denen die Zusammenarbeit von Gruppen von Personen (z.B. Abteilungen oder Projekte) unterstützt wird (hierzu gehören auch Teamwikis)
  • Soziales Netzwerk – Mitarbeiter pflegen ihre Profile, vernetzen sich untereinander und informieren ihr Netzwerk durch Status-Updates (Microblogs) über aktuelle Tätigkeiten
  • Weblogs/Blogosphere – Mitarbeiter pflegen ihren eigenen Weblog (z.B. als persönliches Tagebuch, Ideenspeicher, Notizblock-Ersatz) und lesen Blogs anderer Mitarbeiter
  • Firmenwiki – ein großes Wiki für alle Mitarbeiter, in dem ähnlich dem Wikipedia-Ansatz alle Mitarbeiter lesen und schreiben dürfen
  • Persönliches Dashboard – persönlich anpassbare Benutzeroberfläche, die die Informationen der unterschiedlichen Quellen in Internet und Intranet für den Mitarbeiter bündelt
  • Suche – übergreifende Suchfunktion, mit der Mitarbeiter über die Systemgrenzen hinweg im gesamten Intranet suchen können
  • Tag Store – zentralisierter Bestand von verwendeten Schlagworten, die als Tags oder gar semantische Tags (sog. Triples) allen Systemen bereit gestellt werden können, um redundante Tags zu vermeiden

In unseren Web 2.0 Führerschein Workshops stellen wir immer wieder fest, dass es eine Weile braucht, bis Nutzer, die bisher sehr stark an E-Mail und Office-Dokumente gewöhnt sind, die Regeln dieser neuen Welt verinnerlicht und die entsprechende Medienkompetenz aufgebaut haben. Jede Einführung sozialer Intranets sollte also immer auch mit entsprechenden Maßnahmen zum Kompetenzaufbau in Breite flankiert sein.