Working Out Loud – 1. Treffen in Frankfurt am Main

Heute fand in Frankfurt am Main das erste Treffen der deutschsprachigen Working-Out-Loud-Szene statt. Raumsponsor ist die deusche Bank, die Organisation hat der Initiator der Webseite workingoutloud.de Jochen Adler übernommen. Der Begriff “Working Out Loud” (WOL) wurde von John Stepper (@johnstepper) geprägt, dessen Buch zum Thema in Kürze erscheint.

  
Der Untertitel “for a better carrer and life” der Webseite workingoutloud.com deutet an, dass es bei der Idee im Kern nicht um Altruismus, sondern um einen zentralen Erfolgsfaktor für Wissensarbeit im 21. Jahrhundert geht. Der Begriff WOL wurde urspünglich von Bryce Williams geprägt:

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

John hat für sich mittlerweile eine breitere Definition erstellt. Wenn er gefragt wird, sagt er:

Working Out Loud starts with making your work visible in such a way that it might help others. When you do that – when you work in a more open, connected way – you can build a purposeful network that makes you more effective and provides access to more opportunities.

Für den einzelnen Wissensarbeiter liegt der Nutzen also darin, das eigenen Netzwerk und den Möglichkeitenraum zu erweitern. Für alle anderen stiftet der veröffentlichte Inhalt möglicherweise zusätzlichen Nutzen. Der effekt ist also ähnlich wie beim Social Bookmarking, man speichert die Links im Netz statt im Browser, um überall und von allen Endgeräten darauf zugreifen zu können. Durch die öffentliche Verfügbarkeit der Links können andere quasi als “Abfallprodukt” profitieren.

Aus der Definition leitet John Stepper die fünf Elemente des WOL ab:

  1. Making your work visible – das kann beispielsweise durch Blogs, Microblogs und e-Portfolios geschehen
  2. Making work better – durch die Sichtbarkeit werden Feedback und Hilfestellung durch andere ermöglicht
  3. Leading with generosity – durch die authentische Beiträge steigt die Wahrscheinlichkeit, dass andere sich engagieren
  4. Building a social network – im Lauf der Zeit wächst das eigene Netzwerk und darin die Wahrscheinlich, sich gegenseitig zu helfen
  5. Making it all purposefull – WOL sollte man nicht “einfach so”, sondern mit einem klaren eigenen Ziel

Für die Verbreitung im deutschen Sprachraum wäre sicher auch eine Übersetzung von “working out loud” hilfreich. Harald Schirmer hat in seinem Blog “Über die Schulter blicken” vorgeschlagen. Aus zwei Gründen gefällt mir das noch nicht so richtig. Zum einen, weil es sich im Deutschen nicht nach einem Namen für eine Methode anfühlt und ich mir schwer vorstellen kann, dass es in den allgemeinen Sprachgebraucht übergeht (=ein Mem wird). Außerdem ist bei “Über die Schulter schauen” der aktive und der passive Teil vertauscht. Während bei WOL der Arbeitende aktiv ist, ist es beim über die Schulter schauen der Beobachtende und das bedeutet eine andere Art von Veränderungsprozess (z.B. Not-Invented-Here-Syndrom abbauen). 

In der Psychologie gibt es die Methode “Lautes Denken” um kognitive Prozesses der Beobachtung zugänglich zu machen. Vielleicht wären “Laut Arbeiten”, “Laut Arbeiten Digital” oder “Laut Arbeiten 2.0” Kandidaten? Bin gespannt auf die Ideen der anderen heute.

Meine Notizen habe ich in Form einer Mind Map geführt. Hier ein Auszug daraus:

  

Autor: Simon Dückert

Berater, Coach und Geschäftsführer bei Cogneon

3 Gedanken zu „Working Out Loud – 1. Treffen in Frankfurt am Main“

  1. Danke Simon für die Zusammenfassung. Ich stimme Deinem Kommentar zu “über die Schulter blicken” zu. Wesentliches Argument ist die Umkehrung von passiv/aktiv. Ich könnte mit wol leben. Wenn ich mir die Punkte von John ansehe, dann ist das auch sehr ähnlich zum PKM Konzept von Harold Jarche. Vielleicht lassen die sich verheiraten. Viele Grüße Hans-Jürgen

  2. Hallo Simon,
    Danke für Deine aktive Teilnahme heute und natürlich diese tolle, schnelle Zusammenfassung. Ich finde, obwohl anfangs durchaus skeptisch, dass am Titel “Working Out Loud” weil etabliert kaum ein Weg vorbeiführt. Prima fände ich, beispielsweise für ein Buchprojekt, einen auf den deutschen Kulturraum angepassten Untertitel, beispielsweise “Arbeiten im Netzwerk” oder “transparente, offene Zusammenarbeit”.
    Viele Grüße
    Jochen

  3. Hallo Simon,
    feine Ergänzung für das Konzept der “Lernenden Organisation”. Mich erinnert es stark an die gute, alte Lernpartnerschaft ergänzt um web 2.0 Komponenten. Ich würde daher für den deutschsprachigen Raum “Lernpartnerschaft 2.0” oder “Lernen im Netz” vorschlagen.

    Liebe Grüße,
    Angelika

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