Multiplikatoren-Netzwerke als erfolgversprechender Ansatz im Wissensmanagement

Seit vielen Jahren begleite ich nun das strategische Wissensmanagement mehrer Unternehmen. Das sieht in der Regel so aus, dass ein bis zwei Mal pro Jahr ein Wissensmanagement-Strategie-Workshop durchgeführt wird und es im Jahresverlauf kurze Reviews im Monats- oder Quartalstakt gibt (teils vor Ort, teils Telefon-/Webkonferenzen). In diesen Reviews ist meine Rolle die eines Wissensmanagement-Coach. Hier gilt es Tipps&Tricks zur Umsetzung aus der Praxis zu vermitteln und Kontakte zu anderen Organisationen zu vermitteln, die ähnliche Maßnahmen bereits umgesetzt haben (Good-Practice-Transfer).

Kunde in diesen Prozessen sind meist Wissensmanagement-Abteilungen auf Unternehmens- oder Bereichsebene. Die Verankerung dieser Abteilungen ist sehr unterschiedlich, was dem transdisziplinären Thema Wissensmanagement Rechnung trägt. Die Abteilungen, mit denen ich zu tun habe, gehören zu Forschung&Entwicklung, Personal, IT und Qualitätsmanagement.

Bisher sind diese Abteilungen meist als interne Dienstleister aufgestellt, d.h. es wird ein Portfolio von Wissensmanagement-Services definiert, die dann fest in Prozessen verankert (z.B. Lessons Learned Workshops ab einer gewissen Kritikalitätsstufe von Projekten) oder auf Nachfrage (z.B. Expert Debriefing bei Fluktuation, CoP-Support bei neuen Netzwerken) durchgeführt wurden.

In den vergangenen Jahren waren dazu mehrere Trends zu beobachten:

  1. Neue Technologien wie Blogs, Wikis, Soziale Netzwerke und Multimedia-Portale wurden eingeführt, was zu Bedarf bei der Einführungsbegleitung (Social Media Adoption) und Kompetenzaufbau bei neuen und bestehenden Rollen (Community Manager, Wiki Gärtner, Blogger, Führungskraft 2.0, allgemeine Medienkompetenz) führte.
  2. Im Bereich der Services wurden verstärkt Wissensmanagement-Beratungsprozesse definiert und erprobt, um für Abteilungen und Bereiche maßgeschneiderte Ansätze zu definieren. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass es im Wissensmanagement keinen one-size-fits-all Ansatz gibt.
  3. Zusätzlich war Bedarf für die Verbreitung des Wissensmanagement-Gedankenguts in der gesamten Organisation zu spüren. Das führte in mehreren Fällen zu Handlungsfeldern wie “Wissensmanagement-Marketing” oft im Nachgang verbunden mit Ressourcenengpässen aufgrund deutlich gestiegener Nachfrage.

Um der gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen müssten im Bereich Wissensmanagement zentral und vor allem auch dezentral deutlich Ressourcen aufgebaut werden. Das sehe ich aktuell aber leider eher unrealistisch. Die Disziplin ist noch nicht an einem Punkt, wie das Qualitäts-, Lean- oder Projektmanagement, wo die zur Umsetzung benötigten Ressourcen selbstverständlich(er) vorhanden sind. Gleichzeitig ist im Bereich der “soften Themen” im Unternehmen – wie z.B. Human Resources – generell eher ein Rückgang in der Bedeutung zu beobachten. Das macht ein deutliches Aufstocken von Wissensmanagement-Abteilungen in den nächsten Jahren eher unwahrscheinlich.

Eine große Chance besteht meiner Meinung nach darin, ein “Wissensmanagement-Geschäftsmodell” zu finden, bei dem man mit einer kleinen Anzahl Personen eine große Wirkung (impact, leveraging) erzielt. Und hier gibt es in meinem Augen einen recht vielversprechenden Ansatz.

  1. WM-Beratungsprozess – der bestehende Beratungsprozess wird so gestaltet, dass durch klare Fragestellungen für eine Abteilung oder ein Bereich erfolgsversprechende Methoden, Werkzeuge und Entwicklungsmaßnahmen identifiziert werden. Der Prozess sollte so aufbereit werden, dass Mitarbeiter diesen auch selber anwenden oder zumindest erste Schritte gehen können (z.B. Bosch Praxisleitfaden Wissensmanagement).
  2. WM-Toolbox – die Methoden und Werkzeuge aus dem Beratungsprozess werden so aufbereitet, dass sie leicht verstanden und bei entsprechenden Vorkenntnissen auch selber angewendet werden können. Dazu gehören z.B. eine attraktive (multimediale) Dokumentation sowie Hilsmittel und Vorlagen für die Durchführung.
  3. WM-Multiplikatorennetzwerk – in der Organisation werden über Bereichs-, Standort- und Hierarchiegrenzen hinweg Mitarbeiter akquiriert, die als Multiplikatoren fungieren wollen(!). Über einen Community-Ansatz wird dadurch eine Gemeinschaft von “Wissensmanagement-Botschaftern” entwickelt, ohne dass eine zentrale Abteilung über das notwendige Maß hinaus wachsen muss (z.B. Continental Guide Network). Mindestens eine Vollzeit-Ressource für Start und Entwicklung der Community sind jedoch für eine erfolgreiche Umsetzung vorzusehen.

Wer hat zu diesem Ansatz bereits praktische Erfahrungen oder möchte Ideen einbringen?

 

Autor: Simon Dückert

Berater, Coach und Geschäftsführer bei Cogneon

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